Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch einen Menschen mit Handicap – ein Erfahrungsbericht

Gestern musste ich mit meinem Kleinen zur Kontrollblutabnahme nach Duisburg und versprach ihm, dass wir anschließend in den Zoo gehen würden, nämlich als Belohnung.

Aber fangen wir morgens an. Nachdem ich Sohnemann geweckt hatte und mit ihm zur Bushaltestelle gegangen war (es war 8 Uhr), verpassten wir erst mal den Anschluss an den nächsten Bus, mit dem wir zum Bahnhof fahren wollten. Also hatten wir 20 Minuten Zeit um diese Strecke zu Fuß zurück zu legen, was mit unserem Kleinen gar nicht so einfach zu schaffen ist, da er gerne an Pflanzen entlang fühlt und dann sehr langsam geht, aber durch das Antreiben von Mama haben wir es gerade noch geschafft den Zug zu bekommen, der uns nach Düsseldorf brachte, wo wir umsteigen mussten. Da wurde der kleine Mann dann etwas unruhig, weil er langsam keine Lust mehr hatte, noch müde wurde und wir stehen bleiben mussten, aber die Fahrt dauerte zum Glück nicht so lange und in Duisburg hatte er ein bisschen Bewegung bis wir die U-Bahn erreicht hatten, mit der wir in die Stadt fuhren. Von da aus mussten wir dann nur noch ein bisschen zu gehen, waren aber auch schon etwas zu spät, weshalb ich den Kleinen wieder etwas antreiben musste. Nach 2 Stunden Bus-, Zug- und Straßenbahnfahrt und ein bisschen zu Fuß gehen waren wir endlich in unserer Hämatologiepraxis angekommen, zu der der kleine Mann 2 mal im Jahr zur Kontrolle soll und da wurde ich ernsthaft von der Sprechstundenhilfe gefragt wieso wir denn da seien! „Tief ein und ausatmen und nicht zickig reagieren“ dachte ich und erklärte, dass Sohnemann zweimal im Jahr zur Kontrolle seiner Blutwerte in der Praxis vorstellig werden soll. Wir durften ins Wartezimmer und nach einer sehr langen Zeit ins Behandlungszimmer, wo ich die erneute Wartezeit nutze, um meinen Sonnenschein zu wickeln. Die Ärztin kam, führt ein kurzes Gespräch mit mir, ging wieder und wir warteten erneut bis dem kleinen Mann Blut abgenommen wurde und man mich bat demnächst nach dem Wickeln doch bitte den Müllbeutel zu zuziehen was ich sicher nicht tun werde, da ich nicht weiß, was da noch entsorgt wurde und keine Handschuhe trage, während die Helferinnen, die dort arbeiten, Handschuhe tragen…. Ich brauchte dann noch eine Bescheinigung, dass unser Kleiner dort war und warum diese Behandlung nur dort gemacht werden kann, um Fahrkosten bei der Krankenkasse beantragen zu können, und obwohl mir das schon öfter bescheinigt wurde, wusste die Arzthelferin nicht wie sie das formulieren solle… ich half ihr. Wir waren dafür 2 Stunden in der Praxis….

Nach dem wir etwas gegessen hatten, sind wir dann mit der Straßenbahn zum Zoo gefahren. Nicht, dass irgendwer für eine Mama mit Kind, die eine Tasche und einen Rucksack auf dem Rücken hat aufstehen würde, aber ich hatte ein Versprechen gegeben, das ich halten wollte und nahm das in Kauf…

Im Zoo angekommen, wo ich leider keinen Bollerwaagen leihen konnte, war der kleine Mann zwar interessiert, aber eher als wolle er sagen „ok ja da sind Tiere“, was sich aber änderte als wir zu den Delfinen kamen . Da sah ich ein Kind, das einfach nur begeistert und glücklich war 🙂 .  Dieser begeisterte Applaus ist durch nichts zu ersetzen und mein Herz machte bei jedem begeisterten „ja“ einen riesen großen Freudensprung ♥ . Aber ich war auch etwas wütend, denn als vorgeführt wurde wie Delfine die Geräusche machen, ahmte unser kleiner Mann das nach und ein Junge, der bis dahin vor uns gesessen hatte, setzte sich um, beachte unser Kleinen aber mit einer Abneigung und einer Arroganz, dass es michwütend machte… Jetzt fand der kleine Mann jedes Tier spannend, toll und interessant und wollte immer lange gucken, besonders aber bei den Quallen, wo er immer wieder fragte „Da?“ und ein Mädchen, das diese auch beobachte immer wieder „Qualle“ antwortete, bis es davon genervt war . Bei den Koalas sagte mir der kleine Mann „Wow. Das ist wunderschön“ und auch danach gefielen ihm alle Tiere. Da es eine Aktion gab, dass man einen Schlüsselanhänger geschenkt bekam mit einem Bild von der Familie, dem Besucher,… wollten wir mal gucken gehen wo den unser Schlüsselanhänger sei, denn wir Papa mitnehmen wollten, damit er uns immer bei sich hat, wenn er unterwegs ist. Unserem Sonnenschein war das zu langweilig und so beobachtete er die Leute, die sich auch dort aufhielten und rannte umher. Er erkannte auf einem Bild, dass ein Mann festhielt dessen Tochter, die er, wenn ich das richtig aus dem Augenwinkel gesehen habe, angestupst hat, um Kontakt aufzunehmen. Da ich noch bei den Bilder am schauen war, hab ich das nur halb mitbekommen… Da ich merkte, dass das Mädchen sich unwohl fühlte, nahm ich unseren Kleinen an Seite und erklärte ihm, dass das Mädchen das nicht wolle. Eigentlich wäre die Situation damit schon geklärt gewesen, aber ich wurde dann auf eine sehr aggressive und arrogante Art vom Vater des Mädchens gefragt was denn mit meinem Sohn los sei und antwortet nur mit „Er ist behindert“: Dem Vater schien das unangenehm zu sein und er wollte sich weg drehen, aber ich sagte ihm, dass er vielleicht zukünftig etwas weniger aggressiv nachfragen könnte.

