In wie fern ich mir das Kind in mir bewahrt habe und warum ich dass so wichtig finde…

Einleitung:

Ich habe schon oft gesagt bekommen, dass ich in mancherlei Hinsicht kindisch sei und dazu kann ich nur sagen ja das bin, weil ich auch gerne mal albern bin und was mache, was vielleicht etwas anecken könnte, wie mit nicht zurechtgemachten Haaren vor die Tür zu gehen, denn ich möchte mich nicht immer und überall von der Meinung anderer abhängig machen, sondern ein glückliches selbstbestimmtes Leben führen und das gehört nun mal auch für mich dazu. Ich habe auch öfter gesagt bekommen ich sei manchmal wie ein Kind und solle das Leben ernster nehmen, aber ich möchte auch einfach mal durch frisches Laub laufen oder Seifenblasen beobachten.

Schon als Kind habe ich mir geschworen nie so ganz erwachsen zu werden und mir das Interesse an der Natur und den kleinen Dingen des Lebens zu bewahren. Ich wollte die Welt entdecken, neues sehen, hören, riechen und schmecken, aber trotzdem meine Fantasie bewahren. Das habe ich, wenn auch mit notwendigen Einschränkungen, auch geschafft!

Einschränkungen? In wie fern?

Ganz einfach: Ich gehe zum Beispiel sehr gerne barfuß – besonders im Wald – achte jetzt aber mehr darauf, ob auf dem Boden Dinge liegen, an denen ich mich verletzen kann. Das habe ich als Kind nur sehr wenig getan, da ich ein „Hans guck in die Luft“ war und mir auch noch nicht so sehr Gedanken darüber gemacht habe ob ich mich verletzen oder krank werden könnte…. Das tue ich heute mehr und seit ich Mutter bin nochmal etwas mehr, da ich nicht mehr „nur“ für mich eine Verantwortung trage.

Wie habe ich mir das kindliche bewahren können?

Vermutlich hat zwar auch meine Geschichte dazu beigetragen, dass ich das kindliche nicht verlieren wollte, da ich mir dadurch oft verboten habe Kind zu sein und unbeschwert zu spielen, aber das war es nicht am meisten.

Viel mehr hat – glaube ich – dazu geführt, dass ich nicht nur eine erwachsene Frau, sondern ein Stück weit auch noch Kind bin die Erziehung, die ich genossen habe, die Werte, die mir vermittelt wurden, aber auch meine Gene.

Warum das?

Mein Opa war ein sehr herzlicher, naturverbundener, aber auch sehr kreativer Mensch, dessen Kreativität und damit das fantasievolle Denken ich geerbt habe und er hat meiner Mutter und später auch mir immer wieder gezeigt wie schön und achtenswert die Natur mit ihren Tieren ist. Somit habe ich von meiner Mutter die Liebe zur Natur und zu den Tieren geerbt und vermittelt bekommen. Sie hat mir immer wieder die schönen Seiten der Natur näher gebracht und mir vermittelt wie wichtig diese sind – so war es für meine Schwester und mich immer beim Sommerurlaub ein Highlight, wenn wir Muscheln gesammelt oder im Meer kleine Tiere gefischt haben, die natürlich wieder frei gelassen wurden und das möchte ich auch gerne beim ersten Urlaub mit meiner eigenen Familie übernehmen.

Doch warum ist es mir so wichtig, dass ich das Kind in mir bewahren konnte und vermisse es bei manch anderen so sehr?

Für manch einen eine Frage ohne weitere Bedeutung. Für mich nicht, denn ich bin der Ansicht, dass jemand der auch kleine Dinge zu schätzen weiß und nicht verlernt hat auch mal etwas „unnormales“ zu tun sehr viel mehr in der Lage ist sein Leben zu genießen und auch mal abzuschalten, als jemand der immer überlegt wie sein Handeln auch andere wirkt und was hinter seinem Rücken über ihn gesagt werden könnte. Es sollte doch nicht zählen was andere denken, denn wir müssen in erster Linie erstmal mit uns selbst auskommen, bevor wir versuchen können mit anderen auszukommen. Es ist doch so: Wie kann ein gutes und ehrliches Verhältnis zwischen zwei Menschen entstehen, wenn die eine davon immer nur an die mögliche Reaktion des anderen denkt und somit oft sein eigenes selbst versteckt oder zurückhält? Gar nicht! Außerdem kann ich von einem Kind kein Interesse an der Natur, den Tieren und seiner Umgebung erwarten, wenn ich es ihm nicht vorlebe. Ein Kind dessen Eltern nicht auch mal in die Natur gehen und matsche, klettern, fühlen, können diesen Entdeckerdrang nicht von ihren Kindern erwarten. Und ein Kind ist immer auch Abbild seiner Umwelt.

