Menschlichkeit und Egoismus

Warum dieser Blog?

Ich schreibe diesen Blog aus aktuellem Anlass, nämlich wegen der gelebten Menschlichkeit in den Hochwassergebieten, möchte aber auch einleitend über andere Bereiche des Lebens schreiben in denen Menschlichkeit zumindest von einigen Menschen gelebt wird. Ich möchte aber auch über den zum Teil ausgelebten Egoismus in diesen Lebensbereichen schreiben und warum ein vernünftiges Maß an Egoismus nicht nur richtig, sondern auch wichtig ist.

 Dazu erst mal die Frage: Sind  Menschlichkeit und Egoismus so gegenteilig, dass sich gegenseitig ausschließen?

 Antwort: Nein!!! Ich kann mich durchaus menschlich verhalten und dennoch in gewissem Maß egoistisch verhalten!

Wie das? In dem ich soweit egoistisch bin mich selbst nicht in Gefahr zu bringen und dennoch für andere da zu sein!

 Bereiche des Lebens in den Menschlichkeit gelebt wird, aber dennoch nur von wenigen gibt es viele und ich möchte gerne einleitend auf diese eingehen, bevor ich mich auf die aktuelle Situation beziehe (es wird sich im Folgenden von alleine erklären wieso 😉 ).

 Da ist zum Beispiel ein Thema, dass mich sehr beschäftigt, aber leider immer noch für viele ein Tabu ist: Missbrauch! Hierzu gehören nicht „nur“ der sexuelle Missbrauch, sondern auch Vernachlässigung oder häusliche Gewalt. Um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen ist es besonders wichtig die Situation genau einzuschätzen und abzuwägen, ob ich dazwischen gehe oder nicht und oft ist der vernünftige Egoismus die bessere Wahl, indem ich es nicht tue. Aber dennoch kann ich helfen und mich dadurch menschlich verhalten. Ich kann Menschen, denen ich es eher zutraue die Situation zu lösen ansprechen, den Notruf wählen und dem Betroffenen zuhören, da sein und ihn vielleicht auch begleiten, wenn er zum Beispiel eine Therapie machen möchte. Aber ganz einfache gelebte Menschlichkeit ist hier zum Beispiel einfach nur da sein und ein offenes Ohr haben…

 Dies gilt auch im kleineren Rahmen bereits: Wenn es jemandem nicht gut geht, er traurig ist  und sich vielleicht allein gelassen fühlt, kann ich zuhören und ihm Mut machen – auch das ist Menschlichkeit!

 Ein weiteres Thema, dass mich selbst betrifft, wenn auch „nur“ als Angehörige: Behinderung. Auch hier ist vereinzelt ein gewisser Egoismus wichtig, wenn eine Behinderung auch Aggression hervorbringen kann. Aber: Egoismus in der Form, dass man sich über Menschen mit Handicap lustig macht oder diese meidet ist einfach nur mies! Menschlichkeit zeigt sich in Toleranz und wenn man vielleicht nicht versteht warum sich ein Mensch mit Handicap auf eine bestimmte Weise verhält einfach mal freundlich nachfragen, statt wegzuschaue, als sei die Person ansteckend!

 

Es gibt noch viele weiter Bereiche, in denen ähnliches gilt: Menschen werden ausgegrenzt, weil sie eine andere Religion haben, die vielleicht nicht verstanden wird oder, weil sie eine andere Hautfarbe haben. Na und? Sind wir nicht trotzdem alle Menschen, die auf dieselbe Art geboren wurden und alle auch irgendwann sterben werden? Wüschen wir uns nicht alle mit Respekt behandelt zu werden?

Und das gilt auch für Menschen mit anderer Religion, Herkunft, Hautfarbe, Menschen mit Handicap aber auch Betroffene von Missbrauch!

 

Und umso mehr kann ich dann nicht nachvollziehen den Satz zu hören oder zu lesen, den sicher schon viele Helfer gehört und/oder gelesen haben:„Das betrifft mich nicht, das ist ja weit weg“

 Doch es betrifft jeden einzelnen von uns, denn wenn alle immer nur an sich denken und nicht helfen würden, wäre die Menschheit vermutlich schon lange ausgestorben! Und es ist auch nicht weit weg – es kann jedem passieren!!!

