Warum sich der gesellschaftliche Umgang mit der Thematik Missbrauch ändern muss, aber dennoch Aktionen dazu auch etwas bewegen können:

Seit 2012 gibt es immer wieder Aktionen, die auf sexualisierte Gewalt aufmerksam machen und an sich ist das sehr gut so, aber es eben nicht „nur“ die sexualisierte Gewalt – sehr oft gegenüber schutzbefohlenen Minderjährigen – ,wie sie im wörtlichen Verstanden wird, nämlich als gewaltsamer Übergriff mit sexuellen Handlungen gegen einen anderen Menschen, gibt. Es gibt ebenso die (nicht immer sexuell motivierte) psychische und/oder psychische Gewalt gegen einen anderen Menschen, die bei diesen Aktionen wie #aufschrei, #neinheißtnein, #onebillionrissing oder auch #Metoo außen vorgelassen werden, die aber genauso sehr in den öffentlichen Fokus gerückt werden sollten – auch darüber müsste dringend gesprochen werden!

Auch diese Übergriffe sind nennenswert und haben Folgen für die Opfer, nicht nur kurzzeitige, sondern über Jahre und sollten nicht totgeschwiegen werden.

Was nutzt es, wenn sexualisierte Gewalt stärker geahndet wird, psychische Gewalt aber klein geredet wird? Ein Kind, das in seiner Familie permanentem Mobbing ausgesetzt ist werden wir nicht helfen können, indem wir über sexualisierte Gewalt sprechen – diese findet dort nämlich nicht statt.

Dass es wichtig ist auch diese Gewaltformen stärker zu benennen, öffentlicher zu machen und dies auch durch die Politik aufgegriffen wird, zeigt sich im gesellschaftlichen Umgang damit.

Denn: Wenn ein Kind geschlagen wird, gilt es oft noch als Erziehungsmaßnahme oder es fallen Äußerungen wie „ein Klaps hat noch keinem geschadet“. Auch „Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen“ ist ein Satz, der im Zusammenhang physischer Gewalt oft fällt und sie verharmlosen soll. Einige werden auch argumentieren, dass diese Gewalt nur eine kurzzeitige, nicht dauerhafte Form der Gewalt sei, die keine weiteren Folgen haben dürfte – vielleicht höchstens im Umgang mit dem Täter. Es bleibt aber dennoch Gewalt gegenüber einem Menschen, der keine so hohe Körperkraft hat, der sich einer Machtausübung gegenüber sieht und sich , gerade bei Kindern, nicht in der Lage sehen dürfte sich ohne Hilfe aus der Situation zu befreien.  Für die Opfer physischer Gewalt ist es entscheidend, dass die Gesellschaft stärker darauf achtet, einschreitet, schützt und nicht weg sieht, weil es – gerade in der Erziehung – lange ein geduldetes Mittel der Wahl war. Hier wäre es nötig einzuschreiten, dem Täter aber unter Umständen, der Situation entsprechend keine Vorwürfe zu machen – gerade bei Kindern – , sondern erst mal Alternativen aufzuzeigen, zu verdeutlichen was der Gegenüber in der Situation empfindet, die Langzeitfolgen (so fern bekannt) zu erwähnen und sollte erkennbar sein, dass sich kein anderer Umgang einstellt eine Anzeige zu erstatten. Gerade viele Eltern werden sicher keine andere Alternative sehen dem Kind zu zeigen, dass es sich „falsch“ verhalten hat und man sollte auch bedenken, dass es sein kann, dass Eltern auch mal die Nerven durchgehen und sie sich im nächsten Moment aber schon dafür schämen so reagiert zu haben.

Eine weitere Gewaltform, die häufig in den Debatten außen vorgelassen wird ist die psychische Gewalt – Mobbing, Demütigungen, Erniedrigungen zählen dazu.

Hier mag man argumentieren, dass es nur Worte seien, die man überhören kann, aber insbesondere über einen längeren Zeitraum in Wiederholung sind diese sehr schmerzhaft und können extreme Folgen – bis hin zum Suizid – haben. Und gerade deswegen ist auch diese Gewaltform zu wenig im Fokus der öffentlichen Debatten, aber auch, weil es manchen Tätern vielleicht gar nicht bewusst ist, wenn sie jemandem gegenüber durch Worte gewalttätig sind. Ein Beispiel dafür ist lästern, von dem sich sicherlich die meisten Menschen nicht freisprechen können – mich eingeschlossen. An Schulen wird diese Thematik mittlerweile stärker betrachtet und nicht mehr totgeschwiegen, in den meisten anderen Bereichen des alltäglichen Lebens auch der Arbeit, ist diese Thematik aber leider noch nicht so stark angekommen.

Warum?

Weil der psychische Missbrauch – wie auch der körperliche – noch weniger Aufmerksamkeit bekommt, als der sexualisierte. Beide werden hingenommen, weil es immer so war, weil es vermeintlich nicht weiter schlimm ist und sich nicht auf den Umgang mit anderen Menschen auswirkt, denn das Opfer unterscheidet sicherlich zwischen Tätern und Unbeteiligten.

Aber jede Form von Gewalt – jede traumatische, gewaltbetonte Erfahrung hat Langzeitfolgen, wie jetzt auch in einer Studie festgestellt wurde, dazu habe ich hier einen Artikel verlinkt.

persönliche Anmerkung: Ich habe jeder Form der Gewalt erleben müssen… darum ist es mir so wichtig darauf aufmerksam zu machen!

Ich versuche mich aber im Folgenden dennoch „nur“ noch auf die sexualisierte Gewalt, die Aktionen dazu  und die gesellschaftlichen Reaktionen zu beschränken, wobei ich nicht chronologisch vorgehen werde.

Im Jahr 2012 wurde die Aktion #onebillionrissing ins Leben gerufen, deren Zielsetzung,  als bisher übrigens einzige Aktion, es ist auf Gewalt gegen Frauen in jeglicher Hinsicht aufmerksam zu machen, zu solidarisieren, ein Zeichen zu setzten, dass friedlich in Form von Tanz zum Ausdruck gebracht wird. Eine großartige Aktion, die Unterstützung verdient, Männer natürlich auch mit einbeschließt.

Ich finde diese Aktion großartig und eine Chance, es ist sicherlich auch schön mit anzusehen, wenn sie richtig umgesetzt wird kann es auch Menschen ansprechen und das Ausmaß von Opfern von Gewalt verdeutlichen. Schwierig wird es dann aber darin konkret die unterschiedlichen Formen von Gewalt darzulegen ohne mögliche Interessenten zu vergraulen, weil es ein sehr großes, umfassendes Thema ist.

2013 gab es dann die Aktion #aufschrei, die das Ziel hatte sexualisierte Gewalt in den öffentlichen Fokus zu rücken, aber auch ein Zeichen von Solidarität unter den Opfern darstellen sollte, wobei hier auch deutlich gesagt werden muss, dass es teils auch vermeintlich sexistisches wie Witze betraf und unter anderem dadurch wurde die Aktion sicherlich zum Teil weniger ernst genommen. Leider war der #aufschrei, so groß er zeitweise war, dann aber auch schnell wieder verstummt und zeigte auch keine nennenswerten Veränderungen in Politik und/oder Gesellschaft.  Schade, dass dies nicht weitergeführt, vertieft wurde oder aktuell mit der Aktion #Metoo nochmal aufgegriffen wurde….

Dann gab es 2012 zusätzlich zu #onebillionrissing auch die Aktion #ichhabenichtangezeigt , die auf sexualisierte Gewalt hinweisen wollte, Opfern ein Solidaritätsempfinden vermitteln wollte, aber auch stärker in den Fokus rücken wollte, dass es durchaus nachvollziehbare Gründe für Opfer geben kann eben nicht anzuzeigen, was aber immer wieder in den Debatten um sexualisierte Gewalt von Opfern gefordert wird – so auch aktuell in der Debatte zu der Aktion #Metoo. Dass es eben nicht nur Scham- und/oder Schuldgefühle der Opfer sind, die zu der Entscheidung führen keine Anzeige zu erstatten, weil sie vielleicht auch nicht der psychischen Verfassung sind die Tat immer wieder in den Befragungen und dann im Gerichtssaal zu durchleben, andere Angehörige (bei Tätern aus der Familie besonders) oder andre Opfer, die die Tat verdrängen, schützen wollen, Ihnen nicht geglaubt wird oder sogar eine Mitschuld zugesprochen wird, sind mögliche Gründe für ein Opfer sich gegen eine Anzeige zu entscheiden, vielleicht nicht mal den Schritt einer Therapie zu gehen, sondern die erlebte Gewalt erst mal verdrängen oder alleine aufarbeiten zu wollen.

Diese Unterstellungen, die Opfern in der Debatte teils entgegen gebracht werden, etwa sie hätten sich nur nicht genug gewehrt, sie seien nicht laut genug geworden oder auch sie hätten durch ihre Entscheidung weitere Opfer in Kauf genommen (wobei das zum Teil zutreffend sein wird), werden in manchen Fällen dazu führen, dass sich diese Opfer wiederrum einer Schuld ausgesetzt sehen, einer Schuld die so stark sein kann, dass es sogar zu einem Flashback, vielleicht sogar zu einer Retraumatisierung führen könnte. Zielführend ist das sicherlich nicht und hilft auch dem Sinn der Aktion nichts. Im Gegenteil. Hier wäre es sicherlich angebrachter den Opfern zu verdeutlichen, dass es unter Umständen andere Möglichkeiten gegeben hätte und vor allem Anlaufstellen, die beratend zur Seite gestanden hätten, denn vielen Opfern sind diese Anlaufstellen gar nicht bekannt.

Persönliche Anmerkung: Ich bin übrigens auch jemand der nicht angezeigt hat unter anderem um Angehörige des Täters zu schützen, weil diese sonst angefeindet worden wären….

Aktuell gibt es dann noch die Aktion #Metoo, zu der es berechtigte Kritik gibt, nämlich, dass diese wegen der Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein ins Leben gerufen wurde – besser wäre eine davon unabhängige Aktion gewesen. Hierzu habe ich hier einen Artikel verlinkt.

Auch hier wird und wurde – wie schon bei der Aktion #ichhabenichtangezeigt – eine Schuld bei den Opfern geäußert – teils vielleicht zu Recht, aber wissen wir das wirklich? Können wir beurteilen warum diese Frauen lange Zeit geschwiegen haben und sich erst äußerten, nachdem eine Frau den Anfang gemacht hat? Ist es im Hinblick auf die Gewalt, die dieser Mann ausgeübt hat nicht viel schlimmer, wenn ein Produzent wie Quentin Terentino jetzt zugibt von den Anschuldigungen gewusst zu haben, aber nichts unternommen zu haben? Wo ist da der Aufschrei ihm gegenüber?

