Situation Pflegender und Behinderter in Deutschland

In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die schlechte Situation von Pflegekräften und Behinderten aufmerksam machen, die sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert hat.

Es wird in den nächsten Jahren immer mehr Pflegebedürftige geben und dass die Anzahl an Pflegebedürftigen – gerade im Alter – stetig zugenommen hat, liegt alleine schon daran, dass die Geburtenrate immer weiter zurück geht, die deutsche Gesellschaft immer älter wird. Diese Menschen haben unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut und verdienen es vernünftig im Alter gepflegt zu werden. Sie sind, wenn die Angehörigen die Pflege nicht übernehmen können auf die Pflegekräfte angewiesen.

Über die Situation von Pflegekräften haben sicherlich die meisten schon einige Informationen – alleine schon wegen der aktuellen politischen Debatte dazu – dennoch bin ich der Ansicht, dass auf deren Situation nicht oft genug hingewiesen werden kann.

 

Der Pflegeschlüssel umfasst die Bruttoarbeitszeit, also auch Urlaub, Krankheits- und Fortbildungszeiten sowie die komplette direkte und indirekte Pflege. Ob der jeweilige bundeslandbezogene Pflegeschlüssel auch die Pflegedienstleitung, den Sozialen Dienst oder andere Stellen enthält, ist in den jeweiligen Rahmenverträgen nach § 75 SGB XI auf Landesebene geregelt. Nicht darin enthalten sind die „Zusätzlichen Betreuungskräfte“ nach § 87 b SGB XI. Auf Grund der unterschiedlichen Pflegeschlüssel, nicht nur zwischen, sondern auch teilweise innerhalb der Bundesländer kann es immer zu Abweichungen von den hier genannten Kennzahlen kommen.(Quelle:  http://www.score-personal.de/pflegeschluessel-in-der-altenpflege/).

In Deutschland herrscht jedoch ein immenser Fachkräftemangel, denn Deutschland liegt gegenüber vielen Ländern weit zurück bei der Personalausstattung in der Krankenhauspflege. Ein Pfleger kümmert sich hier im Schnitt um 13 Patienten, nachts wird es angesichts des knappen Personals besonders prekär, dann muss eine Pflegekraft in Deutschland durchschnittlich 26 Patienten versorgen. (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krankenhaeuser-wie-viel-pflege-braucht-der-patient-a-1133685.html).

Das bedeutet ein erhöhtes Burn-out-Risiko der Fachkräfte, mehr Krankentage, die dann aber von Kollegen und Kolleginnen aufgefangen werden müssen und eine qualitativ und quantitativ schlechte Pflege der Pflegebedürftigen.

Den Fachkräften steht für eine gute Versorgung der Patienten zu wenig Zeit zu Verfügung, was durch eine hohen Zeitaufwand für Pflegedokumentation noch verschlimmert wird, denn ca. 80-90% der Pflegezeit wird zu Dokumentationszwecken benötigt (Erfahrungswert im Austausch mit Fachkräften – dazu habe ich leider keine Quelle finden können). Es gibt auch oft keine festgelegten Standards dazu wer zum Beispiel für das falten von Handtüchern zuständig ist (auch das übernehmen zum Beispiel oft die Pfleger) und somit ist es dann leider unvermeidlich, dass den Patienten nicht zeitnah geholfen werden kann, die vielleicht sogar in einem Notfall minutenlang auf Hilfe warten müssen oder über längere Zeit in ihren Ausscheidungen liegen müssen, weil die Pfleger zeitlich zu sehr eingespannt sind.

 

Eine unhaltbare Situation ohnegleichen, aber zu einer besseren Pflege bedarf dem Einsehen der Entscheidungsträger in der Politik, dass Pflege nicht nach Wirtschaftlichkeit organisiert und berechnet werden kann, denn hier geht es um Arbeit mit Menschen. Wie könnte man das in Zahlen fassen?

Die Situation, in der sich erwachsene Pflegebedürftige befinden, stellt sich aber leider auch oft als schlecht dar.