Ich machte mit unserem Kleinen auf den Weg nach Hause, indem wir mit der Straßenbahn zurück zum Hauptbahnhof Duisburg fuhren und von dort mit Zug weiter – nur nicht wie gedacht bis Viersen, sondern nur bis Krefeld Hauptbahnhof 😦 . Zudem saßen wir in einem Vierersitz mit einem jungen Mann, der sich offensichtlich davon gestört fühlte, dass unser Kleiner die Beine vor und zurück bewegte (wie beim schaukeln) und dadurch immer wieder vor das Plastik unter dem Sitzbereich trat. Er schaute mich vorwurfsvoll an, weil ich den Kleinen nicht ermahnte und beobachte argwöhnisch den kleinen Mann 😦 . Als wir am Hauptbahnhof in Krefeld angekommen waren, wo uns der Papa abholen wollte, spielte unser Sonnenschein auf einer Wiese, beobachtete Bienen und betrachtete die Blumen und ich nutze die Gelegenheit für ein paar schöne Bilder 🙂 . Wir fuhren gegen 18 Uhr nach Hause und waren beide geschafft von diesem Tag…..

© S.Stolzenberg

Advertisements

The URI to TrackBack this entry is: https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2014/07/25/369/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Sascha Stracks

Fotograf & Bildbearbeiter

sophiesanderswelt

Mutter sein und Frau bleiben mit behindertem Kind

jutimablog

Das Leben eines Kindes der 80er. Meine Gedanken, meine Lieblingsmusik, meine Fotos und anderes. Willkommen :)

Herzensangelegenheit.

Eine Mutter liebt am stärksten ihr schwächstes Kind (schwedisches Sprichwort)

Diaphanoskopie

Ich bin umgezogen

Kind und Studium

Zwischen alltäglichem Wahnsinn und Freuden

erzaehlmirnix

[hier bitte kreative Beschreibung einfügen]

wheelymum

Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben

maria ante portas

Inklusionsblog

kiki blacks blog

Mein Leben, mein Chaos, meine Familie und ich

Leben mit Autismus & einem halben Herzen

Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. (Oscar Wilde)

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Autland Nürnberg

von und für Autisten

Andersfamilie

Huch, ich dachte immer DIE wären anders

dasfotobus

gedankenparkplatz || Mensch mit Meer

Blogger ASpekte

Menschen im Autismus-Spektrum haben sich zusammengeschlossen, um aus ihrer Sicht die Welt zu beschreiben. Alle Bloginhalte von "Blogger ASpekte" sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung der jeweiligen Autoren nicht kopiert und veröffentlicht werden.

meerigelstern

mit Schneeflocken fliegen - die Welt anders erleben, autistische Lebensformen berichten aus der Chaoswelt und von Gemeinsamlebenstipps

laviolaine.com

Foto-Reportagen und Portraits

Anders als die anderen - Lohengrins Blog

Verdacht auf Autistische Spektrumsstörung

Papa b(l)oggt

Das etwas andere Papablog

Gedankencocktails

Eine Autistin zwischen den Welten

melli´s kleines nähkästchen

wilkommen in meiner Sicht der Dinge

autzeit

Irgendwo im Universum bin ich falsch abgebogen.

Charly's Welt

oder wie ich sie sehe ...

butterblumenland

Familienleben mit Autismus

NaLos_MehrBlick

Inklusion | Vielfalt | Menschen

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Autismus aus Sicht eines Autisten

RBW-Blog

Regenbogenwald - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

Gedankenkarrussel

Ein Blog über mein Leben mit Asperger und Dauermüdigkeit

Erdlingskunde

Das seltsame Verhalten neurotypischer Menschen, versuchsweise beschrieben von einem Neurotypischen.

DenkenderTraum

Autismus, Aspie, Ich

innerwelt

Ich bin Asperger Autistin und hier sollen meine Gedanken Platz finden.

altonabloggt

Themen rund um und aus Altona und Hamburg

früher war ich falsch...

...heute bin ich anders...

%d Bloggern gefällt das: