Der Täter im Fokus, das Opfer wird vergessen

Im Rahmen einer Diskussion, die ich heute auf Facebook verfolgt habe, auf die ich hier aber gar nicht weiter eingehen möchte, weil es nicht lohnt, ist auch eine Äußerung gefallen, die leider zutreffend ist und mich dennoch wütend gemacht hat. Diese konkrete Aussage besagte, dass Sexualdelikte durch Fremdtäter generell immer zu einer starken Verunsicherung von Frauen aus dem jeweiligen Ort führen würde – ganz im Gegensatz zu Sexualdelikten, die durch Täter begangen werden, die aus dem direkten Umfeld des Opfers kommen.

Anmerkung: Es ging um einen konkreten Fall, in der die Polizei Frauen gewarnt hatte abends nicht mehr das Haus zu verlassen, sich in Gruppen aufzuhalten, weil der vermeintliche Täter, der auch gefasst wurde, vier Frauen vergewaltigt hatte. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, ist mir nicht bekannt, spielt für den Inhalt dieses Blogbeitrages aber auch keine entscheidende Rolle.

Dieser Satz, dass ein Sexualdelikt mit einem Fremdtäter zu einer stärkeren Verunsicherung führt, da er meist stärker in den Medien präsent ist, stimmt zwar leider, machte mich aber dennoch wütend und war Grund genug für mich diesen Blogbeitrag zu schreiben. Warum? Das erläutere ich im Folgenden.

Missbrauch durch einen bekannten Täter:

Ein Missbrauchsfall ist immer schlimm, aber bei den meisten Delikten handelt es sich nicht um Fremdtäter, sondern um bekannte Täter – meist sogar Verwandte des Opfers, wodurch sich die Opfer noch schwerer tun den Missbrauch zur Anzeige zu bringen. Hier spielen neben dem Schamgefühl und der Angst oft auch ein Gefühl mitschuldig zu sein oder ein falsches Verständnis von Verantwortung mit rein, da die Opfer oft denken andere Verwandte schützen zu müssen – sie nicht belasten zu wollen und deswegen wird geschwiegen. Es ist also schwer genug sich zur Anzeige durchzuringen, aber dann muss das Opfer immer und wieder über den Missbrauch sprechen – im der Vernehmung, im Gerichtsprozeß. Dennoch wird es auch durch die Medien verschwiegen, selbst, wenn mal ein solcher Missbrauchsfall bekannt wird – nur die wenigsten werden medial erwähnt und dann selten ähnlich stark wie ein Fall durch einen Fremdtäter. All das wird bei der Aussage über Missbrauchsfälle durch Fremdtäter völlig außer Acht gelassen.

Gäbe es ähnlich intensive Berichte über diese Missbrauchsfälle würden diese anderen Frauen aus dem direkten Umfeld des Täters sicher ebenso verunsichern, wie es bei Fremdtätern der Fall ist.

Missbrauch durch einen Fremdtäter:

Der Missbrauch durch einen Fremdtäter löst in vielen Opfern neben Schamgefühlen und Angst auch das Gefühl aus vielleicht zu wenig Gegenwehr gezeigt zu haben, andere Opfer sehen sich Vorurteilen der schwachen Frau ausgesetzt oder sogar Äußerungen, dass sie eine Mitschuld tragen würden, weil sie aufreizend angezogen waren. Die wenigsten von ihnen haben den Mut und die Kraft den Täter anzuzeigen und sich immer wieder mit dem erlebten Missbrauch auseinander zu setzten. Das zusammen mit dem erlebten Missbrauch wäre schon schlimm genug für die Opfer, aber damit nicht genug.

Sie werden nicht mehr als Individuen wahr genommen, auf das Opfersein reduziert und dennoch mit der Zeit vergessen.

Warum das?

Es ist ganz einfach: In den Medien wird kaum über die Opfer berichtet, jedoch sehr viel über den Täter – seine Herkunft, seine Lebenssituation, seine Beweggründe, sofern diese in den Ermittlungen ersichtlich werden, das Strafmaß, das verhängt wird – über die Opfer jedoch schreibt dann kaum noch einer – es sei denn in Fällen wie dem von Natascha Kampusch.  Auch in privaten Gesprächen jedoch geht es kaum jemanden darum wie es dem Opfer geht, welche Hilfen es benötigen könnte, was präventiv getan werden könnte oder in welcher Lebenssituation das Opfer war, als es den Missbrauch durchleben musste. Auch diese Dinge wären wichtig zu untersuchen denn dadurch könnte geschaut werden was getan werden könnte, um Opfer besser zu schützen – ein Mensch, der wenig Selbstbewusstsein hat etwa wird schneller zum Opfer, als ein selbstbewusster. Dazu kommt, dass man den Opfern eigentlich nur dann Gehör schenkt, wenn sie über das durchlebte berichten, es staut sich eine Wut und eine Ohnmacht auf und damit wird der Fokus auf den Täter, den Missbrauch und das Opfersein gelegt, nicht darauf den Menschen im Opfer zu sehen. Jede Frau, die Opfer wurde, ist nicht nur Opfer, sondern eine Individuelle Persönlichkeit, die vielleicht keine Gesprächstherapie benötigt, aber sich dennoch gerne austauschen möchte, eine Frau, die dazu aber gar nicht mit anderen ins Gespräch kommen dürfte, es sei denn der Gesprächspartner war selbst einmal Opfer eines Missbrauchsfalls.

Warum passiert das?

Natürlich ist die Wut und die Ohnmacht verständlich, wenn über einen Missbrauchsfall berichtet wird – es wäre auch schlimm, wenn uns das nicht berühren würde, es ist auch gut, dass meist wenige persönliche Informationen über das Opfer bekannt werden, da sich Angehörige sonst vielleicht mit Vorwürfen konfrontiert sähen, dass sie nicht da waren um zu beschützen und hätten damit keines Zeit mehr für das Opfer da zu sein. Genauso wichtig ist es auch, dass der Täter nicht namentlich genannt wird, damit seine Familie geschützt ist. Aber dennoch sollte der Fokus nicht auf den Tätern liegen.

Welche Alternativen gäbe es?

Man könnte statt den Fokus auf die Tat an sich zu legen einen kurzen objektiven Bericht schreiben ohne auf all die Dinge, die den Täter ausmachen einzugehen. Diesen kurzen Bericht könnte die Presse dann zum Anlass nehmen mal mit ehemaligen Opfern Interviews zu führen welche Hilfen sie sich gewünscht hätte – in finanzieller Hinsicht, aber auch was Therapien betrifft oder den Umgang der Gesellschaft mit ihnen. Es könnten Interviews mit Beratungsstellen wie Tauwetter, Wildwaser, Zartbitter und weiteren geführt werden oder auch mit Mitarbeitern des Projektes „kein Täter werden“. Warum wird nicht mal ein Bericht über das Theaterstück „mein Körper gehört mir“ geschrieben oder ein örtlicher Verein vorgestellt. Nein damit werden die Opfer alleine gelassen. Sie müssen sich alleine auf die Suche nach einem guten Anwalt machen, sich über den Ablauf eines Prozesses informieren, sich eine Beratungsstelle suchen, sich wegen einer Entschädigung informieren, einen Therapieplatz suchen und vieles mehr, während über den Täter und den Prozess ausführlich berichtet wird. Und wäre das all das nicht schlimm genug werden sie dann auch noch auf das Opfersein reduziert und damit wird dann rechtfertigt, dass viele Frauen im betroffenen Ort Angst haben. Diese Ängste sind schlimm und nachvollziehbar, aber warum wird dann nicht darüber berichtet wie man präventiv handeln könnte – etwa durch einen Selbstverteidigungskurs. Man könnte darüber schreiben, dass potenzielle Opfer in einer Gefahrensituation laut werden sollten, sich Gehör verschaffen sollen, das sie nicht nur schreien, sondern auch treten, kratzen, beißen dürfen und müssen, dass öffentliche Orte aufgesucht werden sollte, die hell sind und an dem sich viele Menschen aufhalten, dass man Kindern nicht beibringe sollte sich nur an ein Geschäft zu wenden, da auch da potenzielle Täter sein könnten, sondern besser an die örtliche Feuerwehrleitzentrale oder die Polizeistation.

Warum all das nicht geschieht kann ich nur mutmaßen, dass es vielleicht aus der Wut der Journalisten über die Missbrauchsfälle begründet ist…

All diese Empfindungen und unzureichenden Hilfen sind aber für Opfer schon schwer genug auszuhalten, wird dann aber noch die pauschale Angst der Frauen im Ort mit der eigenen erlebten Missbrauchserfahrung begründet ohne jegliche weitere Gedankengänge zu der Thematik Missbrauch zu äußern (etwa welche Hilfen geschaffen werden könnten) ist das ein Missbrauch mit dem Missbrauch, da die Opfer in Vergessenheit geraten oder im besten Fall „nur“ auf ihr Opfersein reduziert werden, sie aber dennoch kaum Gehör bekommen.

Das sind dann Äußerungen, die mich durchaus wütend stimmen!

© S. Stolzenberg

Blogparade „Brief für Dich“ oder „Was ich an Dir schätze“

Ich möchte hier gerne eine Blogparade mit dem Titel Brief für Dich ins Leben rufen, wobei die Briefe von Eltern an ihre Kinder geschrieben werden sollten und da all das hervor gehoben werden sollte, was unsere Kids besonders gut können, was wir an ihnen schätzen und welche liebenswerten Eigenschaften sie haben.

Mein Brief ist an unseren kleinen Wirbelwind, wobei ich erklärend hinzufügen sollte, dass er Autist mit Entwicklungsverzögerung und Wahrnehmunsstörung ist.

