Eine große Veränderung – ein Umzug

Da ich immer wieder über neue Lebensabschnitte im Leben unseres Wildfangs schreibe, möchte hier dann auch über unseren Umzug schreiben, der für unseren Wilden der erste war…

Wir wollten umziehen, weil wir eine größere Wohnung – insbesondere mit größerem Kinderzimmer – , in einer ruhigeren Umgebung haben wollten (in der alten war es oft nicht nur am Wochenende bis nach Mitternacht laut – durch diverse Nachbarn) und in der alten Wohnung vermuteten wir Feuchtigkeit im Mauerwerk.

Ihm war schon klar, dass wir umziehen wollten, aber lange war nicht klar wann das denn nun sein würde, da wir über ein Jahr nach einer für uns passenden Wohnung gesucht hatten und natürlich (leider) auch oft Absagen erhielten.

 

Nach einigen Wohnungsbesichtigungen war uns allen schnell klar, dass diese für unseren Wilden eine Belastung darstellten, weil er nie sicher wusste, ob wir die Wohnung bekommen würde und es eine fremde Umgebung mit vielen fremden Menschen darstellte. Dadurch entschieden wir gemeinsam, dass er durch Verwandte fremdbetreut würde, wenn eine Wohnungsbesichtigung sei und wir ihn dann in Kenntnis setzten würden, wenn wir eine Zusage hätten. Er war also immer bei einer seiner Tanten oder einer der beiden Omas untergebracht, wenn Papa und Mama mal wieder eine potenzielle neue Wohnung anschauten. Damit hatte er dann unsere jetzt neue Wohnung vorab auch nicht gesehen, freute sich aber dennoch sehr, als wir ihm sagten, dass wir bald eine neue Wohnung haben würden, für die wir aber erst mal „nur“ die mündliche Zusage der Vermieterin hatten…

Es gibt eigentlich nichts, dass wirklich gegen die Wohnung gesprochen hätte – ein bisschen unschön ist nur, dass unsere Familie, eins der Familiengräber und unsere Ärzte jetzt nicht mehr zu Fuß zu erreichen sind, sondern „nur“ mit dem Bus, ebenso wie die Niers (ein Fluss, an dem wir gerne spazieren gehen) und die Spielplätze etwas weiter weg sind, aber das ist ja nicht weiter schlimm.

Die Vorzüge, die deutlich für die Wohnung sprechen sind dafür umso deutlicher. Die Wohnung liegt verkehrsberuhigt, die Nachbarschaft ist sehr viel ruhiger, Krankenhaus und Bahnhof sind schneller zu erreichen, die Wohnung liegt dennoch zentral, ist sehr viel größer und schöner, als die alte (ein Freund sagte es sei ein Unterschied wie Tag und Nacht und brachte es damit genau auf den Punkt) und unser Sonnenschein hat sein Zimmer auf einer (über eine Wendeltreppe zu erreichenden) eigenen Etage mit eigenem Bad.

 

Daher freuten wir auch besonders, als wir die Zusage für die Wohnung erhielten und als wir dann am 04.10.2017 den Mietvertrag unterschrieben war auch unser Wilder davon überzeugt, dass wir bald eine neue Wohnung haben würden. Die Vermieterin war auch sichtlich von unserem Süßen angetan und freute sich mit uns. Ab dem Tag konnte unser Schatz es dann auch kaum abwarten und fragte immer wieder wann wir den umziehen würden und wir zeigten es ihm immer wieder am Kalender, erklärten aber auch, dass vorher noch viel zu tun sei und wir auch neue Möbel anschaffen würden.

