Der schönste und erfüllendste Beruf der Welt Mutter?

Ich bin sehr gerne Mutter und glücklich darüber Mutter sein zu dürfen. Ich verbringe sehr gerne Zeit mit unserem Sohn und bin stolz über jeden noch so kleinen Fortschritt, den er macht. Ich bin dankbar, dass mir der Wunsch Mutter zu sein von meinem Mann erfüllt wurde und freue mich über jedes kleine Lachen unseres Sohnes, ebenso wie über jede kleine Albernheit von ihm, aber so schön der „Job“ Mutter zu sein ist, völlig ausfüllend ist er (zumindest für mich) nicht immer, was nicht heißt, dass ich ihn nicht gerne mache.

Kurz nach der Geburt fehlte mir das Gefühl tatsächlich Mutter geworden zu sein völlig. Nicht etwa, weil ich mein Kind nicht annehmen konnte, sondern eher, weil es nicht da war :-(.  Unser kleiner Mann musste nämlich per Kaiserschnitt geholt werden und kam in die Kinderklinik, weil er nicht selbständig atmete (wie ich drei Monate (!) nach seiner Geburt eher zufällig erfuhr musste er auch reanimiert werden) und danach waren seine Entzündungswerte im Blut erhöht Außerdem bekam ich Gürtelrose und durfte das Zimmer nur mit vorheriger Ankündigung verlassen. Ich durfte unseren Sohn nur dann sehen, wenn mein Mann in von der Kinderklinik zu mir holte. Wie soll man da ein Gefühl dafür bekommen Mutter zu sein? Nicht mal füttern durfte ich ihn. 😦

Dann die Babyzeit zu Hause: Ich fühlte mich in meiner Mutterrolle zwar nicht unwohl, liebte das kleine Bündel Mensch auch, wusste aber oft nicht was ich den mit diesem kleinen Menschlein machen sollte. Natürlich wusste ich, dass er gefüttert, gewickelt und sauber gemacht werden muss, aber in der Zeit in der nicht seine Grundbedürfnisse gestillt wurde, ich nicht mit ihm kuschelte, er aber auch nicht schlief, fragte ich mich oft, ob ich mich mit ihm beschäftigen müsste und wenn ja wie. Dadurch konnte ich diese Zeit, in der er noch „nichts“ konnte auch nicht so genießen, auch wenn mir das fast jeder sagte, der mich mit diesem kleinen Menschlein sah. Ich hörte immer wieder ich sollte die Zeit genießen, weil Kinder zu schnell groß werden (und ja das stimmt!), aber dennoch war da immer wieder dieser Zweifel beschäftige ich mich genug mit dem kleinen Mann? Kuscheln wir auch genug, muss ich ihn alle 5 Stunden (in der ersten Zeit) wecken, um ihm die Flasche zu geben oder sollte ich einfach abwarten bis er sich meldet und wenn wie erkenne ich was er braucht?

In den ersten Tagen war ich quasi auf mich gestellt, da mein Mann wieder arbeiten musste und meine Wochenbetthebamme leider noch nicht kommen konnte, die mir dann aber zumindest etwas meiner Selbstzweifel nahm, indem sie mich darin bestärkte den kleinen Mann nicht zu festen Uhrzeiten zu wecken, sondern zu warten, bis er sich meldet ihn ruhig auch mal nur im Laufstall liegen zu lassen und ihn nicht dauerhaft beschäftigen zu müssen, aber ruhig viel mit ihm zu reden (egal über was) und mit ihm zu kuscheln. Es war oft sehr schön ihm einfach nah sein zu können und mit ihm zu singen oder mit ihm zu reden, aber dennoch war es immer noch so, dass ich manchmal dachte, dass dieses kleine Menschlein vielleicht doch mehr von der Welt haben sollte und ging viel mit ihm spazieren und erzählte ihm was ich alles sah. Es war aber auch eine sehr anstrenge Zeit, da der kleine Mann einen Reflux hat, wodurch er leider auch schnell zu Bauchschmerzen neigte und wir oft erst nicht wussten warum der kleine Mann so weinte. Wir probierten dann erst mal immer in einer festen Reihenfolge aus was es sein könnte: volle Windel, Durst/Hunger, zu kalt oder warm oder Bauchweh – zum Glück war er nur ganz selten was ganz anderes, aber dennoch schliefen wir sehr wenig und waren sehr oft beim Arzt, wo wir letztlich auch völlig falsch beraten wurden unserem Schatz mit gerade mal drei Monaten mit Schmelzflocken angedickte Nahrung zu geben, wodurch er eine Verstopfung entwickelte. Hätte mir jemand zu diesem Zeitpunkt gesagt Mutter zu sein, wäre der schönste beruf der Welt, weiß ich nicht wie ich reagiert hätte….

Nachdem der kleine Mann dann vernünftig umgestellt wurde und eine Anti-Refluxmilch bekam, hätte ich das allerdings wieder zunehmend bejaht, auch, wenn wir immer noch wenig Schlaf bekamen.