Es gibt Pflegebedürftige, die von ihren Angehörigen gepflegt werden, die es sicherlich insgesamt sehr gut haben werden, aber da ist es (erfahrungsgemäß) leider oft auch so, dass sich dadurch die Beziehung (oft) teils zum Negativen verändert – der Pflegebedürftige nur noch auf seine Krankheit/Behinderung reduziert wird, da die Pflegeperson keinerlei Auszeiten hat (wobei ich darauf noch eingehen werde). Gibt es eine Entlastung der Pflegeperson, ist der Pflegebedürftige jedoch auch auf eine gute Fachkraft angewiesen und speziell bezogen auf eine Kurzzeitpflege würde da wieder der Pflegenotstand in den Pflegeeinrichtungen problematisch sein.

Wird ein Pflegebedürftiger aber von einem Pflegedienst gepflegt, war es bisher so, dass der Grundsatz ambulant vor stationär galt. Dies hat sich mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz grundlegend verändert, denn dieser Vorrang entfällt, sodass das Wohnen in den eigenen vier Wänden künftig oft nur dann „erlaubt“ werden wird, wenn es günstiger ist oder ein Leben im Heim unzumutbar ist. (sieh dazu §104 II SGB IX).

Doch es gibt noch weitere Einschränkungen durch das Pflegestärkungsgesetz:

  • Individuelles Leben – Fehlanzeige
    Nach dem Entwurf können viele Hilfen zwangsweise für mehrere Betroffene gleichzeitig erfolgen – das sogenannte „Poolen von Leistungen“. Individuelle Aktivitäten, wie sich mit Freunden treffen oder Kinobesuche, sind dann unmöglich. Es droht ein zwangsweises Leben in WGs und Heimstrukturen. (z.B. §116 II und §112 IV SGB IX)

Im Bundesteilhabegesetz wird in §116 Abs. 2 erstmals festgeschrieben, dass behinderte Menschen sich persönliche Assistenzkräfte teilen müssen, auch wenn sie dies nicht wollen.  Zwar wird diese Möglichkeit im Bereich des ambulanten Wohnens gemäß § 104 Abs. 3 S. 4 in Teilbereichen begrenzt, jedoch verbleibt es auch hier dabei, dass die Assistenz zum Beispiel in der
Freizeit gegebenenfalls gepoolt wird. Dies führt zu einer massiven Einschränkung der Selbstbestimmung. So kann zum Beispiel der Restaurant- oder Kinobesuch mit den eigenen Freunden verhindert, dafür aber eine Freizeitgestaltung mit anderen behinderten Personen, die
man sich nicht aussuchen kann, erzwungen werden. Auch die Auswahl der eigenen Assistenzkräfte, die man in die Privat- und Intimsphäre eindringen lassen muss, ist im Falle des Zwangspoolens nicht mehr möglich.

  • Behinderte dürfen nicht sparen
    Um die lebensnotwendigen Hilfen zu erhalten, dürfen behinderte Menschen kaum Geld sparen. Von ihrem Einkommen wird ihnen – neben den normalen Steuern und Sozialabgaben – 24% des über dem Freibetrag liegenden Einkommens abgezogen und Vermögen, also auch Bausparverträge oder Lebensversicherungen, dürfen sie nicht in einem Wert von mehr als zunächst 25.000 € besitzen (§137 II und §140 SGB IX). Bei Hilfe zur Pflege und auch bei der Blindenhilfe verbleibt es im Grundsatz bei 2.600 €.
  • Willst du mit einem behinderten Menschen zusammenleben? Gib dein Geld her!
    Wer mit einem behinderten Menschen in einer Partnerschaft lebt, muss – sobald man zusammen wohnt – so lange alle Hilfen für den Partner zahlen, bis er selbst weniger als 25.000 € besitzt. Ein geerbtes Elternhaus – weg. Eine Lebensversicherung – weg. (§140 I SGB IX)
    Bei Hilfe zur Pflege ist auch weiterhin zusätzlich auch ein Großteil des Partnereinkommens – weg.

Anmerkung dazu:

Menschen mit Behinderungen, die erwerbstätig sind und EGH beziehen, können künftig mehr von ihrem Einkommen und Vermögen behalten. Ab 2020 wird das Einkommen bis 30.000 Euro frei sein. Wer mehr verdient, leistet einen prozentualen Eigenbeitrag zu seinen Fachleistungen. Das Vermögen wird für diese Gruppe bis ca. 50.000 Euro anrechnungsfrei bleiben. Ab 2020 wird auch das Einkommen und Vermögen des (Ehe-)Partners anrechnungsfrei.