Unser kleiner Wirbelwind Du  bist ein wundervoller, liebenswerter kleiner junger Mann, der mir eine Welt gezeigt hat, die ich vergessen hatte. Durch Dich kann ich mich wieder an all den kleinen, scheinbar selbstverständlichen Dingen des Lebens wie einem Schmetterling im Frühling, einer kühlen Brise im Sommer, einem bunten Blatt im Herbst oder auch dem fallenden Laub, einem Schneemann im Winter und vielen anderen Dingen erfreuen, die ich lange nicht mehr wirklich wahr genommen habe. Durch Dich fallen mir diese Dinge wieder stärker auf und ich kann sie mehr genießen. Ich freue mich wieder mehr über das Singen der Vögel oder einen spielenden Hund, weil ich durch Dich erkannt habe, dass es keine selbstverständlichen Dingen sind, diese wahrzunehmen. Ich möchte Dir danke sagen für Deine lebensfrohe, lebensbejahende und offene Art, obwohl Du immer wieder zu kämpfen hast mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, weil sie mit deiner „anderen“, teils wilden Art nicht umgehen können und du dich auch (noch) nicht so gut ausdrücken kannst. Danke für Deine Freundlichkeit, die ansteckend ist und jedem zum lächeln bringt, der von Dir angesprochen wird. Ich möchte Dir auch danken, dass Du immer uns immer wieder in Deine Welt mitnimmst, in der es so viel Schönes zu erleben und entdecken gibt. Durch Dich bin ich kreativer geworden, da Du Deinen Körper nicht so gut spüren kannst und lange Zeit nur feste Reize zulassen konntest, wodurch wir tolle Spiele entwickelt haben, die andere Familien gar nicht kennen. Du hast mir wieder gezeigt, dass Kommunikation eben nicht nur Sprache, sondern auch Gestik, Mimik und auf Dinge zeigen bedeutet – eine Kommunikation, auf die ich lange Zeit gar nicht mehr so stark geachtet habe. Danke Dir habe ich das wieder gelernt, weil Du lange kaum gesprochen hast. Durch Dich und besonders durch Deine Behinderung habe ich gelernt, dass man jedem Menschen vorurteilsfrei und offen begegnen sollte (was ich vorher nicht immer von mir sagen konnte) und sich erst durch das Kennenlernen des Menschen ein Bild schaffen kann. Ich danke Dir dafür, dass Du dem Temperament Deines Papas eine ansteckende Ruhe und Gelassenheit entgegenbringst, so dass er gelernt hat wie es sein kann über viele kleine Ärgernisse hinweg zu sehen. Ich danke Dir dafür, dass Du uns jeden Tag forderst, um uns immer wieder mit Deinem ansteckenden Lachen dafür zu danken. Ich habe durch Dich gelernt zu kämpfen und mit allem was ich habe und bin für das einzustehen, was mir wichtig ist oder Dir zusteht. Ich habe durch Dich gelernt, dass es nicht wichtig ist wann ein Entwicklungsschritt erfolgt, man sich sogar, wenn er erst verspätet eintritt umso mehr darüber freuen kann und bin über jeden kleinen Fortschritt, den Du machst mächtig stolz. Ich danke Dir dafür, dass Du für andere einsteht und bei Ungerechtigkeiten auch deren Recht einforderst und stolz darauf, dass Du andere nicht nur beschützen möchtest, sondern sie auch tröstest, wenn sie traurig sind. Du bist, wenn Dein Papa nicht da ist, der Mann im Haus und ich finde es toll, wie ernst Du das nimmst (manchmal aber zu sehr). Ich danke Dir, dass wir immer wieder eine spannende, interessante und aufregende Zeit mit Dir erleben dürfen und Du unser Leben so sehr bereicherst. Ich danke Dir, dass Dein Papa und ich sooo wichtige Menschen für Dich sind und wir Deine Eltern sein dürfen. Danke, dass Du unser Sohn bist. ♥ ♥ ♥

Ich würde mich freuen, wenn sich hier viele Menschen mit Briefen an ihre Kids beteiligen würden (nicht nur per Blog, sondern auch gerne über die Kommentarfunktion hier oder auf meiner FB-Seite) natürlich auch gerne, wenn das Kind kein Handycap hat ;-).

© S.Stolzenberg

Das pauschale Verurteilen eines Menschen

Ich lese leider sehr oft in den diversen Gruppen in Facebook, wo ich sehr aktiv bin, dass behinderte Kinder – im besonderen mit einer geistigen Behinderung, AD(H)S und/oder Autismus – wegen bestimmter, für Außenstehende nicht nachvollziehbarer Verhaltensweisen, als schlecht erzogen, frech, dumm, böse seien und man oft auch „gesunde“ Regelkinder, die Geschwisterkinder sind bevorzugt behandelt, meist aber nicht mal von Fremden, wie man es meinen könnte, sondern leider überwiegend von Familienmitgliedern (oft der älteren Genration) und dazu möchte ich heute mal etwas schreiben….

Ich verstehe durchaus, dass es für viele Menschen, die sich nicht mit den Behinderungen beschäftigt haben, sich nicht oder nur sehr wenig informiert haben und einige Verhaltensweisen dann durchaus nicht verstanden werden oder sogar als frech, aufmüpfig,.. verstanden werden könnten. Ich kann auch durchaus nachvollziehen, wenn dann das Kind darauf angesprochen wird und man diese Handlung (hauen, treten, weinen, schreien als Beispiele) kritisiert und erklären möchte warum ein solches Verhalten als unangemessen und frech empfunden wird. Ich kann es ebenfalls verstehen, dass es eine Überforderungshandlung sein kann, wenn ein Kind für eine als unangemessen empfundene Handlung kritisiert wird, aber ich kann es nicht verstehen, wenn deswegen der gesamte Mensch abgewertet wird. Ein Kind, das sich (scheinbar) frech, böse, dumm,… verhält, ist es deswegen nicht!

Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen und auch daran sollte in der Situation gedacht werden, natürlich darf ein hauen nicht einfach abgetan werden und eine Diagnose kann und sollte auch nicht ein solches Verhalten entschuldigen, aber es kann dieses Verhalten erklären und man sollte dann zwar darauf angemessen reagieren, aber der Persönlichkeit des Kindes entsprechend. Man sollte nicht direkt sanktionieren, sondern erst mal erklären warum man nicht so handeln darf und bei bewusster (nicht diagnoseabhängiger) Wiederholung sollte es zu einer Konsequenz kommen.

Wir alle machen Fehler, reagieren mal über oder verhalten uns unschön, möchten dann aber auch nicht umgehend als Arschloch, dumm, böse,.. dargestellt werden, sondern lieber kritisch darauf hingewiesen werden, dass man überreagiert, sich falsch, übertrieben, unpassend verhalten hat – vielleicht noch mit einem Hinweis wie man es hätte besser machen können.

Warum wird dann gerne bei Kindern – im speziellen mit einem Handicap – so schnell pauschal verurteilt? Sind diese Kinder weniger wert? Haben diese Kinder nicht dieselben Rechte, wie jeder andere?

Das besonders schlimme daran ist aber, dass die Eltern, die aufklären, erklären, Beweggründe näher bringen, informieren oftmals nicht ernst genommen werden, Diagnosen als falsch dargestellt werden und Aufklärung nicht nutzt, sondern diese Kinder weiterhin pauschal verurteilt werden.

Traurig, dass Menschen Rechte für sich einfordern, diese aber nicht auch auf andere anwenden…..

© S. Stolzenberg

Das erste bewusst wahrgenommene Weihnachtsfest oder auch Weihnachten (fast) ohne Stress

Schon in der Vorweihnachtszeit konnten wir feststellen, dass unser Wirbelwind dieses Jahr Weihnachten sehr viel bewusster wahr nehmen würde, als in den letzten Jahren, da er nicht nur täglich darauf bestand seine Türchen vom Adventskalender zu öffnen, sondern auch spätestens nach Nikolaus täglich fragte wann denn nun endlich Weihnachten sei und er seine Geschenke bekommen würde. Anfangs konnten wir das nur mit Hilfe des Kalenders zeigen, später reichte es dann, wenn wir antworten wie oft er noch schlafen müsste und er zählte dann auch immer mit. Je näher Weihnachten kam, umso nervöser und aufgeregter wurde unser Wilder, aber er wollte dieses Jahr auch zum ersten mal einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben, indem er sich aber nicht „nur“ seine Geschenke wünscht, sondern auch, dass es allen Familienmitgliedern gut gehen sollte und einem Familienmitglied im speziellen vom Weihnachtsmann geholfen werde sollte, dem es leider schon länger (alter- und krankheitsbedingt9 nicht mehr so gut geht…..er bekam auch eine (leider standardisierte)  Antwort, die wir ihm aufgehoben haben in seinem Erinnerungsbuch.

 

Es dauerte ihm viel zu lange, doch nach langem warten, war dann endlich Weihnachten und es musste „nur“ noch die aufregende Wartezeit bis zum Heiligabend geschafft werden, in der wir viel spielten, meine Oma besuchten und schon mal das Essen kochten, während unser Wilder fernsah.

 

Dann war es endlich soweit und der Weihnachtsmann war da und unser süßer Wildfang war ganz aufgeregt und nervös, konnte kaum auf seinem Stuhl sitzen bleiben, rückversicherte sich immer wieder bei Papa und Mama, hörte dem Weihnachtsmann aber auch ganz gespannt zu. Als dieser unserem Süßen erklärte, dass wir zusammen noch daran arbeiten müssten, dass er bei Müdigkeit nicht so übermäßig albern wird, wurde er sehr ruhig und war angespannt, freute sich dann aber umso mehr, als der Weihnachtsmann ihn dafür lobte wie hilfsbereit, freundlich, fröhlich, mitfühlend, rücksichtsvoll,….. er ist und war auch etwas stolz auf sich und versprach dem Weihnachtsmann, mit dem er auch ein Foto machen durfte mit dem auspacken der Geschenke zu warten, bis der Weihnachtsmann wieder weg sei. Er war dann nur ein wenig enttäuscht, weil er die Rentiere nicht sehen konnte, die laut Weihnachtsmann aber vor der Stadt standen. Er war dann aber erst mal hungrig, so dass wir erst aßen und er dann erst seine Weihnachtsgeschenke vom Weihnachtsmann, den beiden Wichteln und seiner FUD-Fee auspackte. Er freute sich über jedes einzelne Geschenk ganz doll und kam aus dem Staunen gar nicht heraus – da merkten wir, dass er es zum ersten Mal richtig bewusst erlebte 🙂 ♥ .  Er sagte nur noch „wie cool“, „super“ und bei den ganz besonders tollen Geschenken (auch jeweils einem von seinen Wichteln) „ich kann es kaum fassen“♥. Er war ein absolut glückliches Kind, das einfach nur strahlte und sein Glück kaum fassen konnte. Er bestand dann aber auch darauf, dass Papa und Mama seine aus der Schule mitgebachten und selbst gekauften  Geschenke auspacken sollte. Er war ganz stolz, dass wir uns so sehr über seine Geschenke freuten du ihm auch für eines davon (ein Bild) versprachen dafür einen Ehrenplatz zu finden. Unser Süßer wollte dann noch ein bisschen kuscheln und knutschen, sagte uns wie sehr er uns lieb hätte und bedankte sich für den wunderschönen Tag. ♥ ♥ ♥

 

Es war einfach nur ein schöner, glücklicher, fantastischer Tag, der uns alle mit Freude erfüllt hat ♥ ♥ ♥.