Unabhängig von der Frage in wie weit die Opfer sich vielleicht eine Mitschuld an weiteren Taten zuzuschreiben haben, in welchem Zusammenhang die Aktion gestartet wurde und in wie weit man auch über Mitwisser sprechen sollte, ist es aber vor allem eine Aktion, die ein Bewusstsein schaffen beziehungsweise verstärken soll und Solidarität unter den Opfer schaffen soll und kann. Es ist aber auch – meines Wissens nach – die erste Aktion, die tatsächlich zu einem veränderten Bewusstsein beiträgt, da es wegen dieser Aktion nun als Folge auch die Aktion #Ihave gibt, in der Täter zugeben gewalttätig in sexualisierter Form gewesen zu sein, oft mit dem Hinweis sich darüber nicht bewusst gewesen zu sein oder auch der ausdrücklichen Entschuldigung gegenüber den Opfern- Lobenswert sich und auch anderen gegenüber dies einzugestehen und zu äußern! Dies kann im hier verlinkten Artikel nachgelesen werden.  Diesen Tätern möchte ich auch Danke sagen, wenn diese Eingeständnisse sicher eher aus einer persönlichen Reue heraus getätigt werden, als wegen dem Wunsch das Problem öffentlicher zu machen.

Ein erster wichtiger Schritt die Thematik der sexualisierten Gewalt betreffend ist damit gemacht – es findet ein Umdenken statt und das Thema ist öffentlicher, wird nicht mehr so schnell klein geredet und/oder totgeschwiegen. Wünschenswert wäre nun das auch auf alle anderen Formen der Gewalt zu übertragen….

© S. Stolzenberg

 

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Der Täter im Fokus, das Opfer wird vergessen

Im Rahmen einer Diskussion, die ich heute auf Facebook verfolgt habe, auf die ich hier aber gar nicht weiter eingehen möchte, weil es nicht lohnt, ist auch eine Äußerung gefallen, die leider zutreffend ist und mich dennoch wütend gemacht hat. Diese konkrete Aussage besagte, dass Sexualdelikte durch Fremdtäter generell immer zu einer starken Verunsicherung von Frauen aus dem jeweiligen Ort führen würde – ganz im Gegensatz zu Sexualdelikten, die durch Täter begangen werden, die aus dem direkten Umfeld des Opfers kommen.

Anmerkung: Es ging um einen konkreten Fall, in der die Polizei Frauen gewarnt hatte abends nicht mehr das Haus zu verlassen, sich in Gruppen aufzuhalten, weil der vermeintliche Täter, der auch gefasst wurde, vier Frauen vergewaltigt hatte. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, ist mir nicht bekannt, spielt für den Inhalt dieses Blogbeitrages aber auch keine entscheidende Rolle.

Dieser Satz, dass ein Sexualdelikt mit einem Fremdtäter zu einer stärkeren Verunsicherung führt, da er meist stärker in den Medien präsent ist, stimmt zwar leider, machte mich aber dennoch wütend und war Grund genug für mich diesen Blogbeitrag zu schreiben. Warum? Das erläutere ich im Folgenden.

Missbrauch durch einen bekannten Täter:

Ein Missbrauchsfall ist immer schlimm, aber bei den meisten Delikten handelt es sich nicht um Fremdtäter, sondern um bekannte Täter – meist sogar Verwandte des Opfers, wodurch sich die Opfer noch schwerer tun den Missbrauch zur Anzeige zu bringen. Hier spielen neben dem Schamgefühl und der Angst oft auch ein Gefühl mitschuldig zu sein oder ein falsches Verständnis von Verantwortung mit rein, da die Opfer oft denken andere Verwandte schützen zu müssen – sie nicht belasten zu wollen und deswegen wird geschwiegen. Es ist also schwer genug sich zur Anzeige durchzuringen, aber dann muss das Opfer immer und wieder über den Missbrauch sprechen – im der Vernehmung, im Gerichtsprozeß. Dennoch wird es auch durch die Medien verschwiegen, selbst, wenn mal ein solcher Missbrauchsfall bekannt wird – nur die wenigsten werden medial erwähnt und dann selten ähnlich stark wie ein Fall durch einen Fremdtäter. All das wird bei der Aussage über Missbrauchsfälle durch Fremdtäter völlig außer Acht gelassen.

Gäbe es ähnlich intensive Berichte über diese Missbrauchsfälle würden diese anderen Frauen aus dem direkten Umfeld des Täters sicher ebenso verunsichern, wie es bei Fremdtätern der Fall ist.

Missbrauch durch einen Fremdtäter:

Der Missbrauch durch einen Fremdtäter löst in vielen Opfern neben Schamgefühlen und Angst auch das Gefühl aus vielleicht zu wenig Gegenwehr gezeigt zu haben, andere Opfer sehen sich Vorurteilen der schwachen Frau ausgesetzt oder sogar Äußerungen, dass sie eine Mitschuld tragen würden, weil sie aufreizend angezogen waren. Die wenigsten von ihnen haben den Mut und die Kraft den Täter anzuzeigen und sich immer wieder mit dem erlebten Missbrauch auseinander zu setzten. Das zusammen mit dem erlebten Missbrauch wäre schon schlimm genug für die Opfer, aber damit nicht genug.

Sie werden nicht mehr als Individuen wahr genommen, auf das Opfersein reduziert und dennoch mit der Zeit vergessen.

Warum das?

Es ist ganz einfach: In den Medien wird kaum über die Opfer berichtet, jedoch sehr viel über den Täter – seine Herkunft, seine Lebenssituation, seine Beweggründe, sofern diese in den Ermittlungen ersichtlich werden, das Strafmaß, das verhängt wird – über die Opfer jedoch schreibt dann kaum noch einer – es sei denn in Fällen wie dem von Natascha Kampusch.  Auch in privaten Gesprächen jedoch geht es kaum jemanden darum wie es dem Opfer geht, welche Hilfen es benötigen könnte, was präventiv getan werden könnte oder in welcher Lebenssituation das Opfer war, als es den Missbrauch durchleben musste. Auch diese Dinge wären wichtig zu untersuchen denn dadurch könnte geschaut werden was getan werden könnte, um Opfer besser zu schützen – ein Mensch, der wenig Selbstbewusstsein hat etwa wird schneller zum Opfer, als ein selbstbewusster. Dazu kommt, dass man den Opfern eigentlich nur dann Gehör schenkt, wenn sie über das durchlebte berichten, es staut sich eine Wut und eine Ohnmacht auf und damit wird der Fokus auf den Täter, den Missbrauch und das Opfersein gelegt, nicht darauf den Menschen im Opfer zu sehen. Jede Frau, die Opfer wurde, ist nicht nur Opfer, sondern eine Individuelle Persönlichkeit, die vielleicht keine Gesprächstherapie benötigt, aber sich dennoch gerne austauschen möchte, eine Frau, die dazu aber gar nicht mit anderen ins Gespräch kommen dürfte, es sei denn der Gesprächspartner war selbst einmal Opfer eines Missbrauchsfalls.

Warum passiert das?

Natürlich ist die Wut und die Ohnmacht verständlich, wenn über einen Missbrauchsfall berichtet wird – es wäre auch schlimm, wenn uns das nicht berühren würde, es ist auch gut, dass meist wenige persönliche Informationen über das Opfer bekannt werden, da sich Angehörige sonst vielleicht mit Vorwürfen konfrontiert sähen, dass sie nicht da waren um zu beschützen und hätten damit keines Zeit mehr für das Opfer da zu sein. Genauso wichtig ist es auch, dass der Täter nicht namentlich genannt wird, damit seine Familie geschützt ist. Aber dennoch sollte der Fokus nicht auf den Tätern liegen.

Welche Alternativen gäbe es?

Man könnte statt den Fokus auf die Tat an sich zu legen einen kurzen objektiven Bericht schreiben ohne auf all die Dinge, die den Täter ausmachen einzugehen. Diesen kurzen Bericht könnte die Presse dann zum Anlass nehmen mal mit ehemaligen Opfern Interviews zu führen welche Hilfen sie sich gewünscht hätte – in finanzieller Hinsicht, aber auch was Therapien betrifft oder den Umgang der Gesellschaft mit ihnen. Es könnten Interviews mit Beratungsstellen wie Tauwetter, Wildwaser, Zartbitter und weiteren geführt werden oder auch mit Mitarbeitern des Projektes „kein Täter werden“. Warum wird nicht mal ein Bericht über das Theaterstück „mein Körper gehört mir“ geschrieben oder ein örtlicher Verein vorgestellt. Nein damit werden die Opfer alleine gelassen. Sie müssen sich alleine auf die Suche nach einem guten Anwalt machen, sich über den Ablauf eines Prozesses informieren, sich eine Beratungsstelle suchen, sich wegen einer Entschädigung informieren, einen Therapieplatz suchen und vieles mehr, während über den Täter und den Prozess ausführlich berichtet wird. Und wäre das all das nicht schlimm genug werden sie dann auch noch auf das Opfersein reduziert und damit wird dann rechtfertigt, dass viele Frauen im betroffenen Ort Angst haben. Diese Ängste sind schlimm und nachvollziehbar, aber warum wird dann nicht darüber berichtet wie man präventiv handeln könnte – etwa durch einen Selbstverteidigungskurs. Man könnte darüber schreiben, dass potenzielle Opfer in einer Gefahrensituation laut werden sollten, sich Gehör verschaffen sollen, das sie nicht nur schreien, sondern auch treten, kratzen, beißen dürfen und müssen, dass öffentliche Orte aufgesucht werden sollte, die hell sind und an dem sich viele Menschen aufhalten, dass man Kindern nicht beibringe sollte sich nur an ein Geschäft zu wenden, da auch da potenzielle Täter sein könnten, sondern besser an die örtliche Feuerwehrleitzentrale oder die Polizeistation.

Warum all das nicht geschieht kann ich nur mutmaßen, dass es vielleicht aus der Wut der Journalisten über die Missbrauchsfälle begründet ist…

All diese Empfindungen und unzureichenden Hilfen sind aber für Opfer schon schwer genug auszuhalten, wird dann aber noch die pauschale Angst der Frauen im Ort mit der eigenen erlebten Missbrauchserfahrung begründet ohne jegliche weitere Gedankengänge zu der Thematik Missbrauch zu äußern (etwa welche Hilfen geschaffen werden könnten) ist das ein Missbrauch mit dem Missbrauch, da die Opfer in Vergessenheit geraten oder im besten Fall „nur“ auf ihr Opfersein reduziert werden, sie aber dennoch kaum Gehör bekommen.