 

Anfang November fingen wir dann Möbel auszusuchen und mussten dafür natürlich auch in einige Möbelgeschäfte fahren, die unseren Süßen sehr stresste, da es zu viele Eindrücke, zu viele Menschen und viel zu laut für ihn war und so war er jedes Mal wieder aufs neue überreizt, überreizt, wollte aber dennoch immer wieder mit, um mit aussuchen zu können (und das durfte er natürlich auch), wobei er besonders von der neuen Couch begeistert war. Viel schöner war es für ihn da natürlich Möbel online auszusuchen und da schaute er ganz besonders bei den Möbel für sein Zimmer mit, damit diese auch seinem Geschmack entsprechen würden und wir wurden bei vielem fündig (unter anderem auch für Weihnachtsgeschenke), wobei ihm natürlich sein Bett besonders wichtig war, bei dem er erst traurig war, dass ein Hochbett nicht klappen würde, ein Stauraumbett war dann aber als Kompromiss ok und jetzt ist das ganz toll.

Mitte des Monats begannen wir dann schon mal langsam auszusortieren was wir nicht mehr mitnehmen wollten und hatten, damit er diese Veränderung als erstes „verdauen könnte“ zusammen entschieden in seinem Zimmer anzufangen. Entgegen unseren Befürchtungen, half unser Süßer ganz fleißig mit, konnte sich mühelos von einigen seiner Spielsachen trennen und war sehr stolz auf sich (Mama und Papa auch), dass er das so gut gemeistert hatte ♥ 🙂 . Wir erklärten ihm was mit den Sachen passieren würde und er fragte danach auch gar nicht weiter danach wo denn diese Spielsachen seien.

Ein paar Tage später fiel es unserem Sonnenschein dann sehr viel schwerer, dass weiter aussortiert wurde, weil wir im Wohnzimmer (dem Ort, an dem er sich nach dem Kinderzimmer am meisten aufhält) aussortieren und ein paar Möbelstücke, die wir nicht mitnehmen wollten, abgaben. Unser Wirbelwind war sichtlich irritiert, weil diese Möbel „plötzlich“ weg waren, traurig darüber, dass wir sie abgegeben hatten, konnte es nicht richtig verstehen und schaute immer wieder zu diesen Stellen hin. Er benötigte erst mal einen Tag um das „sacken zu lassen“, bis es für ihn ok war. Ich möchte aber anmerken, dass wir ihn immer zeitnah und direkt bevor es passierte, darüber informierten wenn etwas aussortiert (später auch weg gepackt) werden würde.

Das Aussortieren in den restlichen Räumen störte unser Bärchen nicht weiter.

Anfang Dezember fingen wir dann an einzupacken, wobei wir auch da entschieden hatten im Zimmer unseres kleinen wilden zu beginnen, da er sich dort zwar viel aufhält, das Schlafzimmer für ihn als Rückzugsort aber noch wichtiger ist und er sich sonst vor allem viel im Wohnzimmer aufhält, es also eine kleinere Veränderung darstellte und er dennoch damit auch Zeit hätte sich an diese Veränderung zu gewöhnen. Er war erst verunsichert, weil die Sachen für ihn nicht mehr greifbar, sichtbar und damit erst mal „weg“ waren, aber die Erklärung, dass wir diese in die neue Wohnung mitnehmen wollten und das nur in Kartons ginge, half schon viel. Er war zwar auch etwas traurig vieles (einige Spielsachen räumten wir noch nicht weg) nicht mehr zur Hand zu haben, aber ansonsten war es ok, wobei er fragte, ob er dennoch (zur Sicherheit) bei Papa schlafen dürfte und das durfte er bis nach dem Umzug.  Nach einem Tag war der Gedanke nicht mehr so schlimm und er konnte sich damit anfreunden, dass die Sachen nur in den Kartons waren, um sie besser mitnehmen zu können (wobei der Film „Alles steht Kopf“ dabei etwas half) und in den anderen Räumen machte es ihm kaum noch was aus, als dort eingepackt wurde, er half sogar seinen Möglichkeiten entsprechend (wenn auch mit viel diskutieren) mit.

