Selbstzweifel oder die Frage „Bin ich eine gute Mutter“?

Ich schreibe hier über meine Gedanken und Emotionen, möchte damit also nicht unterstellen, dass dieser Gedanke „nur“ Müttern kommen könnte…

 

Jeder wird diese Momente kennen, in denen Selbstzweifel aufkommen, in denen man sich fragt, ob man sich genug mit dem eigenen Kind beschäftigt, ob man das Kind ausreichend fördert, im genug Entfaltungsmöglichkeiten lässt, ob es genügend Sozialkontakte hat und dennoch auch lernt sich selber zu beschäftigen und so viel anderes.

Ich möchte mir nicht anmaßen zu behaupten, dass eine Mutter mit einem gesunden Kind, das keine Behinderung hat diese Momente weniger hat, aber die Fragen werden zum Teil sicher andere sein.

Ich mache mir immer mal wieder einige Gedanken angefangen bei alltäglichen Situationen, über Geburtstags-, Weihnachtsgeschenke für unseren Schatz bis zu Ausnahmesituationen, etwa wenn jemand von uns krank ist und dadurch alles anders verläuft, wie sonst. Sicher liegt das auch daran, dass unser Schatz behindert und krank ist. Aber vermutlich auch, weil ich gerne vorab alles durchplane (ich vermute das liegt an meiner Hyperaktivität) und es nicht mag, wenn sich Dinge verändern, der Tag nicht verläuft wie ich es geplant hatte, weil etwas Unvorhergesehenes passiert….

So ein Tag war heute. Ein Tag der für Sohnemann und mich schon nicht so schön begann und leider auch nicht viel besser wurde, in mir aber auch wieder mal verschiedene Fragen hochkommen ließ und damit verbunden auch Selbstzweifel.

Da ich zur Zeit infektbedingt viel müder bin als sonst und die letzte Nacht nicht durchgeschlafen hatte, hoffte ich, dass unser Schatz wie sonst auch von sich aus schon wach sein würde und ich ihn zeitnah zur Schule fertig machen könnte, jedoch funktionierte das aus verschiedenen Gründen nicht, also trat die erste ungeplante Veränderung ein – ich entschied, dass es nicht funktionierte und er heute zu Hause bleiben würde. Für Sohnemann erst mal ok, da er zur Zeit gerne mit Mamas Handy spielt und dafür nun mehr Zeit hatte, später aber blöd und anstrengend, weil sein Tagesablauf damit ein völlig anderer war, als sonst. Für mich war das aber ebenfalls anstrengend, da ich nun um planen und überlegen musste wie ich meinen Haushalt machen und zeitgleich mein Kind, dass heute anstrengender war als sonst, weil die Routine fehlte, halbwegs sinnvoll beschäftigen könnte.

Mittag waren wir dann alle sehr müde und wollten einen kleinen Mittagsschlaf machen, aber nachdem Papa und Mama eingeschlafen waren und unser Sonnenschein wohl doch nicht schlafen konnte (oder wollte), ging er in sein Zimmer spielen, wo er sich aber, wie er mir später mitteilte, alleine fühlte. Wieder ein Anlass für Selbstzweifel – lasse ich mein Kind zu viel alleine? Beschäftige ich mich zu wenig mit ihm?

Im Zuge dessen kam aber auch der Gedanke, ob ich mein Kind unterfordere, ihm zu wenig zutraue, ihn zu wenig fördere und zu „einfache“ Spiele mit ihm spiele, da er viel mit seinen Bällen spielt, sich seit kurzem sehr gerne mit unseren Handys beschäftigt, wo er sich Kinderserien anschaut, einfache Spiele spielt oder einfach mal herum probiert. Er spielt nicht mit Bauklötzen, selten und nur mit Anleitung mit Knete und/oder Fingerfarben, mag keinen Kinetic Sand, spielt nur selten mit uns Gesellschaftsspiele, schaut sich gerne Bücher an, lässt sich aber nur ab und zu vorlesen, geht zwar gerne raus, ist aber zur Zeit etwas faul und würde, wenn wir das zulassen würden den ganzen Tag vor dem TV sitzen. Wir möchten aber eigentlich nicht, dass er sich nur mit Elektronik beschäftigt, nicht raus kommt, da wir wissen, dass er gerne draußen ist (wenn wir ihn dazu überredet haben, genießt er es und hat Spaß) und sich auch mal mit anderen Dingen beschäftigt, möchten ihn aber auch nicht zwingen sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihn nicht interessieren oder er nicht mag (er malt zum Beispiel zur Zeit gerne).

