Der erste Kindergeburtstag

Unser Schatz ist Mitte letzten Monats 6 Jahre alt geworden, konnte aber leider bedingt durch verschieden Infekte nicht zeitnah seinen Kindergeburtstag feiern, wodurch wir das heute getan haben.

Eingeladen waren insgesamt vier Kinder, die alle zusammen mit unserem Schatz in einen heilpädagogischen Kindergarten gehen und alle ihre Eigenheiten haben – jedes der Kinder ist besonders – es werden keine Regelkinder aufgenommen, wodurch wir uns sicher waren, dass es sehr gut passen würde den Kindergeburtstag so zu gestalten, dass für jedes Kind etwas dabei wäre und so hatten wir überlegt den Kindergeburtstag im Irrland zu feiern – einem um- und ausgebauten Bauernhof, der jetzt Spielmöglichkeiten für alle Altersstufen anbietet und unser kleiner Wildfang hatte auch feste Vorstellungen davon welche Kinder er dabei haben möchte.

Von zwei der eingeladenen Kinder erhielten wir leider nicht mal eine Rückmeldung, von einem dritten Kind bekamen wir erst eine Zusage, nachdem wir die Feier aber verschieben mussten und es zuerst unklar war, ob der Junge an dem Tag mitkönnte, bekamen wir auch da keine Rückmeldung mehr durch die Eltern, so dass unser kleiner Frechdachs dann „nur“ mit einem anderen Kind feiern konnte.

Das Kind, mit dem unser Schatz gefeiert hat, ist ein kleines süßes Mädel, dass mindestens genauso wild und aufgeweckt ist wie unser Schatz (wenn nicht noch mehr), immer unter Strom steht und kaum mal ein paar Minuten ruhig sitzen bleiben kann und zurecht von ihrer Mama (einer sehr starken Frau übrigens) kleiner Wildfang genannt wird. Außerdem besteht zwischen den beiden wilden auch eine Kindergartenliebe (was man auch deutlich merkt, wenn die beiden zusammen sind), so möchte sie unseren Schatz immer wieder gerne knuddeln, umarmen und ihm nah sein und er möchte sie hin und wieder gerne knutschen. ♥

Die beiden sind sehr süß zusammen und es ist toll sie zusammen beobachten zu können, aber beide brauchen auch strenge Regeln, klare, einfache Ansagen und Struktur. Denn unser kleiner Sonnenschein ist frühkindlicher Autist mit Verdacht auf Hyperaktivität und bei dem Mädel steht ein Verdacht auf AD(H)S im Raum, der sich sicherlich bestätigen wird.

So war uns auch klar, dass wir mit den beiden nicht den gesamten Park sehen würden, dass sie sehr wild sein würden und sich gegenseitig sicher auch ein wenig aufputschen würden, aber so haben wir uns es trotzdem nicht vorgestellt:

Wir holten die Maus zu Hause ab und sie war wie unser Schatz aufgeregt, freute sich sichtlich und war schon ein wenig albern (vermutlich weil sie auch nicht sicher war was sie erwarten würde). Im Auto alberten die beiden dann und die Maus packte ihr Geschenk für unseren Schatz aus und zeigte es ihm. 😀 . Sie ist auch sehr ordentlich, so dass sie mir den Müll für den (im Auto nicht vorhandenen) Mülleimer gab. Angekommen am Park hielten die beiden dann Händchen, als wir über den Parkplatz gingen (was sie so im Kindergarten gelernt haben und total süß aussah) und als wir dann im Park waren, fragte das Mädel auch direkt, ob sie denn schon mal spielen gehen konnten. Da wir aber wissen wie wild die beiden zusammen sein können, verneinte ich das und schrieb beiden erst mal die Handynummer meines Mannes auf den Arm, falls sie uns verloren gehen würden, half beim Schuhe ausziehen und erlaubte ihnen in der Nähe zu spielen.