Das sind dann Äußerungen, die mich durchaus wütend stimmen!

© S. Stolzenberg

Äußerungen zur Thematik sexueller Kindesmissbrauch – ein Versuch einer objektiven Betrachtung

Warum ich hier nur einen Versuch unternehmen kann objektiv zu der Thematik sexueller Kindesmissbrauch zu schreiben, liegt darin begründet, dass dieses sehr emotionale Thema eines ist, dass jeden Menschen berührt und zu dem jeder auch eine eigenen Meinung hat. Dass diese weit auseinander gehen können und die Diskussion, die dann entstehen (können) nicht immer sachlich bleiben ist verständlich, aber gerade deswegen möchte ich mal versuchen mich in beide Seiten hinein zu fühlen und deren Argumente näher zu betrachten.

Hierbei werde ich die Argumentationen zu drei verschiedenen Gruppen von Menschen betrachten:

Erst mal werde ich über die Argumente zu Pädophilen und Hebephilen schreiben, dann über die Argumente, wenn es um Pädosexuelle geht.

Ich beschränke mich in diesem Artikel bewusst auf den sexuellen Missbrauch, da eine Einbeziehung der drei anderen Missbrauchsformen (physischer Missbrauch, psychischer Missbrauch und ritueller Missbrauch) zu weit führen würden, wobei die Argumentationen zum Teil übernommen werden können. Speziell zum psychischen Missbrauch wäre aber eine deutlich höhere Aufklärung nötig, da sehr oft weder Tätern, noch Opfern bekannt ist, dass es sich um einen solchen handelt.

Es gibt auch sicher auch Betroffene von sexuellem Missbrauch, die diesen nicht im Kindesalter erlebten, doch genauso schwer (vielleicht, weil sie sich besser erinnern können sogar schlimmer) darunter leiden, aber da der kindesmissbrauch ein weniger großes Tabu zu sein scheint und mehr Menschen anzusprechen scheint (meiner Erfahrung nach), schreibe ich auch „nur“ über diese Betroffenengruppe.

Ich möchte mich nun erst mal auf die Argumente zu den beiden ersten Personengruppen beziehen, möchte dazu aber auch eine Definition geben, da es oft vorkommt, dass Pädophilie und Pädosexualität gleichgesetzt werden und das nicht nur im täglichen Sprachgebrauch, sondern auch in den Medien!

Ich schreibe in diesem Teil des Artikels über Paraphile.

Die Paraphilien sind eine Gruppe psychischer Störungen, die sich als ausgeprägte und wiederkehrende, von der empirischen „Norm“ abweichende, sexuell erregende Phantasien, dranghafte sexuelle Bedürfnisse oder Verhaltensweisen äußern, die sich auf unbelebte Objekte, Schmerz, Demütigung oder nicht einverständnisfähige Personen wie Kinder beziehen und in klinisch bedeutsamer Weise Leiden oder Beeinträchtigung bei der betroffenen Person oder ihren Opfern hervorrufen.

Zu den Paraphilien gehören :

·         Exhibitionismus

·         Voyeurismus

·         Pädophilie

·         Hebephilie

Pädophilie ist wahrscheinlich eine der problematischsten und auch am meisten diskutierten Paraphilien. Hierbei findet der Betroffene sexuelle Erregung an Kindern, die zumeist noch prä- oder momentan früh peripubertär sind. Die sexuelle Erregung an postpubertären männlichen Kindern und Jugendlichen wird häufig als Ephebophilie bezeichnet. Sie ist jedoch in den meisten Fällen unabhängig von Pädophilie. (Quelle: https://www.facebook.com/groups/220928501285729/?fref=ts)

In der Sexualmedizin spricht man von Pädophilie erst dann, wenn sich ein Erwachsener (oder ein älterer Jugendlicher am Ende der Pubertät) zu Kindern hingezogen fühlt, die selbst noch nicht in der Pubertät sind. Des Weiteren geht man heute davon aus, dass der Betroffene selbst mindestens 16 Jahre alt sein sollte, bevor er als pädophil diagnostiziert werden kann, denn erst ab der Spätpubertät kristallisiert sich eine bleibende sexuelle Präferenz heraus.(Quelle: http://www.gegen-missbrauch.de/paedos)

Hebephilie wird in 5 Kategorien unterteilt:

·         Vergewaltigung (Koitus mit Frauen)

·         heterosexuelle Hebephilie

·         heterosexuelle Pädophilie

·         homosexuelle Hebephilie

·         homosexuelle Pädophilie

(Quelle: https://www.facebook.com/groups/220928501285729/?fref=ts)

Der Pädophile/ Hebephile hat also eine Neigung, die er aber durch Projekte wie „Kein Täter werden“ lernen kann zu steuern. Es gibt zwar auch pädophile/hebephile Pädosexuelle, aber beides ist erst mal „nur“ eine Neigung, keine Handlung an Kindern.

Wenn mal die Gleichsetzung mit Pädosexuellen außen vor gelassen wird, gibt es aber auch bei dieser Gruppe von Menschen, die auch eine Gruppe potenzieller Täter darstellt, Dinge, die gefordert werden. Ich verwende hier zwar nur  Bezeichnung des Pädophilen, aber dies bezieht sich genauso auf die Hebephilen, da diese Unterscheidung kaum bekannt sein dürfte.

So wird zum Beispiel gefordert, dass sich Pädophile, von denen es bekannt ist, dass sie pädophil sind, rechtlich dazu gezwungen sind sich regelmäßig bei einer für sie zuständigen Stelle zu melden und/oder sich durch Fußfesseln überwachen zu lassen.

Für diese Forderung spricht, dass damit ein eventueller Übergriff vielleicht schneller registriert werden könnte und damit eine Verfolgung der Straftat schneller und wahrscheinlich auch effektiver möglich wäre. Außerdem wäre damit zumindest das Gefühl einer erhöhten Sicherheit potenzieller Opfer gegeben. Es ist also zumindest ein nachvollziehbares Argument, aber es spricht auch einiges dagegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein pädophiler Mensch bei einem Psychiater, einem Projekt wie „kein Täter werden“ oder einer anderen Stelle melden wird ist auch ohne eine solche Maßnahme schon gering genug und damit das Übergriffsrisiko eh schon deutlich erhöht, aber wenn er dann noch damit rechnen muss wegen seiner Neigung wie ein Schwerverbrecher behandelt zu werden, sinkt  die Chance, dass er sich meldet, um sich helfen zu lassen noch weiter und damit die Chance mehr Kinder zu schützen.

Eine weitere viel verbreitete Forderung ist, dass Pädophile für ihre Neigung schon eingesperrt gehören.

 Ebenfalls eine nachvollziehbare Forderung, die ein subjektives Empfinden erhöhter Sicherheit nach sich ziehen würde, aber ebenfalls die Chance minimieren würde, dass sich Pädophile tatsächlich zu dieser Neigung bekennen würden. Unabhängig davon stellt sich mir (wie vermutlich den meisten) aber auch die Frage wie so Pädophilie festgestellt werden, wenn nicht dadurch, dass sich ein Pädophiler zu seiner Neigung bekennt?

Es ist sicherlich auch verständlich, dass jeder, der nicht pädophil ist, nicht nachempfinden kann wie man sich zu einem Kind sexuell hingezogen fühlt und Abscheu – vielleicht auch Verachtung empfindet, aber genauso wenig wird man nachempfinden könne wie es sein muss festzustellen, dass man pädophil ist und dem Drang, den man verspürt nicht nachgeben zu wollen. Immerhin beeinträchtigt diese Neigung das gesamte Leben immens.

Ich würde mir wünschen, dass es zur Pädophilie mehr Aufklärung gäbe und erkannt wird, dass es sich dabei nicht um eine Straftat handelt, denn so würden vielleicht mehr Pädophile dazu ermutigt sich helfen zu lassen und damit wäre auch mehr Kindern geholfen!

Die Argumentation über pädosexuelle Menschen ist jedoch eine weit emotionalere und sehr viel weitere gefächert, da es hierbei auch um Begrifflichkeiten geht, aber auch hier möchte ich erst mal eine Definition liefern:

Pädosexualität bedeutet, sich ausschließlich oder überwiegend sexuell/erotisch zu Kindern hingezogen fühlen. Pädosexualität könnte (dies ist noch sehr umstritten – so manche Forscher meinen auch – es handelt sich um eine psychische Störung – die bisher wiederum nicht belegt werden konnte) eine Sexualform sein die, wie Hetero – oder Homosexualität, sehr unterschiedliche Erscheinungsformen hat. (Quelle: http://www.gegen-missbrauch.de/paedos)

Pädosexuelle sind also Täter, Menschen die gegenüber Kindern übergriffig wurden und damit eine Straftat begangen haben.

Hier gibt gibt es diverse Forderung; oft auch schon bei einem Verdacht, zum Beispiel wenn es wegen eines Missbrauchs eine Verhaftung gab, was natürlich in keiner Relation stehen kann, denn eine Tat kann erst dann verfolgt und bestraft werden, wenn sie bewiesen wurde!!!

Die meisten Forderung (könnten triggern!!!) sind Äußerungen wie „ denen sollte der Schwanz angeschnitten werden“, „die sollten ganz langsam und elendig verrecken“ und ähnliche. Ich möchte und kann nicht all diese Äußerungen hier aufschreiben, aber dennoch dazu Stellung beziehen.

Ich kann verstehen, dass viele Menschen so reagieren, wenn sie von einem Missbrauchsfall erfahren, denn sie sind geschockt, wütend, entsetzt und vieles mehr über die Taten, die ein Kind erfahren musste, insbesondere, da jedem klar ist, dass Missbrauchsbetroffene ihr Leben lang mit den Folgen zu leben haben sei es auch „nur“ in Form von Flashbacks (ein Wiedererleben bestimmter Erlebnisse) oder Triggern (Worte, Geräusche, Gerüche, die als Reiz mit einem Trauma verknüpft werden, die zu einem unverhältnismäßigem Verhalten führen beispielsweise zu einer aggressiven Reaktion bei einer einfachen Äußerung wie „ Du bist ein liebes Kind“). Menschen, die diese Forderungen äußern sind in dieser Situation empathisch und versetzten sich in das Opfer hinein. Sie versuchen unterbewusst nachzuempfinden was das Opfer empfunden haben muss und haben Rachegelüste für die Tat. Aber: Was nutzt es dem Opfer, wenn dem Täter Gewalt angetan wird, außer, dass dadurch Rachegelüste gestillt werden? Dem Opfer ist damit nicht geholfen! Das Opfer wünscht sich erst mal eine Person, der er sich anvertrauen kann, die ihm zuhört, die ihn vielleicht auch begleitet und unterstützt. Außerdem wünscht sich das Opfer Hilfe wieder ins Leben zu finden und mit den Triggern/Flashbacks umgehen zu lernen. Weiterhin stellt man sich mit dieser Forderung auf eine ähnlich Stufe wie der Pädosexuelle und dieser wird in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt, nicht die Tat und schon gar nicht das Opfer! Zudem sollte bedacht werden, dass ein Opfer sich kaum jemandem anvertrauen würde, wenn diese Forderungen umgesetzt würden, wenn der Täter aus dem familiären Umfeld stammt!

