Kinder und Karriere ein Spagat, der machbar ist oder auch manchmal nicht?

Viele Eltern müssen sich schon früh entscheiden wer die Kinderbetreuung und Erziehung übernimmt und wer wieder arbeiten geht: Es ist aber immer noch ein Elternteil bei dem Kind und hat ab dem Kindergarten die Möglichkeit wieder halbtags arbeiten zu gehen. Hier kommen weder der Mensch als solcher, noch das Kind, noch die Verpflichtungen zu kurz. Es kann auch in dieser Konstellation ein Kraftakt und ein Spagat sein, aber der Elternteil, der ab einem gewissen Punkt nicht mehr „nur“ Mutter und Hausfrau beziehungsweise Vater und Hausmann sein möchte, hat die Entlastung durch den Partner, der sich auch mal zeitweise um das gemeinsame Kind kümmern kann.

Gibt es aber Konstellationen, die das vielleicht schwieriger machen?

Durchaus.

Was ist, wenn das junge Paar ein Kind mit Handicap zur Welt bringt?

Hier ist dann ein Elternteil nicht nur Mutter oder Vater für das Kind, sowie Ehefrau oder Ehemann und Hausfrau oder Hausmann, sondern auch Pflegeperson für das Kind. Dies bedeutet einen Verzicht auf viel Freizeit, aber dennoch möchte dieser Elternteil vielleicht mal wieder arbeiten gehen?

Der Elternteil, der auch Pflegeperson ist, könnte zwar in der Zeit, in der das Kind im Kindergarten oder später in der Schule ist arbeiten gehen, müsste aber schauen, dass er wieder zu Hause ist, wenn das Kind ankommt und dann den Spagat schaffen, dass das Kind sich nicht vernachlässigt fühlt, aber dennoch der Haushalt erledigt wird, was bei einem pflegebedürftigen Kind, das möglicherweise auch viel Anleitung benötigt schwer ist. Natürlich haben diese Eltern verschiedene Möglichkeiten Hilfen in Anspruch zu nehmen, etwa eine Pflegestufe zu beantragen und eine Kombileistung aus Pflegegeld und Sachleistung zu nutzen, um das Kind zum Beispiel durch einen Pflegedienst betreuen zu lassen, oder sie könnten die Verhinderungspflege zur Kindsbetreuung einsetzten wie auch die zusätzlichen Betreuungsleistungen (bei einer eingeschränkten Alltagskompetenz des Kindes) und vielleicht könnten dann zusätzlich noch verwandte aushelfen. Was aber, wenn das Kind sich nicht fremd betreuen lässt? Nun nehmen wir einfach mal an, dass dieses Kind wenn es zu Hause ist auch zeitweise vom anderen Elternteil beaufsichtigt uns gepflegt werden könnte, aber dann würde unter Umständen die Beziehung der Eltern darunter leiden (was sie bei einem pflegebedürftigen Kind sowieso in den meisten Fällen tut). Doch wenn diese Möglichkeit nicht bestünde müsste der pflegende Elternteil zusehen, dass das Kind sinnvoll beschäftigt ist, nach Möglichkeit mit einer Tätigkeit bei der es keinerlei Anleitung bedarf, um in der Zeit den Haushalt zu erledigen und könnte sich dann um das Kind kümmern oder ein Teil der Hausarbeit müsste in die Abendstunden verlagert werden, wenn das Kind schläft. Hier wäre der Spagat schon kaum noch machbar, da immer eine Verpflichtung oder ein Familienmitglied zu kurz kommen würde.

Und dann gibt es noch die Lebenssituation, in der es kein Spagat mehr wäre, sondern es immer jemanden oder etwas gäbe, das zu kurz kommen würde. Das wäre der Fall, wenn sich die Kindseltern getrennt hätten, das pflegebedürftige Kind viel Anleitung bräuchte und der Elternteil, bei dem das Kind lebt arbeiten gehen wolle… In dieser Situation würde immer entweder der Haushalt oder das Kind oder der Elternteil zu kurz komme, insbesondere dann, wenn das Kind sich nicht fremdbetreuen lassen würde.
Doch wie kann hier Abhilfe geschaffen werden?

Zuerst mal muss es zunehmende Aufklärung über die verschiedensten Handicaps geben, denn es ist oftmals so, dass selbst viel Kinderärzte und Kliniken mit einigen Handicaps nichts anzufangen wissen – wie sollten dann andere Fachleute – etwa für die familienentlastenden Dienste speziell darauf geschult sein?

Arbeitsplätze müssten zudem besser bezahlt werden und es müsste mehr Teilzeitstellen geben. Aber es müsste auch ein Umdenken bei den Arbeitgebern stattfinden, denn die meisten Arbeitgeber wünschen sich möglichst flexible Arbeitskräfte, die auch mal Überstunden machen können, keinerlei private Verpflichtungen haben, mobil sind und sind selten dazu bereit auch mal flexible Arbeitszeiten anzubieten…..

Die Krankenkassen müssten besser über die Möglichkeiten der Hilfe bei Krankheit oder Handicap informieren und es müsste eine Verbesserung des Bildungssektors stattfinden, denn viele Kindergärten und Schulen wollen zwar eine Inklusion, wissen aber oftmals nicht wie oder es fehlen die finanziellen Mittel, um Inklusion umsetzen zu können.

Für Eltern, die berufstätig sind – insbesondere alleinerziehende – sollte eine Möglichkeit geschaffen werden wie das Kind betreut wird, ohne das sich immense Kosten für eine Kindsbetreuung etwa durch eine Tagesmutter ansammeln, denn dann ist das Risiko in das soziale Auffangbecken Hartz IV abzurutschen kaum abwendbar.

Und doch befürchte ich, dass sich an der Situation wie sie Eltern, die berufstätig sein möchten, erleben vermutlich nichts verändern beziehungsweise verbessern wird… 😦

© S. Stolzenberg

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