Mit zunehmend Alter unseres kleinen Manns konnte ich die Mutterrolle auch immer mehr genießen, was erst richtig einsetzte, als der kleine Mann begann zu robben, dann sich hochzuziehen und schließlich auch zu laufen. Da war ich in meiner glücklichen Mutterrolle angekommen und ließ mir auch schon kaum noch in diese reinreden mit so „tollen“ Tipps wie ein Kind müsse auch einfach mal schreien und würde, wenn es richtig müde sei auch alleine einschlafen – bitte liebe Mamas lasst Euch diesen Mist nicht einreden, denn wenn ein Kind weint (insbesondere ein Kleinkind) gibt es dafür IMMER einen Grund!

Wir begannen erste kleine Ausflüge zu machen und konnten auch immer mehr mit unserem Schatz spielen, aber dass er noch nicht sprach war zwar ungewohnt und wir kannten die Ursache nicht und machte natürlich die Lösungssuche, wenn er weinte nicht einfacher, aber es war ok und nicht weiter schlimm, da unser Sonnenschein lernte sich anders mitzuteilen und wir lernten diese Kommunikation zu lesen. 😉

Wir erfuhren in dieser Zeit seiner Entwicklung auch, dass er ein Kind mit Handicap ist und er in manchen Bereichen seines Lebens mehr Hilfe brauchen würde, als Regelkinder, was natürlich erst mal verarbeiten werden will, aber auch das klappte gut und ich fühlte mich tatsächlich ausgefüllt mir meiner Mutterrolle. Die Forderung des Staates ich solle mir doch bitte Arbeit suchen, ließ mich kalt, da ich wusste, dass dies ohne eine anderweitige Kindsbetreuung nicht umsetzbar war.

Und heute?

Ich bin eine glückliche Mama und muss dazu auch anmerken, dass ich schon relativ früh als Mädchen wusste, dass ich mal eine Mama sein möchte. Ich liebe unseren Sohn, bin dankbar für jeden Moment mit ihm (auch für die, in denen er mich den „letzten Nerv“ kostet) und möchte ihn um kein Geld der Welt mehr missen, wenn er ohne mich mit seinem Papa, seiner Uroma, seiner Oma oder der netten FUD unterwegs ist, vermisse ich ihn und es ist viel zu ruhig zu Hause, aber ich genieße diese Zeit auch- ebenso wenn er im Kindergarten ist. Aber: Ich würde es nicht dauerhaft haben wolle und sehe manchmal schon mit Schrecken dem Tag entgegen, an dem er nicht mehr bei uns zu Hause wohnen wird (zum Glück weiß ich, dass das noch lange dauern wird). Ausgefüllt durch den „Job“ Mutter bin ich aber dennoch nicht. Es fehlt mir manchmal arbeiten zu gehen, mich mit anderen Menschen, die ich nicht nur virtuell kenne oder die Mama oder Papa von sind , auszutauschen oder einfach mal nicht nur Haushalt, Kind, Katze, Mann als „Verpflichtung“ zu haben – Termine beim Arzt sind da fast schon angenehm (in den Fällen, wenn ich mich so fühle, was nicht immer der Fall ist), da man dann mal nicht über alltägliches reden kann. Manchmal ist es aber auch gar nicht so schön Mama zu sein, weil man als Mama nicht mal sagen kann heute mach ich mal gar nichts, denn zumindest die täglichen Dinge wie Essen zubereite, spülen, das Kind unterhalten (wenn auch nicht die ganze Zeit) wollen getan werden. Man ist eben nicht „nur“ Mutter, sondern auch Krankenschwester, Freundin, Vermittlerin, … und vieles mehr und hat kein frei, keinen Urlaub. Es sei denn natürlich man hat einen tollen Mann, der einem das mal abnimmt und man einfach nur Frau sein darf, nicht „nur“ die Mama von oder die Frau von oder Hausfrau, sondern einfach nur Frau und da darf ich meinem Mann ein dickes Dankeschön sagen, da er mir das ermöglicht. Aber: Das mir auch andere Dinge fehlen kann auch er mir nicht abnehmen. Leider ist es aber auch so, dass es Mamas, die nicht Vollzeit zur Verfügung stehen, weil sie auch die Kindsbetreuung sicher stellen müssen, zeitlich nicht flexibel sind und vielleicht auch nicht so mobil sind nicht gerade einfach gemacht wird einen Job zu finden. Wenn man dann aber auch noch ein pflegebedürftiges, behindertes Kind hat, das vielleicht auch noch öfter krank wird oder regelmäßig zu Therapien, Untersuchungen,… muss, ist es umso schwerer.

Mama zu sein ist sicherlich einer der schönsten unbezahlten Jobs, die es gibt, aber völlig ausfüllen kann er vermutlich nur die wenigsten Frauen…

© S.Stolzenberg

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Published in: on 8. Juni 2015 at 00:58  Schreibe einen Kommentar  

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