Gedankenreisen – Eine Antwort auf eine Gewaltige Frage (ACHTUNG! Triggergefahr für Betroffene sexueller Gewalt) von Udo Symbiont Ziegenzottel

Ein Text, der ein Gedankenexperiment behandelt zum hema sexueller Missbrauch und der Umgang damit, wenn man Elternteil einer/eines Betroffenen ist. Ich habe diesen Text von Udo Symbiont Ziegenzottel von Facebook übernommen und möchte aber darauf hinweisen, dass dieser Text Betroffen und Angehörige triggern könnte!!!

Achtung! Wenn Du, liebe Leserin und lieber Leser, zu den Menschen gehörst, die von sexueller Gewalt betroffen sind/waren, könnte dieser Text als Trigger wirken.

Diese Frage wurde von einer Person in einer recht hitzigen Diskussion über das Thema pädophile Straftäter gestellt.

Es ging, wie so oft, darum, dass einige Menschen eine gewalttätige Strafe für pädophile Straftäter fordern, andere Menschen jedoch zum sachlichen Umgang und einer umfassenderen Betrachtungsweise dieses Themas aufrufen. Was ich hier so nüchtern darstelle, war, wie schon erwähnt, eine sehr hitzige Diskussion.

Die Beantwortung dieser Frage war diesem Menschen sehr wichtig, denn er bestand darauf und wollte sich nicht auf weitere Fragen einlassen, bevor nicht seine eigene Frage beantwortet wäre.

Leider war die Frage wohl zwischenzeitlich von den Admins gelöscht worden, und es gestaltete sich schwierig, diese Frage wieder so einzustellen.

Ich selbst habe diese Frage von einer dritten Person über das Nachrichtensystem von fb zugesendet bekommen (danke dafür), die ich darum gebeten habe. Die Frage, die gestellt wurde, lautet:

Liebe Frau R., Herr H., Frau D.und Frau L. Ich habe nur eine Frage und die hätte ich gerne wahrheitsgemäß beantwortet ohne Gegenfrage. Sie haben ja scheinbar alle Kinder. Was wäre wenn ihr Kind morgen plötzlich nicht mehr nach Hause käme oder falls eins im Babyalter ist, plötzlich entführt würde. Ein halbes Jahr keine Spur. Sie rechnen mit dem Schlimmsten. Was schon Höllenqual genug sein dürfte. Dann kommt ein Anruf. Pädophilen-Bande geschnappt. So und so viel Kinder gerettet. Ihres ist dabei !!!! Sie sehen ihr Kind. Voller Narben. Untenrum alles kaputt. Verletzungen am Körper. Im Gesicht erkennbar als das weinen vom Schmerz und Angst, wegen mehrfacher Vergewaltigung auf perverseste Art und Weise. Z.B. Bei einem 11 Monate alten Baby. Und jetzt erzählen sie mir das sie sich SACHLICH damit auseinander setzen würden !!!!!!! Wahrscheinlich mit dem Täter am Tisch mit Kaffee. Wollen sie mich alle verarschen?

Ich gebe zu, ich beantworte nur sehr ungern solche „Wenn-Dann“-Fragen, weil sie grundsätzlich immer aus dem grossen Ganzen herausgelöst sind und nur Teilaspekte anreissen, und meiner Meinung nach in einer Art und Weise gestellt sind, die die Gefühle von Menschen manipulieren. Speziell hier kommt hinzu: Ich habe keine Kinder. Und die Frage ist auch nicht direkt an mich gerichtet.

Dennoch möchte ich diese berechtigte Frage beantworten – aus meiner Sicht. Ich habe ich mich, soweit mir das möglich ist, desöfteren in die Situation von Menschen hineingefühlt, die solche oder ähnliche Alpträume erleben müssen oder mussten. Ob ich das auch nur annähernd kann, möchte ich nicht beurteilen.

Ich kann nur aus der Erfahrung von jemandem heraus antworten, der selber als Kind missbraucht wurde und jahrelang nicht in der Lage war, Hass und Gewaltfantasien abzulegen und SACHLICH an dieses Erlebnis heranzugehen.

Es gilt die Regel: Gegenfragen sind nicht erlaubt. Akzeptiert. Diese Antwort ist eine Gedankenreise an einen Ort, an dem ich nicht sein will, weil er für mich die Hölle ist. An den ich dennoch schon oft während der Verarbeitung meiner Erlebnisse gehen musste.

Blinder Hass wäre vermutlich die Folge. Rachsucht. Und, falls sich irgendwie die Möglichkeit bietet, eine vermutlich ebenso perverse und gewalttätige Handlung mit anschliessender Verurteilung, wahrscheinlich Sicherheitsverwahrung und psychologischer Behandlung.

