„Geburtstag“ oder „Zeit um mal einen Rückblick zu wagen“:

Vor fünf Jahren kam unser kleiner Sonnenschein zur Welt.
Wir haben zusammen fünf Jahre voller Höhen und Tiefen erlebt und möchten keinen Moment missen.

Er musste per Kaiserschnitt geholt werden und es war in seinen ersten Lebensminuten nicht mal klar, ob er überleben würde, aber das tat unser kleiner Kämpfer.
Die ersten Tage, in denen er zu Hause war, schien er ein Schreikind zu sein, was sich aber zum Glück als Irrtum rausstellte, denn er ist krank. Er hat einen Reflux.

Nun folgte eine harte Zeit für uns drei, da wir als Eltern falsch beraten wurden und ihn dadurch nicht altersgemäß seiner Krankheit entsprechend fütterten, so dass er sogar einmal kurz vor dem Austrocknen stand. Nach einer vernünftigen Nahrungsumstellung begann eine sehr schöne Zeit, in der wir viel unternahmen, er sehr neugierig war und wir viel Spaß zusammen hatten, nur sprach unser Schatz noch nicht, aber wir dachten immer da sei er ein Spätzünder (wie man so schön sagt), ansonsten war es eigentlich ein sehr schönes Jahr.
Wir hatten einen sehr aufgeweckten, interessierten Jungen, der lebensfroh war, gerne auch mal neues ausprobierte und langsam begann alleine zu trinken, zu gehen, zu toben…. :-).

Dann der erste Schock in seinem zweiten Lebensjahr: Er verletzte sich ganz böse an seiner Zunge, die genäht werden musste (und versucht dann mal ein Kind zu beruhigen…) und bekam einige Stunden nach der OP schon wieder die Flasche angeboten, so dass er jegliches trinken verweigerte. Dennoch hätte man uns entlassen, hätte es nicht den Verdacht auf Epilepsie gegeben, für den wir aber dankbar waren. So wurden wir nämlich in ein anderes Krankenhaus verlegt, wo bei unserem kleinen Kämpfer einige Untersuchungen gemacht wurden. Hier nahm er nach einem Tag schon wieder Joghurts an und nach einem weiteren Tag auch wieder Gläschen – eine erste kleine Erleichterung. Trinken in jeder Form verweigerte er jedoch weiterhin…. Trotzdem konnte er in einem guten Allgemeinzustand entlassen werden, wobei uns mitgeteilt wurde, dass er entwicklungsverzögert ist und man den Verdacht habe, dass er ins Autismusspektrum fallen könne. Wir erfuhren also im Laufe des Jahres, dass man im Krankenhaus mit dem Verdacht Recht hatte. Unser Sonnenschein ist entwicklungsverzögert, frühkindlicher Autist und hat eine Wahrnehmungsstörung. Hier begann dann auch der Ärztemarathon. Wir hatten fast jeden zweiten Monat mindestens einen Termin für die Diagnosen, Untersuchungen oder weil er krank war. Es war für uns alle ein sehr anstrengendes und kräftezerrendes Jahr, aber wir sind dennoch sehr froh darüber, weil wir uns seither damit auseinander gesetzt haben was das eigentlich für uns bedeutet und dadurch viel besser mit unserem kleinen Energiebündel umgehen können. Neben den vielen Arztterminen, die wir in diesem Jahr hatten war aber eines für uns Eltern viel nervenaufreibender, nämlich dass unser kleiner Sonnenschein, der schnell schwitzt weiterhin jegliches trinken verweigerte und es kann sich sicher jeder vorstellen was das für eine enorme nervliche Belastung für Eltern darstellt, wenn das eigene Kind im Hochsommer sehr aktiv ist, viel schwitzt, aber NICHT trinkt…..

Dementsprechend froh und dankbar waren wir neben der schon Mitte des dritten Lebensjahres begonnen Frühförderung, bei der er besonders gerne zur Ergotherapie ging, dass er kurz vor seinem dritten Lebensjahr wieder trinken annahm- wenn auch „nur“ vom Löffel… Er machte vor allem motorisch große Fortschritte und ließ sich auch auf neue Spielangebote ein, die er zu Anfang noch ablehnte und hatte immer mehr Spaß an der Frühförderung 🙂 . Wir hatten zwar feste Termine, die eingehalten werden mussten, aber trotzdem wieder mehr gemeinsame Zeit, die wir ausgiebig nutzten. Es war ein sehr schönes Jahr.