Mitte Dezember war es dann soweit. Wir bekamen die Schlüssel für die neue Wohnung und unser kleiner Entdecker, der vorher nur das Haus von außen gesehen hatte, war sehr aufgeregt und neugierig, da er die Wohnung zum ersten Mal sah, beklagte, dass es aber noch nicht richtig schön aussah, sagte aber auch, dass ihm die Wohnung sehr gut gefallen würde, freute sich. Er sagte dann auch direkt wo er welche Möbel in seinem Zimmer stehen haben wolle (und fand es besonders cool, dass sein Zimmer eine eigene Etage bildet). Danach suchten wir zusammen Farbe aus und er durfte seine Zimmerfarbe aussuchen und war ganz stolz, dass Papa und Mama seinen Wünschen (für uns selbstverständlich) entsprachen.

Am Folgetag fingen wir dann an die neue Wohnung im Wohnzimmer zu streichen und unser Bärchen half (so wie er konnte) beim abkleben und verlegen der Folie mit, wollte dann auch helfen zu streichen. Wir zeigten ihm wie das geht und er wollte auch mit einer Rolle streichen, die ihm dann aber schnell zu schwer in der Hand wurde. Außerdem störte es ihn massiv, dass ihm immer wieder Farbe auf die Hand tropfte, womit er wegen seiner Wahrnehmungsstörung nicht zurechtkam.  Wir lobten ihn dafür, dass er es versucht hatte und ließen ihn dann stattdessen spielen 🙂 ♥.

Am Tag darauf wurde dann das Kinderzimmer unseres Wirbelwindes gestrichen und er bedankte sich dafür, dass Papa und ein Freund von Papa es schön gemacht hatten. Er musste am Tag danach leider aus der Schule abgeholt werden, fand das aber nicht weiter schlimm, weil er so miterleben konnte, wie wir einige Möbel (unter anderem in seinem Zimmer) aufbauten und die Räume damit immer schöner wurden, aber teils kritisierte er auch, wenn es ihm zu laut war.

Am 21.12.2017 war dann der Umzugstag da und unser Sonnenschein war sehr aufgeregt, angespannt und freute sich ganz doll, dass wir endlich in die neue Wohnung umzogen. Wir merkten seine Aufregung daran, dass er sehr viel mehr redete, als gewöhnlich. Er war dann aber auch sehr böse auf Mama, weil ich unsere Katze (in ihre Transportbox) „eingesperrt“ und dann in der neuen Wohnung (wegen Helfern, die Kartons in die Wohnung trugen) nicht direkt wieder „frei ließ“ – er ist eben ein Süßer ♥. Er schimpfte immer wieder mit mir und konnte sich erst beruhigen, als unsere Katze Susi wieder „frei“ war, verstand dann aber nicht, warum Susi nicht raus kommen wollte; wir erklärten es ihm.

Den Tag darauf brachten wir (noch aus der alten Wohnung) Fleisch zwecks Kühlung zu meiner Oma und unser Sonnenschein sagte umgehend an der alten Wohnung angekommen, dass er diese „doofe, alte Wohnung“ nicht mehr sehen wolle und äußerte sehr deutlich mit mir im Waagen warten zu wollen.

Einen Tag vor Weihnachten wurde unser Sonnenschein zum ersten mal an der neuen Adresse zur Schule abgeholt und es kam morgens zu einem kleinen Missverständnis, was aber schnell behoben war und mittags vertat sich der Fahrer und furh an mir vorbei, so dass unser Schatz Angst hatte, der Fahrer würde mit ihm weg fahren. Diese Angst bestätigte sich natürlich nicht und wir erklärten ihm, dass die Fahrer ja nun wüssten, wo der Treffpunkt sei (damit er das nicht mit ins neue Jahr nehmen würde).

