Mangelnder Austausch mit den Eltern oder neue Informationen und Diagnosen unseren Schatz betreffend

Da die Kostenübernahme für die Autismustherapie unseres Schatzes nur bis Ende des Monats bewilligt ist, müssen wir einen Folgeantrag für den Zeitraum ab dem 01.12.2014 beim zuständigen Amt stellen, wozu auch Entwicklungsberichte beigefügt werden müssen.

Also habe ich erst mal bei der Autismus-Therapie-Ambulanz um einen solchen Bericht gebeten. Hier konnte ich feststellen, wie gute Kommunikation aussehen kann, da sich für uns nur eine „neue“ Sache ergab, nämlich, dass unser Schatz scheinbar gerne an Schuhen/Schuhsohlen riecht. Dass wir darüber schmunzeln mussten, kann man sich sicherlich vorstellen, insbesondere, da wir ein solches Verhalten noch nicht beobachten konnten….

Kritisch sehe ich allerdings den Satz „ Es kann eine deutliche autistische Problematik beobachtet werden“ Denn: Ich bin der Ansicht, dass bei Behinderungen wie Autismus nicht in schwer oder leicht unterteilt werden sollte. Jeder Mensch ist anders und damit auch jeder Autist und das bedeutet auch, dass jeder andere Stärken und Schwächen hat!

Ja unser Schatz hat ein paar besondere Eigenheiten (wie jedes andere Kind auch), aber dafür hat er auch große Stärken – so ist er unheimlich musikalisch, hat ein tolles Rhythmusgefühl, ist wahnsinnig tierlieb. Muss man dann immer nur die Schwächen hervorheben – jeder Mensch hat doch neben seine Defiziten auch Stärken, die ihn ebenso ausmachen!?!

Jedenfalls habe ich dann im Kindergarten darum gebeten, ob auch da ein Entwicklungsbericht der Therapeuten und Erzieher geschrieben werden könnte. Das ist dann auch geschehen und wir lasen vieles, was und nicht oder nicht in der Form bekannt war. In den Kindergarten geht er übrigens seit März 2013 und es gibt ein Mitteilungsheft, in das Diagnosen, Entwicklungsrückschritte, Fortschritte,… geschrieben werden könnte. Passiert ist das nicht – wir erfuhren jedoch immer ob unser Schatz auf dem Spielplatz, im Wald, auf dem Hof spielen war, vereinzelt was es zu essen gab und bei welchem Therapeuten er in der Therapie war. Seit ca. einem halben Jahr erfahren wir auch bei Logopädie und Ergotherapie mittels kopierten Bildkarten mit welchen Dingen in der Therapiestunde gearbeitet wurde – immerhin…

Wie erfuhren so aus dem Bericht, dass unser Schatz innerhalb der Kindergartengruppe stereotypes Spielverhalten zeigt – etwa mit Tüchern zu wedeln. Wir haben das zwar mal gesehen, als wir ihn abgeholt haben, nahmen aber an, dass das eher die Ausnahme sei, er sich Spielangebote wie Puzzle nehmen würde und kaum stereotypes verhalten zeigen würde, da dies zwar zu Beginn der Kindergartenzeit deutlich zu beobachten war, dann aber (erst mal) – zumindest im häuslichen Umfeld abnahm und dann zu Hause gar nicht mehr zu beobachten war jedoch seit kurzem wieder etwas mehr zunimmt, indem er Bälle hin und her rollt und hinterher krabbelt.

Hier gab es für uns aber auch viel Bekanntes zu lesen und es wurden auch Fortschritte erwähnt, etwa, dass unser Schatz zunehmend auch von sich aus Farben benennt oder bis fünf zählt (zu Hause bis zehn).

