Die Vorweihnachtszeit – eine Zeit der Besinnung?

Eigentlich soll die Vorweihnachtszeit eine Zeit sein, in der man sich darauf besinnt was einem wichtig erscheint und welche Menschen man gerne um sich hat. Eine Zeit, in der man gerne zusammen ist, die gemeinsame Zeit genießt und sich kleine Freuden macht.

Aber ist das noch so?

Besinnen sich die Menschen noch darauf was ihnen wichtig ist und mit wem sie Zeit verbringen möchten?

Ich möchte diese Frage nicht pauschal beantworten sondern, erst mal auf meine Familie und mich bezogen (wobei ich meinen Mann und meinen Sohn damit meine) und dann wie ich es bei anderen Menschen empfinde.

Was bedeutet die Vorweihnachtszeit also für mich?

Die Vorweihnachtszeit ist für mich wie eine Münze: Sie hat zwei Seiten, die verschieden sind.

Zum einen gibt es da die Menschen, die sich das ganze Jahr für meine Familie interessieren, gerne Zeit mit uns verbringen und für die das schönste Geschenk ist Zeit mit uns verbringen zu dürfen – sie möchten auch gar keine großen Geschenke und freuen sich viel mehr über Kleinigkeiten, die dann aber mit Herz ausgesucht wurde und den Interessen entsprechen.  

Für diese Menschen bin ich in dieser Zeit besonders dankbar. Dankbar, dass sie uns so nehmen wie wir sind, keine Ansprüche oder Erwartungen an uns haben, sondern einfach gerne mit uns zusammen sind und uns herzlich empfangen. Ich genieße es Zeit mit diesen herzlichen, ehrlichen Menschen verbringen zu dürfen, die manchmal zu selten an sich und zu oft an andere denken. Danke, dass es Euch gibt :* .

Ich bin auch dankbar für die vielen schönen Momente, die ich mit meiner Familie verbringen darf und freue mich gar nicht mal so sehr über große Geschenke zu Weihnachten, sondern viel mehr, wenn ich die strahlenden Augen meiner beiden Süßen sehe, wenn wir zusammen Plätzchen backen, den Baum aufstellen oder diesen schmücken. Ich bin dankbar für die Momente, wenn wir kuschelnd auf der Couch liegen, zusammen albern oder spazieren gehen – einfach wenn wir zusammen sind J.  Ich freue mich auch schon darauf, wenn unser Kleiner seine Weihnachtsgeschenke auspackt, denn es ist zwar nicht einfach Spielsachen zu finden, für die er sich auch interessiert, aber dafür sind diese mit Herz ausgesucht und dann freuen wir uns umso mehr, wenn sie ihm gefallen und er auch damit spielt. Es ist immer etwas besonderes zu sehen wie die Geschenke auspackt und sich dann über Kleinigkeiten freuen kann und ich wünschte das würde immer so bleiben (auch, wenn ich das bezweifle), aber vor allem ist es herzerfrischend zu sehen wie aufgeregt er beim auspacken seiner Geschenke ist und wie aufmerksam er diese dann erst mal untersucht. Ich genieße es zu sehen wie sehr sich meine Männer freuen, wenn sie öfter mal zusammen auf der Couch liegen, kuscheln und dabei einen schönen Film sehen ohne Stress oder Hektik.

Für uns geht es bei den Geschenken auch nicht darum besonders ausgefallene oder große Geschenke zu machen, sondern eine kleine Freude zu machen und das ist bei den Menschen, die ich gerade erwähnt habe ganz einfach – sie möchten einfach nur mit mir zusammen sein und dafür danke ich ihnen und dafür liebe ich sie ♥.

