Kommunikation und welche Probleme diese mit sich bringen kann….

Dies soll mein Beitrag zu den zweiten Bloggerthementagen 2013 sein . (https://quergedachtes.wordpress.com/thementage/)

Was ist eigentlich Kommunikation?

Für die meisten bedeutet Kommunikation die Verständigung zwischen mindestens zwei Personen über das gesprochene oder geschriebene Wort, aber ist Kommunikation nicht viel mehr?

Doch das ist sie. Es gibt so vielfältige Arten der Kommunikation, dass es ein einzelner gar nicht schafft in einem leben jede Form der Kommunikation zu lernen.

Den einfach gesprochen ist Kommunikation die Übermittlung einer Nachricht durch einen Sender an einen Empfänger, aber so einfach ist es nicht.

Kommunikation macht sehr viel mehr aus.

Es gibt die Kommunikation über das gesprochene Wort. Diese ist am verbreitetesten und wird genutzt, wenn Sender und Empfänger davon ausgehen, dass die Nachricht, die übermittelt werden soll auch verstanden werden kann. Doch auch dann kann es zu einer Vielzahl an Missverständnissen kommen:

Wenn zum Beispiel eine Nachricht mit positivem Inhalt wie „ich mag Dich“ mit einer Tonlage, die eigentlich eher eine Antipathie zum Ausdruck bringt, geäußert wird, dürfte das beim Empfänger der Nachricht eine Unsicherheit bewirken, da er nicht deuten kann, ob die Aussage auch so gemeint ist. Die Tonlage und die Tonhöhe spielen bei der Deutung einer Aussage auch eine sehr große Rolle, weshalb z.B. lautere Äußerungen mit Schimpfen in Verbindung gebracht werden, leisere eher mit Lob. Auch die Körpersparache ist wichtig bei der Deutung der Nachricht durch den Empfänger, denn wenn der Sender z.B. fragt, ob der Empfänger Lust hätte etwas zu unternehmen und dabei die Arme vor dem Körper verschränkt (was meist als Abneigung gewertet wird, auch, wenn es nicht so gemeint ist), dürfte die Lust daran beim Empfänger nicht allzu groß sein.

Dazu kommen dann noch mögliche Schwierigkeiten beim Empfänger der Nachricht, wenn der Sender Ironie oder Sarkasmus verwendet und der Empfänger dies nicht entschlüsseln kann, weshalb diese rhetorischen mittel idealerweise nur genutzt werden sollten, wenn sich Empfänger und Sender gut kennen. Andernfalls sollten Sie vermieden werden.

Doch zur Kommunikation gehören auch Gestik, Mimik, Körperhaltung, die Art der Begrüßung, ob es z.B. ein eher förmlicher Händedruck ist oder ein freundliches Lächeln.

Eine besondere Schwierigkeit besteht jedoch für Autisten, da diese viele Äußerungen bildlich auffassen und dadurch z.B. Redewendungen wie „Es schüttet wie aus Eimern“ nicht entschlüsseln können bzw. diese wie Vokabeln erlernen müssen.

Doch warum schreibe ich überhaupt darüber?

Ich schreibe darüber, weil mein Kleiner ein frühkindlicher Autist ist und laut verschiedenen Spezialisten noch nicht so ganz den Zweck der Kommunikation verstanden hat.

Bei diesen Äußerungen ärgert mich jedoch immer wieder, dass diese Spezialisten völlig außer Acht lassen, dass er unentwegt mit uns kommuniziert, durch Mimik, Gestik, Körperhaltung und auch durch eine zunehmende Kommunikation mittels gesprochener Sprache.

Wenn er z.B. unsicher oder aufgeregt ist, sucht er unseren Körperkontakt und drückt seinen Körper stark an den meines Mannes oder an meinen.

Wenn er Angst hat, wimmert er und sucht ebenfalls den Körperkontakt und teilt uns dadurch mit, dass er möchte, dass wir ihn beschützen. Freude zeigt er durch flattern mit den Händen, Hüpfen und lachen. Außerdem zeigt er zunehmend auf alle Dinge und Personen, die er mag, die er schön und interessant findet oder, die er gerne haben möchte. Wenn er sich über etwas freut, lacht er und wenn er etwas nicht mag, dann brummt er. Aber all das war auch viel Arbeit für ihn und uns, da er anfangs zu Fremden keinen blickkontakt aufnahm und deren Nachrichten somit auch nicht entschlüsseln konnte. Er hat lange nur harte körperliche Reize zugelassen und kaum bis gar keine weichen Reize, so dass es länger dauerte, bis er zum ersten Mal von alleine kam und kuscheln wollte. Vorher wollte er lieber gekitzelt werden oder wild raufen. So war Körperkontakt eher in Form von Körperklopfspielen möglich, als durch Streicheleinheiten. Dann begann er langsam auch mal unsere Hand zu nehmen und jetzt kommt er regelmäßig von sich aus und sucht die Nähe zu uns. Er möchte Küsschen geben, gestreichelt und auch gerne mal umarmt werden. Und das ist auch Kommunikation, aber dass mussten wir auch erst wieder lernen.

Die gesprochene Kommunikation beginnt jetzt langsam auch bei ihm, wenn auch vorwiegend noch „nur“ durch Echolalie (also das nachsprechen nachdem wir ihm etwas vorgesagt haben) und vereinzelt beginnt er auch auf einfache Fragen oder Äußerungen zu antworten. Wenn er beispielsweise morgens wach wird und wir ihm einen guten Morgen wünschen, dann antwortet er mit „Guten Morgen“ oder wenn er mittags vom Kindergarten nach Hause kommt, sagt er auch „Hallo“. Er fängt auch an „Da“ zu sagen, wenn er etwas schön findet, um uns darauf aufmerksam zu machen oder spricht auch zwei Wörter nach. Doch gesprochener Kommunikation bedient er sich zum Mitteilen von sich auch noch sehr wenig und zu erkennen, dass er dennoch mit uns kommuniziert und sich mitteilen möchte, bedeutet für uns viel Arbeit, Geduld und auch Einfühlungsvermögen.

Wenn ich das aber sehe, frage ich mich auch warum sagen uns dann Spezialisten, dass unser Kleiner die Bedeutung von Kommunikation noch nicht verstanden hätte?

In wie fern es vieles für ihn und auch uns einfacher machen würde – insbesondere z.B. wenn ihm etwas weh tut und er „nur“ weint – hat er sicherlich noch nicht verstanden und ihm das näher zu bringen ist momentan eine wichtige Aufgabe im Umgang mit ihm, die wir und der Kindergarten haben, aber dennoch kommuniziert er doch!?!

Ich vermute aber einfach, dass auch diese Spezialisten – wie die meisten Menschen – verkennen, dass Kommunikation sehr viel mehr ist, als Nachrichten über die Benutzung von Worten zu übermitteln.

Ich würde mir in diesem Hinblick einfach wünschen, dass mehr auf den Gegenüber (unabhängig davon, ob er autistisch ist oder nicht) eingegangen wird.

© S. Stolzenberg

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Published in: on 12. November 2013 at 01:29  Schreibe einen Kommentar  

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