Die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtsfeiertage und ihre Bedeutung

Man sagt immer die Vorweihnachtszeit und die darauf folgenden Weihnachtsfeiertage seien eine Zeit der Besinnlichkeit, der Liebe, insbesondere innerhalb der Familie und der Geborgenheit.

Diesen Gedanken finde ich sehr schön und verstehe diese Zeit auch so und mag diese Zeit des Jahres auch sehr gerne, aber es sollte nicht um jeden Preis eine Zeit der Liebe und der Besinnlichkeit sein. Was ich damit meine?

Ein paar Beispiele:

Ich habe heute real und virtuell zu verschiedenen Menschen Kontakt gehabt, denen erst heute bewusst wurde, dass heute der erste Advent ist. Diese Menschen haben deswegen ihre Weihnachtsdekoration aus Keller, Dachboden,.. raus geholt und noch „schnell“ weihnachtlich geschmückt, weil heute der erste Advent ist und sind somit wegen eines Tages, der gar nicht mehr seine ursprüngliche Bedeutung hat, in Stress geraten. Das war bei uns nicht so. Wir haben einen fast „normalen“ Sonntag verbracht, nur mit dem Unterschied, dass wir heute den Geburtstag eines Familienmitglieds gefeiert haben und Plätzchen gebacken haben. Wir haben noch nicht weihnachtlich geschmückt und haben das auch heute nicht wegen dieses Tages getan, sondern werden in Ruhe in den nächsten Tagen weihnachtlich dekorieren, haben keinen klassischen Adventskranz, sondern nur vier schön verzierte Teelichtgläser, die wir aber heute auch noch nicht auf dem Tisch stehen hatten. Warum? Weil wir uns keinen Stress machen möchten und es weder für uns noch für unseren Sonnenschein so wichtig ist, dass schon alles am ersten Advent geschmückt/dekoriert ist. Wenn es ein paar Tage später fertig ist, dann ist das für uns auch ok.

Weiteres Beispiel: bisher sind wir an Nikolaus immer an dem Tag mit unseren Schatz erst zu seinen Großeltern väterlicherseits, dann zu meinen Eltern oder meiner Oma, bei der dann meine Eltern waren gefahren oder eben erst zu meiner Seite. Das machen wir dieses Jahr auch nicht mehr, da es mehr Stress, als Freude bedeutet. So fahren wir dieses Jahr am 05.12.2015 zu einem Paar Großeltern, weil da ja dann eigentlich schon Nikolausabend ist und am Tag drauf zu den anderen Großeltern. So ist es dann für uns alle nicht so stressig und es ist einfach nur ein Besuch, der mit Freude verbunden ist, weil man gerne Zeit miteinander verbringt und nicht auf die Uhr schauen muss, wann man zum nächsten Besuch aufbrechen muss.

Und ein letztes Beispiel: Wir haben es bisher immer so gehandhabt, dass wir versucht haben gerade an den Weihnachtstagen immer soweit mit allen Familienmitgliedern gut auszukommen, uns wegen der Eltern zurück zu nehmen und über Streitigkeiten, gegenseitiges Unverständnis,.. hinweg zu sehen und einfach freundlich zueinander zu sein. Wir sind zwar weiterhin freundlich und höfflich, verbringen die Weihnachtstage aber nicht mit Menschen aus der Familie, mit denen wir einfach aus verschiedenen Gründen „nicht können“ und sind auch nicht mehr so bemüht wegen des „Weihnachtsfriedens“ mit Familienmitgliedern den Kontakt zu suchen, der im restlichen Jahr auch nicht besteht. Ich hatte zum Beispiel lange Zeit kaum Kontakt zu meinen Tanten und habe mich immer sehr darauf gefreut wenigstens an Weihnachten diesen Kontakt zu haben, was immer weniger wurde, umso älter ich wurde. In der Pubertät gab es nur noch bei zufälligen Treffen Kontakt und ich habe dann trotz dessen noch öfter zumindest an Weihnachten den Kontakt gesucht. Das tu ich nicht mehr. Das sind Menschen, die an meinen Leben kein Interesse haben und dann brauch ich da auch kein vorgespieltes, aufgesetztes Interesse, weil gerade nun mal Weihnachten ist. Geschenkt. Stattdessen feiern wir Heiligabend „nur“ zu dritt, nämlich unser Sonnenschein, mein Mann und ich. Dabei wird aber vor allem viel Kuschelzeit geplant. Die beiden Weihnachtstage verbringen wir dann jeweils mit unseren Eltern und Geschwistern, meiner Oma und weiteren Familienmitgliedern, die wir gerne um uns haben und mit denen wir gerne Zeit verbringen – die uns ehrlich am Herzen liegen und nicht nur wegen Weihnachten., wobei sich daran vielleicht auch in den nächsten Jahren noch ein paar Dingen verändern werden – zum Beispiel auch wie und wo gefeiert wird……

Man sagt aber auch immer wieder, dass die Vorweihnachtszeit und die Feiertage eine Zeit des Gebens, des Teilens sei.

Diesen Gedanken finde ich nicht schön, weil er beinhaltet, dass man ein Miteinander nur auf diese Zeit beschränkt. Ich finde eher, dass das ganze Jahr eine Zeit des Teilens, des Gebens, des Mitdenkens, des Mitfühlens sein sollte und nicht abhängig von einem Anlass sein sollte, denn es gibt das ganze Jahr über Menschen, die unsere Hilfe benötigen.

Unabhängig von diesen beiden Aspekten finde ich es aber auch schade, dass die meisten Menschen gar nicht um die Ursprünge der Vorweihnachtszeit wissen und diese somit auch nicht mehr weiter geben (können).

Denn: Die Vorweihnachtszeit leitet sich ja einmal vom heidnischen Glauben ab, indem dies eine Zeit des Abschieds und des Neubeginns war, denn man verabschiedete sich vom Winter aber auch vom alten Jahr und begrüßte das neue Jahr und den bald einkehrenden Frühling. Es wurden bis zum 21.12. erst alle vier Kerzen des Julkranzes angezündet und dann jede Woche eine weniger, entsprechend dem abnehmenden Sonnenlicht, da der 21.12 der Tag der Sommersonnenwende der dunkelste Tag des Jahres darstellt – der Tag an dem es am längsten dunkel war. An diesem Tag wurde dann ein Julfeuer entbrannt – als Zeichen für die wiederkehrende Sonne – ein Zeichen der Hoffnung also. Danach wurden dann die zwölf Rauhnächte gefeiert, in denen das Hus gesäubert wurde, um Unglück hinaus zu leiten und Glück einlassen zu können, wobei jede dieser Nächte für einen Monat des kommenden Jahres stand. Es war also auch eine Zeit der Hoffnung.

Im christlichen Glauben jedoch war die Adventszeit eine Zeit des (Er-)Wartens, der Hoffnung, aber auch des Fastens und vielleicht auch eine Zeit der Selbstreflektion. Es war die Vorbereitungszeit auch die Ankunft Jesu, wobei das Grün des Adventskranzes für die Treue zu Jesus und die Hoffnung auf Kraft und Trost stand und das Rot für das von Blut Jesus, aber für die Freude auf Jesus.

Diese ursprüngliche Gedanken der Hoffnung, der Erwartung, der Vorfreude, des Abschieds und des Neubeginns, aber auch der Selbstreflektion sind heute nur noch in einem sehr geringen Maß zu finden und das stimmt manchmal eher traurig…. 😦

© S. Stolzenberg

Advertisements
Published in: on 30. November 2015 at 00:09  Schreibe einen Kommentar  

The URI to TrackBack this entry is: https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2015/11/30/die-vorweihnachtszeit-und-die-weihnachtsfeiertage-und-ihre-bedeutung/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

sophiesanderswelt

Mutter sein und Frau bleiben mit behindertem Kind

jutimablog

Das Leben eines Kindes der 80er. Meine Gedanken, meine Lieblingsmusik, meine Fotos und anderes. Willkommen :)

Herzensangelegenheit.

Eine Mutter liebt am stärksten ihr schwächstes Kind (schwedisches Sprichwort)

diaphanoskopie

...im Gegenlicht der Wirklichkeit.

Kind und Studium

Zwischen alltäglichem Wahnsinn und Freuden

erzaehlmirnix

[hier bitte kreative Beschreibung einfügen]

wheelymum

Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben

maria ante portas

Inklusionsblog

kiki blacks blog

Mein Leben, mein Chaos, meine Familie und ich

Leben mit Autismus & einem halben Herzen

Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. (Oscar Wilde)

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Autland Nürnberg

von und für Autisten

Andersfamilie

Huch, ich dachte immer DIE wären anders

dasfotobus

gedankenparkplatz || Mensch mit Meer

Blogger ASpekte

Menschen im Autismus-Spektrum haben sich zusammengeschlossen, um aus ihrer Sicht die Welt zu beschreiben. Alle Bloginhalte von "Blogger ASpekte" sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung der jeweiligen Autoren nicht kopiert und veröffentlicht werden.

meerigelstern

mit Schneeflocken fliegen - die Welt anders erleben, autistische Lebensformen berichten aus der Chaoswelt und von Gemeinsamlebenstipps

laviolaine.com

Foto-Reportagen und Portraits

Anders als die anderen - Lohengrins Blog

Verdacht auf Autistische Spektrumsstörung

Papa b(l)oggt

Das etwas andere Papablog

Gedankencocktails

Eine Autistin zwischen den Welten

melli´s kleines nähkästchen

wilkommen in meiner Sicht der Dinge

autzeit

Irgendwo im Universum bin ich falsch abgebogen.

Charly's Welt

oder wie ich sie sehe ...

butterblumenland

Familienleben mit Autismus

mehrblickblog.wordpress.com/

Inklusion | Vielfalt | Menschen

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Autismus aus Sicht eines Autisten

RBW-Blog

Regenbogenwald - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

Gedankenkarrussel

Ein Blog über mein Leben mit Asperger und Dauermüdigkeit

Erdlingskunde

Das seltsame Verhalten neurotypischer Menschen, versuchsweise beschrieben von einem Neurotypischen.

DenkenderTraum

Autismus, Aspie, Ich

innerwelt

Ich bin Asperger Autistin und hier sollen meine Gedanken Platz finden.

altonabloggt

Themen rund um und aus Altona und Hamburg

früher war ich falsch...

...heute bin ich anders...

Ich bin Autistin - Asperger-Syndrom bei Frauen

Autismus aus der Sicht einer Betroffenen

%d Bloggern gefällt das: