Weihnachten 2015

In diesem Blog möchte ich darüber berichten wie ich unser Weihnachtsfest erlebt habe, aber auch wie unser Schatz es wahrgenommen hat.

Das erste Weihnachtsgeschenk durfte unser Schatz schon einen Tag vor Weihnachten auspacken, da eine liebe Facebookfreundin ihm ein Überraschungsgeschenk mit einem Musikpad, geräuschemachender Seife und einer Zeichentrickserie aus den 70ern geschickt hatte. Da er das Paket aber gesehen hatte, wollten wir ihn nicht noch einen Tag warten lassen. Er hat sich sehr darüber gefreut und das Musikpad wurde auch direkt eingeweiht.

An Heiligabend haben wir erst mal in Ruhe gefrühstückt und gekuschelt. Mittags haben wir dann spontan entschieden meine Oma zu besuchen (ja solche spontanen Überlegungen klappen bei unserem Schatz) und wir haben uns alle sehr gefreut. Da wir sie ungewollt dann aber an unschöne Erfahrungen erinnerten, fühlte ich mich danach traurig… unser Schatz hat sich sehr über den Besuch gefreut, war aber auch sehr albern. Wir gingen dann noch zum Grab meines Opas, wo er sehr gerne hin geht und als wir wieder zu Hause waren war der „Weihnachtsmann“ schon da. Unser Wildfang durfte dann auch seine Geschenke auspacken und begann mit seinen Wichtelgeschenken, da wir innerhalb zweier Facebookgruppen für die Kinder gewichtelt hatten. Als erstes packte er dann einen Papa Schlumpf und das Hörspiel zu „Schlümpfe 2“ aus, anschließend ein Minions-Wimmelbuch, ein Überraschungpaket der Minions . Dann packte er erst ein Tip toi Buch von uns aus und dann sein absolutes Lieblingsgeschenk dieses Jahr – eine Kinderkamera von V-Tech. Bisher hatten wir nämlich nicht so „Glück“ mit unseren Geschenken für ihn. Entweder haben sie ihm gar nicht gefallen, erst später oder sie waren ok… Manche interessieren ihn noch heute nicht. Die Kinderkamera gefiel ihm aber super, da er sie direkt ausprobieren wollte und wir ihn liebevoll „ermahnen“ mussten diese weg zu legen, damit wir essen konnten. Er wollte aber unbedingt erst noch ein schönes Bild von Papa und Mama machen 🙂 ❤ .

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Beim Essen stellten wir dann fest, dass unser Schatz kein Wild mag, denn es gab Wildschweingulasch und so aß er dann mehr Kartoffeln, da wir aber für die beiden Weihnachtsfeiertage auch Wild gekauft hatten, entschieden wir, dass er da dann als Alternative Steak bekommen würde, weil er das gerne mag. Er ist trotzdem satt geworden und wollte direkt weiter Fotos machte und freute sich besonders, dass er auch Selfies machen kann – probierte das auch gleich aus. Er hatte sehr viel Spaß daran, da er aber schon sehr müde war, mussten Papa und Mama ihn mehrfach bitten die Kamera weg zu legen, damit er ins Bett gehen konnte.

Zur Erklärung vorab: Ich nenne im folgenden Abschnitt nur Familienmitglieder mit Buchstaben ohne zu schreiben um wenn es dabei geht (Tante, Onkel,…). Erklären kann ich das aber aus persönlichen Gründen nicht……

Am ersten Weihnachtstag war dann alles anders als vorab geplant, da wir ein paar Tage vorher die Info bekamen, dass die Planung geändert wurde.

Grund dafür war, dass ein Familienmitglied unseren kleinen Wilden auch an Weihnachten sehen wollte und das sonst vielleicht nicht geklappt hätte. Wir wollten uns eigentlich mit Familienmitglied A bei Familienmitglied B treffen und das bereits erwähnte Familienmitglied (nennen wir es mal C) war gar nicht eingeplant, weil sie sich bis kurz vor Weihnachten bei keinem anderen Familienmitglied gemeldet hatte wann sie wo hin wollte… Da nun aber Familienmitglied C unseren Schatz sehen wollte trafen wir uns stattdessen alle bei Familienmitglied A – es kamen auch weitere vorher gar nicht eingeplante Familienmitglieder zu Familienmitglied A. Leider hat sich aber Familienmitglied C kaum bis gar nicht mit unserem Wildfang beschäftigt, obwohl sie ihn unbedingt auf Weihnachten sehen wollte… ein Grund für uns warum zukünftig bestimmte Feierlichkeiten von uns anders gestaltet werden… es waren zwar insgesamt mit uns 10 Personen anwesend, aber unser Schatz war dennoch nicht überfordert, denn nachdem er seine Geschenke ausgepackt und gegessen hatte, beschäftigte er sich mit seiner Kamera und dokumentierte die Wohnung fotografisch. Er machte auch viele Bilder von Mustern und Spiegelungen, aber auch von den anwesenden Personen.