 

Der erste Weihnachtstag war für uns alle etwas stressiger, aber dennoch auch sehr schön. Zum Frühstück kam eine unserer Nichten und ihre Mutter, die sehr schöne Geschenke für unseren Wilden hatten. Hier hat sich unser Schatz aber weniger über die Geschenke gefreut, sondern viel mehr mit seiner Cousine in seinem Zimmer spielen zu können, weil er sie gerne öfter sehen würde und sie als seine Freundin betrachtet. Er war dann auch sehr froh, dass sie seiner Bitte nachkam und wollte die beiden am liebsten gar nicht gehen lassen 😀 .  Dann durfte er ein wenig ausruhen, während Papa und Mama das Mittagessen machten und schon der nächste Besuch da war, nämlich meine Oma und meine Eltern, wobei sich unser Süßer nach dem Essen trotz der Freude über den Besuch erst mal zurück zog. Wir quatschten dann ein wenig, bevor unser Junior die Geschenke auspacken durfte, denen gegenüber er aber diesmal skeptisch war, weil er sich noch nicht kennt. Er zog sich dann aber schnell wieder zurück in sein Zimmer und blieb auch dort, während wir uns noch sehr schön unterhielten. Als unser Besuch ging, verabschiedete sich unser Schatz kurz, ging wieder in sein  Zimmer, bis es Abendessen gab und wollte dann nur noch ins Bett, weil der Tag für ihn auch anstrengend war, weil er viele liebe Menschen gesehen hatte, was positiver Stress bedeutet.

 

Und dann konnten wir wieder einen Tag gemütlich und ruhig beginnen, der aber leider später sehr unschön wurde….

Wir machten mittags nämlich noch einen weiteren Weihnachtsbesuch, wobei ich hier unter anderem aus einem gewissen Respekt der Peron gegenüber nicht ausführen werde, in welchem Verhältnis sie zu uns steht, aber so viel sei gesagt: Es ist zwischen der Person, meinem Mann und mir ein schwieriges Verhältnis aus unterschiedlichen Gründen, dass sicher mit dazu beigetragen hat was sich ereignete….

Wir wollten mittags den Besuch machen und unser Junior, der etwas müde war, freute sich auch sehr darauf. Dort angekommen sollte er seine Geschenke auspacken, was aber nach einem Einwand meinerseits auf später am Tag vertagt wurde und unser Wirbelwind fragte nach seinem Tablet, dass wir immer dorthin mitnehmen, weil es eine Umgebung ist, in der unser Schatz nicht so aktiv und in Bewegung sein kann, wie er es gerne wäre, was natürlich für jedes Kind anstrengend ist. Mit seinem Tablet hat er dort aber auch etwas zu tun und das ist nicht so anstrengend. Die Person verneinte dieses, aber wir gaben unserem Schatz das Tablet, damit er ruhiger werden könnte. Später gingen wir in einen anderen Bereich der Umgebung und unser Schatz packte seine Geschenke aus, die ihn aber wegen seiner Müdigkeit weniger interessierten uns spielte dann mit dem Handy meines Mannes, weil es mit dem Tablet nicht so klappte, wie unser Wirbelwind das gerne wollte…

Als wir uns auf den Heimweg machen wollten, bat ich unser Wilden das Handy auszumachen und er war wütend, weil er es nicht verstanden hatte, dass wir uns auf den Weg machen wollten, weshalb er (aus Überforderung) nach mir haute. Ich schimpfte mit ihm und als er sich seine Schuhe anzog, streckte mir unser kleiner Frechdachs seine Zunge raus, woraufhin ihn die Person als „Bösen Jungen“ bezeichnete :‘-( :-O .  Wir gingen mit unserem Süßen dann ein bisschen aus der Situation und er erklärte in dieser Umgebung zu feiern bedeute für ihn Stress, er wolle demnächst in einer anderen Räumlichkeit feiern und entschuldigte sich, nachdem ich ihm erklärte, dass er dennoch nicht hauen darf. Er hatte sich geärgert, dass er das er das Handy ausmachen sollte, weil er nicht mitbekommen hatte, dass wir nach Hause fahren wollten, Auch im Gespräch mit meinem Mann blieb die Person aber der Meinung unser Schatz sei böse und man könne nicht alles mit seinem Autismus entschuldigen, ohne sich je wirklich informiert zu haben. Natürlich kann man auch nicht jedes Verhalten damit entschuldigen, dass er Autist ist, aber das tun wir auch nicht – es erklärt aber sein Verhalten und darauf sollte man reagieren…

 

Den gesamten Heimweg über war unser Süßer sehr traurig du wir erklärten ihm zu Hause, dass diese Person ihn nicht so gut kennt, und darum etwas so gemeines gesagt hat, aber der Weihnachtsmann ihn ja öfter beobachtet und ihm gesagt, dass er ein lieber Junge ist und Papa und Mama das auch wissen, wodurch er zumindest nicht mehr so traurig war wie zuvor….

 

Weihnachten begann also sehr schön, sehr fröhlich und stressfrei, endete aber (zumindest für unseren Süßen) leider mit Stress, Anspannung, Traurigkeit und dadurch sehr unschön. Es wird nun aber einiges an Aufklärungs(sversuchen) der Person gegenüber geben, ein Gespräch im nächsten an einem anderen Ort zu feiern, damit sich unser Schatz auch mal zurück ziehen kann und sollte diese Person nicht bereit sei auf ihn einzugehen auch die Konsequenz, dass sie ihn weniger sehen wird…(was ich nur ungerne so umsetzten würde).

© S. Stolzenberg

Schade…

Das Thema dieses Blogs ist das elterliche Engagement in der Schule.

Wie jedes Jahr gab es auch diese Jahr wieder wenige Wochen nach dem Ende der Sommerferien die erste Schulpflegschaftssitzung des Schuljahres, zu der alle Eltern der Schule herzlich eingeladen, wobei anzumerken ist, dass der Zeitrahmen 19 Uhr bis 21 Uhr, wenn man nicht gewählt wird, ansonsten bis ca. 21.30 Uhr natürlich etwas ungünstig liegt. Dieses Jahr waren von unserer Klasse fast alle Eltern anwesend, bei vielen anderen Eltern, die noch im Vorjahr da waren, stellte ich aber fest, dass diese nicht gekommen waren, wie auch einige andere Eltern, die ich von der Schule kenne. Und wie jedes Jahr wollte natürlich erst mal niemand Klassenpflegschaftsvorsitzender und/oder dessen Vertreter werden (ich wurde die Vertretung), obwohl das eigentlich „nur“ bedeutet ein- bis dreimal im Jahr (im Durchschnitt) an einem Abend in die Schule zu fahren, um verschieden Themen zu besprechen.

Ein Amt das keiner haben möchte, aber jeder hat Ansprüche an die Schule, die Lehrer, die Gestaltung des Unterrichts, das Essen der Kinder,… und das wird dann nur weiter getragen, obwohl gerade ein solcher Posten die beste Möglichkeit bietet sich aktiv einzubringen, Lösungen zu finden, Kritik und Lob anzubringen, Themen für Elternabende zu besprechen. Und trotzdem sind es oft die Personen, die schon mal gewählt wurden, die man im nächsten Jahr wieder sieht – fast genau so stellt es sich auch dieses Jahr wieder dar. Und dennoch wollen viele Eltern vieles ändern, sich aber nicht einbringen. Warum? Weil man öfter mal zur Schule fahren „muss“ oder weil man an dem ersten Abend etwas länger in der Schule verbringt? Beantworten konnte mir die Frage noch keiner.

Ich hatte für mich bereits im Vorfeld des Abends entscheiden, dass es zwar für mich an sich ok wäre gewählt zu werden, ich aber nicht bei jeder Sitzung in der Schule anwesend sein könnte, weil ich einfach kein Auto habe und damit schlecht zur Schule (zwei Orte weiter) abends hin kommen kann. Ich wurde Vertreterin und unsere Klassenpflegschaftsvorsitzende, die letztes Jahr meine Vertretung war, fährt, wie auch letztes Jahr schon, zu diesen Terminen, informiert mich was da besprochen wurde und alles an Schriftstücken für die Klasse, die Lehrer,.. formuliere ich.