Gleiches gilt übrigens auch für die Forderung nach einer Todesstrafe, aber dazu habe ich bereits einen Blog geschrieben: https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2012/10/17/der-ruf-nach-todesstrafe-in-bezug-auf-missbrauch-an-kindern-und-kindstotungen-oder-aus-ihnen-sprechen-wut-verzweiflung-und-rachegefuhle/

Es muss sicherlich härtere Strafen geben, aber keine Strafe wird der Tat wirklich gerecht werden….

Meist beginnt die Diskussion aber meist schon mit den Begrifflichkeiten, da die meisten Menschen, wie auch eine Großzahl der Medien nicht von Pädosexuellen spricht, sondern den Begriff des Kinderschänders verwendet.

Auch hier möchte ich erläutern warum viele Betroffenen fordern diesen Begriff nicht zu verwenden und warum es doch meist getan wird.

Die Betroffenen würden sich wünschen, dass der Begriff nicht verwendet wird, denn „schänden“ ist eine Kausativform von „Schande“. Wenn also das Kind geschändet wird, dann ist es, sprachlich gesehen, mit Schande bedeckt! Und damit wird das Kind sprachlich für die an ihm verübten Taten bestraft. (siehe dazu folgende Definition: http://www.duden.de/rechtschreibung/schaenden)

Ich habe dazu allerdings auch eine andere Interpretation gelesen, nämlich, dass der Begriff so verstanden werden kann, dass das Kind in so fern „ geschändet“ wurde, dass es nicht ehrenhaft behandelt worden ist, dass „Schande“ im Gegensatz zu einem ehrvollen Verhalten steht.

 Der Begriff wird allerdings aus anderen Gründen verwendet. Der Begriff der Schande soll sich bei der Verwendung des Begriffs (fälschlicherweise!) auf den Pädosexuellen beziehen und zum Ausdruck bringen wie widerwärtig sein handeln ist. Der Begriff soll die empfunden Emotionen zum Ausdruck bringen, was bei einem sachlichen begriff wie Pädosexueller nicht möglich ist. Außerdem ist es ein weitverbreiteter Begriff, bei dem jeder weiß was damit gemeint ist, während bei Pädosexueller oft erst mal erklärt werden muss, was das denn überhaupt bedeutet.  Traurigerweise ist der Begriff sogar im Duden zu finden: http://www.duden.de/rechtschreibung/Kinderschaender.

 Unabhängig davon auf wen sich bei der Benutzung des Begriffs die Schande beziehen soll oder tatsächlich bezieht, mag ich die Verwendung schon deshalb nicht, weil es ein Begriff ist, der gerne von der politisch rechten Szene verwendet wird.

 Ich hoffe, dass dieser Text zumindest ein klein wenig zum Nachdenken anregt und möchte abschließend noch zwei gute Texte zur Thematik verlinken.

 https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2013/01/06/gedankenreisen-eine-antwort-auf-eine-gewaltige-frage-achtung-triggergefahr-fur-betroffene-sexueller-gewalt-von-udo-symbiont-ziegenzottel/

http://vieleineinemblog.wordpress.com/2013/09/18/weil-sich-die-sprachfhrung-ber-sexualisierte-gewalt-verndern-muss/

© S. Stolzenberg


 

 

 

Published in: on 9. Februar 2014 at 01:51  Comments (1)  

Weil sich die Sprachführung über sexualisierte Gewalt verändern muss!

Absolut lesenswert!!! Die Schreiberin spricht hier so vielen Betroffenen von sexualisierter Gewalt aus dem Herzen!

Ein bisschen was über mich oder meine Zukunftsperspektiven:

Warum ich diesen Blog schreibe:

Es stehen in diesem Jahr für mich einige Veränderungen an, die mein zukünftiges Leben sehr  beeinflussen werden. Darum mache ich mir Gedanken über meine Zukunft.

Da mich aber meine Vergangenheit sehr geprägt hat und manches aus meiner Vergangenheit das was ich über meine Zukunftsperspektiven schreiben werde begründet.

Da einige Passagen triggern könnten, möchte ich vorab darauf hinweisen, dass diese kursiv geschrieben und farblich abgesetzt sind und jeweils ein Triggerhinweis vor der Passage steht, damit diese übersprungen werden könnten.

Meine Vergangenheit:

Nachdem meine Mutter fast 20 Stunden mit mir in den Wehen lag (tut mir leid Mama 😉 ), wurde ich am 07.04.1984 geboren.

Mein Vater war sehr viel arbeiten, wodurch es wenig gemeinsame Zeit mit ihm gab und ich war hyperaktiv, aber trotzdem entschieden sich meine Eltern führ ein zweites Kind und so wurde 1986 meine kleine Schwester geboren. Leider gab es aber ab meinem 4. Lebensjahr gar kein gemeinsames spielen mehr nur mit meinem Vater.

Mit drei Jahren (1987) kam ich in den Kindergarten, wo ich anfangs nicht bleiben wollte, weil ich eifersüchtig auf meine Schwester war, da sie meine Mutter in der Zeit ganz für sich hatte, nachdem ich aber merkte, dass das gar nicht so schlimm ist, ging ich gerne hin, hatte viele Freunde und auch eine „Kindergartenliebe“ ;). Es gab wieder etwas mehr gemeinsame Zeit mit meinem Vater, der beruflich etwas kürzer trat.

Mit sechs Jahren (1990) wurde ich eingeschult. Ich hatte viele Freunde (viele meiner Kindergartenfreunde gingen auf die selbe Schule) und so hieß es in meinem Zeugnis unter anderem durch meine Ruhe würde ich zeigen, dass ich ungerne Unruhe in meiner Umgebung hätte und meine Freundlichkeit in der Gemeinschaft sei wohltuend.

Der Missbrauch durch ein Familienmitglied begann! Mit 9 Jahren (1993) versuchte ich mich das erste mal indirekt meinen Eltern mitzuteilen und erfuhr, dass ich nicht das einzige Opfer des Täters war… ich versprach, dass ich es aber zukünftig sein würde!

 Als meine Schwester auch eingeschult wurde, war ich die stolze große Schwester…

Mit 10 Jahren (1994) verließ ich die Grundschule und besuchte nun das Gymnasium, wo ich mich anfangs zwar wohlfühlte, aber sehr ruhig war. Ich nahm zwar mehr am Unterricht teil, wollte aber keine neuen Freunde finden, sondern mich lieber an meine „alten Freunde“ aus der Grundschule halten.

1996 verstarb mein Täter, doch ich verdrängte so gut es ging den Missbrauch!

 Ab meinem 13. Lebensjahr (1997) wurde ich zunehmend in der Schule gemobbt und von meinen „alten Freunden“ nur noch „unser Schatten“ genannt. Meine Mutter riet mir das Mobbing zu ignorieren, weil „die dann irgendwann aufhören“ würden. Dem war leider nicht so…. Ich fand neue Freunde, zu denen ich später den Kontakt verlor…

Durch das Mobbing kamen aber auch immer häufiger die Erinnerungen an den Missbrauch hoch, weshalb ich mich in einem Brief an einen guten Freund darüber mitteilte. Seine Eltern fanden den Brief und reichten ihn an meine Eltern weiter, die auf diesem Weg davon erfuhren.

Eine Therapie verneinte ich, sprach aber mit meinen Eltern und meinem Opa mütterlicherseits darüber.

Dieser starb ein Jahr später (1998) und ich konnte seinen Tod gar nicht realisieren – ich dachte immer wieder er würde jeden Moment aus dem Garten, den er hatte nach Hause kommen und bei meinen Eltern klingeln oder ähnliches. Ich habe sehr lange gebraucht bis ich das erste mal weinen konnte. Seit seinem Tod habe ich sein Grab nur mit meinen Eltern besucht, weil es für mich keinen Bezugspunkt darstellt (könnte daran liegen, dass er anonym beigesetzt werde wollte, was nicht geschehen ist), aber ich habe Orte an denen ich mich ihm sehr verbunden fühle zu denen ich regelmäßig gehe…

Im selben Jahr vertraute ich mich einem Klassenkameraden wegen meines Missbrauchs an, was dazu führte dass das Mobbing zunahm und eindeutig darauf bezogene begriffe über mich an der Klassentafel standen:(.

 1999 blieb ich das erste sitzen und die Beziehung zu meinem Vater wurde immer schlechter…

2000 kam ich also in eine neue Stufe, fand schnell Freunde, begann zunehmend sowohl den Missbrauch, als auch das Mobbing zu verarbeiten, begann neben der Schule (für 3 Monate) zu arbeiten und

wurde von meinem damaligen Freund vergewaltigt, zu dem ich aber erst mal weiterhin Kontakt hatte, bis er begann mich zu stalken.

 Das darauf folgende Jahr (2001) verlief nicht viel besser für mich. Ich arbeite neben der Schule, habe privat ganz liebe Menschen kennengelernt,

wurde aber auch erneut (von einem Bekannten meines damaligen Freundes) vergewaltigt und von meinem damaligen Freund physisch und psychisch missbraucht. Ich hatte aber den Mut mich zu wehren und stellte Strafanzeige, die aber aus Mangeln an Beweisen eingestellt wurde.

Ich blieb zum zweiten mal sitzen und die Beziehung zu meinem Vater verschlechterte sich zunehmend.

2002 arbeitete ich erneut neben der Schule, in der der Kontakt zu meinen Klassenkameraden immer besser wurde, hatte aber privat Kontakt zu falschen Freunden, wodurch ich gute Freunde verlor :(. Das tut mir bis heute leid!

2004 wandte sich das Blatt für mich, da ich meinen heutigen Mann kennenlernte (am 14.02.2004 :D) und nach einer Woche mit ihm zusammenkam, wobei die meisten dachten die Beziehung würde nicht lange halten, weil wir Karneval zusammengekommen sind ;).