 

Und dann war schon Weihnachten. Natürlich hatten wir vorab einen Weihnachtsbaum besorgt, damit der Weihnachtsmann unseren Schatz finden könnte (er hatte Angst, dass er sonst nicht vom Weihnachtsmann gefunden werden würde), diesen (zum ersten Mal) aber erst am 24.12.2017 aufgebaut und geschmückt. So verging die Zeit dann aber ganz schnell, bis wir bei meinen Eltern zum Essen waren, die als ihnen das Umzugsdatum von uns genannt worden war, angeboten hatten für uns mit zu kochen, weil wir da noch keine funktionierende Küche haben würden. Dafür musste unser bisheriges Ritual an Heiligabend, meine Oma irgendwann im Laufe des Tages spontan zu besuchen aber ausfallen. Wir hatten einen sehr schönen Abend bei meinen Eltern und als wir wieder zu Hause (in der neuen Wohnung) waren, durfte unser kleiner Weihnachtsmann (er trug eine Mütze) nachsehen was ihm der Weihnachtsmann zu Hause gebracht hatte und freute sich sehr über seine Geschenke, war besonders bei einem (einer Wassersäule) ganz tiefenentspannt.

Er sagte aber auch, dass es ihm leid täte, dass er nicht immer lieb sei, er könne manchmal nicht anders, als öfter sooo albern zu werden, wenn er müde sei oder ihm alles zu viel sei (Überreizung durch seine verstärkte Wahrnehmung) 😦 . Wir sagten ihm, dass wir das verstehen und ihm deswegen nicht böse sind, ihn so wie er ist über alles lieben und er sich dafür nicht zu entschuldigen braucht!!!

Am ersten Weihnachtstag starteten wir dann erst mal ruhig mit Serien in den Tag und waren dann mittags bei Verwandten zum Kuchen eingeladen, wobei der Tag dort sehr unschön verlief, weil immer wieder an unserem Sonnenschein herum kritisiert wurde, er immer wieder ermahnt wurde (teils nur, weil er eben ein aktiveres Kind ist) und kurz bevor wir gehen wollten, als er dann schon ziemlich überreizt war, wurde dann noch auf ihn eingeredet und er wurde weiter ausgeschimpft. Es wurde ihm gegenüber auch eine Äußerung (die mein Mann und ich nicht mitbekommen hatten) getätigt, die für ein Kind sehr verletzend ist. Unser Wirbelwind konnte von all den Verwandten, die an diesem Tag dort waren, nur die Gesellschaft einer Person (neben uns als Eltern) genießen und benötigte ihm Auto erst mal ein paar Minuten alleine, um wieder zur Ruhe kommen zu können 😦 😦 😦 . Daraufhin entschieden wir, als Eltern dann auch, dass diese Personen demnächst unseren Schatz nicht mehr zu Feiern (Ostern, Geburtstag, Weihnachten,..) zu sehen, sondern im Anschluss daran und das dann auch getrennt, damit das Risiko einer Überreizung minimiert wird. Er freut sich nämlich immer die Personen (nennen wir sie hier mal O und T, da ich sie aus diversen, persönlichen Gründen nicht näher bezeichnen möchte) zu sehen, möchte aber natürlich auch nicht immer wieder ausgeschimpft werden, wobei das durch O. leider am häufigsten vorkommt… Unser süßer Schatz entschuldigte sich im Auto dann bei uns auch für sein Verhalten, war sehr traurig und in sich gekehrt, aber wir erklärten ihm (erneut) wie sehr wir ihn, so wie er ist, lieben und dass er keinen Grund hat sich zu entschuldigen, wir O. und T. auch mit deutlichen Worten auf deren Verhalten ansprechen werden, wenn wir sie das nächste Mal sehen werden (noch ist das nicht passiert, es steht aber zeitnah an).

Am zweiten Weihnachtstag, den wir erst mal ruhig begannen, waren wir dann bei dem anderen Teil der Verwandtschaft eingeladen, wo unser Süßer zwar (durch den Vortag im besonderen) etwas aufgekratzt, sehr albern und müde war, wir aber trotz dessen einen sehr schönen, überwiegend ruhigen und entspannten Tag verbrachten, besonders, weil dieser Teil der Familie liebevoll und geduldig auf unseren Süßen eingeht 🙂 ♥.