Für die 300 000 Beschäftigten in den Werkstätten wird das Arbeitsförderungsgeld auf 52 Euro verdoppelt. Für Empfänger von Grundsicherungsleistungen wird der Vermögensfreibetrag von heute 2.600 auf 5.000 Euro erhöht. – Nicht zuletzt schafft das BTHG neue Jobchancen in Betrieben und bessere Leistungen in Werkstatt, Weiterbildung und Studium. Im Zuge der Evaluierung des Bundesteilhabegesetzes werden wir prüfen, ob und in welchen Bereichen das Gesetz weiterentwickelt werden muss.

  • Behinderte sind nicht behindert genug
    Um Hilfen zu erhalten, muss man laut dem Entwurf in 5 von 9 Lebensbereichen eingeschränkt sein (§ 99 SGB IX). Wer z.B. aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität und beim Lernen benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können.
  • Mit anderen Menschen kommunizieren? Nur wenn es wirklich wichtig ist!
    Hör- oder sprachbehinderte Menschen sollen nur dann Hilfen zur Kommunikation erhalten, wenn das aus „besonderem Anlass“ nötig ist. Sich mit Freunden, Bekannten oder der Kassiererin im Supermarkt verständigen – unwichtig. (§82 SGB IX)
  • Im Ausland studieren oder Entwicklungshilfe leisten? Nur wenn es billig ist!
    Hält sich ein behinderter Mensch vorübergehend im Ausland auf, erhält er dort nur dann Hilfen, wenn diese im Vergleich zu Deutschland bei gleicher Qualität günstiger sind. Ein Auslandssemester oder für eine Entwicklungshilfe-Organisation zu arbeiten – fast unmöglich. (§31 SGB IX)
  • Ein Behinderter will ehrenamtlich helfen? Dann soll er doch erstmal selbst um Hilfe betteln!
    Behinderte Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, erhalten hierfür keine Assistenz mehr. Sie sollen Familie, Freunde oder Nachbarn fragen. Andere Möglichkeiten sind nicht mehr vorgesehen. (§ 78 Abs. 5 SGB IX)

(Quellen hierzu: http://www.huffingtonpost.de/raul-krauthausen/die-10-groessten-maengel-_1_b_9882252.html und http://abilitywatch.de/2017/09/06/wahlpruefsteine/)

Unabhängig davon ist es aber auch so, dass es – gerade im Alter – immer mehr Pflegebedürftige gibt, die arbeitslos werden/sind und lange Zeit in der Arbeitslosigkeit verbleiben.

Und wer blind ist, hat aufgrund dieser Behinderung besondere Ausgaben, beispielsweise um eine Haushaltshilfe zu bezahlen oder um sich Hilfsmittel anzuschaffen. Blinde Menschen bekommen aber als Nachteilsausgleich kein Geld aus der Pflegeversicherung, sondern das Blindengeld. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Leistung des Bundeslandes, in dem man wohnt, und die Höhe der Unterstützung ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich.

(Quelle:http://rollingplanet.net/immer-noch-keine-wiedervereinigung-beim-blindengeld/)

All das sind Dinge über die zumindest in der Politik gesprochen wird und über die die meisten Menschen zumindest einige Informationen haben, aber wie sieht es für pflegende Angehörige aus?

„Rund 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zuhause gepflegt. Bei mehr als der Hälfte davon übernehmen Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn die komplette Pflege allein. Damit sind pflegende Angehörige die tragende Pflegesäule in Deutschland. 64 Prozent aller pflegenden Angehörigen leisten eine „Rund-um-die-Uhr-Pflege“, die im Umfang oft weit über eine Vollzeitbeschäftigung hinausgeht. Obwohl sich der wirtschaftliche Wert der Familienpflege auf rund 37 Milliarden Euro pro Jahr beläuft, leben 284.000 pflegende Angehörige in Haushalten mit ALG II-Bezug. Ihre weitgehend unbezahlte Arbeit wird nicht anerkannt, obwohl sie einer der Pfeiler unseres Pflegesystems sind. Sie tragen mehr zur Entlastung des Sozialsystems bei als alle Leistungen der sozialen und privaten Pflegeversicherungen zusammen.