Damit haben wir aber auch die Chance und die Möglichkeit aktiv etwas zu ändern (als wäre das an der Schule nötig) und diese Möglichkeit haben alle anderen nicht in dem Maße…

Heute war dann aber auch noch das Herbstfest, dass nicht nur zur „Unterhaltung“ der Kinder dient, Dinge zum Kauf anbietet (Herbstdeko unter anderem), sondern auch eine Möglichkeit des Austauschs, des Kontakts darstellt. Hier ist aber die Hilfe der Eltern erforderlich, damit das gelingt und im Gegensatz zum Vorjahr gab es dieses mal nur  vier Stationen zu besetzten. Den Pendeldienst, wo ein Bus von Standort A zur Schule und wieder zurück gefahren wird, ein Grillstand, ein Getränkestand und die Cafeteria, da alles andere von den Lehrern und FSJlern übernommen wird (letztes Jahr waren das deutlich mehr Stationen). Eltern und ältere Schüler, die diese Stationen besetzten könnten (und der Erlös kommt ja den Kindern zugute) gäbe es genug. Und dennoch waren wieder nicht alle Stationen die ganzen vier Stunden voll besetzt. 😦  Ich finde das sehr schade, da es für unsere Kinder ist und eine tolle Möglichkeit zum Kontakt nicht genutzt wird – wann sonst kann zu so vielen anderen Eltern Kontakt haben und sich mal austauschen? Mein Mann und ich haben letztes Jahr bereits eine Stunde am Getränkestand geholfen, gemerkt wie viel Spaß das macht und wie viele interessante Kontakte man knüpfen kann und deswegen haben wir dieses Jahr die ganzen vier Stunden am Getränkestand geholfen – in der letzten Stunde mit einem Vater einer Klassenkameradin unseres Schatzes und dessen Kindern – die das übrigens ganz super gemacht haben – und es war zwar auch anstrengend und ging vor allem auch in die Waden so lange zu stehen, aber es hat auch viel Spaß gemacht und wir haben wieder tolle Gespräche führen dürfen.

Ich würde mir wünschen, dass Eltern die so hohe Anforderungen an eine Schule setzten sich dann auch mal bereit erklären würden sich etwas mehr einzubringen. Man muss ja nicht direkt alles machen, aber mal hier und da ein bißchen sollte schon machbar sein, besonders dann wenn man sehr zufrieden mit der Schule ist (wie es an unserer bei den meisten Eltern der Fall ist)….

© S.Stolzenberg

Published in: on 17. September 2016 at 23:26  Comments (2)  

Das Ende der Ferienzeit

Übermorgen sind die Ferien vorbei, die bei uns leider etwas anders verliefen, als geplant. Erst mal konnten wir zu Beginn der Ferien nämlich noch keine Ausflüge machen , wie geplant, da unser Wirbelwind, wie ich schon im letzten Beitrag schrieb Fieber bekam und zuletzt konnten wir ein paar Ausflüge nicht machen, weil mein Mann einen Gichtanfall im Fuß hatte und sich somit kaum bewegen konnte. Es gab aber auch Ausflüge, die wir dann einfach mal für später angedacht haben, weil sie mit Bus und Bahn einfach zu lange dauern würden, zu weit weg wären wie etwa das Neandertal Museum in Mettmann…

Das Wunderland in Kalkar haben wir noch nicht gesehen, wollen das aber nachholen, zur Museums Insel Hombroich werden wir vielleicht in den Herbstferien fahren, das Neandertal Museum werden wir sicher mal mit meinem Mann zusammen ansehen und im Westfalenpark waren wir auch nicht, auch, weil ich aktuell einen Infekt habe ( 😦 ) was wir aber auch nochmal machen werden.

Ein paar andere Ausflüge konnten wir aber noch machen:

Der Vulkanpfad in der Eifel (grüne Route),  bei dem wir uns zum Glück dazu entschieden haben mit dem Auto zu fahren und uns zwei Ziele auszusuchen, da wir nicht alles von der grünen Route an einem Tag geschafft hätten. Irgendwann werden wir da sicher auch nochmal hinfahren und dann noch die anderen Ziele ansehen, aber man muss sehr früh morgens los und sollte ausreichend Essen und Trinken mit nehmen. Wir haben uns dazu entschieden folgende Ziele anzusehen:

den Ettringer Lay, eine ehemalige Abbaustelle von Vulkangestein, wo man auch klettern kann, aber so oder so festes Schuhwerk benötigt. Hier ein paar Eindrücke.

Ettringer Lay (1) Ettringer Lay (8) Ettringer Lay (10) Ettringer Lay (26) Ettringer Lay (41) Ettringer Lay (45) Ettringer Lay (46) Ettringer Lay Schmetterling am Ettringer Lay (7) Schmetterling am Ettringer Lay (8)  Das nächste Ziel des Vulkanpfads war das Mayener Grubenfeld, ebenfalls ein ehemaliges Abbaugebiet, wo auch der Silbersee liegt, ein Museum angebunden ist und man sehen kann was alles aus den Vulkansteinen geschaffen wurde. Zudem kann man zeitweise dort auch Fledermäuse gehen. Auch hier ein paar Eindrücke:

Mayener Grubenfeld (1) Mayener Grubenfeld (7) Mayener Grubenfeld (8) Mayener Grubenfeld (9) Mayener Grubenfeld (25) Mayener Grubenfeld (27) Mayener Grubenfeld (36) Mayener Grubenfeld (51) Mayener Grubenfeld (52) Mayener Grubenfeld (57) Schmetterling am Mayener Grubenfeld Da wir dann aber schon kaum noch Zeit hatten, um noch ein weiteres Ziel anzuschauen, sind wir dann nur noch ein bißchen durch die Stadt Mayen gegangen, in der wir auch ein paar tolle Eindrücke gewinnen konnten:

Mayen (6) Mayen (8) Mayen (13) Mayen (23) Mayen (25) und wir werden sicher mal wieder hin fahren, da es sich sehr lohnt.

 

Ein weiteres Ziel, bei dem ich mir aber gar nicht so sicher war, ob es unseren Wirbelwind überhaupt interessieren würde war der Landschaftspark Duisburg Nord (LaPaDu), indem er sich aber sehr viel hat erklären lassen, viel nachgefragt hat und wir sogar ein Stück auf den Hochofen gingen, obwohl er Angst vor Höhe hat. Hier hin sollte man mit Kindern nur fahren, wenn sie schon ein bißchen verstehen, dass es ein altes Industriegelände ist und sie daran Interesse haben (könnten). Ansonsten dürfte es für Kinder (trotz eines Spielplatzes) doch sehr langweilig sein… Auch hier wieder ein paar Bilder:

im LaPaDu (2) im LaPaDu (3) im LaPaDu (5) im LaPaDu (7) im LaPaDu (9) im LaPaDu (11) im LaPaDu (13) im LaPaDu (15) im LaPaDu (20) im LaPaDu (22) im LaPaDu (24) im LaPaDu (30) im LaPaDu (35) im LaPaDu (38) im LaPaDu (40) im LaPaDu (44) im LaPaDu (57) im LaPaDu (60)

Dann waren wir noch im Tierpark und Fossilium Bochum, dass zwar sehr schön ist, sich für uns aber bei der Anreise nur dann erneut lohnen würde, wenn wir das mit einem Besuch im nahegelegenen Planetarium verbinden würden. Trotzdem hatten wir viel Spaß und sind dafür dann einfach noch ein bißchen durch den Stadtpark nahe des Tierparks gegangen. Vom Tierpark gibt es aber auch ein paar sehr schöne Bilder:

Affe im Tierpark Bochum (3) Agame im Tierpark Bochum (2) Chamäleon im Tierpark Bochum (2) Fische im Tierpark Bochum (1) im Tierpark Bochum (2) im Tierpark Bochum (10) im Tierpark Bochum (12) im Tierpark Bochum (13) im Tierpark Bochum (14) im Tierpark Bochum Krokodile im Tierpark Bochum Leguan im Tierpark Bochum (1) Präriehund im Tierpark Bochum (3) Waran im Tierpark Bochum (1) Besonders gefallen hat mir in diesem Tierpark, dass man nicht nur Tiere beobachten und Fossilien bestaunen kann, sondern es auch einige Informationen gibt und ein sehr schöner Spielplatz existiert, der schon für die kleinsten geeignet ist.

Und dann waren wir nach längerer Zeit auch mal wieder im Zoom in Gelsenkirchen, wo wir das Glück hatten, dass diesmal die Flughunde im Asienbereich auch mal geflogen sind. Auch hier ein paar sehr schöne Tierbilder:

Affen im Zoom (2) Affen im Zoom (8) Erdmännchen im Zoom (5) Flughund im Zoom (5) Hyäne im Zoom (2) Lemur im Zoom (6) Löwe im Zoom (1) roter Panda im Zoom (2) Schneeeule im Zoom (1) Tiger im Zoom (4) Vogel im Zoom (2) Zoom (2)

Und dann waren wir noch in der näherem Umgebung unterwegs, Junior war auch mal einen Tag bei seinen Großeltern, wir sind zum bunten Garten in Mönchengladbach gefahren und waren auch schwimmen.

Und trotzdem sind unser Wirbelwind und ich bei all den schönen Ausflügen, die wir gemacht haben und der schönen Zeit, die wir zusammen verbringen durften froh, dass übermorgen die Schule wieder anfängt (bei mir auch mit dem Wissen, dass es gar nicht so lange bis zu den nächsten Ferien ist). Unser Wildfang ist froh darüber, weil er zu hause leider kaum Kontakt zu anderen Kindern hat und wäre froh, wenn das mehr der Fall sein würde, weshalb wir sicher auch den ein oder anderen Bekannten mit Kindern öfter mal auch am Wochenende besuchen werden… er vermisst seine Klassenkameraden, die er auch als seine Freunde betrachtet und Papa und Mama können nun mal, egal wie sehr wir uns anstrengen, nicht den geregelten Tagesablauf bieten, den er in der Schule hat und der fehlt ihm auch – er tut ihm gut. Außerdem unternehmen wir ja auch innerhalb der Schulzeit viel mit ihm – dann aber halt „nur“ an den Wochenenden oder an schulfreien Tagen. Und ich bin froh, weil ich dann zwar immer noch öfter mal einen Ausflug mit meinen Schätzen unternehmen kann, diese aber nicht mehr jeden zweiten Tag von unserem kleinen Wirbelwind eingefordert werden. Zudem habe ich dann auch wieder mehr Zeit für andere Hobbys und unerledigte Dinge, die ich noch machen wollte, die ich innerhalb der Ferien vernachlässigt habe.

Aber: In der ersten Woche wird es dennoch wieder eine Umstellung sein, wenn unser Wildfang nicht mehr den ganzen Tag zu Hause (oder höchstens mal bei Oma und Opa oder dem FUD) ist und es vormittags (sobald mein Mann wieder arbeiten kann) ruhig sein wird… die ersten Tage sicher zu ruhig.