Die beiden gingen zusammen rutschen und spielten ausgelassen auf einem Wasserkissen (quasi wie ein Wasserbett nur viel flacher), doch nach wenigen Minuten war ich schon froh, dass die beiden die Handynummer auf dem Arm hatten und sah meinen Mann, der sicherlich froh war wie scheinbar ruhig ich in der Situation war, zum ersten Mal panisch. Denn: Die beiden waren nicht mehr in unserem Blickfeld – sie waren weg :-O. Natürlich war ich auch panisch (auch wenn man mir das sicherlich nicht anmerkte), aber ich versuchte ruhig zu bleiben (wirkte aber nur so) und überlegte wo sie in so kurzer Zeit hingelaufen sein könnten (kleine Kinder können ja verdammt schnell rennen…) und suchte erst mal in der Nähe bei den Spielmöglichkeiten, als ich plötzlich hörte wie oberhalb von mir unser Wildfang das Mädel rief, hochschaute und sah wie sie eine Treppe hochging (auf der sich unser Wildfang befand). Ein Glück ich wusste wieder wo die beiden waren und der riesengroße Felsblock, der mir zuvor noch auf dem Herzen lag, war weg, denn wenn Kinder weg sind können Sekunden zu Stunden werden.

Der Schreck saß natürlich auch meinem Mann in den Knochen, der den beiden dann erst mal eine Ansage machte, die aber auch ihre Wirkung zeigte, denn wenn wir dann sagten, dass sie hin und wieder zu uns kommen sollten, in Sichtweite bleiben und nicht zu weit vor laufen sollten, klappte es überwiegend gut. Wir gingen dann erst mal was essen (wobei eine Portion für alle gereicht hätte) und schon nach wenigen Minuten waren die beiden wieder in Action.

Wir heilten dann auch unser vorab gemachtes Versprechen und gingen mit den beiden Wildfängen Tiere gucken, wobei sie den Tieren teils zu wild waren, so dass diese sich in ihre Ruhebereiche zurückzogen. Genauso toll wie die Tiere waren für die beiden Wildfänge aber auch die diversen Pfützen, die sich durch das Gewitter gestern gebildet hatten (diese halten sich in dem Park ziemlich gut), aber das Mädel musste unseren Schatz erst mal dazu überreden in die Pfützen zu gehen, denn im Park ist überall weicher, warmer Sand und in den Pfützen ist es matschig und kalt :-D.

Nachdem wir dann aber schon langsam feststellten, dass die beiden aufdrehten, müde wurden und wir auch zeitnah wieder fahren mussten, weil mit der Mama der Maus eine Uhrzeit vorab ausgemacht war, ließen wir die beiden noch mal ein bisschen auf einem großen Wasserkissen spielen, wobei der Versuch der Maus mit unserem wilden Kerl zu kuscheln zeitweise fast eher an catschen denken ließ und er dafür immer wieder Küsschen geben wollte, aber wir konnten auch ein paar wirklich süße Bilder der beiden machen über die sich die Maus und ihre Mama, wenn sie diese nächste Woche bekommen werden, bestimmt freuen.

Wir erklärten den beiden dann warum wir uns auf den Weg zum Ausgang machen mussten und zum Abschluss durften sie mit meiner Begleitung, weil sich unser Schatz nicht ohne Mama oder Papa traut, durch ein großes Flugzeug laufen, an dessen Ende eine Rutsche ist. Wir fuhren dann mit zwei überdrehten, albernen Kindern zurück und brachten die Maus zurück zu ihrer Mama, wo es den beiden Wildfängen sichtlich schwer fiel sich zu verabschieden ♥. Die Aussicht, dass sie sich aber am Montag im Kindergarten wieder sehen werden, tröstete zumindest etwas darüber hinweg.

Es war somit ein schöner, aber auch sehr anstrengender Tag, der uns allen sicherlich noch länger in Erinnerung bleiben wird.

© S.Stolzenberg

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Published in: on 7. Juni 2015 at 01:34  Comments (1)  

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  1. […] konnte. Über diesen sehr schönen, für uns aber auch sehr anstrengenden Tag habe ich aber schon geschrieben , so dass ich darauf hier nicht nochmal näher eingehen […]


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