Ist der Mensch ein wildes Tier?

Verallgemeinernd würden viele Menschen diese Frage sicherlich mit „Ja“ beantworten, doch bevor man sich der Beantwortung einer solchen Frage stellen kann, sollte man sich doch erst mal mit der Definition beschäftigen, um eine fundierte Antwort geben zu können.

 Wie also definieren sich die Begriffe „Mensch“ und „wild“?

 Laut zweier Internetseiten bedeutet Homo sapiens der vernunftbegabte, einsichtige Mensch (vergleiche dazu http://www.wortbedeutung.info/Homo_sapiens/ und https://www.duden.de/rechtschreibung/Homo_sapiens) , geht man jedoch von der Übersetzung des lateinischen Wortes sapiens aus, bedeutet es der weise, verständige, einsichtsvolle, erfahrene, kluge, vernünftige Mensch (vergleiche dazu http://dela.dict.cc/?s=sapiens). Doch ist der Mensch wirklich weise, verständig, einsichtsvoll, erfahren, klug und vernünftig? Um dies und damit die eingehende Frage beantworten zu können, gebe ich hier erst mal noch die Definition des Begriffs „wild“.

 Für den Begriff „wild“ gibt es verschiedene Definitionen beziehungsweise Wortbedeutungen.

 Er bedeutet

 

  1. nicht domestiziert; nicht kultiviert, nicht durch Züchtung verändert; wild lebend; wild wachsend
  2.  
    1. (veraltend, sonst abwertend) nicht zivilisiert; auf niedriger Kulturstufe stehend
    2. (abwertend) unzivilisiert, nicht gesittet
  3.  
    1. im natürlichen Zustand befindlich, belassen; vom Menschen nicht verändert; urwüchsig
    2. wuchernd, unkontrolliert wachsend
    3. (Bergmannssprache) taub
    4. (von Land) nicht urbar gemacht
  4. unkontrolliert, nicht reglementiert [und oft ordnungswidrig oder gesetzwidrig]; offiziell nicht gestattet
  5.  
    1. heftig, stürmisch; ungestüm, ungezügelt; durch nichts gehemmt, abgeschwächt, gemildert
    2. wütend, rasend, tobend; erregt
    3. (von Tieren) in ängstliche Erregung versetzt und scheuend
    4. äußerst lebhaft, temperamentvoll
    5. (umgangssprachlich) äußerst bewegt, ereignisreich
  6. das erträgliche Maß überschreitend, maßlos, übermäßig, übertrieben; wüst

(Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/wild)

Bei der eingangs gestellten Frage sind dabei für mich die unterstrichenen Wortbedeutungen, die die ich meine, wenn ich den Begriff „wild“ verwenden werde. Doch was ist der Mensch? wild oder doch ein Homo sapiens?

Wenn man bedenkt wie häufig es schreckliche Nachrichten gibt über kriege, Entführungen, Kindstötungen, Sexualstraftaten, Morde, Gewaltverbrechen und vieles mehr, dürfte sicher jeder dazu geneigt sein zu sagen, dass der Mensch das wilde Tier ist, nicht etwa die Tiere, die vermeintlich wild leben, da Tiere ihresgleichen kein Leid zufügen, weil sie dadurch Fantasien oder Gelüsten nachgeben. Und es gibt zu Hauf Beispiele von Menschen bei denen auch mir keine andere Bezeichnung einfallen würde, um sie einigermaßen treffend zu beschreiben.

Dazu gehören Menschen wie  Charles Milles Manson (* 12. November1934 in Cincinnati, Ohio), der Anführer der Manson- Familie, der nach eine lebenslange Haftstrafe absitzt. Menschen wie Marc Dutroux (* 6. November1956), der mehrere Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 19 Jahren entführt und sexuell missbraucht hat, sowie drei Menschen getötet hat. Und auch beim Zodiac-Killer, der fünf Menschen getötet hat, würde mir nur die Bezeichnung eines wilden Tieres in den Sinn kommen.

Aber: Können Beispiele wie diese und die immer häufiger vorzutragenden Nachrichten dazu ausreichend zu verallgemeinern und jeden Menschen als wildes Tier zu bezeichnen?

Es gab zumindest bereits Menschen, die es taten. So schrieb Arthur Schopenhauer (22.02.1788-21.09.1860) in seinem Werk Parerga und Paralipomena II. „Der Mensch ist im Grunde ein wildes entsetzliches Tier. Wir kennen es bloß im Zustande der Bändigung und Zähmung, welcher Zivilisation heißt; daher erschrecken uns gelegentlich die Ausbrüche seiner Natur. Aber wo und wann einmal Schloß und Kette abfallen und Anarchie eintritt, da zeigt sich, was er ist.“ Er sieht den Menschen im Allgemeinen also als wildes Tier. Ebenso wie Johann Gottfried Herder (25.08.1744-18.12.1803), der in seinen Briefen zur Beförderung der Humanität schrieb „Jeder Mensch hat ein wildes Tier in sich; wenige wissen es zu bändigen, die meisten lassen ihm den Zügel, wenn die Furcht der Gesetze sie nicht zurückhält.“

Davon ging zuvor bereits auch Thomas Hobbes (1588 – 1679) aus, der den Menschen im Naturzustand (ohne einen Staat oder wie er es bezeichnet einen Gesellschaftsvertrag) als Egoisten ansieht. Er war der Auffassung, dass es ohne einen Gesellschaftsvertrag einen Krieg aller gegen alle geben müsste und der Mensch sich deswegen dazu entschließt einen Gesellschaftsvertrag einzugehen, der dazu dient jedem Menschen zu nutzen, jeden Menschen zu schützen, aber auch Sanktionierungen für nicht gewünschtes Verhalten bedeutet.(Quelle: http://bjoern.falszewski.de/files/staatsphilosophische_ideen_251.pdf)