Kurz vor seinem vierten Lebensjahr kam unser kleiner Racker in den Kindergarten, wo er schon nach wenigen Tagen wieder aus einem Becher trank (die Erleichterung, die wir dabei empfanden kann man sich sicher vorstellen) und er ließ sich auf Beobachtungen der Kinder ein. Er fand im Laufe des Jahres Freunde in seiner Kindergartengruppe, mit denen er auch gerne spielt und machte weitere große Fortschritte in der Motorik. Außerdem begann er auf alles was ihn interessiert zu zeigen und war zunehmend offener für neues. Wir erfuhren aber auch, dass er eine seltene Blutkrankheit hat, die zur Folge hat, dass er bei Verletzungen länger blutet, weshalb wir bei schlimmeren Verletzungen immer sehr genau schauen müssen. Bisher gab es aber zum Glück noch keinen Fall, in dem es gefährlich gewesen wäre. Seine Blutwerte werden auch zweimal jährlich kontrolliert.

Und jetzt ist unser kleiner Großer schon 5 Jahre alt, geht immer noch sehr gerne in den Kindergarten, spricht immer mehr, fragt interessiert nach den Namen für Menschen, Tiere und Gegenständen, die ihn interessieren, lässt sich auf neue Spielangebote ein und ist sehr unternehmungslustig. Auf einfache Fragen antwortet er auch vereinzelt und es bahnen sich erste einfache Gespräche an. Motorisch hat er auch enorme Fortschritte gemacht und er sucht zunehmend auch zu fremden Kindern den Kontakt. Er bekommt neben den, im Kindergarten weitergeführten Therapieangeboten wie Ergotherapie, Motopädie, Krankengymnastik und Logopädie auch eine Autismustherapie, die er sehr gut annimmt und hat bereits eine gute Bindung zu den Therapeuten und den Erzieherinnen aufgebaut. Besonders intensiv genießt er aber auch die (mittlerweile leider deutlich weniger gewordenen) Momente des Kuschelns mit Papa und Mama, das wilde Toben und die vielen Unternehmungen, die wir mit ihm machen. 🙂 ♥

Und jetzt: Jetzt sehen wir fröhlich und voller Neugier vielen weiteren Jahren mit unserem kleinen Sonnenschein entgegen und wünschen ihm erst noch mal alles Liebe zum fünften Geburtstag.

Papa und Mama haben Dich ganz doll lieb kleiner, großer Schatz ♥.

© S. Stolzenberg

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Published in: on 12. Mai 2014 at 20:19  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Herzlichen Glückwunsch an deinen Kämpfer! Schön, dass er in letzter Zeit so tolle Fortschritte macht!

    • Danke Butterblumenland, ich wünsche Dir eine gute Woche 🙂 LG Sabrina

  2. Herzlichen Glückwunsch für Euren Sohnemann 🙂

    Und an Euch ein großes Kompliment, wie Ihr Euren Sohn annehmt und ihm diese vielen Chancen bietet.

    Und an den Menschen mit dem Autismus-Verdacht, Danke, dass es so früh erkannt wurde und so vieles so früh in Gang gesetzt werden konnte!!

    Noch viele glückliche Jahre und viele gute Erfolge
    Anita

    • Danke Anita, es hätte eigentlich sogar noch eher erkannt werden können, da meine Schwiegermutter schon ein halbes Jahr früher den Verdacht hatte, dass mit unserem Kleinen etwas anders sei, weil er nich trichtig sparach, aber unser damaliger Kinderarzt uns immer sagte das komme noch er würde halt später anfangen zu sprechen…. Das Krankenhaus in dem wir waren ist da aber wirklich super und die stellen sich auch immer ganz toll auf Kinder mit Handicap ein :). Ich wünsch Dir eine gute Woche 😉 LG Sabrina


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