Im selben Jahr zogen wir zusammen und das Verhältnis zu meinem Vater verbesserte sich stetig :).

Im Jahr darauf (2005) verlobten wir uns, zogen in unsere erste gemeinsame Wohnung und ich machte mein Abitur, fand aber leider keine Lehrstelle, weshalb ich ab 2006 einen €1-Job machen „durfte“. Ich heiratete meinen Mann ♥. Dafür wandten sich immer mehr Freunde von uns ab…:(

Ich ging danach noch knapp ein Jahr arbeiten, bevor unser Sohn 2009 zur Welt kam und seit dem bin ich Hausfrau und Mutter.

Meine aktuelle Situation sieht wie folgt aus:

Ich bin glücklich verheiratet, stolze Mama eines Kindes mit Handicap, wodurch der Kontakt zu einzelnen Familienmitgliedern abgenommen hat, habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern und meiner Schwester, zu der ich aber meiner Meinung nach zu selten Kontakt habe, aber keine Freunde (außer virtuell). Ich habe meine Missbrauchsfälle verarbeitet und setze mich meinen Möglichkeiten entsprechend im Kinderschutz ein.

Wie sehen meine Zukunftsperspektiven aus?

Ich werde weiterhin glücklich verheiratet und stolze Mama sein, aber trotz intensiveren Bemühungen vermutlich ebenso wenig Kontakt zu meiner Schwester haben wie bisher.

Ob ich neue Freunde finden werde kann ich nicht absehen, bin mir da aber auch unsicher, da es durch meine immer noch deutliche Hyperaktivität (ich rede sehr viel!) schwierig ist mit mir umzugehen, ich schüchtern bin und länger brauche bis ich einem Menschen vertraue. Unser Sohn kommt dieses Jahr in den Kindergarten, wodurch ich die Möglichkeit habe wieder arbeiten zu gehen. Da ich jedoch keine abgeschlossene Ausbildung habe und nicht mobil bin, wird es schwierig werden eine passende Stelle zu finden. Ich werde mich aber parallel um Ausbildungsstellen und Helferstellen bewerben, um so eine bestmögliche Chance habe…

Was lösen diese Perspektiven in mir aus?

Ich habe etwas Angst vor der Zukunft und mache mir Sorgen, genieße aber noch die Zeit, in der ich mich noch nicht um meine berufliche Zukunft bemühen muss und meinen Sohn noch den ganzen Tag um mich habe :)♥:).

© S. Stolzenberg

Gedankenreisen – Eine Antwort auf eine Gewaltige Frage (ACHTUNG! Triggergefahr für Betroffene sexueller Gewalt) von Udo Symbiont Ziegenzottel

Ein Text, der ein Gedankenexperiment behandelt zum hema sexueller Missbrauch und der Umgang damit, wenn man Elternteil einer/eines Betroffenen ist. Ich habe diesen Text von Udo Symbiont Ziegenzottel von Facebook übernommen und möchte aber darauf hinweisen, dass dieser Text Betroffen und Angehörige triggern könnte!!!

Achtung! Wenn Du, liebe Leserin und lieber Leser, zu den Menschen gehörst, die von sexueller Gewalt betroffen sind/waren, könnte dieser Text als Trigger wirken.

Diese Frage wurde von einer Person in einer recht hitzigen Diskussion über das Thema pädophile Straftäter gestellt.

Es ging, wie so oft, darum, dass einige Menschen eine gewalttätige Strafe für pädophile Straftäter fordern, andere Menschen jedoch zum sachlichen Umgang und einer umfassenderen Betrachtungsweise dieses Themas aufrufen. Was ich hier so nüchtern darstelle, war, wie schon erwähnt, eine sehr hitzige Diskussion.

Die Beantwortung dieser Frage war diesem Menschen sehr wichtig, denn er bestand darauf und wollte sich nicht auf weitere Fragen einlassen, bevor nicht seine eigene Frage beantwortet wäre.

Leider war die Frage wohl zwischenzeitlich von den Admins gelöscht worden, und es gestaltete sich schwierig, diese Frage wieder so einzustellen.

Ich selbst habe diese Frage von einer dritten Person über das Nachrichtensystem von fb zugesendet bekommen (danke dafür), die ich darum gebeten habe. Die Frage, die gestellt wurde, lautet:

Liebe Frau R., Herr H., Frau D.und Frau L. Ich habe nur eine Frage und die hätte ich gerne wahrheitsgemäß beantwortet ohne Gegenfrage. Sie haben ja scheinbar alle Kinder. Was wäre wenn ihr Kind morgen plötzlich nicht mehr nach Hause käme oder falls eins im Babyalter ist, plötzlich entführt würde. Ein halbes Jahr keine Spur. Sie rechnen mit dem Schlimmsten. Was schon Höllenqual genug sein dürfte. Dann kommt ein Anruf. Pädophilen-Bande geschnappt. So und so viel Kinder gerettet. Ihres ist dabei !!!! Sie sehen ihr Kind. Voller Narben. Untenrum alles kaputt. Verletzungen am Körper. Im Gesicht erkennbar als das weinen vom Schmerz und Angst, wegen mehrfacher Vergewaltigung auf perverseste Art und Weise. Z.B. Bei einem 11 Monate alten Baby. Und jetzt erzählen sie mir das sie sich SACHLICH damit auseinander setzen würden !!!!!!! Wahrscheinlich mit dem Täter am Tisch mit Kaffee. Wollen sie mich alle verarschen?

Ich gebe zu, ich beantworte nur sehr ungern solche „Wenn-Dann“-Fragen, weil sie grundsätzlich immer aus dem grossen Ganzen herausgelöst sind und nur Teilaspekte anreissen, und meiner Meinung nach in einer Art und Weise gestellt sind, die die Gefühle von Menschen manipulieren. Speziell hier kommt hinzu: Ich habe keine Kinder. Und die Frage ist auch nicht direkt an mich gerichtet.

Dennoch möchte ich diese berechtigte Frage beantworten – aus meiner Sicht. Ich habe ich mich, soweit mir das möglich ist, desöfteren in die Situation von Menschen hineingefühlt, die solche oder ähnliche Alpträume erleben müssen oder mussten. Ob ich das auch nur annähernd kann, möchte ich nicht beurteilen.

Ich kann nur aus der Erfahrung von jemandem heraus antworten, der selber als Kind missbraucht wurde und jahrelang nicht in der Lage war, Hass und Gewaltfantasien abzulegen und SACHLICH an dieses Erlebnis heranzugehen.

Es gilt die Regel: Gegenfragen sind nicht erlaubt. Akzeptiert. Diese Antwort ist eine Gedankenreise an einen Ort, an dem ich nicht sein will, weil er für mich die Hölle ist. An den ich dennoch schon oft während der Verarbeitung meiner Erlebnisse gehen musste.

Blinder Hass wäre vermutlich die Folge. Rachsucht. Und, falls sich irgendwie die Möglichkeit bietet, eine vermutlich ebenso perverse und gewalttätige Handlung mit anschliessender Verurteilung, wahrscheinlich Sicherheitsverwahrung und psychologischer Behandlung.

Sofern ich eine ähnliche Entwicklung von mir erleben würde, wie ich sie nach dem Missbrauch meinerselbst durchlebt habe, würde ich mich rd. 35 Jahre lang mit weiterem Hass und „kreativen“ Gewaltfantasien, vermutlich auch unterdrückten Schuldgefühlen quälen. Und ich würde die Menschen, die ich liebe, je nach Ausprägung dieser Gefühle ebenso leiden lassen – wenn auch unbewusst. Jedesmal, wenn die Sprache auf dieses Thema kommt, würde ich vermutlich einen massiven Anstieg des Blutdrucks und den teilweisen Verlust meiner Selbstbeherrschung erleben, und in endlosen Diskussionen mit der Faust auf den Tisch schlagen.

Vielleicht käme ich nach dieser Zeit langsam auf die Idee, darüber nachzudenken, was ich mit dieser Tat den Menschen angetan habe, die ich so sehr liebe. Möglicherweise käme ich zu der Erkenntnis: Es hat einen durchaus einen Sinn, dass auch Gesetze zum Schutz von pädophilen Straftätern existieren, die nicht zuletzt auch zum Schutz meinerselbst vor mir selbst geschaffen wurden.

Es könnte auch sein, dass ich mich zu fragen beginne, warum ich damals, als ich die Täter zur Strecke brache, nicht stattdessen jede Sekunde mit meinen Kindern verbracht habe, in einer Zeit, wo sie mich am meisten gebraucht hätten. In einer Zeit, in der ich nichts Besseres zu tun hatte, als „nicht da zu sein“ und meinen eigenen Trieb zu befriedigen. Meinen Rachetrieb.

Ich sehe mich an einem Tisch in einer Bar, betrunken, den Kopf in die Hände gestützt, und denke: Gott! Warum habe ich mich damals nicht unter Kontrolle gehabt? Warum nur habe ich meinen eigenen Hass über die Liebe meiner Kinder gestellt? Warum nur habe ich die stumme Bitte in den Augen meiner Kinder nicht gesehen: Papi, bitte bleib hier?

Jeder würde natürlich Verständnis dafür haben, dass ich damals so gehandelt habe. Aber für mich würde das vermutlich unwichtig sein. Nur, wenn es ganz schlimm wird, würde ich mir die Bestätigung von anderen Menschen holen: „Ja, ich hätte damals genauso gehandelt, das ist doch verständlich!“.

Ob meine Kinder, oder mein Kind, dafür genausoviel Verständnis fände, weiss ich nicht…

Ich weiss nur eins, was diese Frage betrifft: Kinder, die derart misshandelt wurden, brauchen keinen Vater, der als Racheengel loszieht und nicht da ist, wenn sie ihn am nötigsten brauchen. Diese Kinder brauchen einen Vater, der in dieser Zeit immer bei ihnen ist. Der noch nicht einmal reden braucht. Der einfach da ist, wenn die Träume kommen. Die Angst, die Bilder, und die Tränen. Einen Vater, der dann liebevoll und aufmerksam die Arme öffnet und sein Kind festhält. Mit Händen, die nicht schonmal in Blut gebadet haben.

Nun, da ich langsam wieder von diesem Ort zurückgekehrt bin, möchte ich mir trotz der Bitte, darauf zu verzichten, eine Gegenfrage erlauben. Vielleicht möchte die fragende Person selbst darauf antworten – in welcher Form auch immer. Es ist ein Experiment.

