Schlafenszeit

Vor zwei Wochen sind meine Eltern in eine neue Wohnung umgezogen. Mein Mann half da sehr viel. Dadurch sahen sich mein Mann und unser Kleiner am Mittwoch gerade mal fünf Minuten und am Donnerstag nur zehn Minuten abends, bevor unser Sonnenschein ins Bett ging. Freitag sahen sich die beiden etwas mehr, weil ich mittags mit unser Kleinen zur neuen Wohnung meiner Eltern ging – wie auch am Samstag. Den Sonntag haben wir was mit unserem kleinen Mann unternommen, aber auch Montag musste er länger warten, bis er seinen Papa sehen konnte, der nochmal bei ein paar Kleinigkeiten half. Eigentlich kommt unser Kleiner sehr gut mit Veränderungen zurecht, wenn es nicht so einschneidende Veränderungen sind. Selbst mit einem Krankenhausbesuch kann er gut umgehen, solange Mama dann mit dabei ist, aber hier kamen für ihn einfach zu viele Dinge zusammen.

Er musste verarbeiten, dass Oma und Opa jetzt in einer neuen Wohnung leben, die natürlich auch ganz anders aussieht, er seinen Papa ganz wenig gesehen hat, was er so noch nie hatte und was er auch überhaupt nicht verstehen konnte und, dass er an dem Freitag Mama und Papa weniger gesehen hat, als sonst. Denn durch den Brückentag hatte er keinen Kindergarten, da Mama aber auch ein bisschen bei Oma und Opa helfen wollte, brachte Mama den kleinen Mann zur anderen Oma.Das war dann auch für unseren kleinen Kämpfer zu viel und so stellte sich schon Mittwochabend eine Ein- und Durchschlafproblematik bei ihm ein.

Die ersten zwei Wochen legte sich immer entweder Mama oder (meistens) Papa mit unser Kleinen in unser Bett, bis er einschlafen konnte und dann brachten wir ihn wieder in sein Bett, was aber meist nur für wenige Stunden sein Schlafplatz blieb, da er fast jede Nacht wieder wach wurde, weinte bis Papa oder Mama wieder bei ihm waren und einer von uns Beiden nahm ihn dann zu sich zum schlafen. Wir schlafen seitdem auch getrennt, da wir noch nicht wissen, ob er wieder ruhiger schlafen kann….

Wie es bei den meisten deutschen Eltern ist, hatten natürlich auch wir Angst unser Kind zu sehr zu verwöhnen (hierzu ein lesenswerter Artikel: http://www.focus.de/familie/babyentwicklung/schwarze-paedagogik-wer-kinder-schreien-laesst-folgt-einem-rat-der-nazis_id_3895819.html?fbc=fb-shares%3FSThisFB) . Außerdem befürchteten wir, dass sich unser kleiner Sonnenschein womöglich daran gewöhnen könnte und er noch Jahre dieses Einschlafritual benötigen würde, was wir aber nicht wollten. Außerdem machten wir uns Gedanken wie das funktionieren sollte, wenn mein Mann Anfang Juli seine Umschulung anfangen würde, da er dann abends lernen muss, was natürlich schwer umsetzbar wäre, wenn unser Kleiner immer erst sehr spät einschlafen würde, denn in den ersten zwei Wochen schlief er immer erst zwischen 20 Uhr und 22 Uhr ein. Der späteste Zeitpunkt zu dem er einschlief war 0.30 Uhr.

Also fragten wir bei Freunden, Verwandten und im Internet nach Ideen was seine ein- und Durchschlafschwierigkeiten begründen könnten (wir vermuteten erst, dass sich vielleicht ein Art Trennungsangst entwickelt haben könnte) und auch nach Tipps.

Wir erhielten keine wirklich Idee was seine Schlafschwierigkeiten begründen könnte, aber einige Berichte darüber, dass es vielen anderen Eltern auch so erging. Bei machen lag es an Trennungsängsten, bei anderen daran, dass die Kinder Nachtängste entwickelt hatten, bei einigen wenigen an Umstellungen. Bei Louis liegt es daran, dass er als Autist große Schwierigkeiten mit starken Veränderungen hat, aber das war bei keinem anderen Elternteil so oder ähnlich aus berichten zu lesen.