Es ist eben so: Wenn wir unsere Kids permanent um uns haben, sind wir auch mal über eine Auszeit froh und wenn wir diese haben, ist es erst mal merkwürdig, schwer diese anzunehmen und zu genießen :-D.

In diesem Sinne allen einen guten Start ins neue Schuljahr und ganz viel Spaß.

© S. Stolzenberg

 

 

Ferienzeit

Für die meisten bedeutet Ferienzeit oder Urlaub entspannen, sich ausruhen, wieder zu Kräften kommen, vielleicht auch einfach mal nichts tun.

Bis zu den ersten Ferien unseres Schatzes dachte ich es würde bei uns ähnlich sein, dass er froh sein würde mal nicht so viele Termine zu haben, nicht so lange unterwegs zu sein, da er im Kindergarten schon immer neben des Kindergartenalltags auch Therapien hatte (und da noch sehr viele) und bis nachmittags unterwegs war.

Er wollte aber in seinen ersten Ferien viel unternehmen, bespaßt werden, nicht viel zu Hause sein.

So unternahmen wir immer mal wieder Ausflüge.

In den ersten Schulferien dieses Jahr dachte ich wieder, dass er vielleicht froh sein würde weniger „zu tun“ zu haben, weil er in der Schule natürlich stärker gefördert und gefordert wird, als schon im Kindergarten. So wird da nicht nur der „normale“ Unterricht abgehalten, sondern es wird auch viel Wert auf die Selbstständigkeitsentwicklung gelegt. Er musste nach und nach lernen sich selber anzuziehen, den Tisch mit zu decken,…. und daneben auch erste Buchstaben, Zahlen, addieren,.. lernen und basteln (was er so gar nicht mag). Dazu hat er in der Schule aber auch noch Therapien, die ihm zwar Spaß machen, aber nun mal auch Energie kosten.

Daher dachte ich er sei froh, wenn wir mal nur in der näheren Umgebung unterwegs seien, weniger Ausflüge unternehmen würden und auch mal einen Tag nur mit Bücher lesen, kuscheln, spielen verbringen würden.

Weit gefehlt. In den ersten Ferien merkte ich schnell, dass diese Vorstellung eher eine Wunschvorstellung war und unserem Wirbelwind gar nicht gefiel. Er wollte am liebsten täglich etwas unternehmen, was ich aber etwas beschränkte, weil er dadurch das Risiko einer Überforderung bestanden hätte, aber wenn wir nicht spätestens nach einem Tag „Pause“ wieder etwas unternahmen, war er kaum zu ertragen, er sagte mir ständig wie langweilig ihm sei, dass er etwas unternehmen wollte, hatte zu nichts Lust,..

Für zwei Wochen ist das noch ziemlich einfach – insbesondere, wenn man nicht über so große finanzielle Mittel verfügt, aber ich machte mir schon Gedanken wie es in den Sommerferien sein würde.

Jetzt hat unser Wirbelwind Sommerferien und mir war vorab schon klar, dass er wieder jeden zweiten Tag etwas unternehmen wollen würde (wobei ich hier vielleicht mal erwähnen sollte, dass bei ihm – nicht zu Unrecht – der Verdacht auf eine Hyperaktivität besteht). Ich suchte also nach Ausflugszielen, die ihn interessieren könnten, bis auf wenige Ausnahmen auch mit Bus und Bahn erreichbar sein würden (da mein Mann „nur“ die ersten drei Wochen der Ferien Urlaub hatte) und überwiegend günstig oder sogar kostenfrei wären. Nach längerem Suchen auch mit der Unterstützung meiner Mama (an dieser Stelle noch mal Danke schön dafür!), wurde ich dann auch fündig.

Die Hälfte der Ferien sind nun geschafft und wir haben schon einige Ausflüge (über die ich noch schreiben werde) unternommen, andere stehen noch aus und ich war sicher, dass unser Sonnenschein froh sein würde, dass er zwischendurch auch mal froh sein würde nichts zu unternehmen, aber es gab auch schon „Pausen“-Tage, an denen er trotzdem am liebsten auch noch was mit mir unternommen hätte, zur Uroma, zur Oma oder zu einer seiner FUD-Feen wollte 😀 .

Ich freue mich zwar, dass er gerne mal etwas unternimmt und kein „Stubenhocker“ ist, ich unternehme auch gerne mal was und sehe dadurch auch viel, wir machen gerne mal Fotos (und Möglichkeiten dazu gibt es durch die vielen Ausflüge natürlich auch), aber an manchen Tagen wäre ich auch mal froh, wenn er einfach nur zu Hause bleiben und Fernsehen wollen würde..

So schön die gemeinsame Zeit mit unserem Wildfang auch ist, muss ich auch zugeben, dass ich auch in gewisser Weise froh bin, wenn die Ferien vorbei sind und ich auch mal wieder etwas „durchatmen“ kann. Dann kann ich auch mal wieder einfach mal nichts tun, „nur“ spazieren oder mittags mit ihm „nur“ zum Spielplatz gehen und es wird ihm reichen….

Und doch bewundere ich auch die Ausdauer, die unser Frechdachs hat, dass er (teils trotz wenig Schlaf) auf diesen Ausflügen besteht- sie einfordert und sogar enttäuscht ist, wenn mal ein Ausflug (zum Beispiel wetterbedingt) nicht klappt…

Unsere bisherigen Ausflüge waren folgende:

  1. Grugapark in Essen
  • Hier waren meine Männer alleine, weil ich in der Zeit ein Shooting mit einer Freundin hatte (welches sehr viel Spaß gemacht hat) und konnten mal Papa-Sohn-Zeit genießen, was bei uns auch eher selten und damit etwas Besonderes ist, genießen. Meine Männer lernten aber auch die Familie meiner Freundin kennen und die Jungs verstanden sich auf Anhieb, so dass unser Frechdachs jetzt immer mal wieder fragt, wann wir denn endlich wieder mal zu der Familie hin fahren werden ♥ .
  • Dieser Ausflug sollte eigentlich die Sommerferien „einläuten, wobei unser Wirbelwind danach krank wurde und fieberte, so dass erst mal keine weiteren Ausflüge möglich waren 😦 .
  1. Irrland in Kevelaer
  • Eins der Lieblingsausflugsziele unseres Schatzes, weil er da ganz viel toben kann. Wie immer waren wir ihm viel zu kurz da und er wäre am liebsten da geblieben. Als wir gingen, fragte er auch schon wann wir das nächste Mal dahin fahren würden.
  1. Schloß Dyck in Jüchen
  • Es war uns allerdings an dem Tag mit 31°C eigentlich viel zu heiß, so dass wir mehr von einer Bank im Schatten zur nächsten gingen und den Ausflug gar nicht richtig genießen konnten, so dass wir auch nicht so lange blieben, wie wir es bei anderen Temperaturen getan hätten. Trotz der Hitze und eines anschließenden Sonnenbrandes bei meinem Mann und mir, war es ein schöner Tag. Ich hab aber auch meine Männer und meine Mama, die mit war zum Lachen gebracht, weil ich für meine Kamera die Batterien nicht geladen hatte 😀 .
  1. Mondo Verde in den Niederlanden
  • Ein sehr schöner Park, der sich lohnt, aber nicht billig ist. Es gibt viel Kunst im Park, Dinos zum bestaunen und ein paar Kinderspielmöglichkeiten, sowie ein paar Tiere. Man kann problemlos den ganzen Tag dort verbringen und es gibt auch viele schöne Brunnen. Hier ein paar Eindrücke:

Mondo Verde (9)Mondo Verde (35)Mondo Verde (23)Mondo Verde (51)Mondo Verde (62)Mondo Verde (72)Mondo Verde (6)

Blässhuhn und Fisch im mondo Verde

  1. Rheinkirmes in Düsseldorf (hierzu muss ich vermutlich nichts sagen)
  1. Duisburger Zoo
  • Das ist bei uns immer festes Ritual, wenn wir bei der Blutabnahme waren – wir gehen dann erst mal eine Pizza essen und dann in den Duisburger Zoo, wo für unseren Schatz die Delfine und die Otter immer Highlight sind. Vorher hatte unser Schatz aber in der Innenstadt noch Spaß an den Brunnen. Besonders schön war für ihn, dass diesmal auch meine Mama dabei war. Auxh hier gibt es ein paar Eindrücke:

Bären im duisburger Zoo (1)duisburger Zoo (14)  duisburger Zoo (27) Elefant im duisburger Zoo (2) Fische, Korallen,.. im duisburger Zoo (7) Fische, Korallen,.. im duisburger Zoo (13) Fossa im duisburger Zoo (3) Geier im duisburger Zoo (2) Koala im duisburger Zoo (1)

  1. Nochmal Schloß Dyck
  • Diesmal war es nicht so heiß, so dass der Ausflug uns allen (meine Mama war wieder dabei) diesmal auch mehr Spaß machte und wir mehr sehen und beobachten konnten. Für unseren Wirbelwind war es auch toll, weil er seine Kamera dabei hatte und auch viele tolle Bilder machen konnte – ein Hobby, dem er länger nicht nachgekommen ist. Ein paar Bilder:

Schloß Dyck (2) Schloß Dyck (4) Schloß Dyck (5) Schloß Dyck (23)

  1. Sequoiafarm in Kaldenkirchen
  • Hier war es für unseren Schatz eher langweilig…. nur der gegenüberliegende kleine Wasserpark hat ihn da interessiert.
  1. Explorado in Duisburg
  • Es war eine Idee… unseren Schatz, der es „doof“ fand, dass Papa nicht mitkonnte, weil der wieder arbeiten musste, fand nur drei Stationen interessant und an einer davon schnell verunsichert, weil ein jüngeres Kind ihm sagte, dass es das geschafft hatte und unser Schatz nicht so gut (ein Glöckchenparcour). Da musste Mama dann erst mal wieder etwas aufbauen und loben. Dann versuchte er immer wieder mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, scheiterte aber ein wenig daran, dass er sich noch nicht so auf deren Fantasiespiele einlassen konnte und als ich merkte, dass es ihn zunehmend verunsicherte, dass die Kinder kaum reagierten, gingen wir. Am Duisburger Innenhafen konnte er dann aber eine Entenmama und deren Babys füttern und sogar streicheln und ging anschließend noch ein bißchen mit Mama durch Duisburg spazieren.