Wenn Du es kannst, dann stell Dir vor, dass Du all das erlebt hast. Genau so. Nach den schon genannten 35 Jahren findest Du heraus, dass der/die Täter selber in ihrer Kindheit auf das Schlimmste missbraucht wurden. Auch ihre Eltern gingen auf einen Rachefeldzug, ermordeten auf grausamste Weise die Täter, und waren danach selber für alle Zeit verändert durch diese Tat. Im Blutrausch übersahen sie leider, dass sie in ihrer blinden Wut nicht nur die Täter, sondern auch einen unschuldigen Familienvater hingerichtet hatten.

Die Familie dieses Mannes fiel auseinander. Seine Frau wurde alkoholsüchtig. Von den Kindern weisst Du nur, dass sie nach einigen Jahren im Jugendknast gelandet sind. Dann verliert sich ihre Spur. Und Du denkst darüber nach, was aus Deinen eigenen Kindern geworden ist.

Meine Frage lautet nun, ob es angemessen ist, darüber zu urteilen, dass die eine Grausamkeit verwerflich, und die andere verständlich ist, oder ob es angemessen ist, gerade in extrem emotionalen Situationen sachlich zu bleiben, um nicht noch mehr Schaden anzurichten und die Menschen, auf die diese Emotionen abzielen, vor unüberlegten Handlungen zu schützen?

Und über folgenden Link kommt man zu dieser Notiz: http://www.facebook.com/notes/udo-symbiont-ziegenzottel/gedankenreisen-eine-antwort-auf-eine-gewaltige-frage-achtung-triggergefahr-f%C3%BCr-b/10151336477778839

S.Stolzenberg

„Der Ruf nach Todesstrafe in Bezug auf Missbrauch an Kindern und Kindstötungen“ oder „Aus Ihnen sprechen Wut, Verzweiflung und Rachegefühle“

Einleitung:

Wenn es um Missbrauch an Kindern oder Kindstötungen geht, hört man sehr schnell Rufe nach der Todesstrafe oder Äußerungen welche Gewalt de Tätern angetan werden sollte, wobei die meisten selbst nicht bereit wären diese auch auszuüben.

Aber dazu muss ich mich beim Missbrauch erstmal damit befassen wie dieser zu definieren ist (dies werde ich hier nur sehr kurz tun, da ich in meinem Blog https://sabrinastolzenberg.wordpress.com/2012/02/25/%E2%80%9Ebleiben-missbrauchsopfer-ihr-leben-lang-opfer-oder-%E2%80%9Ewieso-aufklarung-so-wichtig-ist/ bereits ausführlich definiert habe):

Es gibt vier verschieden Formen des Missbrauchs:

  1. Der psychische Missbrauch; auch emotionaler oder seelischer Missbrauch.
  2. Der physische Missbrauch.
  3. Der sexuelle Missbrauch.
  4. Der rituelle Missbrauch.

Weiterhin muss ich mit den Begrifflichkeiten auseinander setzten, denn Begriffe wie „Kinderschänder“ und ähnliche sollten nicht verwendet werden, da dem Kind keine Schande zugefügt wurde, mit der es zu Leben hätte, sondern ihm wurde Gewalt angetan. Auch die Bezeichnung des „Opfers“ sollte vermieden werden, denn ein Opfer ist der Betroffene nur in der Situation des Missbrauchs! Die Bezeichnung kann Betroffene triggern (Trigger kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Auslöser.) und kann bei Betroffenen, die bisher nicht den Mut gefunden haben sich zu öffnen und über den Missbrauch zu sprechen dazu führen, dass sie dies auch weiterhin nicht tun, da sie denken man würde sie eh ein leben Lang als „hilflose“ Opfer betrachten, die immer Hilfe brauchen werden und kein richtiges Leben führen können“, aber das können sie sehr wohl mit der richtigen Hilfe und einem Umdenken unserer Gesellschaft!

Desweitern muss ich mich auch mit der Definition der Todesstrafe befassen, denn es gibt und gab  nicht „nur“ eine Form der Todesstrafe (hier werde ich die verschieden Formen nur benennen, aber nicht weiter ausführen -> wer dies möchte kann es unter später aufgeführter Quelle tun):

  1. Die Gaskammer
  2. Das Ertränken
  3. Die Kreuzigung
  4. Die Matzzatello
  5. Das Vierteilen
  6. der Feuertod, Scheiterhaufen
  7. Zu Tode gepresst
  8. Lebendig begraben
  9. Die Guillotine, Fallbeil, Enthauptungsmaschin
  10. Die Garotte
  11. Das Rädern
  12. Bei lebendigen Leib gekocht
  13. Die Steinigung
  14. Galgen, Hängen, Strangulieren
  15. Die Erschießung

Quelle hierzu: http://www.todesstrafe.de/hinrichtungsmethoden.html

Und wenn es um Straftaten geht, die mit dem Tode geahndet werden können, sind die Länder noch immer sehr kreativ: Diese beginnen mit Mord, Vergewaltigung, Landesverrat, Entführung, Veruntreuung, … und gehen bis zu Dingen wie Abfall vom Glauben, außerehelichem Sexualverkehr (wozu in manchen Ländern auch durchaus zählt vergewaltigt zu werden!) und Homosexualität. Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html

Unabhängig von den Begrifflichkeiten, sollte aber jemand der hinsichtlich einer Kindstötung oder des Missbrauchs an Kindern für die Todesstrafe ist auch bereit sein sich damit auseinander zu setzten was die Ansicht von Betroffenen ist und diese sprechen sie zu einem Großteil dagegen aus. Eine Umfrage dazu ist zum Beispiel auf folgender Seite zu finden, in der sich mehr als die Hälfte der Befragten gegen die Todesstrafe ausspricht: http://www.todesstrafe.de/index.php.

Die Wut, die Empörung und die Verzweiflung gegenüber solchen Taten sind menschlich und nachvollziehbar, aber für viele Opfer spricht einfach mehr gegen die Todesstrafe, als dafür.

Gründe die gegen die Todesstrafe sind folgende:

Es wird immer wieder gesagt, dass die Todesstrafe davor schützt, dass es weitere „Opfer“ gibt und das stimmt natürlich auch, aber 75% aller Missbrauchsfälle passieren im familiären Umfeld. Wie erklärt man aber einem Kind, dass z.B. seinen Erzeuger dennoch liebt, dass dieser zum Tod verurteilt wird, wenn das Kind darüber spricht was ihm angetan wurde? Gar nicht – das Kind würde nicht „nur“ aus Scham, sondern auch aus Verlustangst schweigen und vielleicht sogar weiter missbraucht werden und das Risiko, dass Fremdtäter ihre „Opfer“ töten würden, würde erhöht, da eine Aussage des „Opfers“ den Tod des Täters zur Folge hätte, ohne die Todesstrafe besteht aber zumindest die Chance, dass das Opfer lebendig aufgefunden wird.

Es wird auch immer wieder gesagt, dass der Täter nichts anderes verdient habe und kein Mensch mehr sei und natürlich hat er sich nicht menschlich verhalten, als er missbraucht hat und es hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, wenn der Täter gar nicht oder gerade mal zu ein paar Jahren Haft verurteilt wird, aber er bleibt trotz seiner Tat ein Mensch (rechtliche Definition z.B. §§ 185 ff., 201 ff.,211 ff., 223 ff., 239, 240 : Jedes menschliche Individuum vom Beginn seiner (Lebend-) Geburt bis zu seinem Gesamthirntod.) und selbst wenn es so wäre, wäre dies kein zwingender Grund für die TS – eine lebenslange Haft wäre ebenfalls eine Strafe, die dazu führen würde, dass der Täter keine Tat mehr verüben könnte und kein schönes Leben führen würde, aber die Möglichkeit auf Resozialisierung hätte und dieses Urteil könnte aufgehoben werden, denn es gibt kein unfehlbares Rechtssystem, wodurch Verurteilungen von Unschuldigen nicht ausgeschlossen werden könnten.

Viele würden es lieber sehen, wenn das Geld, welches in die Todesstrafe investiert wird für Opferschutz und Opferhilfe, Gewaltprävention und Aufklärung investiert würde. (Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html)

Weiterhin sollte man sich nicht so sehr Gedanken über eine „angemessene“ Bestrafung des Täters machen, sondern dem Betroffenen bei der Bewältigung des Missbrauchs bzw. den Angehörigen eines getöteten Kindes bei der  Bewältigung des Verlusts zur Seite stehen und den Fokus nur uns ausschließlich auf sie legen. Und wie kann man erklären, dass eine Form der Gewalt (nämlich ein Missbrauch bzw. eine Kindstötung ein inhumanes Verhalten darstellt, eine Tötung als Bestrafung aber nicht? Gar nicht! Denn die Tötung eines Menschen ist immer inhuman und kann somit nicht einerseits als richtig, aber gleichzeitig auch als falsch empfunden werden….

Und zuletzt noch das finanzielle Argument die Todesstrafe sei billiger, als beispielsweise eine lebenslange Inhaftierung: In Rechtsstaaten wie den USA kostet ein Todesstrafenprozess im Durchschnitt jedoch mehr als eine lebenslange Haft.[54] Hauptgrund sind die Anklage- und Verteidigungskosten von oft jahrelangen Kapitalverfahren. Dabei müssen die polizeilichen Ermittlungsergebnisse besonders sorgfältig geprüft werden. Mehrere Revisionsinstanzen und Wiederaufnahmemöglichkeiten sind vorgesehen, um Fehlurteile korrigieren zu können.(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe)

Hier zwei ausgesuchte Zitate betroffener Familien einer Kindstötung zur Todesstrafe:

Ein schlimmer Aspekt an der Todesstrafe ist auch, dass sie den Blick der Gesellschaft von Opfer ablenkt und eine Welle der Unterstützung für diejenigen auslöst, die ein Verbrechen begangen haben. Für uns ist die Todesstrafe kein Weg, das Leben unserer Tochter zu würdigen.‘
– Vicki Schieber, deren Tochter Shannon in Pennsylvania, USA ermordet wurde

‚Wenn wir Mördern erlauben, dass sie uns zu Mördern machen, geben wir ihnen zu viel Macht. Sie siegen, indem sie uns ihren Weg zu denken und zu Handeln eröffnen, und wir werden zu dem, das wir ablehnen.‘
– Renny Cushing, dessen Vater in New Hampshire, USA, getötet wurde

(Quelle: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/ueber-uns/leitbild.html)

Ich hoffe, dass dieser Text zumindest ein paar Befürworter der Todesstrafe zum nachdenken anregt und vielleicht sogar zu der ein oder anderen sachlichen Diskussion führt…

Andere gute Texte zum Thema:

http://www.facebook.com/notes/udo-symbiont-ziegenzottel/kindersch%C3%A4nder-sch%C3%A4nder/10151038620258839

http://www.regenbogenwald.de/themen/berichte/brief_einer_betroffenen.htm

http://www.regenbogenwald.de/themen/npd_und_kinderschutz/gegen_kinderschaender.htm

https://www.facebook.com/notes/l%C3%B6schen-der-seite-keine-gnade-f%C3%BCr-kindersch%C3%A4nder-nazis/denkansto%C3%9F-todesstrafe/306161906068480

http://www.facebook.com/notes/heinrich-schmitz/rechtsstaat-%C3%BCberfl%C3%BCssiger-luxus-von-ra-heinrich-schmitz/278037872217748

http://www.facebook.com/notes/heinrich-schmitz/todesstrafenfans-vergesst-es-/279813148706887

http://www.facebook.com/groups/154786014610333/doc/184676608287940/

© S. Stolzenberg

Published in: on 17. Oktober 2012 at 00:11  Comments (1)  

„Stimmungsfang unter dem Deckmantel des Kinderschutz“

Einleitung:

Warum schreibe ich diesen Blog?