Anmerkung: Alle, die das hier lesen und sich angesprochen fühlen: Wenn es Euch stört, ist es nicht mein Problem, denn ich habe niemanden weiter bezeichnet oder benannt.

Eine Tag nach Weihnachten (auch da waren wir abends fleißig in der Wohnung) war das Kinderzimmer dann endlich fertig eingeräumt (bis auf zwei Kleinigkeiten, die noch gemacht werden müssen) und unser Sonnenschein äußerte, dass er es sehr schön fände, glücklich sei, es ihm deutlich besser, als in der „doofen, alten Wohnung“ gefalle, es aber für ihn noch merkwürdig sei, dass wir umgezogen sind♥.

Einen Tag vor Silvester war dann der erste Einsatz des Pflegedienstes, der unseren Süßen alle 14 Tage betreut, damit wir Eltern auch mal Zeit als Ehepaar haben und unser Wilder musste feststellen, dass der weg zum Spielplatz und in die Stadt sehr viel weiter (letzteres subjektiv empfunden) ist, als das in der alten Wohnung der Fall war, wodurch er wieder zu Hause sehr müde war, sich aber dennoch sehr freute, sagte, dass der Spielplatz sehr schön sei und er sich schon auf das nächste mal freue.

Am 31.12.2017 war dann unser erstes Silvester in der neuen Wohnung und wir verbrachten den Tag weitestgehend mit Filme schauen, räumten aber auch weiter ein. Abends gab es dann (wie immer) Fondue, wir spielten zusammen Gesellschaftsspiele, hörten Musik und kuschelten. Als dann das Feuerwerk war, ging unser Schatz (zum ersten mal wieder) mit den PC-Kopfhörern meines Mannes (umzugsbedingt konnten wir vorher keine geräuschdämmenden Kopfhörer kaufen) auf den Balkon, wo er ca. fünf Minuten das Feuerwerk schaute, ging dann aber wieder rein, weil es ihm dennoch noch zu laut war. Er war aber auch sehr müde (verständlich bei den ganzen aufregenden Tagen zuvor) und schlief gegen 0.30 Uhr auf dem Bauch meines Mannes ein, so dass wir ihn ins Bett brachten♥.

Er hat bis heute (08.01.2018) jede Nacht bei meinem Mann geschlafen (er genießt es das zu dürfen, wenn mein Mann Wochenende, Urlaub hat) und wir sind bis auf wenige Kleinigkeiten fertig. Unser Sonnenschein, sagt uns immer wieder, dass die neue Wohnung richtig schön geworden ist und er uns dankbar ist, dass wir sie so schön gemacht haben. Wir sind deswegen jetzt für ihn Künstler (streichen) und Bauarbeiter (Aufbau der Möbel) 😀 .

Die letzten, noch zu erledigenden Dinge, werden wir bis Ende der Woche geschafft haben und ansonsten hat der Alltag uns jetzt wieder. Jetzt können wir unsere neue Wohnung dann auch genießen.

S.Stolzenberg

Nachtrag 1: Im Austausch zu Umzügen bei Autisten wurde mir in einer FB-Gruppe eine schöne Geschichte erzählt, die einem autistischen Jungen sehr geholfen hatte zu verstehen, dass ein Umzug nicht auch den Abschied all seiner geliebten Spielsachen bedeutet (wegen dieser Angst war der Junge anfangs sehr gegen einen Umzug). Sie erzählte ihrem Enkel immer wieder Umzugsgeschichten, keine Reime und eines Tages erzählte sie die Geschichte von kleinen Max, der bald umzieht und nun schon mal sein Spielzeug fragt:

Wer will denn mitkommen in die neue Wohnung? Und wer will denn lieber zu anderen Kindern?
Und alle Spielzeuge und sogar sein Schreibtischstuhl rufen laut:
Ich, ich, ich und ich auch.
Jedes Spielzeug, alles alles weil mitkommen und in die neue Wohnung einziehen.
Und da hat der Max sein ganzes Spielzeug und sogar seinen Kritzeleienkurzen Bleistift eingepackt und alle sind zusammen umgezogen.