Enten am duisburger Innenhafen (3)

Weitere geplante Ausflüge sind folgende:

 

  1. Der Vulkanpfad in der Eifel – wir sind gespannt darauf
  2. Der Landschaftspark Duisburg (LaPaDu), der sehr interessant und schön sein soll – ich habe e schon Bilder von da gesehen, aber wir waren noch nicht da
  3. Der Tierpark und das Fossilium in Bochum, da Sohnemann Tiere liebt
  4. Das Wunderland in Kalkar, von dem ich bisher nur Gutes gehört habe
  5. Die Museums Insel Hombroich, da dort Natur und Kunst verbunden werden und das Sohnemann und mich interessiert
  6. Das Neanderthalmuseum in Mettmann
  7. Zoom in Gelsenkirchen – wir waren schon öfter da und finden es einfach nur super
  8. Der Westfalenpark, in dem wir auch schon waren und wo es einfach klasse ist, weil dort Natur, Tiere und Kunst verbunden werden, es aber auch für Kinder einfach nur schön ist, weil es auch immer wieder Spielstationen gibt. Hier ein paar Eindrücke von unserem letzten Besuch:

Gänse im Westfalenpark (7) im Westfalenpark (1) im Westfalenpark (9) im Westfalenpark (11) im Westfalenpark (12) im Westfalenpark (14) im Westfalenpark (16) im Westfalenpark (22) im Westfalenpark (24) im Westfalenpark (44)

  1. Nach den Sommerferien am Wochenende die Drachenwelt in Königswinter, bei der ich sehr gespannt bin, wie unser Schatz auf den riesen großen Steindrachen reagieren wird

Bei Gelegenheit werde ich vielleicht auch mal über diese Ausflugsziele berichten…

Und dann hat Mama immer noch Ideen von Ausflugszielen, wo wir noch nicht waren, für die Herbstferien. Mal sehen was ich mir nächstes Jahr einfallen lassen werde.

In diesem Sinne allen, bei denen noch Sommerferien sind, noch schöne Ferien weiterhin.

© S. Stolzenberg

Irgendwie anders (und doch auch nicht)

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade zum Thema „Irgendwie Anders“ von Elai-bloggt.de. Was eine Blogparade ist und wie du daran, auch ohne eigenen Blog, teilnehmen kannst erfährst du in diesem Beitrag: Irgendwie Anders – Buchtipp & Blogparade.

Was ist anders?

Auf den ersten Blick scheinbar nichts. Unser Wirbelwind scheint ein ganz normales Regelkind zu sein, doch er hat ein paar Besonderheiten, denn er ist Autist mit einer Wahrnehmungsstörung und einer Entwicklungsverzögerung.  Am auffälligsten ist seine teils undeutliche Lautsprache, aber bei weiterem Beobachten fällt auch auf, dass er teilweise, wenn er sich unsicher ist (bei Unebenheiten) krabbelt, bei Aufregung hüpft und/oder mit den Händen flattert, mit manchen Dingen untypischen spielt. Er läuft und/oder krabbelt auch gerne Bällen hinterher, spielt gerne mit Steinen, benimmt sich scheinbar wie ein schlecht erzogenes Kind, spricht jeden an und hat keine Berührungsängste, überschreitet dabei auch manchmal ungewollt persönliche Grenzen.

Er hat aber auch einen sehr starken Detailblick, kann sich Dingen sehr gut merken (besser als ich es könnte) und sieht Veränderungen sofort. Er hat einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und möchte andere, denen es nicht so gut geht trösten, sie beschützen und ist sehr emotional.

Wie reagieren andere Kinder auf Dein Kind?

Im Kindergarten hatte sich unser Wirbelwind nach einiger Zeit gut eingelebt, fand schnell einen „Zugang“ zu den anderen Kinder und sie spielten unbefangen miteinander. In der Schule fand er diesen Zugang noch schneller, hat doch auch schnell Freunde gefunden und spielt sehr gerne mit den anderen Kinder, hat sogar einen Freund, der zwei Klassen höher eingestuft ist. In der direkten Nachbarschaft gehen die Kinder auch ganz unbefangen mit ihm um, wissen aber auch, dass er „anders“ ist und gehen intuitiv toll darauf ein.

Bei fremden Kindern kommt es immer darauf an wie sich das andere Kind auf unseren Schatz einlassen kann und möchte. Manche Kinder reagieren völlig unbefangen, suchen nach gemeinsamen Spielmöglichkeiten und integrieren unseren Schatz, andere Kinder, die reagieren gar nicht auf ihn und wieder andere Kinder werden böse, schubsen ihn weg, sagen ihm er soll gehen uns sie in Ruhe lassen. Manches Mal hilft es dann, wenn wir als Eltern erklären, dass er eine Behinderung hat, oft leider nicht.

Wie verhalten sich die Eltern der Kinder/Erwachsene?

Von den Eltern der Kindergartenkinder haben wir leider nur eine Mama kennen lernen dürfen, die vollkommen offen mit unserem Wirbelwind umgegangen ist. Von den jetzigen Eltern der Schulkinder kennen wir zwar alle, aber diese habe wenig Kontakt zu den Kindern der Klasse, so dass ich dazu wenig sagen kann. Die I-Kräfte, das Buspersonal des Fahrdienstes unseres Wirbelwindes und andere Fachkräfte gehen ganz normal mit ihm um, bei anderen Erwachsenen kommt es auf die Situation an. Die meisten Erwachsenen gehen offen, unvoreingenommen, unbefangen mit ihm um, freuen sich, wenn er sie grüßt oder bei Joggern mitläuft. Selbst wenn er in persönliche Bereiche eindringt und andere Menschen auch mal am Popo berührt, wird meistens mit einem Lächeln reagiert. Wir haben aber auch schon sehr ablehnende Reaktionen erlebt, die aber überwiegend von Familienangehörigen und angeblichen guten Freunden stammten, die „mit der Diagnose nicht zurechtkommen“ oder mir unterstellten ich würde meinen Kind nur eine Behinderung einreden wollen. Ich habe noch nie gehört, dass mein Kind schlecht erzogen sei (aber ich weiß, dass es vielen Eltern autistischer Kinder so ergangen ist), aber dafür kamen Blicke, es wurde getuschelt und belächelt, wenn sich unser Schatz auffällig verhielt, aber das ist eher selten.

Bei Restaurantbesuchen, beim Einkauf, bei Straßenfesten,.. wird man unserem Schatz, wenn man keine Fachkraft ist, vermutlich nicht anmerken, dass er behindert ist, aber im Kino beispielsweise schon, da er da aufspringt, mitspricht, tanzt, sich viel bewegen möchte und auch viel hinterfragt was er da gerade sieht. Hier gab es schon mal verärgerte Blicke, weil man es nicht verstanden hat, dass sich unser Wirbelwind so verhielt, mehr aber auch nicht und darauf reagieren wir nicht mehr.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Negativ: Die heftigste Reaktion auf unseren Schatz habe ich mal beim Einkauf erlebt, als unser Schatz mit den Rollen hinter der Kasse spielte und ich bezahlte. Ein älterer Herr, der selber teils auf Hilfe angewiesen sein dürfte, weil er einen Rollator hatte, fühlte sich scheinbar durch das Geräusch gestört und bat mich es unserem Wirbelwind zu verbieten, was ich verneinte und ihm erklärte, dass es unseren Schatz beruhigt und er eine Behinderung hat. Daraufhin meinte der Herr zu mir „so etwas“ habe es „damals“ aber nicht gegeben. Was er meinte (nämlich die NS-Zeit) war uns beiden klar und entsprechend reagierte ich, was ich hier nicht weiter ausführen möchte…

Ein sehr positives Erlebnis war in Essen im Grugapark, als ich mit unserem Wirbelwind in der Grugabahn saß und uns gegenüber ein junger Mann, der wie sich rausstellte beruflich mit Autisten zu tun hat und bei der Beobachtung unseres Schatzes auch den Verdacht hatte. Er fragte mich, ob er richtig läge und erklärte unserem Schatz dann was wir da alles sahen. Er verstand sich auf Anhieb mit unserem Schatz (was bei Männern sehr selten ist) und unser Schatz war sehr traurig, als er sich von dem jungen Mann verabschieden musste.

Am selben Tag hatten wir noch einen weiteren sehr positiven Moment im Zug, als unser Schatz sich auf seinem Sitz umdrehte und sah wie ein Mann hinter ihm mit seinem Handy spielte. Er lehnte sich über den Sitz um zusehen zu können und der Mann bot ihm an sich neben ihn zu setzten, dass er besser schauen könne und versicherte mir, dass das Spiel auch für Kinder geeignet sei. So verbrachte unser Schatz den Großteil der Zugfahrt damit dem Mann beim Spielen zuzuschauen.

Nicht negativ, aber sehr nervig ist für mich immer wieder der Vergleich von Menschen, die bereits mit Autisten zu tun hatten und scheinbar der Ansicht sind jeder Autist sei gleich. Anfangs habe ich dann oft erklärt, dass Autisten genauso unterschiedlich sind wie alle anderen Menschen auch, mittlerweile tu ich das nur noch, wenn die Person beruflich mit unserem Schatz zu tun hat.

Welchen Umgang würdest Du Dir mit Deinem behinderten Kind wünschen?

Ich wünsche mir den unvoreingenommen Umgang mit unserem Schatz, wie er uns überwiegend auch begegnet, offen freundlich, interessiert. Aber ich würde mir auch wünschen, dass Menschen weniger Vorurteile hätten, denn nicht jedes auffällige Kind ist schlecht erzogen und dass weniger getuschelt, geguckt, gegafft würde und Eltern behinderter Kinder direkt angesprochen würden.