 In diesem Zusammenhang habe ich gestern übrigens eine sehr treffende Aussage gelesen:

 „Ob Hochwasser-Katastrophe oder Gewalt in allen Formen- es gibt eine Aussage an die ich mich niemals gewöhnen werde, obwohl ich sie seit Jahren oft höre bzw lese…

 “ Das geht mich nichts an, das ist ja weit weg!“

 Jeder von uns kann, durch was auch immer, urplötzlich in große Not geraten und benötigt Hilfe, und was ist dann?

 Menschen die nicht so denken, sondern sich, ohne auch nur einen Moment zu zögern für Menschen in Not einsetzen, ernten vereinzelt Hohn und Spott oder ein gängiger Spruch “ Das Dankt Dir eh keiner“

Helfen wir etwa nur um DANK zu ernten?

Hat HELFEN irgendetwas mit Profilierung zu tun?

 NEIN!

Helfer mit Herz erwarten keinen Dank- Leben retten, Schlimmeres verhindern zu können, eine helfende oder unterstützende Hand sein zu können oder ein aufmerksamer Zuhörer sein zu können, ist alles was für Helfer mit Herz zählt.

 Und DAS ist absolut unbezahlbar………Und DAS sollte in jedem von uns schlummern: Hilfsbereitschaft und Empathie“

(Julia Ahiga)

 Umso mehr erstaunt es mich, dass es in Notsituation vollkommen logisch zu sein scheint, dass man hilft wie aktuell bei der Hochwasserkatastrophe! Ich freue mich über so viel Helfer, aber frage mich auch warum nicht immer so? Und warum nicht in allen Bereichen des Lebens?

 Es gibt sogar Helfer, die zu wenig Egoismus an den Tag legen und sich selbst sogar in Gefahr bringen, so ist am 1.06.2013 ein Feuerwehrmann bei einem Hochwassereinsatz ums Leben gekommen. Hier ist natürlich zum Schutz der eigenen Gesundheit auch ein vernünftiges Maß an Egoismus von Nöten, aber man sollte immer bedenke, dass es jeden treffen kann. Denn auch wenn ich in einem Gebiet wohne, in dem solche Überschwemmungen sehr unwahrscheinlich sind, kann es mich zum Beispiel im Urlaub treffen und dann wäre ich ebenfalls dankbar für Menschen, die freiwillig helfen, einfach, weil es ihnen am Herzen liegt! Und helfen kann jeder! Auch wenn man vielleicht nicht in der Lage ist vor Ort zu helfen (zum Beispiel wegen der Entfernung), nicht die finanziellen Mittel hat, um zu spenden und auch nicht an Sachspenden erübrigen kann, kann man den Menschen doch Mut machen und Informationen, die man erhält weiter geben, zum Beispiel wenn es andere Menschen gibt, die Obdach anbieten können oder wo dringend Helfer benötigt werden,….

 Es gibt aber zum Glück auch ganz viele Menschen, die freiwillig helfen, Decke, Schlafplätze, Sachspenden zur Verfügung stellen, finanzielle Spenden tätigen, vor Ort sind uns bis an ihre Grenzen gehen, um Deiche aufzubauen, Sandsäcke zu füllen und vieles mehr.

 Und in diesem Sinne möchte ich allen, die (aus welchen Gründen auch immer) in keinster Weis helfen und sogar noch über die Helfer spotten oder nur gaffen, um ihre Neugierde zu befriedigen mit auf den Weg geben: Was wenn es Euch mal betrifft?

 Außerdem möchte ich allen vom Hochwasser Betroffenen sagen: Ich bin in Gedanken bei Euch und hoffe, dass sich die Lage bald beruhigt und es Euch den Umständen entsprechend gut geht.

 Vor allem möchte ich aber danke sagen all den Helfern, die Menschlichkeit leben und unermüdlich im Einsatz sind. Ihr seid keine Helden, wie es in den Medien oft heißt. Nein! Ihr seid Engel!!! Danke für Euer Engagement – danke für diese Solidarität!

© S. Stolzenberg

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Published in: on 6. Juni 2013 at 02:56  Schreibe einen Kommentar  

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