Seitdem hat der Junge keine Angst mehr vor dem bevorstehenden Umzug, freut sich sogar drauf und fragt immer wieder wann es denn nun endlich los geht.

Nachtrag 2: Heute sollte unser Süßer das erste mal seit dem Umzug versuchen alleine in seinem neuen Zimmer (aus dem er sehr gut auf den TV im Wohnzimmer sehen kann – deswegen komt da zwitnah ein Sichtschutz hin) schlafen. Er war sehr unruhig, ging widerwillig in sein Zimmer und hielt sich wach, sicherlich aber auch, da er sich zwar sehr freut, dass wir umgezogen sind, es aber für ihn immer noch merkwürdig ist. Zudem sieht im Dunkeln eh alles anders aus und das in einer neuen Umgebung kann sicherlich sehr schwer für ein (autistisches) Kind sein. Daher haben wir nun vereinbart, dass er erst mal, weil ihm das Sicherheit gibt, in der Woche weiterhin bei Papa im Schlafzimmer schlafen darf (wenn das zu lange dauern würde in seinem Zimmer könnte er nicht mal zur Schule) und dafür solle er es dann aber am Wochenende mit ausgedehntem Einschlafritual und CD (wenn er möchte) versuchen und das behalten wir dann erst mal bei, bis er sicher genug ist auch in der Woche alleine in seinem Zimmer zu schlafen… Ich werde berichten 😉 .

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Ein Brief für Dich – was ich an dir liebe und was ich Dir für die Zukunft wünsche

Dieser Blogbeitrag ist für unseren Wirbelwind, dem ich damit gerne sagen möchte was für ein liebenswerter junger Mann er schon ist und was ich ihm gerne mit auf den Weg geben möchte, wobei all diese Gedanken auch die meines Mannes sind.

Ich würde mich freuen, wenn sich Leser dieses Blogs an der Idee beteiligen würden und hier oder auf meiner Facebookchronik ihre „Briefe für Dich“ verlinken würden – gerne auch von Omas, Opa, Tanten, Onkeln, Schwestern und Brüder der Kinder ;-).

 

Unser süßer Schatz Du  bist ein wundervoller, liebenswerter kleiner junger Mann, der mir eine Welt gezeigt hat, die ich vergessen hatte, durch den ich wieder achtsamer, kreativer und in vielen Bereichen des Alltags aufmerksamer geworden bin und ich danke Dir dafür, aber das sind nur ein paar der Dinge, die ich so sehr an Dir liebe.

Du bist so wahnsinnig charakter- und willensstark und weist schon ganz genau was Du gerne magst und was eben nicht, hast schon Interessen und Leidenschaften und zeigst auch deutlich, was Du magst oder lieber nicht machen möchtest und  gleiches gilt auch für die Menschen, mit denen Du zu tun hast. Du weißt genau wer Dir gut tut, mit wem Du Dich gerne umgibst und wen Du lieber meidest. Du hast keine Angst, Gefühle zu zeigen. Die ganze Bandbreite. Wut, Ärger, Verzweiflung, Freude, Stolz, Liebe. Alles da und alles ungefiltert. Und dabei bist Du dennoch auch sehr emphatisch, manchmal so intensiv, dass diese Gefühle zu deinen eigenen werden, wenn jemand sehr traurig ist etwa macht Dir das sehr zu schaffen und Du möchtest diesen Menschen, auch wenn Du ihn nicht kennst, trösten. Dir ist aber auch Gerechtigkeit sehr wichtig und wenn Du den Eindruck hast, dass sich jemand nicht alleine zur Wehr setzten kannst, setzt Du Dich für diesen Menschen ein und versuchst ihn zu beschützen, selbst dann, wenn das nicht nötig wäre, etwa wenn Papa und Mama streiten. Du wünscht Dir eben auch Harmonie.