Dieser Blog bezieht sich auf ein immer wieder auftretendes und zurzeit wieder aktuelles Thema. So gibt es zurzeit bei Facebook eine Veranstaltung mit dem Namen „1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder – sei dabei!!!“.

Manch einer mag denken das klingt doch eigentlich gut und würde es dabei wirklich um Kinderschutz gehen wäre es das auch, aber darum geht es bei dieser Veranstaltung nicht. Es geht um Stimmenfang für die NPD zu der die Seite „Deutschland gegen Kinderschänder“ zählt.

Woran kann ich erkennen, dass es nicht um Kinderschutz geht?

Es werden zwar auf der Seite immer wieder gewaltverherrlichende Posts und Kommentare gelöscht, aber nur, weil die Seite andernfalls nach mehrmaligem Melden von Facebook gelöscht werden würde. Es gibt jedoch nichts zu melden, wenn die Seite die Posts und Kommentare direkt löscht. Verbindungen zur NPD sieht man aber immer wieder zum Beispiel unter den „Gefällt mir“ Angaben der Seite. Weiterhin sucht man vergebens nach Posts, die auf guten Seiten zum Thema Kinderschutz zu finden sind.

Was macht eine gute Seite zum Kinderschutz aus?

Auf den guten Seiten und in den entsprechenden Gruppen zum Kinderschutz findet sich erst mal der Hinweis, dass diese politisch neutral sind und politische Aussagen zeitnah gelöscht werden. Außerdem werden entgegen der Seite „Deutschland gegen Kinderschänder“ nicht nur Artikel gepostet, in denen das Leid eines Betroffenen gezeigt wird, sondern es wird auch über Beratungsstellen, die Unterscheidung zwischen pädophil (ein Mensch mit der sexuellen Neigung Kinder anziehend zu finden, der dieser aber nicht nachgeht) und pädosexuell (ein Täter) und Projekte wie „kein Täter werden“ informiert. Hier tauscht man sich auch über mögliche Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung aus und es werden Mahnwachen, Infoveranstaltungen und ähnliches  geplant und organisiert. Auf diesen Seiten und  in diesen Gruppen wird der Begriff „Kinderschänder“ nicht verwendet, da er impliziert, dass dem Kind eine Schande angetan würde mit der es zu leben hätte. Es wird der Begriff des Pädos gebraucht. Weiterhin liest man auf diesen Seiten und in den Gruppen nicht den Begriff des „Opfers“, da jemand der missbraucht wurde nicht notwendigerweise lebenslang Opfer bleibt, sondern man spricht von Betroffenen oder Überlebenden.

Für mich, wie für andere Betroffene aber auch sehr wichtig: Es geht nicht in erster Linie darum wie ein Täter bestraft werden kann, sondern wie dem betroffenen geholfen werden kann, denn um diese geht es in erster Linie!!! Und insbesondere wichtig ist auf diesen Seiten und in den Gruppen: Den Betroffenen wird es nicht abgesprochen, dass sie ein selbstbestimmtes, glückliches und erfülltes Leben führen können, sie helfen einander, man erhält Informationen über Beratungsstellen und Tipps für die Zeit bis zur Therapie und während der Therapie, so wie Ratschläge was helfen kann, wenn es einem mal nicht so gut geht. Doch auf den guten Seiten und in den Gruppen hat nicht immer alles nur mit Kinderschutz zu tun. Es wird auch mal gealbert und es werden Witze gemacht, damit die Atmosphäre nicht immer nur ernst ist.

Und darum möchte ich Euch bitten: Wenn ihr etwas verändern wollt, geht auf die guten Seiten und/oder in die guten Gruppen und wenn ihr Euch nicht sicher seid, fragt nach!!! Aber macht Euch bitte die Mühe zu hinterfragen, ob eine Seite wirklich Kindern helfen oder nur Stimmungsmache betreiben möchte!!!

© S. Stolzenberg

Published in: on 12. Oktober 2012 at 00:44  Comments (2)  

„Wie ich darüber denke, wenn in Bezug auf Täter eines Missbrauchs zu Gewalt aufgerufen wird“ oder „Wie sollte man reagieren, wenn man von einem Missbrauchsfall erfährt“

Einleitung: Warum ich über dieses Thema schreibe. Ich schreibe meine Gedanken zu diesem Thema auf, weil ich selbst eine Überlebende bin und mich die Gewaltaufrufe anderer in meinem Umfeld und in sozialen Netzwerken immer wieder traurig stimmen, da ich hier nicht erkennen kann, dass es ihnen um das Opfer geht!

Ich kann diese Gewaltaufrufe, dass solche Menschen die Todesstrafe erhalten oder ihnen die Geschlechtsteile verletzt werden sollten, aber sogar nachvollziehen. Denn auch ich empfinde eine gewisse Wut und Hilflosigkeit über diese Taten und frage mich wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann. Ich kann mir auch eine Verzweiflung über die zunehmende Anzahl an Berichterstattungen vorstellen und verstehe auch den oft empfundenen Ekel, wenn man sich mit solchen Tate beschäftigt, aber für mich spricht mehr gegen solche Gewaltfantasien, als dafür.

Erst mal kann es keine gerechte Strafe geben. Aber eine Gewalttat an einem solchen Menschen wäre nur ein kurzzeitiger Schmerz, der aber auch einem Täter bedürfte, der sich dann wiederrum auf eine ähnliche Stufen stellen müsste, wie dieser Mensch selbst und für mich sollte es eine nachhaltigere Strafe sein, die ein solcher Mensch erdulden müsste.

Aber was für mich viel entscheidender ist: Das Opfer wird bei diesem Gedankengang gar nicht bedacht, obwohl es doch eher um dieses gehen sollte, da es unter der Tat und den Folgen zu leiden hat, nicht der Täter – ihm tut es vermutlich eher gut, wenn er wegen der Tat weitere Aufmerksam bekommt!!!

Denn das Opfer hat erst unter der Tat, die sich über Jahre erstrecken kann, zu leiden, muss dann entweder versuchen alleine mit der Tat umzugehen, eine Therapie zu machen oder den Mut zu finden Anzeige zu erstatten, ist dann den mitleidigen Blicken seiner Umwelt ausgesetzt, die ihm sagen: „Du Arme, Du tust mir so leid, das muss so schrecklich gewesen sein,…“ und dann muss es die Tat in der Aussage bei der Polizei und vor Gericht sowie einer eventuellen Therapie immer und immer durchleben und wenn es „Glück“ hat, erreicht es irgendwann den Punkt, wo es mit der Tat zurecht kommt und diese verarbeitet hat.

Es werden sich jetzt jedoch vermutlich auch diejenigen, die diesen Blog lesen fragen wie die Strafe aussehen würde, wenn ich diese zu entscheiden hätte.

Ich würde bei bewiesenem Missbrauch den Täter mit völliger Isolationshaft bestrafen, wobei das auch bedeuten würde, dass er nicht nur keinen direkten Kontakt zu anderen Lebewesen hätte, sondern es auch zu keinerlei Kommunikation käme, da der Mensch ein soziales Lebewesen ist und meiner Ansicht nach die lebenslange völlige Isolation die schlimmste Strafe ist, die ein Mensch zu erwarten hat.

Was würde ich mir nun als Reaktion wünschen, wenn ein Missbrauchsfall bekannt wird?

Ich würde mir wünschen, dass man mit dem Opfer mitfühlt (was nicht mit Mitleid gleichzusetzen ist!) und sich fragt wie man diesem Opfer helfen kann den Missbrauch zu verarbeiten. Weiterhin, dass man sich damit beschäftigt wie man weitere Missbrauchsfälle vermeiden oder zumindest reduzieren kann, nämlich durch Aufklärung und Projekte wie „Kein Täter werden“…, denn Wut allein reicht nicht!!!

Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass die meisten, die bisher nicht selbst zu Opfern wurden und auch keine Angehörigen, nahen Bekannten,… haben, die missbraucht wurden mit Wut, Verzweiflung, Scham, Unwohlsein und ähnlichen Gefühlen reagieren und sehr oft zu Gewalt gegen Täter aufrufen und es bei einigen Angehörigen ähnlich ist, andere Angehörige aber Mitgefühl und Verständnis mit dem Opfer empfinden und ihnen die Hilfe für diese Person wichtiger ist, als die Strafe für den Täter.

Ich habe mich jedoch am meisten verstanden gefühlt, wenn ich mich mit anderen Betroffenen ausgetaucht habe. Mir wurde Mitgefühl und Verständnis entgegen gebracht, ich konnte, wenn auch nicht im Detail, darüber reden was mir passiert ist, ohne wütenden oder schamerfühlte Reaktionen oder dass man mir sagte man wolle nicht darüber sprechen, weil man mich nicht beschützen konnte, wie es in meinem nahen Umfeld immer wieder passiert. Mir wurde aber nicht „nur“ zugehört, man hat mir Tipps gegeben was mir helfen könnte, wenn es mir mal schlecht ging und man hat aber genauso mit mir gelacht, wenn es angebracht war und das ist etwas, dass mir bei Nicht-Betroffenen sehr fehlt, denn auch ein Betroffener muss reden, weinen und lachen können und nicht nur als das „arme, hilflose Opfer“ gesehen und behandelt werden!

Also denkt erst mal darüber nach, was solche Äußerungen bei Opfern bewirken und, ob ihr wirklich über die im jeweiligen Fall wichtige Person nachdenkt und redet, wenn ihr zu Gewalt gegen Täter von Missbrauchsfällen aufruft!!!