Auch Tipps erhielten wir einige. Die erste, die uns einen Tipp gab, den ich aber schon beim zuhören nicht ernst nehmen konnte, war unsere Kinderärztin, die uns berichtete, dass ihre Tochter mal ähnliche Schlafschwierigkeiten hatte. Sie nannte es Regulationsstörung und meinte, da sie ein Mensch sei, der solche Probleme schnell gelöst bekommen wolle, habe sie ihre Tochter vier Nächte lang schreien lassen, sei aber immer wieder nach 10 Minuten in das Zimmer gegangen und habe gesagt das Kind sei alt genug alleine einzuschlafen. Danach konnte ihre Tochter (laut Aussage der Ärztin) wieder alleine in ihrem Zimmer einschlafen. Sie riet uns das auch mal zu versuchen und uns vielleicht auch mal bei einer Kinderpsychologin beraten zu lassen. Dieser „Tipp“ war für mich aber keiner, den ich annehmen würde, da dieses Schreien lassen nicht nur für psychische Schädigungen bei einem Kind sorgen kann, sondern es für mich auch mit Vernachlässigung gleichzusetzten ist und Vernachlässigung ist eine Form von Missbrauch!!! Die Kinderärztin half uns also nicht. Ein weiterer Tipp, den ich über das Internet bekam war, dass man sich neben das Kinderbett setzten könne und immer wieder den Abstand zum Bett vergrößern solle – die Schwierigkeit bei uns war da nur, dass unser Schatz immer wieder anfing zu weinen, sobald er uns beide nicht sah – ein zu großer Abstand zu seinem Bett wäre also eh nicht machbar gewesen und zudem reichte es die ersten Tage auch nicht sich „nur“ neben das Bett zu setzten. Unser Kleiner brauchte es, dass man sich neben ihn in das Bett legte, damit er auch Körperkontakt aufbauen konnte. Das Setzten neben das Bett reichte ihm erst nach ein paar Tagen.

Weiter bei uns nicht umsetzbare Tipps waren einfach nicht zu reagieren (siehe dazu Tipp Nummer eins), leise im Hintergrund Musik laufen zu lassen (dann schrie unser Schatz noch mehr), ihn richtig müde zu laufen (er konnte eigentlich kaum noch die Augen auf halten, weil er soooo… müde war….) oder auch mit ihm zu singen (dann sang er mit und wurde dadurch wieder fit).

Dann kam Mama eine Idee, als Louis bis nach 24 Uhr wach war. Sie stellte ihm sein Faserlicht, das auch eine Vibrierfunktion hat, ins Bett und er wurde ruhiger, konnte aber noch nicht schlafen. Diese Idee kam mir, weil ich weiß, dass Vibrationen ihm helfen sich besser zu spüren und dadurch zur Ruhe zu kommen. Doch da dies noch nicht ausreichte, überlegte Mama weiter was ihm noch helfen könnte und erinnerte sich mal in einer ganz tollen Gruppe bei Facebook gelesen zu haben, dass es vielen Autisten hilft besser einzuschlafen, wenn sie sich durch eine Gewichtsdecke besser spüren. Da wir aber (noch) keine Gewichtsdecke oder Gewichtskissen haben, kam Mama die Idee, dass wir für unser Schatz auch noch ein Kirschkernkissen (also eigentlich ein sehr kleines Gewichtskissen) haben und legte es auf seinen Rücken. Ich verließ kurz sein Zimmer und als ich wieder kam, war er schon fast eingeschlafen und ich setzte mich noch zwei Minuten zu ihm, bis er endgültig eingeschlafen war.

Was unseren Sonnenschein auch beruhigt ist Lavendel. Darum haben wir ihm jetzt ein kleines Lavendelkissen gekauft, das neben seinem Bett an der Wand hängt.

Momentan lösen wir sein Einschlafproblem so, dass wir ihm das Kirschkernkissen auf den Rücken legen und sich Papa oder Mama noch ein paar Minuten neben das Bett setzten, bis unser kleiner Kämpfer eingeschlafen ist, aber wir haben auch schon Füllstoff für Kopfkissenhüllen bestellt (Erbsen und Rappsamen) und werden daraus Gewichtskissen für ihn nähen, damit er sich noch besser spüren kann, als mit dem kleinen Kirschkernkissen und wir werden uns trotzdem auch nochmal von unserer Autismustherapeutin beraten lassen. Sollte er dann weiterhin starke Schwierigkeiten haben auch mal alleine einzuschlafen würden wir uns bei einer Kinder- und Jugendpsychologin beraten lassen, aber da er uns schon nur noch wenige Minuten an seinem Bett braucht, denke ich, dass das nicht nötig sein wird…