Du bist ein fast immer fröhlicher junger Mann, der lebensfroh, lebensbejahend ist, sehr interessiert an seinen Mitmenschen ist, der im Umgang mit seinen Mitmenschen (und auch bei allem anderen) sehr achtsam ist, aber dennoch auch schonungslos ehrlich und damit zwar manchmal aneckt, sich aber nicht verbiegt und sich selber treu ist. Trotzdem bist Du dabei aber auch immer freundlich und möglichst rücksichtsvoll.

Du bist ein liebevoller, kreativer, fantasievoller und aufgeweckter und entdeckungsfreudiger Junge, der das Leben liebt und es in vollen Zügen genießt.

Du bist ein charmanter, uneigennütziger, hilfsbereiter Sonnenschein, der familiär ist und der für die Menschen, die er liebt einsteht und jeden gemeinsamen Moment auskostet, selbst, wenn es mal sehr chaotisch zugeht.

Ich liebe Dich genauso wie Du bist und bin stolz, glücklich und dankbar Deine Mama sein zu dürfen, einen Sohn mit so einem wundervollen Charakter haben zu dürfen und hoffe, dass ich noch ganz lange Teil deines Lebens sein darf.

 

Es gibt aber auch einige Dinge, die ich Dir wünsche und Erfahrungen, die hoffentlich machen darfst, Werte, die Dir hoffentlich wichtig sein werden:

Ich wünsche Dir Augen, die die kleinen Dinge des Alltags wahrnehmen.
Ich wünsche Dir Hände, die nicht lange überlegen, ob sie helfen und gut sein sollen.
Ich wünsche Dir ein liebendes Herz, von dem Du Dich leiten lässt.
Ich wünsche Dir: Freude, Glück, Zuversicht, Gelassenheit und Demut.
Ich wünsche Dir Menschen die Dich mögen und bejahen und Dir Mut machen; aber auch Menschen, die Dich bestätigen, die Dich anregen, die Dir Vorbild sein können, die Dir weiterhelfen, wenn Du traurig bist und müde und erschöpf
Ich wünsche Dir viele gute Gedanken und ein Herz, das überströmt in Freude und diese Freude weiterschenkt.

 

Folgende Erfahrungen, Werte wünsche ich Dir für Dein Leben:

 