Sofern ich eine ähnliche Entwicklung von mir erleben würde, wie ich sie nach dem Missbrauch meinerselbst durchlebt habe, würde ich mich rd. 35 Jahre lang mit weiterem Hass und „kreativen“ Gewaltfantasien, vermutlich auch unterdrückten Schuldgefühlen quälen. Und ich würde die Menschen, die ich liebe, je nach Ausprägung dieser Gefühle ebenso leiden lassen – wenn auch unbewusst. Jedesmal, wenn die Sprache auf dieses Thema kommt, würde ich vermutlich einen massiven Anstieg des Blutdrucks und den teilweisen Verlust meiner Selbstbeherrschung erleben, und in endlosen Diskussionen mit der Faust auf den Tisch schlagen.

Vielleicht käme ich nach dieser Zeit langsam auf die Idee, darüber nachzudenken, was ich mit dieser Tat den Menschen angetan habe, die ich so sehr liebe. Möglicherweise käme ich zu der Erkenntnis: Es hat einen durchaus einen Sinn, dass auch Gesetze zum Schutz von pädophilen Straftätern existieren, die nicht zuletzt auch zum Schutz meinerselbst vor mir selbst geschaffen wurden.

Es könnte auch sein, dass ich mich zu fragen beginne, warum ich damals, als ich die Täter zur Strecke brache, nicht stattdessen jede Sekunde mit meinen Kindern verbracht habe, in einer Zeit, wo sie mich am meisten gebraucht hätten. In einer Zeit, in der ich nichts Besseres zu tun hatte, als „nicht da zu sein“ und meinen eigenen Trieb zu befriedigen. Meinen Rachetrieb.

Ich sehe mich an einem Tisch in einer Bar, betrunken, den Kopf in die Hände gestützt, und denke: Gott! Warum habe ich mich damals nicht unter Kontrolle gehabt? Warum nur habe ich meinen eigenen Hass über die Liebe meiner Kinder gestellt? Warum nur habe ich die stumme Bitte in den Augen meiner Kinder nicht gesehen: Papi, bitte bleib hier?

Jeder würde natürlich Verständnis dafür haben, dass ich damals so gehandelt habe. Aber für mich würde das vermutlich unwichtig sein. Nur, wenn es ganz schlimm wird, würde ich mir die Bestätigung von anderen Menschen holen: „Ja, ich hätte damals genauso gehandelt, das ist doch verständlich!“.

Ob meine Kinder, oder mein Kind, dafür genausoviel Verständnis fände, weiss ich nicht…

Ich weiss nur eins, was diese Frage betrifft: Kinder, die derart misshandelt wurden, brauchen keinen Vater, der als Racheengel loszieht und nicht da ist, wenn sie ihn am nötigsten brauchen. Diese Kinder brauchen einen Vater, der in dieser Zeit immer bei ihnen ist. Der noch nicht einmal reden braucht. Der einfach da ist, wenn die Träume kommen. Die Angst, die Bilder, und die Tränen. Einen Vater, der dann liebevoll und aufmerksam die Arme öffnet und sein Kind festhält. Mit Händen, die nicht schonmal in Blut gebadet haben.

Nun, da ich langsam wieder von diesem Ort zurückgekehrt bin, möchte ich mir trotz der Bitte, darauf zu verzichten, eine Gegenfrage erlauben. Vielleicht möchte die fragende Person selbst darauf antworten – in welcher Form auch immer. Es ist ein Experiment.

Wenn Du es kannst, dann stell Dir vor, dass Du all das erlebt hast. Genau so. Nach den schon genannten 35 Jahren findest Du heraus, dass der/die Täter selber in ihrer Kindheit auf das Schlimmste missbraucht wurden. Auch ihre Eltern gingen auf einen Rachefeldzug, ermordeten auf grausamste Weise die Täter, und waren danach selber für alle Zeit verändert durch diese Tat. Im Blutrausch übersahen sie leider, dass sie in ihrer blinden Wut nicht nur die Täter, sondern auch einen unschuldigen Familienvater hingerichtet hatten.

Die Familie dieses Mannes fiel auseinander. Seine Frau wurde alkoholsüchtig. Von den Kindern weisst Du nur, dass sie nach einigen Jahren im Jugendknast gelandet sind. Dann verliert sich ihre Spur. Und Du denkst darüber nach, was aus Deinen eigenen Kindern geworden ist.

Meine Frage lautet nun, ob es angemessen ist, darüber zu urteilen, dass die eine Grausamkeit verwerflich, und die andere verständlich ist, oder ob es angemessen ist, gerade in extrem emotionalen Situationen sachlich zu bleiben, um nicht noch mehr Schaden anzurichten und die Menschen, auf die diese Emotionen abzielen, vor unüberlegten Handlungen zu schützen?

Und über folgenden Link kommt man zu dieser Notiz: http://www.facebook.com/notes/udo-symbiont-ziegenzottel/gedankenreisen-eine-antwort-auf-eine-gewaltige-frage-achtung-triggergefahr-f%C3%BCr-b/10151336477778839

S.Stolzenberg

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