Doch dann frage ich mich, ob ich mir zu wenig überlege, wie wir mit ihm spielen könnten – ist es auch mal ok, wenn er mehr fernsieht oder viel mit Handy und Kamera spielt, aber wenig mit anderen Dingen, wenn er nicht malt, puzzelt, knetet, bastelt? Andererseits möchte ich auch nicht, dass wir ihn erdrücken oder überfordern, da er in der Woche gegen 8 Uhr hier abgeholt wird und erst gegen 15.45 Uhr wieder zu Hause ist. Manchmal ist er dann noch ziemlich fit, möchte raus gehen und/oder spielen und wir bieten ihm verschiedene Dinge an. An manchen Tagen passt es, an anderen scheint nichts für ihn zu passen – alles ist doof, uninteressant, zu schwer oder er mag es einfach nicht. Es gibt aber auch Tage (gerade wie donnerstags, wenn er Sport hat), an denen er so geschafft ist, dass außer Technik kaum etwas umsetzbar ist.

Mir geht es aber auch bei seinen Geschenken so. Ich finde es nicht einfach für ihn ein schönes Geschenk zu finden, mit dem er dann auch spielen möchte, an dem er Spaß hat (werde aber auch noch von verschiedenen Familienmitgliedern immer wieder gefragt was sie ihm schenken könnten) und bekomme dann noch von einer seiner Omas zu hören das sei gar nicht schwer; sie würde immer 14 Tage vorher überlegen und immer etwas Schönes finden.

Das war vor ein paar Tagen und kam mit heute (da ich einmal beim zweifeln war) auch wieder in den Sinn, so dass da dann noch der Gedanke kam was ich falsch mache – wie kann es sein, dass seine Oma ohne größere Probleme schöne Geschenke findet und wir manchmal Monate vorab überlegen und dann schon öfter Dinge geschenkt haben, die ihn nicht oder erst nach Wochen interessierten? Beschäftige ich mich zu wenig mit unserem Schatz, dass ich ihn nicht gut genug einschätzen kann oder liegt das daran, dass seine Oma schon zwei Kinder groß gezogen hat und deswegen mehr Sicherheit hat? Sind andere Familienmitglieder auch manchmal so unsicher?

Ich freue mich an Tagen wie heute zwar sehr, wenn ich von meinem Mann und/oder Freunden höre/lese, dass ich eine gute Mutter bin, auch und gerade, weil ich an mit zweifle, weil das bedeutet, dass ich möchte, dass es unserem Schatz möglichst gut geht, aber dennoch bleiben diese Zweifel dann lange. Auch die lieben Umarmungen, Küsse, und Liebeserklärungen unseres Schatzes mir gegenüber helfen dann wenig (wenn sie auch gut tun).

Ich hasse diese Tage, weil ich dann immer das Gefühl habe zu wenig zu tun, etwas verändern zu müssen und das hängt mir meist noch ein paar Tage nach, in denen ich unseren Wildfang dann vielleicht sogar etwas überfordere, weil ich dann mehr mit ihm mache, weil dann wegen der vorherigen Selbstzweifel vielleicht weniger auf Anzeichen unseres Sonnenscheins achten kann, aber das ist nur eine Vermutung.

Wie geht es Euch damit? Wie geht ihr mit Selbstzweifel um – was hilft Euch dann?

© S. Stolzenberg

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Published in: on 19. Februar 2016 at 23:57  Comments (7)  

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7 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Ja, das liebe Zweifeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von uns Eltern jemand nicht zweifelt. All die Fragen stelle ich mir auch immer wieder in der einen oder anderen Form. Sollte ich meine kinder mehr zum Malen, Basteln und Kneten animieren? Beide sind da jetzt nicht so übermäßig begeistert davon. Ist es okay, den Großen stundenlang in seinem Zimmer im Kreis laufen lassen oder sollte ich hartnäckiger versuchen, dass er mit seinem Spielzeug spielt? Ist es okay, ihn auf dem Tablet Spiele mit Texten spielen zu lassen, statt ihn vor ein Buch zu setzen? Usw. usw.