Es gibt und gab jedoch dazu auch konträre Sichtweisen des Menschen. So wie bei Oscar Wilde (16.10.1854-30.11.1900), der in seinem Werk Aphorismen schrieb „Es ist sicherer, von allen Menschen schlecht zu denken, bis man herausgefunden hat, daß sie gut sind, doch das erfordert heutzutage sehr viele Nachforschungen.“ Er geht also von einem Homo sapiens aus und schließt sich damit den Ausführungen von John Locke (1632 – 1704), der zwar auch von einem Naturzustand ausgeht, aber nicht von einem egoistischen Menschen. Laut seiner Theorie gibt es auch im Naturzustand Sitten und Normen, die eingehalten werden. So werden Leben, Freiheit und Eigentum von  den Mitmenschen respektiert. Der Staat ist lediglich eine Perfektionierung dieser bestehen Normen. Der staatliche Souverän ist auch an diese Gesetze gebunden. Überschreitet er sie, ist dem Volk ein Grund und auch Recht für den Widerstand gegeben. (Quelle: http://bjoern.falszewski.de/files/staatsphilosophische_ideen_251.pdf).

Menschen, die dieses Verständnis auch in ihrem Verhalten zeigten und damit das Verständnis eines Menschen als Homo sapiens bekräftigten, gab es auch einige. So zum Beispiel Mohandas Karamchand Gandhi (genannt Mahatma Gandhi; * 2. Oktober;† 30. Januar1948), der sich zunächst in Südafrika gegen die Rassentrennung und für die Gleichberechtigung der Inder einsetzte. Seine Grundhaltung Satyagraha, das beharrliche Festhalten an der Wahrheit, umfasst neben Ahimsa, der Gewaltlosigkeit, noch weitere ethische Forderungen wie etwa Swaraj, was sowohl individuelle als auch politische Selbstkontrolle und Selbstbestimmung bedeutet. Weitere Menschen auf die das auch zutrifft sind Martin Luther King jr. (* 15. Januar1929; † 4. April1968) einer der bedeutendsten Vertretern des Kampfes gegen soziale Unterdrückung und Rassismus und Nelson Rolihlahla Mandela (* 18. Juli1918; † 5. Dezember2013)ein Vertreter im Kampf für Freiheit, gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit.

Doch was bedeutet das nun? Wer hatte mit seinen Theorien Recht?

Ein Ansatz der in zumindest die Entwicklung des Staates an die eines Kindes zum Erwachsenen liefert, ist die Staatstheorie von Jean-Jaques Rousseau (1712 – 1778), der von einem sich immer weiter entwickelnden Staat ausgeht, wobei dies letztlich nur als Modell einer Theorie anzusehen ist, da jeder Mensch nur an seinen eigenen Willen gebunden ist und gleichzeitig dem „Volonté générale2 (dem Allgemeinwillen) unterliegt. (Quelle: http://bjoern.falszewski.de/files/staatsphilosophische_ideen_251.pdf)

Dennoch wollte ich auf diese Staatstheorie hinweisen, da sie eine wichtige Eigenschaft beinhaltet, die zur Beantwortung der Frage nach dem Wessen des Menschen auch entscheidend ist: Der Entwicklung oder Evolution.

Warum das?

Jeder Mensch ist, wenn er geboren wurde erst mal moralisch und ethisch neutral – weder gut noch böse. Er wird im Laufe seines Lebens von drei Faktoren geprägt: Der Genetik, die zum Beispiel dazu führt, wenn jemand im Laufe seines Lebens an chronischen Krankheiten erkrankt, der Umwelt, die dem Menschen Wertvorstellungen vermittelt und der Psyche, die zum Beispiel bewirken kann, dass ein Mensch straffällig wird (kann nicht muss!). Und deswegen ist es vielleicht gar nicht so einfach eine allgemein gültige Antwort zu geben. Was das Wessen des Menschen ausmacht. Oder vielleicht doch?

Ich denke, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens gute und schlechte Erlebnisse macht und diese auf unterschiedliche Weise verarbeitet und daraus entscheidet, ob er wild sein möchte oder ein Homo sapiens. Wie eingangs geschrieben gibt es eine Vielzahl an Beispielen für wildes Verhalten von Menschen, aber es gibt auch eine Vielzahl von Menschen, die es eben nicht sind, die sich engagieren, sei es im Kinderschutz, im Tierschutz oder im sozialen Bereich. Ein Mensch, der dafür beispielhaft ist, ist zum Beispiel Professor Dr. med. Gerhard Traber, der sich zusammen mit einigen Kollegen für die Belange von Obdachlosen einsetzt. (http://www.verein-armut-gesundheit.de/index.php?id=67).

Aber es gibt auch einige Menschen, die beweisen, dass Menschen weder nur der Gattung Homo sapiens zuzurechnen sind, noch nur wild sind, da sie oft lange unauffällig leben und dann straffällig werden oder anders herum die lange zum Beispiel gewalttätig sind und nach einer Therapie lernen anders mit Wut umzugehen.

Der Mensch ist also beides ein Homo sapiens und wild. Jeder muss jedoch für sich entscheiden was überwiegen soll.

 Ein kluger Mann hat dies in einem kurzen Satz zusammengefasst:

 Der Mensch besteht aus zwei Teilen: einer wacht in der Dunkelheit, und der andere schläft im Licht.

Khalil Gibran (06.01.1833-10.04.1931), Sand und Schaum

 © S. Stolzenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Published in: on 20. Februar 2014 at 22:51  Schreibe einen Kommentar  

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