Wieder arbeiten, aber wie, wann und wo? oder Das „Verständnis“ einer Behörde!

Einleitung:

Wieso ich gerade auf diesen Titel komme? Ganz einfach: Ich soll schnellstmöglich wieder in Arbeit kommen, um nicht mehr auf den Staat angewiesen zu sein und wurde von meinem Berufsberater „eingeladen“, da unser Sohn jetzt 3 geworden ist und Kindergärten in unserer Stadt Kinder ab 3 Jahren aufnehmen. Und doch kann ich nicht so ohne weiteres arbeiten gehen, da wir keinen Kindergartenplatz bekommen haben, aber das führt auch schon wieder zum Titel zurück…

Ich würde aus verschiedenen Gründen gerne wieder arbeiten gehen. Zum einen, weil es zwar sehr schön ist gemeinsame Zeit mit unserem Sohn zu verbringen, ich aber auch mal wieder froh wäre über etwas anderes als Spielzeug, Frühförderung, Spaziergänge,.. zu reden und insbesondere auch gerne mal wieder andere Gesprächspartner hätte, als unseren Sohn, der noch mehr lautiert, als spricht und meinen Mann, dem ich zur Zeit auch mehr oder weniger immer das selbe erzählen kann. Weiterhin, weil es die Chancen tatsächlich nicht mehr vom Staat abhängig zu sein immens erhöhen würde und wir das eigentlich auch gar nicht wollen und einfach auch, um das Gefühl zu haben, dass ich etwas für „mein Geld“ (das es zur Zeit streng genommen ja nicht mal ist) getan habe.

 

Doch wie soll ich wieder arbeiten gehen?

Erstmal müsste die Betreuung unseres Sohnes sicher gestellt sein. Dazu hätten wir die Möglichkeit die Verhinderungspflege zu nutzen, die wir jedoch schon zu anderen Zwecken in Anspruch nehmen. Dann könnten ich versuchen eine Stelle mit so wenigen Stunden zu bekommen, dass ich unseren Sohn über die zusätzlichen Betreuungsleistungen betreut wüsste, doch das ist eher unwahrscheinlich und diese möchten wir auch nutzen, um abends mal was als Paar – also „nur“ als Mann und Frau und nicht Papa und Mama – unternehmen zu können. Und zuletzt hat meine Mutter angeboten dann auf unseren Schatz aufzupassen, der ich das aber nicht zumuten möchte, da sie unter anderem unter mehreren Bandscheibenvorfällen leidet und damit hat sie schon genug zu tun…

Mal angenommen ich hätte jedoch eine ausreichende Betreuung für unseren Spatz, so dass ich auch eine gewisse Stundenzahl arbeiten gehen könnte, bräuchte ich aber geregelte Arbeitszeiten, bzw. einen Einsatzplan für die gesamte folgende Woche, damit ich diese Zeiten rechtzeitig mit dem Babysitter absprechen könnte, was sich bei bestimmten Formen der Betreuung schon als zu kurzfristig herausstellen könnte. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich, da ich mangels abgeschlossener Ausbildung lediglich Helferstellen – also fast nur Stellen über Leihfirmen – annehmen könnte.

Das wird es dann schon schwierig machen eine passende Anstellung zu finde.

 

Doch dann stellt sich auch die Frage wann?

Wir haben – wie bereits geschrieben – keinen Kindergartenplatz für unseren Sohn für dieses Jahr mehr bekommen und zur Zeit sehen wir auch keine andere Möglichkeit einer Betreuung, die für uns in Frage kommt. Unser Sonnenschein, steht zwar weiterhin auf der Warteliste des Kindergartens, in dem wir ihn angemeldet haben – hierzu muss ich anmerken, dass er in einen integrativen Kindergarten gehen muss und es bei uns im Ort nur einen gibt – wird aber, so wie es zur Zeit aussieht, erst nächstes Jahr einen Platz bekommen. Die Kindergärten starten erst im August/September und dann muss man noch mit einem bis eineinhalb Monaten für die Eingewöhnungszeit rechen und ob ich dann – zu Beginn der Vorweihnachtssaison – was passendes finde, ist zweifelhaft. Somit werde ich vermutlich erst ab Januar 2014 intensiv auf Stellensuche gehen können.

 

Und zuletzt stellt sich dann noch die Frage nach dem wo – gemeint ist hier der Arbeitsbereich, denn örtlich, müsste es relativ nah gelegen und gut mit Bus und/oder Bahn zu erreichen sein.

Am Liebsten würde ich zwar wieder im Bereich Kasse,Verkauf tätig werden, was aber durch meine Notwendigkeit eine Woche vorher festgelegter Arbeitszeiten schwierig bis unmöglich wird. Lager- oder Produktionshelfer könnte ich mir zwar auch vorstellen, wäre in diesem Bereich aber nicht so besonders glücklich und muss dann auch vorher wissen um welche Art der Produktion es sich handeln würde, da ich zwar gut anpacken, aber noch lange nicht alles heben kann.

Auch Putzstellen kämen für mich in Frage, dort aber tatsächlich fündig zu werden, halte ich auch eher für unrealistisch, da ich in diesem Bereich nur eine Erfahrung in einem €1-Job vorzuweisen habe, was den meisten leider nicht ausreicht.

 

Das klingt zwar alles sehr negativ, zeigt aber leider nur meine momentane Situation auf. Ich versuche optimistisch in die Zukunft zu blicken, doch bei solchen Aussichten, ist das nicht immer leicht, insbesondere dann nicht, wenn ich dem Berufsberater das alles erkläre, er sieht, dass unser Sohn zu 80% behindert ist, Pflegestufe 2 hat und damit einen höheren Betreuungsbedarf und mir dann sagt ich könne ja 3 Stunden täglich arbeiten gehen. Ja wie denn bitte? Soll ich unseren Sohn vielleicht mit zur Arbeit nehmen, in mir auf den Rücken binden oder an der Decke aufhängen? Oder soll ich ihn allein zu Hause lassen, bis ich wieder da bin?

Dann wurde mir noch mitgeteilt, dass ich mich auf eventuell zugestellte Stellenvorschläge zu bewerben hätte, da es sonst zu einer Kürzung unserer Leistungen kommen könne.

Und anstatt dann wenigstens von der Regierung beschlossen wird die Kindertagesstätten weiter auszubauen, mehr Personal zu schulen und somit den Eltern, die staatlich dazu gedrängt werden schnellstmöglich wieder arbeiten zu gehen, wird ein Betreuungsgeld verabschiedet, dass Eltern finanziell belohnt, die ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreue, was die meisten Eltern, sofern es ihnen aus finanzieller Sicht möglich ist, in den meisten Fällen sowieso tun.

ARMES DEUTSCHLAND!

© S. Stolzenberg

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Published in: on 7. Juni 2012 at 02:01  Schreibe einen Kommentar  

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