Auf der anderen Seite gibt es dann aber Menschen in unserem Leben, mit denen wir das ganze übrige Jahr kaum Kontakt haben, die dann aber Erwartungen und Ansprüche an uns stellen. Es wird erwartet, dass man aufeinander zugeht und eventuelle Antipathien ausgeblendet werden, weil man das an Weihnachten einfach so macht. Der Schein der glücklichen Familie soll aufrecht erhalten werden und das um jeden Preis und wenn man sich weigert, wird man dafür verurteilt. Sollten Probleme bestehen, werden diese einfach ignoriert, weil man an Weihnachten nicht darüber spricht, wenn man besinnlich beisammen ist. Das ganze herrscht eisige Stimmung, aber an Weihnachten haben sich alle ganz doll lieb und verstehen sich super… Wir haben an Weihnachten Kontakt zu diesen Menschen, aber nur soweit es nötig ist und dass auch nur wegen unserem Kleinen, da wir nicht für ihn entscheiden möchten (wenn er alt genug ist, soll er selbst entscheiden, ob er diesen Kontakt noch möchte). Dieser Kontakt ist aber auch einer, der uns belastet, der weh tut und der traurig macht und bei dem fraglich ist wie lange er überhaupt noch bestehen wird. Bei diesen Menschen würde ich mir wünschen, dass man ehrlich miteinander umgeht und nicht darauf bestanden wird, dass einmal im Jahr so getan wird, als sei alles in Ordnung, aber das wird sich nicht mehr ändern lassen und so versuchen wir so gut es eben geht damit umzugehen…insbesondere deswegen, weil uns diese Menschen eigentlich wichtig sind und wir uns freuen, wenn wir sie mal sehen, was viel zu selten ist L. Vielleicht werden diese Menschen eines Tages doch noch erkennen, dass wir gerne mehr Kontakt, aber auch mehr Ehrlichkeit hätten….

Für mich bedeutet die Vorweihnachtszeit auch ein gewisses Maß an Traurigkeit.

Traurigkeit, weil ich diese Zeit nicht mehr mit geliebten Menschen verbringen kann, die verstorben sind. Traurigkeit, weil es viele Menschen gibt, die in dieser Zeit Gutes tun wollen, spenden, Bedürftigen helfen und wachsam sind, die sich aber in der restlichen Zeit des Jahres nicht dafür interessieren und die sonst auch gerne mal wegschauen, wenn Unrecht geschieht.

Doch ich bin auch dankbar. Dankbar für die Zeit, die ich mit meinen Lieben verbringen darf und die ich mit den Menschen verbringen durften, die nicht mehr leben. Dankbar für Menschen, die sich das ganze Jahr für Bedürftige einsetzten, auf Missstände hinweisen und versuchen diese zu beheben und Menschen, die nicht die Augen verschließen, sondern versuchen nach ihren Möglichkeit etwas zu verändern. Danke meine Süßen ♥.

Ich bin dankbar für die vielen Kleinigkeiten, die eben nicht selbstverständlich sind und das Leben meiner Familie erleichtern etwa, dass wir in einer beheizten Wohnung leben und nicht auf der Straße leben müssen oder, dass wir genug Lebensmittel im Kühlschrank haben und nicht auf die Tafeln angewiesen sind. Dankbar für noch so vieles mehr…

Wie empfinde ich die Vorweihnachtszeit, wenn ich mir die Allgemeinheit anschaue?

Ich sehe eine Gesellschaft, in der es wenige Menschen gibt, denen es in der Vorweihnachtszeit wirklich noch darum geht mit den Menschen zusammen zu sein, die ihnen nahe stehen, einfach nur um zusammen zu sein, die keine Geschenke brauchen, sondern sich noch auf den Wert von Liebe, Geborgenheit, Nähe besinnen können.