Doch nach wie vor werden pflegende Angehörige allein gelassen mit dem Dschungel aus Informationen und sich ständig verändernden Gesetzen. Nötige Hilfsmittel, Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten werden von den Pflege-oder Krankenkassen häufig abgelehnt oder müssen mit viel Einsatz und Zeit erkämpft werden.

Viele pflegende Angehörige können nicht mehr berufstätig sein. Sie müssen ihre Arbeit reduzieren oder aufgeben, weil sie mit ihrer Pflegeleistung und -verantwortung nicht vereinbar ist. Damit verlieren sie ihre eigene soziale Absicherung, die in minimalistischer Weise aufgefangen wird. Bedenkt man, dass die durchschnittliche Pflegedauer bei 9,3 Jahren liegt, werden die Auswirkungen bewusst.

Nötige Auszeiten sind kaum möglich und müssen erst einmal finanziert werden. Pflegende Angehörige kümmern sich oftmals sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr, teilweise auch mit mehrmals unterbrochenen Nächten – ohne Anspruch auf Urlaub oder freie Wochenenden. Selbst wenn sie krank sind, geht die Pflege trotzdem weiter.

Neben der finanziellen Verarmung sind viele Pflegende sozial verarmt. Sie kommen nur noch selten raus und vielfach reduziert sich ihr Familien-, Freundes-und Bekanntenkreis. Pflegen macht einsam.“

Susanne Hallermann, von der Initiative gegen Armut durch Pflege. (Quelle:https://www.finanzen.de/news/17944/pflegende-am-limit-pflegen-macht-arm-und-einsam)

Hierzu möchte ich noch einiges ergänzen.

Ich beschreibe im Folgenden einige Schwierigkeiten mit denen pflegende Angehörige zu tun haben.

Erst mal werden pflegende Angehörige nicht nur mit den möglichen Informationen alleine gelassen und werden oft nicht mal von den Krankenkassen über mögliche Hilfen (Entlastungsbeitrag, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Haushaltshilfe bei Erkrankung der Pflegeperson,..), von den Finanzämter über steuerliche Vorteile (Behinderten- und Pflegepauschale) und den Sozialämter über mögliche Hilfen (Eingliederungshilfe) informiert, es werden oft auch nötige Hilfen abgelehnt oder erst nach Widerspruch oder Klage bewilligt. Zeit, die pflegende Angehörige oft nicht aufbringen können oder für die Kraft fehlt, die man anderweitig innerhalb der Pflege investiert hat.

Ist man dann aber doch darüber informiert und möchte gerne Hilfen in Anspruch nehmen, etwa eine Kindsbetreuung mittels eines Pflegedienstes (als Beispiel), kann es passieren, dass dafür gar kein Personal zur Verfügung steht, denn gerade im Bereich familienentlastender Dienste für pflegende Angehörige von behinderten/kranken Kindern ist es so, dass es nur wenige Pflegedienste gibt, die das (ergänzend zu Caritas und Lebenshilfe) anbieten und dann sind die personellen Möglichkeiten eventuell schnell ausgeschöpft.

Es gibt auch immer weniger heilpädagogischen Kindertagesstätten und die integrativen Kindertagesstätten sind teils aber noch mit der Aufgabe Inklusion überfordert und können (oder teils wollen) keine schwerstbehinderten Kinder aufnehmen. Ein Problem, dass sich leider (erfahrungsgemäß) vor allem in Großstätten abzeichnet. Integrationshelfer werden auch eher selten bewilligt und dann kann es sein, dass auch da das Problem von zu wenigem Personal herrscht.

Sind die Kinder dann in dem Alter eingeschult zu werden, stehen die Eltern vor der Entscheidung, ob inklusiv auf einer Regelschule oder exklusiv auf einer Förderschule unterrichtet werden soll, sofern das noch möglich ist. Denn immer mehr Förderschulen werden wegen des Gedanken der Inklusion (Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention verlangt, dass Deutschland ein inklusives Bildungssystem gewährleistet. (Quelle:http://abilitywatch.de/2017/09/06/wahlpruefsteine/)) geschlossen.

(Siehe dazu:https://www.ecosia.org/search?p=0&q=geschlossene+f%C3%B6rderschulen).