Ich würde mir nur wünsche, dass Kinderärzte solche Probleme ernster nehmen würden und der „Ratschlag“ ein Kind (egal welchen Alters) schreien zu lassen aus den Köpfen der Menschen verschwindet, denn man muss sich doch nur mal in die Situation des Kindes hinein versetzten. Das Kind hat Angst, ist verunsichert oder hatte einen Alptraum und benötigt eigentlich ein bisschen Zuneigung und Trost und wird einfach ignoriert, weil es die Eltern stört, dass es weint. Wie soll dieses Kind denn eine vernünftige Vertrauensbasis zu seinen Eltern aufbauen? Antwort: Gar nicht! Es wird sich merken, dass es nicht ernst genommen wird, dass seine Bedürfnisse nicht erkannt werden und wird diese unterdrücken und dadurch mit hoher Wahrscheinlichkeit psychisch krank werden….

Zum Abschluss dieses Blogs aber noch ein Wort an alle Eltern: Wenn Euer Kind sich irgendwie auffällig verhält: Hört auf Euer Bauchgefühl und nicht auf die Vielen gutgemeinten Ratschläge, die man Euch gibt, denn mit Eurem Bauchgefühl liegt ihr immer richtig ;).

© S. Stolzenberg

Advertisements

The URI to TrackBack this entry is: https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2014/06/14/schlafenszeit/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

sophiesanderswelt

Mutter sein und Frau bleiben mit behindertem Kind

jutimablog

Das Leben eines Kindes der 80er. Meine Gedanken, meine Lieblingsmusik, meine Fotos und anderes. Willkommen :)

Herzensangelegenheit.

Eine Mutter liebt am stärksten ihr schwächstes Kind (schwedisches Sprichwort)

diaphanoskopie

...im Gegenlicht der Wirklichkeit.

Kind und Studium

Zwischen alltäglichem Wahnsinn und Freuden

erzaehlmirnix

[hier bitte kreative Beschreibung einfügen]

wheelymum

Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben

maria ante portas

Inklusionsblog

kiki blacks blog

Mein Leben, mein Chaos, meine Familie und ich

Leben mit Autismus & einem halben Herzen

Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. (Oscar Wilde)

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Autland Nürnberg

von und für Autisten

Andersfamilie

Huch, ich dachte immer DIE wären anders

dasfotobus

gedankenparkplatz || Mensch mit Meer

Blogger ASpekte

Menschen im Autismus-Spektrum haben sich zusammengeschlossen, um aus ihrer Sicht die Welt zu beschreiben. Alle Bloginhalte von "Blogger ASpekte" sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung der jeweiligen Autoren nicht kopiert und veröffentlicht werden.

meerigelstern

mit Schneeflocken fliegen - die Welt anders erleben, autistische Lebensformen berichten aus der Chaoswelt und von Gemeinsamlebenstipps

laviolaine.com

Foto-Reportagen und Portraits

Anders als die anderen - Lohengrins Blog

Verdacht auf Autistische Spektrumsstörung

Papa b(l)oggt

Das etwas andere Papablog

Gedankencocktails

Eine Autistin zwischen den Welten

melli´s kleines nähkästchen

wilkommen in meiner Sicht der Dinge

autzeit

Irgendwo im Universum bin ich falsch abgebogen.

Charly's Welt

oder wie ich sie sehe ...

butterblumenland

Familienleben mit Autismus

mehrblickblog.wordpress.com/

Inklusion | Vielfalt | Menschen

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Autismus aus Sicht eines Autisten

RBW-Blog

Regenbogenwald - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

Gedankenkarrussel

Ein Blog über mein Leben mit Asperger und Dauermüdigkeit

Erdlingskunde

Das seltsame Verhalten neurotypischer Menschen, versuchsweise beschrieben von einem Neurotypischen.

DenkenderTraum

Autismus, Aspie, Ich

innerwelt

Ich bin Asperger Autistin und hier sollen meine Gedanken Platz finden.

altonabloggt

Themen rund um und aus Altona und Hamburg

früher war ich falsch...

...heute bin ich anders...

Ich bin Autistin - Asperger-Syndrom bei Frauen

Autismus aus der Sicht einer Betroffenen

%d Bloggern gefällt das: