„Der Ruf nach Todesstrafe in Bezug auf Missbrauch an Kindern und Kindstötungen“ oder „Aus Ihnen sprechen Wut, Verzweiflung und Rachegefühle“

Einleitung:

Wenn es um Missbrauch an Kindern oder Kindstötungen geht, hört man sehr schnell Rufe nach der Todesstrafe oder Äußerungen welche Gewalt de Tätern angetan werden sollte, wobei die meisten selbst nicht bereit wären diese auch auszuüben.

Aber dazu muss ich mich beim Missbrauch erstmal damit befassen wie dieser zu definieren ist (dies werde ich hier nur sehr kurz tun, da ich in meinem Blog https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2012/02/25/%E2%80%9Ebleiben-missbrauchsopfer-ihr-leben-lang-opfer-oder-%E2%80%9Ewieso-aufklarung-so-wichtig-ist/ bereits ausführlich definiert habe):

Es gibt vier verschieden Formen des Missbrauchs:

  1. Der psychische Missbrauch; auch emotionaler oder seelischer Missbrauch.
  2. Der physische Missbrauch.
  3. Der sexuelle Missbrauch.
  4. Der rituelle Missbrauch.

Weiterhin muss ich mit den Begrifflichkeiten auseinander setzten, denn Begriffe wie „Kinderschänder“ und ähnliche sollten nicht verwendet werden, da dem Kind keine Schande zugefügt wurde, mit der es zu Leben hätte, sondern ihm wurde Gewalt angetan. Auch die Bezeichnung des „Opfers“ sollte vermieden werden, denn ein Opfer ist der Betroffene nur in der Situation des Missbrauchs! Die Bezeichnung kann Betroffene triggern (Trigger kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Auslöser.) und kann bei Betroffenen, die bisher nicht den Mut gefunden haben sich zu öffnen und über den Missbrauch zu sprechen dazu führen, dass sie dies auch weiterhin nicht tun, da sie denken man würde sie eh ein leben Lang als „hilflose“ Opfer betrachten, die immer Hilfe brauchen werden und kein richtiges Leben führen können“, aber das können sie sehr wohl mit der richtigen Hilfe und einem Umdenken unserer Gesellschaft!

Desweitern muss ich mich auch mit der Definition der Todesstrafe befassen, denn es gibt und gab  nicht „nur“ eine Form der Todesstrafe (hier werde ich die verschieden Formen nur benennen, aber nicht weiter ausführen -> wer dies möchte kann es unter später aufgeführter Quelle tun):

  1. Die Gaskammer
  2. Das Ertränken
  3. Die Kreuzigung
  4. Die Matzzatello
  5. Das Vierteilen
  6. der Feuertod, Scheiterhaufen
  7. Zu Tode gepresst
  8. Lebendig begraben
  9. Die Guillotine, Fallbeil, Enthauptungsmaschin
  10. Die Garotte
  11. Das Rädern
  12. Bei lebendigen Leib gekocht
  13. Die Steinigung
  14. Galgen, Hängen, Strangulieren
  15. Die Erschießung

Quelle hierzu: http://www.todesstrafe.de/hinrichtungsmethoden.html

Und wenn es um Straftaten geht, die mit dem Tode geahndet werden können, sind die Länder noch immer sehr kreativ: Diese beginnen mit Mord, Vergewaltigung, Landesverrat, Entführung, Veruntreuung, … und gehen bis zu Dingen wie Abfall vom Glauben, außerehelichem Sexualverkehr (wozu in manchen Ländern auch durchaus zählt vergewaltigt zu werden!) und Homosexualität. Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html

Unabhängig von den Begrifflichkeiten, sollte aber jemand der hinsichtlich einer Kindstötung oder des Missbrauchs an Kindern für die Todesstrafe ist auch bereit sein sich damit auseinander zu setzten was die Ansicht von Betroffenen ist und diese sprechen sie zu einem Großteil dagegen aus. Eine Umfrage dazu ist zum Beispiel auf folgender Seite zu finden, in der sich mehr als die Hälfte der Befragten gegen die Todesstrafe ausspricht: http://www.todesstrafe.de/index.php.

Die Wut, die Empörung und die Verzweiflung gegenüber solchen Taten sind menschlich und nachvollziehbar, aber für viele Opfer spricht einfach mehr gegen die Todesstrafe, als dafür.

Gründe die gegen die Todesstrafe sind folgende:

Es wird immer wieder gesagt, dass die Todesstrafe davor schützt, dass es weitere „Opfer“ gibt und das stimmt natürlich auch, aber 75% aller Missbrauchsfälle passieren im familiären Umfeld. Wie erklärt man aber einem Kind, dass z.B. seinen Erzeuger dennoch liebt, dass dieser zum Tod verurteilt wird, wenn das Kind darüber spricht was ihm angetan wurde? Gar nicht – das Kind würde nicht „nur“ aus Scham, sondern auch aus Verlustangst schweigen und vielleicht sogar weiter missbraucht werden und das Risiko, dass Fremdtäter ihre „Opfer“ töten würden, würde erhöht, da eine Aussage des „Opfers“ den Tod des Täters zur Folge hätte, ohne die Todesstrafe besteht aber zumindest die Chance, dass das Opfer lebendig aufgefunden wird.

Es wird auch immer wieder gesagt, dass der Täter nichts anderes verdient habe und kein Mensch mehr sei und natürlich hat er sich nicht menschlich verhalten, als er missbraucht hat und es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn der Täter gar nicht oder gerade mal zu ein paar Jahren Haft verurteilt wird, aber er bleibt trotz seiner Tat ein Mensch (rechtliche Definition z.B. §§ 185 ff., 201 ff.,211 ff., 223 ff., 239, 240 : Jedes menschliche Individuum vom Beginn seiner (Lebend-) Geburt bis zu seinem Gesamthirntod.) und selbst wenn es so wäre, wäre dies kein zwingender Grund für die TS – eine lebenslange Haft wäre ebenfalls eine Strafe, die dazu führen würde, dass der Täter keine Tat mehr verüben könnte und kein schönes Leben führen würde, aber die Möglichkeit auf Resozialisierung hätte und dieses Urteil könnte aufgehoben werden, denn es gibt kein unfehlbares Rechtssystem, wodurch Verurteilungen von Unschuldigen nicht ausgeschlossen werden könnten.

Viele würden es lieber sehen, wenn das Geld, welches in die Todesstrafe investiert wird für Opferschutz und Opferhilfe, Gewaltprävention und Aufklärung investiert würde. (Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html)

Weiterhin sollte man sich nicht so sehr Gedanken über eine „angemessene“ Bestrafung des Täters machen, sondern dem Betroffenen bei der Bewältigung des Missbrauchs bzw. den Angehörigen eines getöteten Kindes bei der  Bewältigung des Verlusts zur Seite stehen und den Fokus nur uns ausschließlich auf sie legen. Und wie kann man erklären, dass eine Form der Gewalt (nämlich ein Missbrauch bzw. eine Kindstötung ein inhumanes Verhalten darstellt, eine Tötung als Bestrafung aber nicht? Gar nicht! Denn die Tötung eines Menschen ist immer inhuman und kann somit nicht einerseits als richtig, aber gleichzeitig auch als falsch empfunden werden….

Und zuletzt noch das finanzielle Argument die Todesstrafe sei billiger, als beispielsweise eine lebenslange Inhaftierung: In Rechtsstaaten wie den USA kostet ein Todesstrafenprozess im Durchschnitt jedoch mehr als eine lebenslange Haft.[54] Hauptgrund sind die Anklage- und Verteidigungskosten von oft jahrelangen Kapitalverfahren. Dabei müssen die polizeilichen Ermittlungsergebnisse besonders sorgfältig geprüft werden. Mehrere Revisionsinstanzen und Wiederaufnahmemöglichkeiten sind vorgesehen, um Fehlurteile korrigieren zu können.(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe)

Hier zwei ausgesuchte Zitate betroffener Familien einer Kindstötung zur Todesstrafe:

Ein schlimmer Aspekt an der Todesstrafe ist auch, dass sie den Blick der Gesellschaft von Opfer ablenkt und eine Welle der Unterstützung für diejenigen auslöst, die ein Verbrechen begangen haben. Für uns ist die Todesstrafe kein Weg, das Leben unserer Tochter zu würdigen.‘
– Vicki Schieber, deren Tochter Shannon in Pennsylvania, USA ermordet wurde

‚Wenn wir Mördern erlauben, dass sie uns zu Mördern machen, geben wir ihnen zu viel Macht. Sie siegen, indem sie uns ihren Weg zu denken und zu Handeln eröffnen, und wir werden zu dem, das wir ablehnen.‘
– Renny Cushing, dessen Vater in New Hampshire, USA, getötet wurde

(Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html)

Ich hoffe, dass dieser Text zumindest ein paar Befürworter der Todesstrafe zum nachdenken anregt und vielleicht sogar zu der ein oder anderen sachlichen Diskussion führt…

Andere gute Texte zum Thema:

http://www.facebook.com/notes/udo-symbiont-ziegenzottel/kindersch%C3%A4nder-sch%C3%A4nder/10151038620258839

http://www.regenbogenwald.de/themen/berichte/brief_einer_betroffenen.htm

http://www.regenbogenwald.de/themen/npd_und_kinderschutz/gegen_kinderschaender.htm

https://www.facebook.com/notes/l%C3%B6schen-der-seite-keine-gnade-f%C3%BCr-kindersch%C3%A4nder-nazis/denkansto%C3%9F-todesstrafe/306161906068480

http://www.facebook.com/notes/heinrich-schmitz/rechtsstaat-%C3%BCberfl%C3%BCssiger-luxus-von-ra-heinrich-schmitz/278037872217748

http://www.facebook.com/notes/heinrich-schmitz/todesstrafenfans-vergesst-es-/279813148706887

http://www.facebook.com/groups/154786014610333/doc/184676608287940/

© S. Stolzenberg

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Published in: on 17. Oktober 2012 at 00:11  Comments (1)  

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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. […] Gleiches gilt übrigens auch für die Forderung nach einer Todesstrafe, aber dazu habe ich bereits einen Blog geschrieben: https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2012/10/17/der-ruf-nach-todesstrafe-in-bezug-auf-missbrauch-… […]


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