Doch der Großteil der Gesellschaft scheint es verlernt zu haben, die Kleinigkeiten im Leben zu schätzen und sich daran zu erfreuen, wenn man mit Menschen zusammen sein darf, die einem etwas bedeuten. Es scheint mehr darum zu gehen Wunschzettel abzuarbeiten und möglichst große, teure und ausgefallene Geschenke zu besorgen und dabei zu zeigen welche finanziellen Möglichkeiten man hat. Es scheint auch darum zu gehen, dass man weil es sich so gehört zu Familienfeiern erscheint und dann besonders freundlich und höfflich ist und für die Kinder Plätzchen backt und nicht weil man es einfach gerne tut. Der Sinn der Vorweihnachtszeit scheint verloren gegangen zu sein, es herrschen Anspannung, Stress, Hektik und man ist froh, wenn diese hektische Zeit zu Ende geht und man sich wieder im Alltag zurück findet. Geschenke verkommen mehr und mehr zu Statussymbolen und die Feierlichkeiten zu einer Pflichterfüllung.

Aber: Warum das? Woran liegt es, dass man sich nicht mehr auf Kleinigkeiten besinnen kann?

Liegt es an den Medien, die uns vorgaukeln wollen, dass man nur glücklich sein kann, wenn man teure Geschenke erhält? Kennen wir unsere Mitmenschen zu wenig, um uns Gedanken zu machen was ihnen wirklich eine Freude machen würde?

Ich kann es leider nicht sagen und freue mich dafür aber umso mit den Menschen, die wirklich noch in der Lage dazu sind sich einfach nur zu wünschen, dass die Menschen, die sie lieben gesund sind und man noch viele schöne Momente zusammen erleben können.

In diesem Sinne möchte ich abschließend noch auf eine Geschichte hinweisen, die ich im Internet gefunden habe und die zum nachdenken anregt: http://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/engel-fidor-rettet-weihnachten.htm

Außerdem wünsche ich mir, dass die Menschen wieder lernen die Kleinigkeiten des Lebens zu schätzen wie es in dieser Geschichte passiert: http://www-weihnachten.de/weihnachtsgeschichten/ungluecklicher-Engel.htm

© S. Stolzenberg

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Published in: on 15. Dezember 2013 at 22:53  Comments (2)  

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Der Text enthält sehr viel Wahres! Meine Familie und ich feiern deshalb seit einigen Jahren ein sehr „reduziertes“ Weihnachtsfest. Die Erwachsenen schenken sich gegenseitig nichts mehr, nur die Kinder bekommen noch Geschenke. Auch feiern wir nur noch mit den Menschen, die uns das ganze Jahr über wichtig sind und am Herzen liegen. Es gibt bei uns keine Pflichtveranstaltung mehr. Dass die Erwachsenen sich nichts mehr schenken hat gleich mehrere Vorteile: man hetzt nicht in Geschenkedruck durch die Adventszeit, sondern kann die Vorweihnachtszeit wirklich genießen, weil man einfach mehr Zeit hat, den Zauber der Weihnacht, den man als Kind verspürt hat, wieder ein Stück weit zurückkehren lassen. Auch freut man sich an Heiligabend einfach darüber, dass man den Abend mit seinen Lieben zusammen verbringen darf, alle gesund und munter sind, gedenkt denen, die leider nicht mehr bei uns sind, aber bestimmt von oben zusehen und sich daran erfreuen, dass man die Kleinigkeiten im Leben zu schätzen weiss und das nicht nur zur Weihnachtszeit! In diesem Sinne: ein frohes Fest für Dich und Deine Familie!

    • Danke Anni, ich wünsche Dir und Deinen lieben auch ein frohes Fest 🙂 Wir haben den Kontakt auch nur deswegen, weil es für unseren Sohn wichtig ist und er sich immer darüber freut und wir ihm diesen Kontakt nicht vernieten möchten, aber die Zeit wird zeigen, ob es so bleibt oder nicht 😉 Ich lasse mich durch diese Kontakte aber auch nicht merh verunsichern oder verärgern – ich nehme sie hin und begegne ihnen mit Respekt, den ich aber ebenso erwarte… Wir schenken den Omas und Opas unseres Sohnes, wenn wir etwas schönes finden schon mal Kleinigkeiten, aber sonst beschenken wir auch nur ihn….


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