Kind sein bedeutet ja auch erforschen, erkunden, neues ausprobieren und sich erst dann ein Urteil bilden und das ist auch auf den Umgang mit Menschen, die man erst mal kennen lernt übertragbar und auch hier ist es wichtig, dass die Eltern den Kinder dieses, wenn auch mit angebrachter Skepsis, vorleben.

Ein sehr schönes Zitat, das ich dazu gelesen habe lautet wie folgt:

„Wir müssen mehr oder weniger alle am Anfang eine Gehirnwäsche und Dauermanipulation ertragen, die sich Erziehung nennt. Danach wird man erwachsen genannt, was aber eigentlich erzogen meint. Denn das innere Wachstum steht damit noch am Anfang, endlich hat man die äußere Freiheit, sich innerlich wieder frei zu machen von den Ängsten und Schamgefühlen, die einem als Kind eingeimpft und aufgeprägt wurden. Erwachsensein ist heilbar, solange noch ein bischen „Kind“ überlebt hat.“
(http://www.gutefrage.net/frage/wieviel-kindsein-darf-man-sich-bewahren-wenn-man-aelter-wird geschrieben von Machtnix53)

Woran ich für mich feststelle, dass mir das Kindliche nicht verloren gegangen ist:

Bis heute faszinieren mich Seifenblasen, Regenbögen,… – eben alles was mit Lichtbrechung zu tun hat – ich laufe immer noch gerne barfuß du finde es einfach nur toll, wenn das Laub durcheinander wirbelt, weil ich dadurch gehe. Ich gehe noch öfter gerne nur im T-Shirt durch den Regen spazieren, um die Regetropfen auf meiner Haut zu fühlen und liebe es einfach nur im Gras zu liegen und die Wolken im Himmel anzuschauen oder abends in einen Sternenhimmel zu schauen und zu sehen wie mir ein Marienkäfer auf die Finger klettert und vielleicht sogar einen Moment sitzen bleibt und das alles mag ich so gerne, weil ich abschalten und einfach nur genießen kann! Das sind für mich Glücksmomente, die sich durch nichts vernünftiges ausgleichen oder aufwiegen lassen.

Am besten umschreibt es der Songtext „Ich wollte nie erwachsen sein (Nessaja)“ von Peter Maffay:

„Ich wollte nie erwachsen sein
hab‘ immer mich zur Wehr gesetzt.

(…)

Irgendwo tief in mir bin ich ein kleines Kind geblieben.
Erst dann
wenn ich’s nicht mehr spüren kann
weiß ich
es ist für mich zu spät
zu spät
zu spät.“

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Published in: on 1. September 2012 at 02:54  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Du hast es sehr nachvollziehbar und berührend geschrieben. In meiner Energiearbeit ist die Arbeit mit dem inneren Kind eine der Hauptsäulen. Sehr viele Erwachsene haben den Bezug zum inneren Kind (Teil in sich) gänzlich verloren und dies ist einer der Hauptursachen, die uns später enorme Schwierigkeiten bereitet. Es ist ein Teil des Lebens, der nicht gelebt wird. Ich würde deinen Artikel sehr gerne rebloggen, finde aber leider die Option dazu nicht?
    Ohne das Kind, das ihm hilft, sich ständig zu erneuern, würde der Mensch degenerieren
    -Maria Montessori-
    glg EviMariposa

    • Hallo Evi, ich weiß leider nicht wie ich die Möglichkeit zu rebloggen reinsetzt, aber Du darfst den Blog, wenn du mein Copyright übernimmst gerne kopieren und als neuen Artikel auf Deiner Seite einstellen. LG Sabrina


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