Unabhängig davon würde ich mir aber auch wünschen, dass Eltern behinderter Kinder (oder auch Angehöriger erwachsener Behinderter und diese selbst) sich nicht für ihnen zustehende Leistungen rechtfertigen müssen wie etwa den Erhalt des Pflegegeldes (so bei uns geschehen), die Möglichkeit einen Behindertenparkplatz zu nutzen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt werden oder die Unterstützung eines Pflegedienstes (in der Form man habe ja einen bezahlten Babysitter) , denn die vielen Kämpfe, die wir für unsere Kinder führen bei Behörden, der Krankenkasse, dem Versorgungsamt, in Kindergarten, Schule und später wegen einer Beschäftigung sehen diese Menschen auch nicht. Sie wissen nicht welche körperliche und psychische Belastung eine Behinderung eines Angehörigen zeitweise sein kann und sollten sich deswegen nicht das Recht heraus nehmen urteilen zu können.

© S. Stolzenberg

Charity Aktion – #EineguteTat

Ich bin über den aktuellen Beitrag auf dem Blog Maria Ante Portas auf eine tolle Aktion aufmerksam geworden.

Wayfair spendet pro gute Tat eine Summe von 50 Euro an Habitat for Humanity. Vorraussetzung ist: darüber zu Bloggen.

Ein Zuhause ist so viel mehr, als nur ein Dach über dem Kopf. Zuhause ist ein Ort, an dem wir sicher sind, an dem wir entspannen und loslassen können, an dem wir ganz einfach wir selbst sein können.

Jeder sollte einen solchen Rückzugsort haben. Und genau das hat sich Habitat for Humanity zum Ziel gemacht: Seit 1976 haben sie schon unzählige Häuser- und Wohnprojekte finanziert und auf den Weg gebracht. Jetzt möchten wir bei Wayfair gemeinsam mit der Hilfsorganisation eine Spendenaktion starten.

Mitmachen ist ganz einfach:

Augen und Ohren offen halten und den anderen Menschen da draußen seine Hilfe anbieten – eine gute Tat braucht nicht viel!

Einfach einen Blog-Post über deine Aktion verfassen, den Badge #EineGuteTat einbinden und so anderen davon erzählen. Gemeinsam können wir noch so viel mehr bewegen.

Für jeden Blogbeitrag, in den der Badge eingebunden wurde, spendet Wayfair 50 € an Habitat for Humanity
 
Quelle: Wayfair
Die Spendenaktion läuft vom 01. März 2016 bis zum 30.April 2016.

Es gibt so viele möglichen etwas Gutes zu tun und dennoch habe ich darüber bisher nicht gebloggt. Warum das? Vielleicht, weil es für mich selbstverständlich ist, da ich dazu erzogen natürlich auch an meine Mitmenschen zu denken.

Es gibt viele kleine Möglichkeit freundlich zu sein, Respekt zu zeigen, Dankbarkeit zu verdeutlichen oder einfach mal ein Stück weit auf andere zuzugehen, sei es, dass man im Bus oder in der Bahn für Senioren oder Kinder aufsteht, einem Rollstuhlfahrer, einem Senior oder einem Elternteil mit Kinderwaagen hinein hilft, „bitte“ und „danke sagt oder einfach auch mal kurz vom Gehweg runter geht, um Platz zu machen.

Mir wurde von klein an beigebracht, dass ich „bitte“ und „danke“ sage und es für mich ein normaler Teil einer Unterhaltung ist, wenn ich etwas haben möchte oder bekomme, dass ich Platz mache, wenn jemand diesen dringender benötigt, als ich (sei in Bus oder Bahn oder auf dem Gehweg). Ich habe auch selbstverständlich und mit viel Spaß im Garten meines Großvaters geholfen – auch, weil er diese Hilfe öfter benötigte – oder mit bekannten Senioren den Einkauf in die Wohnung getragen (und mir so manchmal mein Taschengeld aufgebessert).

All das sind aber auch Verhaltensweisen, die ich auch meinem Sohn weiter geben möchte, nicht nur, weil es für mich selbstverständlich ist, auch, weil man sich nur die Frage stellen braucht was man sich wünschen würde wäre man an der Stelle des Gegenüber, der gerade ein kleine Hilfe benötigt.

Es mag sein, dass es mir nur so vorkommt, aber ich habe den Eindruck, dass auf die kleinen Gesten in meiner Kindheit auch viel mehr Wert gelegt wurde. Es wurde aber auch nicht so schnell geurteilt. Scheinbar verhaltensauffällige Kinder waren lebhaft, bei Menschen, die gestürzt waren, wurde erst mal eine Verletzung angenommen, kein Drogenkonsum, Manieren waren wichtig.

Das scheint weniger wichtig geworden zu sein 😦 . Vielen Kindern wird nicht mehr beigebracht sich zu bedanken oder um etwas zu bitten, Menschen werden stärker beurteilt und es wird oft falsches vermutet (darauf gehe ich in einem Beispiel einer guten Tat, die ich mit meinem Mann zusammen tat noch näher ein), Kinder werden genauer beobachtet, ob sie sich scheinbar „frech“ verhalten oder ob sie schlecht erzogen seien. All das sind traurige Veränderungen (die ich subjektiv so wahrnehme)….

Helden für das Gute

Es könnte so einfach sein. Dem Nachbar könnte man anbieten den Wocheneinkauf, den er nicht mehr selbstständig erledigen kann mit zu besorgen oder diesen zumindest hinauf tragen. Stattdessen sind viele behinderte und ältere Menschen darauf angewiesen, dass dies durch Pflegedienste geschieht, um nur ein Beispiel zu nennen.

Ein weiteres Beispiel wäre ein offenerer Umgang. Mal angenommen im Supermarkt fällt ein Kind auf, das schreit, sich die Ohren zuhält oder quengelt. Statt die Mutter darauf hinzuweisen und darauf zu bestehen dem Kind doch bitte ein besseres Verhalten anzuerziehen, könnte man die Mutter fragen, ob man ihr helfen könnte, spaßig auf das Kind zugehen, um es aus der Situation zu holen oder es einfach unkommentiert lassen. Auch das wäre eine Hilfe, #EineguteTat.

Wie bereits geschrieben, wurde es mir in meiner Kindheit beigebracht, dass es selbstverständlich ist (sein sollte) anderen Menschen zu helfen (wozu ich es aber auch zähle nicht aus Förmlichkeit nach dem Befinden meines Gegenüber zu fragen, sondern wenn dann nur aus echtem Interesse, aber das nur mal nebenbei angemerkt), aber eigentlich sagt es doch schon der Menschenverstand, denn wenn wir uns nicht in andere versetzten können, uns nicht fragen können wie wir uns in der Situation fühlen würden, mit welchem Recht würden wir diese dann einfordern, wenn es uns ähnlich ginge?

Für mich besteht die alltägliche Hilfe auch darin, dass ich mich in diversen Gruppen eines sozialen Netzwerkes mit anderen austausche, dort auch Tipps und Ratschläge gebe und in Gruppen mit der Thematik Behinderung und/oder Autismus auch darüber informiere wie die aktuelle Gesetzeslage aussieht, aber das alles sind noch die kleineren guten Taten, über die ich viel weniger nachdenke, die mich nicht lange beschäftigen.

 

Ich möchte aber gerne den Blogbeitrag dazu nutzen von einer Situation zu berichten, über die ich noch lange nachgedacht habe und die mich positiv, als auch negativ berührt hat:

Wir waren an einem Abend im Herbst, an dem es schon kühl war, mit unserem Wirbelwind zur Kinderklinik ein paar Städte weiter gefahren (weil dort seine Krankengeschichte bekannt ist und wir und dort besser aufgehoben fühlen, als bei uns im Ort) und auf der Rückfahrt, fiel uns ein älterer Mann auf, der auf dem Gehweg lag, der scheinbar nicht alleine aufstehen konnte. Es war aber schon mindestens ein PKW vorbei gefahren (den wir gesehen hatten), ohne zu handeln und ein junger Mann war vorbei gegangen, ohne den Herrn auch nur anzusprechen.

Mein Mann hielt  an und stieg aus, um nach dem Mann zu sehen, während ich erst mal unserem Sohn die Situation erklärte. Der Mann schien verletzt und ich stieg mit aus. Er blutete, sprach etwas undeutlich, sagte aber, dass er nicht alleine hoch käme, da er gefallen war. Wir halfen ihm auf und belgeiten ihn zu einem kleinen Mäuerchen, auf das er sich erst mal setzte und dann berichtete er uns, dass er gefallen sei, er sei auf dem Heimweg gewesen und käme nun nicht alleine nach Hause, aber unsere Frage nach einem Krankenwaagen verneinte er, da er sich nicht schlimm verletzt habe und in der Nähe wohnte. Wir baten ihn nach Hause zu fahren und während ich den Herrn weiter stützte, fuhr mein Mann näher mit dem Auto an den Herrn ran, damit er leichter einsteigen konnte. Wir fuhren ihn also nach Hause und er überlegte immer wieder wie er sich bedanken könnte, sagte auch, dass er uns kein Geld dafür geben könne, da er keins mithätte. Das Geld hätten wir aber eh nicht angenommen. Wir waren so gerührt von seiner Dankbarkeit, dass wir Tränen in den Augen hatten. Auch seine Frau, die verwundert aus der Haustüre kam, als da diese fremde Auto hielt, bedankte sich immer wieder, wollte sich irgendwie erkenntlich zeigen und erzählte uns, dass ihr Mann noch am Morgen dieses Tages beim Orthopäden gewesen war, weil er Knieprobleme hatte. Wir sagten ihr und ihm, dass es schon gut sei und jeder mal in eine solche Lage kommen könne und dann für Hilfe dankbar sei. Er bat mich weiterhin sich erkenntlich zeigen zu können und war froh dies tun zu können, indem er hin und wieder mal im örtlichen Kinderkrankenhaus vorbei schauen und den Kindern vorlesen könne, denn das war mein Vorschlag dafür. So kann auch er eine gute Tat tun und Kinder zum lächeln bringen, denen es nicht gut geht.

Mich hat diese Situation noch lange beschäftigt, weil ich sehr berührt von dieser tiefen Dankbarkeit war (aber ich mag mir auch nicht vorstellen wie es dem Mann sonst ergangen wäre), aber mich hat es auch wütend, traurig und betroffen gestimmt, dass diese Zivilcourage nicht mehr selbstverständlich ist – nur für wenige Ausnahmen, denen ich auf diesem Weg auch noch mal Danke sagen möchte. Danke, dass durch Euch Menschlichkeit weiterhin existiert.