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Nach knapp 1,5 Stunden machten wir uns dann auf den Heimweg, da wir für abends noch Besuch erwarteten und unser Schatz durfte während der Vorbereitungen und des Kochens fernsehen. Mein Mann holte dann Familienmitglied A und ein weiteres Familienmitglied (nennen wir es L) und dessen Freund ab und wir aßen zusammen zu Abend, quatschen und lachten viel und es wurde viel gealbert. Das Wimmelbuch, dass unser Schatz am Vorabend bekommen hatte, fand auch sehr großen Anklang bei unserem Besuch und unseren Schatz störte das auch nicht weiter, weil er neben Fotos des Besuchs und diversen Selfies auch unsere Wohnung fotografisch dokumentierte. Da wir aber mit sechs Personen waren und der Tag ziemlich lang war, nahm sich unser Schatz auch ein paar Auszeiten in seinem Zimmer, während der er dann mit seinen Bällen spielte, da ihn das zur Ruhe bringt. Gegen 20 Uhr war er dann hundemüde und wir brachten ihn ins Bett und gegen 20.30 Uhr brachte mein Mann dann unseren Besuch nach Hause. Es war ein lehrreicher, überwiegend schöner Tag und ein wunderschöner Abend, den wir so gerne nochmal wiederholen würden. ❤

Der zweite Weihnachtsfeiertag begann dann etwas ruhiger und bevor unser Besuch kam, wollte sich unser Sonnenschein erst mal das geschenkte Hörspiel anhören und fand das sehr witzig das mal nur zu hören und nicht zu sehen, da er die Geschichte sonst immer als Film guckt. Er hat dann noch einen Film geschaut und dann war, während der Film noch lief, auch schon unser Besuch da. Meine Oma, meine Eltern und meines Schwester mit ihrem Freund waren da und meine Mama wurde erst mal mit einem „Das ist mein Haus“ von unserem Schatz begrüßt. Er versuchte scheinbar ihr mitzuteilen, dass der Besuch, die Personenzahl betreffend, zu viel für ihn war, aber meine Mama verstand das nicht und uns gegenüber zeigte er das auch kaum. Er wurde dann leider dazu gedrängt (nicht von meiner Mama) allen „frohe Weihnachten“ zu wünschen, weil man das so macht und sich leider ein Teil unserer Familie wenig mit Autismus befasst, aber meine Mama rettete die Situation ziemlich geschickt. Er war damit aber zum Glück auch nicht überfordert. Dann gab es Essen und eine Situation in der er etwas frustriert war, weil das essen nicht so klappte wie er es gerne wollte. Er versuchte sich bei mir mitzuteilen und haute mich, aber ich reagierte nur, indem ich ihn locker festhielt, ihm ruhig erklärte, dass er nicht schlagen darf und beruhigte ihn. Er fing sich wieder und aß weiter. Dann nahm er sich eine kleine Auszeit in seinem Zimmer und wurde danach beschert. Insbesondere die Geschenke meiner Eltern trafen genau seinen Geschmack (wie bisher fast immer), er wollte sich dann aber lieber wieder mit seiner Kamera beschäftigen, nutzte aber auch viele Auszeiten – mehr als am Vortag, wodurch wir schon erahnten dass der Tag anstrengender war. Er machte viele schöne Porträts, einige Selfies , machte Bilder in der Bewegung und probierte auch die, in der Kamera eingebauten, Effekte aus.

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Als dann aber der Besuch wieder gegangen war, merkten wir ihm deutlich an, dass der Tag sehr anstrengend für ihn war. Er war richtig geschafft und wir kuschelten noch ein wenig mit ihm, bevor wir ihn ins Bett brachten. Er schlief zwar ruhig, hatte aber in der Nacht auch einen Alptraum – ob er damit die Geschehnisse der Tage verarbeitet hat, können wir nur erahnen, da er heute nur äußerte, dass er von einem Geist vor seinem Fenster geträumt hätte….

Heute hat er uns gegenüber dann deutlich formuliert, dass der gestrige Besuch von der Personenzahl her zu viel für ihn war, der Tag zwar sehr schön, aber auch sehr anstrengend war. Darum haben wir dann heute auch nur einen Fillme-Kuscheltag auf der Couch eingelegt.

Wir haben bisher immer versucht auf die Wünsche aller Familienmitglieder einzugehen, Rücksicht zu nehmen, dabei aber auch möglichst viele Ruhezeiten und Pausen für unseren Schatz einzuplanen. Bisher hat das auch gut geklappt, aber in diesem Jahr war er für unseren Schatz einfach zu viel. Deswegen werden wir Weihnachten (und auch Geburtstage) zukünftig so gestalten, dass unser kleiner Süßer an diesen Tagen „nur“ Familienmitglieder A,B und L , meine Oma und meine Eltern sehen wird und er alle anderen – nach und nach – ein paar Tage nach den Festlichkeiten sehen wird, damit er nicht überfordert wird…

In diesem Sinne schon mal einen guten Rutsch.

© S. Stolzenberg

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