Ich möchte mich mit diesem Blog übrigens auch bei allen Lieben Überlebenden bedanken, mit denen ich mich immer wieder austauschen darf! ♥♥♥

Ergänzend möchte ich im Hinblick auf dieses Thema noch auf ein paar andere gute Texte dazu hinweisen. Diese sind: http://www.facebook.com/notes/udo-symbiont-ziegenzottel/kindersch%C3%A4nder-sch%C3%A4nder/10151038620258839 und vom Regenbogenwald die beiden Beiträge http://www.regenbogenwald.de/themen/berichte/brief_einer_betroffenen.htm und http://www.regenbogenwald.de/themen/npd_und_kinderschutz/gegen_kinderschaender.htm

Ich kann Euch nur empfehlen diese Texte ebenfalls zu lesen!

© S. Stolzenberg

Published in: on 12. August 2012 at 00:51  Comments (2)  

Wie ich damit zurecht komme eine Überlebende zu sein:

Eingehend möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Blog andere Überlebende triggern könnte (eine Definition zu diesem Begriff reiche ich für alle anderen in einem späteren Abschnitt des Blogs nach).

Ich möchte eingehen erst mal meine Geschichte so sachlich es mir möglich ist aufschreiben, wobei ich dies natürlich nicht allzu detailiert tun werde.

Ich war als Kind immer gerne bei meinen Großeltern und habe dort auch des Öfteren übernachtet. Lange Zeit war dies immer sehr schön für mich und ich habe mich sehr darauf gefreut, doch das blieb nicht so. Eines nachts, als ich zur Grundschule ging, änderte sich dies schlagartig, als mein Großvater mich zu sexuellen Handlungen zwang und dies dann auch immer öfter tat. Ich fragte mich immer öfter, ob das „normal“ sei und vielleicht alle „Opas“ auf diese Weise zeigten, dass sie ihre Enkel lieb hätten und ich war mir auch nicht sicher wie meine Eltern reagieren würden. Vor allem wollte ich sie aber nicht verletzen. Ich hatte sehr widersprüchliche Gefühle diesem Mann gegenüber, da ich ihn ja einerseits sehr lieb hatte, weil er mein „Opa“ war und andererseits verabscheute ich ihn für das was er mit mir tat. Er erpresste mich jedoch auch, so dass ich das Gefühl bekam mit niemanden darüber reden zu dürfen. Ich teilte meinen Eltern nur nach einigen Jahren mit, dass ich nicht mehr bei meinen Großeltern übernachten wolle, ertrug den Missbrauch bei anderen Gelegenheiten, die sich diesem Menschen boten, aber weiterhin um jemanden vor solchen Übergriffen zu schützen, der weit jünger war, als ich, den ich hier aber nicht näher beschreibe möchte. Es vergingen viele Jahre, bis meine Eltern eher zufällig erfuhren, was mein Großvater für ein Mensch war, da ich mich in einem Brief einem Freund mitteilte, dessen Eltern sehr beherzt reagierten. Andernfalls hätten meine Eltern vermutlich bis heute nichts davon erfahren. Ich hätte zwar eine Therapie machen können, lehnte diese aber ab, da ich den Eindruck hatte sie würde mir nicht helfen. Die Therapeutin bot mir an, dass ich mich jederzeit an sie wenden könnte, was ich aber nie tat und sagte mir es sei sehr wichtig, dass ich einen Weg fände mit dem Missbrauch umzugehen. Noch heute gibt es Orte, Gerüche und auch Worte, die in einem bestimmten Zusammenhang benutzt die Gefühle, die ich zur Zeit des Missbrauchs empfand wieder aufleben lassen, doch ich kann dann damit umgehen. Dies sind so genannte Flashbacks. Trigger habe ich rückblickend auch vereinzelt bei mir festgestellt, also dass ich auf eine bestimmte Äußerung, eine Wortabfolge,… auf unangebrachte Art reagiere. So ist zum Beispiel vorgekommen, dass ich auf Nähe zeitweise reagiert habe, indem ich die andere Person wortlos weggestoßen habe. Wenn ich darüber rede oder schreibe was mein Großvater getan hat empfinde ich mittlerweile nur noch eine Art Wut und Entsetzen, darüber wie ein Mensch einem anderen so etwas antun kann. Anfangs fiel es mir jedoch unheimlich schwer darüber zu sprechen. Ich hatte versucht den Missbrauch mit dem Tag seines Todes zu begraben, doch auch wenn eine Last von mir fiel, dauerte es noch Jahre den Missbrauch zu verarbeiten.

Fast zeitgleich mit dem Brief den ich an einen Freund geschrieben hatte, begann jedoch auch ein Bekannter mich sexuell zu belästigen, was mich einerseits in die Situation brachte, dass ich mich ungewollt erneut mit dem Missbrauch durch meinen Großvater auseinander setzen musste, mir andererseits aber auch zeigte, dass ich sehr wohl in der Lage bin mich zur Wehr zu setzen, denn als ich ihm mit einer Anzeige drohte, endeten seine Belästigungen.

Dies war jedoch nicht immer der Fall, denn ich wurde drei Jahre später von meinem zweiten festen Freund vergewaltigt, der nicht warten wollte und der Ansicht war ich müsse es „hinter mich bringen“. Ich war wie im Schock und brauchte ein Jahr bis ich den Mut fand Anzeige zu erstatten, doch mir wurde mitgeteilt die Vergewaltigung sei verjährt. Weiter wurde nicht viel unternommen. Ich traute mich kaum noch nach draußen und schlich mich regelrecht aus dem Haus, da mein Vergewaltiger nun auch zu meinem Stalker geworden war und die örtlich Polizei nichts dagegen unternehmen konnte (oder wollte). Ich war zwar selbstbewusst und wehrte mich auch so gut es ging gegen ihn, wenn er mir zu nah kam, aber wenn ich mit alleine war  und diese Situationen gab es, war ich auch voller Angst, ob er es erneut versuchen würde. Nach ca. einem Jahr, in dem ich mich immer wieder aus dem Haus stehlen musste, damit er mich nicht bemerkte oder ich mich von Freunden und Familienangehörigen begleiten ließ, zog er weg. Er ist verheiratet, hat eine Frau uns soweit mir bekannt ist ein Kind.

Ein weiteres Jahr später wurde ich dann zum letzten mal zum Opfer. Ich wurde von einem Bekannten meines damaligen Freundes zu einem Spielplatz gelockt, von da aus in eine Garage gezogen und dort vergewaltigt, während mein damaliger Freund in einem nahegelegenen Supermarkt einkaufen war. Als ich wieder zum Supermarkt zurück kam, mein damaliger Freund mir mitgeteilt hatte, dass er mich gesucht hätte und bemerkte, dass etwas nicht stimmte, warf er mir vor ich sei ihm fremd gegangen und beendete die Beziehung.

Und doch komme ich sehr gut damit zurecht was mir widerfahren ist, da ich für mich Wege gefunden habe damit zurecht zu kommen. So habe ich begonnen zu zeichnen, Tagebuch zu führen, was ich bis heute tue und habe ganz viel mit meiner Familie und meinen Freunden über den Missbrauch geredet und geredet und geredet.

Ich bin heute glücklich verheiratet und habe einen Sohn, doch brauche ich sehr lange, um eine tiefe und vertrauensvolle Beziehung zu anderen Menschen einzugehen, weshalb ich kaum Freunde habe. Ich zeichne immer noch sehr viel, schreibe nach wie vor Tagebuch und rede sehr viel über meine Gefühle, mein Sexleben ist normal und ich bin glücklich. Ich verhalte mich in manchen Situationen aber auch wie ein kleines Kind; so liebe ich es Seifenblasen hinter her zu schauen oder in Regenpfützen zu springen und ich gehe im Herbst auch immer noch unheimlich gerne durch gefallenes Laub.

Das tue ich vermutlich auch, weil ich durch den Missbrauch nur bedingt ein unbeschwertes, fröhliches Kind sein konnte, doch ich bin dankbar für dieses Kind in mir und möchte es mir auch bewahren, da ich viele Dinge dadurch noch intensiver wahrnehme, manches vielleicht auch mehr zu schätzen weiß und einfach auch zufriedener bin, als ich es sonst wäre.

Ich sehe mich selbst aber nicht als Betroffene, denn das ist für mich eine Person, die sich in der Phase des Verarbeitens befindet. Als Opfer sehe ich mich aber auch nicht – das war ich, als ich missbraucht wurde, denn ein Opfer ist jemand, der einer Situation oder Handlung ausgesetzt ist dadurch Schaden erleidet und sich schwach fühlt.  Ich bin dem Missbrauch nicht mehr ausgesetzt, habe den „Schaden“, den ich dadurch erlitten habe verarbeitet und fühle mich auch nicht schwach. Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das sehr erfüllt ist und denke eigentlich auch nicht mehr darüber nach, dass ich ein Missbrauchsopfer war und nun eine Überlebende bin. Doch gerade, weil ich für mich festgestellt habe wie wichtig es ist immer und immer wieder darüber zu reden, schreibe ich regelmäßig darüber, weil ich weiß, dass es meinem Mann weh tut zu hören, dass ich missbraucht wurde…

Aber: Es geht mir gut!!!

Ich habe auch ein Gedicht geschrieben, dass sich mit dem Missbrauch durch meinen Großvater beschäftigt geschrieben:

Sieh mich an – ich steh vor Dir
Du glaubst es nicht, doch ich spreche zu Dir.
Du hast mich verletzt
Meine Seele zerfetzt!
Ich war noch klein
Du hattest den Anschein
Dein Herz wäre rein.
Du hast mich benutzt
Ich fühlte mich beschmutzt.
Dein Leben ging zu Ende
Für mich warst Du ein Fremder.
Es erwachte in mir eine Menge Mut
Endlich kann ich sagen:
Es geht mir wieder gut.
Ich sprach über Deine Taten
Du hattest mich verraten.
Mein Leben geht weiter
Ich bin wieder froh und heiter.
Ich werde nie vergessen was mit mir geschah
Doch es gibt so viele Menschen einfach wunderbar
Die kämpfen gegen Menschen, die solche Dinge tun.
Sie werden niemals ruhen
Bis die Strafen werden härter
Sie sind so was wie Wächter.
Sie wollen für Kinder Schutz
Damit diese nie mehr werden beschmutzt!

© S. Stolzenberg

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[hier bitte kreative Beschreibung einfügen]

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...heute bin ich anders...