#eineguteTat

So traurig es ist, einen solchen Aufruf wie durch Wayfair geschehen, ins Leben zu rufen, möchte ich diesen Beitrag auch dazu nutzen meine Leser dazu aufzurufen diese Aktion zu bewerben, zu teilen und bei meinen bloggenden Lesern bitte ich darum sich an der Aktion zu beteiligen, denn diese läuft nur noch bis zum 30.04.2016 und verdient ganz viel Unterstützung!

Ich möchte Euch alle aber auch darum bitten mehr über das eigene Verhalten gegenüber den Mitmenschen nachzudenken, nicht so schnell zu urteilen und öfter mal „ja gerne“, statt nein zu sagen.

© S. Stolzenberg

PS: Nochmal ein Danke schön an Jando, dass ich das Bild von Antjeca mit seinem Text hier einbinden durfte :-).

 

Vorurteile/Fehlannahmen zu Autismus

Diesen Beitrag schreibe ich aus aktuellem Anlass, da eine Mutter um Hilfe bat, denn über das Kind einer Freundin wurde geäußert, dass es kein Autist sein könne, weil es nicht auffällig genug sei – es könne Blickkontakt halten, Nähe zulassen und verstünde Emotionen. Daher möchte ich hier mal zu ein paar Vorurteilen/Falschannahmen bezüglich Autismus Stellung beziehen.

Autismus ist eine Krankheit. ¹

Nein Autismus ist keine Krankheit, sondern eine besondere Art zu leben und seine Umwelt wahrzunehmen¹, so haben viele Autisten einen Detailblick, nehmen Geräusche, Gerüche, Temperaturänderungen und vieles andere intensiver wahr und können „unwichtige“ Informationen schlechter filtern. Alle Eindrücke prasseln zeitgleich auf Autisten ein. Dies sind aber nur ein paar veränderte Wahrnehmungsbeispiele. Autismus ist nicht ansteckend, wächst sich nicht aus.

Die Gründe für das Entstehen von Autismus sind multikausaler Art: man geht heute von einer genetischen Disposition aus, die für sich allein aber noch keinen Autismus bedingt. Vieles spricht dafür, dass Informationen im Gehirn von Menschen mit Autismus aufgrund veränderter neurologischer Verknüpfungen anders verarbeitet werden.¹

Autismus kann geheilt werden.

Dies ist eine besonders fatale Annahme, die teils sogar zu Körperverletzungen führen, aber nein Autismus kann nicht geheilt werden, denn eine genetische Veränderung ist nicht heilbar! Angehörige, Therapeuten, Erzieher, Lehrer und weitere Bezugspersonen eines Autisten können diesem aber mit einer möglichst gleichbleibenden Tagesstruktur, Ankündigungen von Veränderungen, Routinen und Ritualen helfen besser in einer nicht-autistischen Welt zurecht zu kommen. Andererseits können viele Eindrücke über den Tag, Veränderungen, die nicht angekündigt werden und fehlende Tagesstrukturen dazu führen, dass es dem Autisten weit schwerer fällt sich zurecht zu finden. Dies kann zu einer Überforderung (Overload) führen.

Keinesfalls ist Autismus, wie früher angenommen, psychisch bedingt und gar auf emotionale Vernachlässigung durch sogenannte “Kühlschrankmütter”, Traumata oder Missbrauch zurückzuführen.¹

Autisten sind meist hochbegabt und haben Inselbegabungen oder geistig behindert und werden ein Leben lang auf Hilfe angewiesen sein.¹

Autisten sind wie alle anderen Menschen Individuen. Nicht jeder Autist ist hochbegabt, aber es gibt Autisten, die es sind, genauso wie es Hochbegabte gibt, die nicht autistisch sind. Gleiches gilt für Inselbegabungen und gesitige Behinderung. Inselbegabungen sind eher selten – Menschen mit Inselbegabungen (Savants) haben zwar besondere Talente, was aber nicht generell für jeden Autisten zutrifft, allerdings haben die meisten Autisten Spezialinteressen mit denen sie sich sehr intensiv beschäftigen, was aber nicht mit Inselbegabungen verwechselt werden sollte. Spezialinteressen sind eher mit einem Hobby vergleichbar, für das man auch sehr viel Zeit aufwendet. Natürlich gibt es auch geistig behinderte Autisten, wobei meist angenommen wird, dass der Autist geistig behindert ist, wenn er nicht spricht, was aber nichtgleichbedeutend ist. Autisten, die nicht sprechen können zum Beispiel, weil sie in der Situation überfordert sind, sind dennoch sehr gut in der Lage Dinge einzuschätzen, haben vielleicht sogar einen hohen IQ. Desweiteren gibt es für Autisten, die nicht sprechen könne aber auch Hilfsmöglichkeiten sich mitzuteilen wie etwa über Bildkarten, in der Schriftform oder mit einem Talker. Es gibt auch Autisten, die ein Leben lang auf Hilfen angewiesen sein werden, jedoch gibt es auch Autisten, die sehr gut alleine leben können, sich in einer Beziehung befinden, Kinder haben, vielleicht selber jemanden pflegen. Es gibt aber auch zahlreiche Hilfsmöglichkeiten für erwachsene Autisten, die nicht alleine leben können, wie etwa betreutes Wohnen, persönliche Assistenz, eine gesetzliche Betreuung und einige weitere.

Autisten leben in einer eigenen Welt und wollen isoliert sein.¹

Autisten sind genauso am Kontakt zu anderen Menschen interessiert, wollen Kontakte pflegen und haben Freundschaften und Beziehungen wie jeder andere Mensch auch, brauchen aber eher mal einen Rückzug, der aber aus einer Überforderung resultiert, kommen oft nicht in großen Menschenansammlungen zurecht und haben Schwierigkeiten mit Lautstärke, aber dennoch suchen auch Autisten nach Kontakten, die aber erfahrungsgemäß oftmals eher im virtuellen Raum statt finden. Sie wollen nicht isoliert werden, aber dadurch, dass man bei Autisten nicht „zwischen den Zeilen lesen“ sollte, Autisten sehr direkt sind, auch wenn es verletzend sein könnte und oft mit Höflichkeitsfloskeln nichts anzufangen wissen, kommt es oftmals zu Missverständnissen, so müssen auch Redewendungen wie Vokabeln von Autisten gelernt werden und Ironie wird oftmals nicht so gut verstanden.

Autismus ist doch eh nur so eine Modediagnose.

Nein. Definitiv nicht.
Die Diagnoseverfahren, die Möglichkeit der Diagnostik und die Anzahl der Spezialisten haben in den letzten Jahren zugenommen. Es ist nur eine logische Konsequenz, dass nun auch mehr Diagnosen gestellt werden können.

Autistische Kinder sind falsch erzogen, frech.

Nein! Autistische Kinder mögen manchmal für Außenstehende scheinbar auffälliges Verhalten zeigen, schreien, weinen toben, was dann aber aus einer Überforderung resultiert. Da man diesen Kindern aber nicht ansieht, dass die Autisten sind, wird dieses Verhalten oft der Erziehung zugeschrieben.

Autisten müssen nur lernen sich anzupassen, sie müssen sich nur zusammenreißen, anderen wird auch oft alles zu viel.

Autisten könne zwar lerne sich besser zurecht zu finden, sollten aber niemals dazu gezwungen werden sich zu verbiegen, sich um jeden Preis anpassen zu müssen, denn das kostet immens viel Kraft und kann sogar zu Depressionen und Suizidgedanken führen. Wird einem Autisten eingeredet er müsse sich nur mehr zusammenreißen, sich besser anpassen, das sei alles nicht so schlimm, dann wird ihm damit suggeriert „nicht richtig“ zu sein und er bekommt dadurch das Gefühl nicht akzeptiert, nicht geliebt zu werden.

Autisten haben keine Gefühle.

Natürlich haben auch Autisten Gefühle, die sie aber vielleicht nicht so gut kommunizieren können, nicht benennen können. Manche Autisten könne sich sehr gut in andere einfühlen, anderen fällt es leicht, wenn sie das entsprechende Gefühl selber schon mal erlebt haben, können aber nicht oder nicht so gut, wenn sie das Gefühl selber nicht schon mal hatten. Manche Autisten sind weniger emphatisch, andere so sehr, dass es sie überfordern kann. Es sollte also nicht pauschalisiert werden.

Autisten können keine Nähe zulassen.

Auch das ist eine sehr verallgemeinernde Aussage, die so nicht zutreffend ist. Es gibt Autisten für die kann körperliche Nähe schwer zu ertragen, teils sogar als schmerzhaft empfunden werden. Sie können es meist nur zulassen, wenn es angekündigt wird, dann aber auch nur kurz. Es gibt aber auch Autisten, die sehr gerne Körperkontakt haben, diesen auch einfordern und ihn genießen können. Es gibt aber Autisten, die zwar gerne Körperkontakt haben, aber eher festere Reize brauchen, weil sie sich selber nicht spüren können, sie mögen es dann lieber massiert zu werden z.B. statt zu kuscheln. Es muss also bei Kindern genau beobachtet und bei Erwachsenen am besten erfragt werden.

Generell sollte man nicht pauschalisieren egal, ob es sich beim Gegenüber um einen Autisten handelt oder nicht. Kennt man einen Autisten sollte man auch nicht dessen Verhaltensweisen und dessen veränderte Wahrnehmung auf andere Autisten übertragen, denn Autisten sind genauso Individuen wie jeder andere Mensch auch – mit ihren Schwächen und ihren Stärken und sollten genauso angenommen werden.

Kennst Du einen Autisten, kennst Du genau einen Autisten, nicht alle!

¹ Diese Beitragsabschnitte, die auch in grau gekennzeichnet sind, wurde aus Ellas Blogbeitrag über Vorurteile aufgegriffen.

© S. Stolzenberg

Published in: on 15. März 2016 at 23:48  Comments (8)  
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Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. (Oscar Wilde)

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Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

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