Erziehungstipps und Ratschläge

Wer kennt das nicht? Die lieben gut gemeinten Ratschläge wie man mit seinem Kind umgehen sollte, was gut für das Kind ist und was eher nicht – wie man sich mit dem Kind beschäftigen sollte und welche Grenzen es gesetzt bekommen sollte…

Vermutlich gibt es keine Mutter und keinen Vater, der das nicht kennt, der sich nicht anhören darf was für sein Kind das Beste sei, der nicht immer wieder den Eindruck bekommt sich für seine Erziehung entschuldigen und/oder rechtfertigen zu müssen.

 

Wir erleben diese Situationen auch immer mal wieder.

Es gibt diese Momente für uns öfter mal, wenn wir unterwegs sind weil Fremde meinen unser Wirbelwind sei schlecht erzogen, weil er gerne mit Steinen spielt, wild ist, nicht schaut wo er hinläuft, laut ist, schreit oder weint, weil er überfordert ist. Diese Menschen kennen unseren Sohn aber nicht und meistens ist es uns egal was diese Menschen zu sagen haben, meist reagieren wir da gar nicht, manchmal erklären wir, manchmal reagieren wir auch frecher…

 

Wie reagiert man aber auch diese „Tipps“, wenn sie von der Familie kommen?

Bei uns ist eins der Themen, dass gerne mal angesprochen wird die Sauberkeitserziehung unseres Wirbelwindes, der wegen seiner Entwicklungsverzögerung und der Wahrnehmungsstörung nun mal noch nicht trocken ist, sondern noch Windeln trägt. Er bekommt deswegen immer mal wieder Druck gemacht durch Äußerungen wie „Du musst das aber bald mal können“. Wir haben da auch den ein oder anderen gut gemeinten Tipp bekommen von ihn mal länger und öfter auf die Toilette zu setzten (wobei er Toilettentraining macht) aber auch dann muss er halt mal so lange sitzen bleiben bis er kann, aber auch harmloserer Ideen wie ihn öfter mal ohne Windel zu lassen (was wir dieses Jahr, wenn es warm ist auch öfter mal tun werden), aber wir versuchen dann immer den Druck wieder raus zu nehmen, da ein Kind mit Druck schlechter lernt und es vor allem seine Entwicklung nicht beschleunigt.

Ein weiteres Thema, dass besonders bei meinem Mann öfter mal für Ärger sorgt (ich überhöre da vieles) ist die Beschäftigung unseres Wirbelwindes – wie er spielen sollte. Er spielt nämlich aktuell gerne mit Bällen, aber am liebsten mit seinen neuen Tablet, schaut sich gerne Kinderfilme an und hat sich vor dem Tablet viel mit unseren Handys beschäftigt. Er guckt aber auch gerne Bücher, lässt sich gerne vorlesen und geht gerne raus, um sich zu bewegen, wobei Spaziergänge jetzt „langweilig“ sind.

Er spielt auch Gesellschaftsspiele, aber wenn wir Besuch bekommen darf er nun mal bis der Besuch da ist auch häufiger mal fernsehen, da ihn das entspannt und Besuch generell sehr stressig (wenn auch schön) für ihn ist.  Für einige Menschen (eine I-Kraft in der Schule etwa), die wenig mit unserem Schatz zu tun haben, aber auch für einige Familienmitglieder scheint das völlig unverständlich zu sein (ebenso, dass er sich während der Besuch noch da ist zurück zieht, indem er mit dem Tablet spielt. So kommen dann Äußerungen wie den entsprechenden Personen sei es egal, wenn er dann noch einen Film zu Ende schauen wolle, seinem Willen müsse nicht so sehr nachgeben werden, vermeintliche Feststellungen, dass er viel fernsehen dürfe, aber auch die Frage, ob er sich nicht anders beschäftigen kann. Doch das kann er und das tut er auch und wir achten auch darauf, dass er viel draußen ist, sich auch mal mit seinen Büchern beschäftigt, malt, knetet oder wir zusammen spielen, albern und lachen. Das sind aber Dinge, die der Besuch weniger mitbekommt, aber dann auch nicht darüber überlegt, dass unser Schatz nun mal kein Regelkind ist, sondern eine Behinderung hat, nämlich Autist ist, für den viele Menschen (auch aus der Familie), viel Geräusche, Gerüche,.. Stress bedeuten!

Da wir das aber schon sehr oft erklärt haben und auch nicht mehr das Gefühl haben möchten uns rechtfertigen zu müssen, ignorieren wir diese Aussagen dann meist, rechtfertigen uns aber doch auch häufiger. Selten erklären wir es noch, meist sagen wir aber nur noch, dass unser Schatz das bei uns eben darf.

Kleine Ergänzung noch: Wir halten es manchmal auch wie Lisa Seelig.

 
Was sind Eure Themen, in die sich andere bei der Erziehung gerne mal einmischen und ihr das nicht möchtet?

Wie geht ihr mit diesen gut gemeinten Tipps um?

© S. Stolzenberg

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Published in: on 16. Mai 2016 at 22:36  Comments (3)  

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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. abgesehen, von den von Dir genannten?

    – Ernährung
    – Kleidung
    – Haarschnitt
    – Verein oder nicht, Freunde

    mit einigen Menschen spreche ich einfach nicht mehr. Auch wenn es enge Verwandte sind.

    Ich muss mir nicht alles antun und mich ständig runtermachen lassen. Und da unser Ältester dieses Jahr 20 wird, habe ich entschieden, dass mir meine eigene Lebenszeit zu kostbar ist, als dass ich da noch Energie reinstecke.

    • Über diese Themen gibt es bei uns keinerlei Diskussionen, aber ja Du hast Recht es lohnt nicht.

  2. Ich sag nur eins: Das beste Wissen; dass man weitergeben kann an andere, ist kein Studiertes oder Gelerntes usw…sondern es ist MENSCHLICH und davon haben die meisten leider sehr wenig. Drum liebe Mütter und Väter, lasst euch nicht verrückt machen. Wer sein Kind mit Liebe, Respekt, Freude und Geduld begleitet, macht nichts falsch.


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