Nun folgte der ergotherapeutische Bericht, indem wenig über die Therapieinhalte zu lesen ist, wobei wir diesen – wie bereits geschrieben – aus den Bildkarten erfahren, die immer in der Kindergartentasche mitgegeben werden. Für das Mitteilungsheft erwähnenswert hätten wir es jedoch gefunden, dass unser Schatz seit Ende der Sommerferien wieder unruhiger in der Therapie ist und sich somit nicht so gut auf die Therapie einlassen kann. Es wäre und öfter mal mittwochs eine Erklärung geliefert warum unser Schatz teilweise so aufgedreht oder sehr müde war…

Weitergeführt wird der Entwicklungsbericht mit dem sprachtherapeutischen Bericht, in dem bis auf die Diagnose beziehungsweise deren detaillierte Bezeichnung nicht neues zu lesen ist, jedoch einige Fortschritte, etwa, dass unser Schatz anfangs sehr starkes stereotypes verhalten gezeigt hat, dies aber in der Therapie gar nicht mehr zeigt 🙂 .
Unser Schatz hat eine massive Sprachentwicklungsverzögerung mit einer Sensibilitäts- und Koordinierungseinschränkung im orofazialen Komplex (http://flexikon.doccheck.com/de/Orofaziale_St%C3%B6rung), einer Dyslalie (http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Baby+Kind/Entwicklung/Artikulationsstoerungen-Dyslal-2125.html), einem Dysgrammatismus (http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Baby+Kind/Entwicklung/Dysgrammatismus-bei-Kindern-2126.html), einem eingeschränkten Sprachverständnis, massiven Wortschatzdefiziten und eingeschränkter Spontansprache.

Vor der Schlussbemerkung findet sich dann noch der physiotherapeutische Bericht, aus dem viel Neues hervorgeht. So lasen wir dort, dass unser Schatz eine generalisierte Muskelhypotonie (http://symptomat.de/Muskelhypotonie) hat – gut zu wissen – immerhin könnten wir da vielleicht mit Übungen zu Hause die Physiotherapie unterstützen!?! Weiterhin lassen wir da, dass viele Gelenke unseres Schatzes überbeweglich sind. Auch das war und neu. Was allerdings auch schön zu lesen war, war, dass unser Schatz zunehmend eigenständiger wird uns er sich an Situationen der vergangenen Therapieeinheit erinnert und dies durch das visuelle Fokussieren des Gegenstandes der vorherigen Therapiestunden mitteilt 🙂 .

Es gibt also viel Positives in diesem Bericht, aber auch vieles, dass für uns als Eltern wichtig gewesen wäre zu wissen, um im häuslichen Umfeld auch besser fördern zu können.
Besonders positiv zu erwähnen ist, dass in der Schlussbemerkung schon mal eine Einschätzung hinsichtlich der Einschulung unseres Schatzes gegeben wird.

Da jedoch einige Dinge neu für uns waren und gerade die Muskelhypotonie bisher nie erwähnt wurde, werden wir nun mal um einen gemeinsamen Gesprächstermin bitten, um darauf hinzuweisen, dass solche Informationen für uns sehr wichtig sind und wir gerne wüssten wie wir unseren Schatz diesbezüglich zu Hause besser fördern könnten…

Schade finde ich hierbei nur, dass ich sowohl im Austausch zwischen Kindergärten und Eltern, als auch beim Austausch zwischen Schulen und Eltern des Öfteren gelesen habe, dass es keinen ausreichenden Austausch gibt 😦 . Schade, dass das bei weitem noch nicht so gut funktioniert wie bei Kindern, die keinerlei Einschränkungen durch Erkrankungen und/oder Behinderungen haben…..

© S. Stolzenberg

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Published in: on 8. November 2014 at 01:05  Comments (4)  

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Hallo Sabrina,

    es ist wirklich schade, dass in einem I-Kiga (?) die Kommunikation so schleppend läuft.

    Steht in dem Bericht etwas darüber, wie er mit veränderter Gruppensituation umgeht? Denn wenn es ab Sommer zu diesen Veränderungen / Verschlechterungen gekommen ist, kann es damit zusammen hängen, dass Kinder gegangen und gekommen sind. Evtl. hat es auch Brüche bei den Erziehern gegeben.

    Wir haben mit dem neuen Schuljahr auch mit verstärktem autistischen Verhalten zu tun. Denn alles ist neu, die Organisation läuft nicht mehr so rund und darauf reagiert unser Zwerg ganz massiv.

    Allerdings finde ich, dass Muskelhypotonie und hypermobile Gelenke unbedingt früher besprochen gehört hätten.

    Und Gespräche mit den Therapeuten liegen eigentlich vierteljährlich aber mindestens halbjährlich an. Dazu zähle ich übrigens alle Therapeuten.

    Liebe Grüße
    Anita

    • Hallo Anita. Erst mal: Es ist ein HPZ-Kindergarten, der also nur kinder mit Handicap aufnimmt. Es ist nur in der Ergotherapie so, dass er wieder unruhiger ist und schlechter mitmacht, innerhalb der Gruppensituation ist sein Verhalten stark tagesformabhängig, aber meist ist er sehr wild. Es mag allerdings sein, dass er sich wieder stärker stereotyp verhält, weil Kinder aus der Gruppe nach den Sommerferien nicht mehr kamen (in die Schule kamen) und neue Kinder dazu kamen, allerdings versteht sich unser Schatz auch super mit den neuen Kindern. Wir haben gar keine festen Therapeutengespräche 😮. In dem Kindergarten ist es so, dass einmal pro Kindergartenhalbjahr ein Elterngesprächstag gemacht wird, wo über Entwicklungsfort- und – rückschritte gesprochen wird, wobei dies vormittags geshieht, die Kinder an dem Tag keinen Kindergarten haben und ich, da ich nicht mobil bin, 2,5 Stunden für eine Fahrt unterwegs wäre…. daher haben wir diesmal nicht an dem Gespräch teilgenommen, aber ich denke, dass gerade solche wichtigen informationen auch über das Mittilungsheft weitergegeben werden könnten! Ich werde allerdings jetzt über das Mitteilungsheft nochmal darum bitten, dass wir für nachmittags einen Gesprächstermin mit allen Therapeuten bekommen und dann festgelegt wird, dass ich vierteljährlich zum Gespräch dahin fahre, damit ich besser informiert bin…. LG Sabrina

  2. Unser Zwerg versteht sich auch meist prima mit den neuen Klassenkameraden. (wir haben jetzt jahrgangsübergreifend 1-4)

    Aber es ist halt „anders“.

    Seine eigene Position ist nicht gefestigt. Raumwechsel seiner Lerngruppe oder anderer Lerngruppen bestimmen den Tag. Lehrer erkranken usw. usf.
    Manchmal reicht es, wenn Ordner nicht mehr an der gleichen Stelle stehen. Oder der Stundenplan wegen Krankheit geändert wird.

    Und wenn Du aus nachvollziehbaren Gründen ein Gespräch nicht wahrnehmen kannst, dann ist selbstverständlich das Mitteilungsbuch ein guter Weg. Oder ein Telefonat. 😉 Das sollte auch vom HPZ ausgehen. Denn deren Erfolg liegt auch in der Mitarbeit der Eltern.

    Wir haben zusätzlich noch das Wachstum und kleinere positive Entwicklungsschritte beobachtet, die zu „Rückschritten“ im Autismus geführt haben. Denn wenn sich was ändert, greift der Zwerg einfach auf bewährte Beruhigungsmuster zurück.

    Und gerade in diesen Mustern sehe ich immer wieder die Gemeinsamkeit im Autismus. Es ist egal, welche Form. Die Verhaltensweisen in solchen Situationen sind gleich.

    Für mich ist das Mitteilungsbuch der Schulbegleitung ein guter Wegweiser durch die komischen Verhaltensweisen meines Sohnes. Ich kann mit ihm sprechen oder der Schulbegleitung erklären, was er wie verstanden hat, oder was etwas auslöst. Dieser tägliche Austausch ist selbst bei unserem Asperger mit ADHS unheimlich wichtig, um Konstanten im Alltag zu bieten.

    • Es freut mich sehr zu lesen, dass es bei Euch in der Schule so gut funktioniert 🙂 Ich hoffe, dass es bei uns zukünftig auch besser klappt….


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