    Was Geschenke angeht: Mach dir da keinen Kopf, das ist halt bei den Großeltern so. Das kann auch noch irgendwann vollkommen kippen. Wer weiß.

    • Danke Butterblumenland. Wir handhaben es so, dass wir unserem Wildfang diese Möglichkeiten immre mal wieder anbieten und schauen wie er reagiert. Wenn er es versuchen möchte, lassen wir ihn und helfen ihm durch Anleitung, zeigen, Tipps geben, wenn er es nicht möchte, schauen wir zusammnen was er statt dessen leiber möchte. Das klappt in der Regel sehr gut. Ich vermute aber auch, dass wir diese Zweifel nicht „nur“ haben, weil wir das beste für unsere Kinder möchten/diese bedingungslos lieben,, sondern auch,w eil wir sicherlich eine Vorstellung davon haben wie ein Regelkind sich beschäftigen könnte und da passen unsere Kinder aber oftmals gar nicht rein. Auch das lässt uns sicher das ein oder andere mal zweifeln. Solange wir aber nur hin und wieder zweifeln und das nicht unser Leben bestimmt, ist es, denke ich, auch gesund und normal 😉

  2. Liebe Sabrina, lass Dir gesagt sein, dass Selbstzweifel ganz normal sind und ich habe sie genauso wie Du (habe letzte Woche erst davon geschrieben)…

  3. Selbstzweifel sind OK, aber lass Dich nicht davon „auffressen“.

    Davon ab, einem Kind darf langweilig sein! Muss es auch mal, damit sich Ideen entwickeln können.

    Und Geschenke, Großeltern denken nicht nach, sondern handeln intuitiv. Im besten Fall gefällt es dem Kind, im schlechtesten hält das Kind die Großeltern für bescheuert.

    Und ja, es kann kippen (was vorher funktionierte, klappt auf einmal nicht mehr), wenn nicht mit dem Alter und den Interessen des Kindes mitgegangen wird.

    Herauszufinden, was DEINEM Kind gut tut, ist jedenfalls schwieriger, denn Du weißt nie, ob der gute Gedanke dem Kind auch gut tut. Bei uns ist zB Knete und Sand gut (dieses „Zauber“zeugs halt).

    Wenn es aber sensorisch überfordert, wäre es „falsch“ gewesen. Ich schau bei sowas nach dem, was in der Ergo gut funktioniert hat.

    Malen braucht viel Anleitung. Gerade mit Wasserfarben. Denn selten „tut“ der Pinsel was er soll. Je nachdem wie hoch die Ansprüche des Kindes sind, kann es in die Verweigerung führen. Dann hilft tatsächlich die Langeweile, sich hier noch mal auszuprobieren. 😉

    Nimm es einfach als Tatsache, dass Eltern einfach nicht perfekt sind. Auch wir nicht. 🙂

    • Danke Anita. Ich lasse mich auch von den Selbstzweifeln nicht auffressen. Ich mache mir halt immer mal wieder diese Gedanken, aber das hält dann maximal einen Tag an und dann sehe ich auch wieder wie glücklich unser Schatz ist, der sich auch über Kleinigkeiten freut und strahlt, weil wir wir mit ihm auch anders spielen, er kuschelt, lacht, weil wir wieder da sind (wenn einer von uns ohne ihn unterwegs sind),… dennoch sind diese Zweifel mormal und zeigen uns wie wichtig unsere Kinder für uns sind.

  4. Liebe Sabrina,
    der Artikel könnte von mir stammen, so viele Gemeinsamkeiten haben unsere Kinder *lach*. Die gleichen Gedanken habe ich auch an manchen Tagen, ich glaube, jede Mutter hat sie. Man liebt sein Kind ja so sehr, klar macht man sich da ständig Gedanken. Aber alleine diese Gedanken sind ein Zeichen dafür, daß wir unseren Job gut machen. Sonst wäre uns doch alles egal.

    Liebe Grüße,
    Isabelle

    • Da geb ich Dir Recht – wenn es uns egal wäre, würden wir unsere Kinder nicht so sehr lieben, wie wir es tun.


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