Entscheiden sich die Eltern dann für eine inklusive Beschulung gibt es Hilfen, die für das Kind beantragt werden können, aber auch über diese wissen leider viele Eltern nicht Bescheid. Es kann etwa ein Schulbegleiter beantragt werden, wobei es (so scheint es erfahrungsgemäß) leider immer öfter zu Ablehnungen kommt oder der Austausch zwischen Eltern und Schulbegleiter von den Schulen, den Trägern und/oder den Schulbehörden nicht mehr gewünscht ist (Erfahrungswert). Dies trägt jedoch nicht zu einer guten Unterstützung und Förderung des Kindes bei.

Dann können noch Nachteilsausgleiche für das Kind beantragt werden; sie dienen dazu, Einschränkungen durch Beeinträchtigungen oder Behinderungen auszugleichen oder zu verringern. Es gibt jedoch keine einheitlichen schulrechtlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern zum Ausgleich „behinderungsbedingter“ Nachteile. (Quelle:https://www.autismus-verstehen.de/kinder_und_jugendliche/schule/nachteilsausgleich.html).

Außerdem ist es so, dass viele Nachteilsausgleiche nicht bewilligt werden.

Zu dieser Problematik ist es dann auch so, dass Inklusion oft nicht in vollem Maße umgesetzte werden kann, weil es an Personal (Sozialpädagogen) mangelt, Schulungen zur Thematik nicht angeboten und/oder genutzt werden und den Schulen oftmals die Mittel fehlen Rahmenbedingungen wie Rückzugsräume oder barrierefreie Räumlichkeiten zu schaffen (hierzu habe ich leider auch keine Quelle finden können).

Wollen Eltern ihrem behinderten Kind als Absicherung etwas vererben, damit es z.B. nicht auf staatliche Grundsicherungsleistungen angewiesen ist, ist es auch so, dass das Kind  – wenn es Hilfe zur Pflege bekommt – weiterhin den kompletten Betrag, bis auf 2.600 €, abgeben muss. (Quelle:http://www.huffingtonpost.de/raul-krauthausen/die-10-groessten-maengel-_1_b_9882252.html).

Pflegende Angehörige haben aber nicht nur mit den Kosten der Pflege, der Problematik Informationen zu erhalten (meist durch vereinzelt gutes Personal, dass Auskünfte erteilt oder durch den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen) und diversen Anträgen (Inklusion) zu kämpfen, sie haben oft auch wenig Zeit, weil viele zusätzliche Termine (bei schwerkranken Pflegebedürftigen etwa Termine bei Fachärzten) ausgemacht werden müssen, bei Autismus kommt auch noch hinzu, dass zur Weiterbewilligung der Autismustherapie jährlich nachgewiesen werden muss, dass diese Behinderung weiterhin besteht. Durch die Zeitintensität (aber auch durch andere Faktoren)  der Pflege haben pflegende Angehörige oft auch kaum Zeit soziale Kontakte zu pflegen, verarmen dadurch auch sozial – wie oft auch finanziell und erhalten dafür das Pflegegeld. Oftmals ist es zudem auch so, dass die pflegenden Angehörigen nicht nur kaum Unterstützung durch andere Angehörige erhalten, es da oft (erfahrungsgemäß) leider auch zu Kontaktabbrüchen, Vorwürfen und Nichtverstehen kommt.

Diese Leistung von pflegenden Angehörigen wird gesellschaftlich aber nicht anerkannt. Sie werden sogar oft als Sozialschmarotzer dargestellt, die nicht arbeiten wollen (Erfahrungswert) oder ihnen wird sogar zum Vorwurf gemacht sich diese Situation selbst ausgesucht zu haben (gerade bei Behinderungen, die schon pränatal erkannt werden können, wird oft darauf hingewiesen, dass eine Abtreibung möglich gewesen wäre – Erfahrungswert).

Anmerkung zur Grafik: Diese Daten beziehen sich noch auf Pflegestufen, nicht auf die aktuellen Pflegegrade

 

Warum wird das nicht auch mal politisch thematisiert und das idealerweise nicht, wenn Wahlen anstehen?

© S. Stolzenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Published in: on 20. September 2017 at 22:52  Schreibe einen Kommentar  

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