  • Bereue nicht die Zeiten, in denen du traurig bist. Wie sonst weißt du die Zeiten zu schätzen, wenn es dir gut geht?
  • Lass dich von keinem Mensch überzeugen, dass er stark genug sei, dich zu verändern.
  • Entwickle eine Sinneslust, die Welt um dich herum zu sehen.
  • Es ist ok, wenn du nicht den typischen Rollenklischees entsprechen möchtest, aber es ist auch ok, wenn du das willst.
  • Lächle nur, wenn du es auch ernst meinst und lass Dir nicht aufdrängen es auch zu tun, weil es deinem Gegenüber wichtig erscheint. Du musst Dich wohl fühlen!
  • Sei blind im Bezug auf Geschlecht, Rasse, Sexualität und religiöser Überzeugung.
  • Wenn du nicht in Jogginghosen und verkatert mit Ihnen abhängen kannst, sind es keine wirklichen Freunde.
  • Finde Freunde, die dir den Rücken frei halten. Halte auch ihnen den Rücken frei.
  • Nutze nie deine Lage als Ausrede.
  • Entwickle eine Stimme, und verschaffe ihr Gehör.
  • Dein Erfolg ist nicht mein Erfolg. Er gehört ganz allein dir. Aber ich freue mich dennoch gerne mit Dir.
  • Ich fände es toll, wenn du Goethe und Faust liest. Aber wenn du am Ende auf Twilight stehst, ist das auch ok.
  • Denke zumindest darüber nach, Amnesty beizutreten.
  • Wünsche dir was, wenn du eine Wimper verlierst.
  • Sei grenzenlos leidenschaftlich. Sei so leidenschaftlich, dass dich die Leute für ein bisschen verrückt halten. Denn: „Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ (Zitat von Astrid Lindgren)
  • Verbiege dich nicht bis zur Unkenntlichkeit
  • Mach dich nicht klein. Gehe mit erhobenem Kopf.
  • Lass dir von niemandem sagen, das sei nur eine Phase, wenn du etwas anderes glaubst.
  • Deine Sexualität bestimmt nicht, ob du moralisch bist.
  • Dein Wert kommt nicht von deinem Aussehen, deinem Alter oder deiner Größe.
  • Lerne jemanden kennen, der dich so sehr zum Lachen bringt, dass du dir in die Hose machst.
  • Manchmal wird es überbewertet, niveauvoll zu sein.
  • Glaub‘ an Magie.
  • Sei schonungslos ehrlich. Die schmerzhafte Wahrheit ist immer leichter als eine schmutzige Lüge.
  • Lass es nicht zu, dass jemand dich herumschubst. Denk daran, dass du so viel wert bist, wie du dir selbst wert bist.
  • Denke daran, dass nicht jeder so denkt wie du.
  • Schreib eine Liste mit Dingen, die du in deinem Leben tun willst.
  • Macht eine Liste mit schönen Dingen, die du schon getan hast.
  • Sag‘ immer „Ich liebe dich“ bevor du weggehst.
  • Lache oft.
  • Wenn du einen guten Moment erlebst, sauge ihn auf.
  • Lass dich nie durch Angst von etwas abhalten.

(Anmerkung: Bis hier sind diese Gedanken von einer lieben Freundin, Anke N., die diese Gedanken für ihre Tochter aufgeschrieben hat, übernommen, zum Teil leicht verändert  – 101 Dinge, die R. über das Leben lernen soll“, weil ich mir diese auch für unseren Wirbelwind wünsche)

  • Lasse alle deine Gefühle zu – verdränge sie nicht, denn jedes Gefühl ist wichtig und lässt den Charakter wachsen
  • Sei offen für andere Kulturen – bereise die Welt.
  • Schaffe Dir Orte der Ruhe, die Dir in schlechten Zeiten Kraft geben
  • Sei dankbar für jede Erfahrung, die Du machen darfst – jede davon prägt Dich und macht Dich zu dem Menschen der Du bist.
  • Sieh niemals weg, wenn einem anderen Lebewesen Leid zugefügt wird – steh für andere ein.
  • Lass Dir niemals nehmen auch mal albern/kindisch zu sein
  • Auch wenn Du mal viel zu tun hast, viel Verantwortung trägst, achte immer auch auf Dich – schaffe Dir Auszeiten, denn diese sind wichtig!
  • Träume groß und bewahre Dir diese Träume.
  • Lass Dir niemals – auch nicht von Papa oder Mama einreden – Du könntest etwas nicht erreichen.

Vor allem wünsche ich Dir aber auch eines insbesondere:

Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar!“ (Zitat von Astrid Lindgren)

S. Stolzenberg

 

 

 

Warum sich der gesellschaftliche Umgang mit der Thematik Missbrauch ändern muss, aber dennoch Aktionen dazu auch etwas bewegen können:

Seit 2012 gibt es immer wieder Aktionen, die auf sexualisierte Gewalt aufmerksam machen und an sich ist das sehr gut so, aber es eben nicht „nur“ die sexualisierte Gewalt – sehr oft gegenüber schutzbefohlenen Minderjährigen – ,wie sie im wörtlichen Verstanden wird, nämlich als gewaltsamer Übergriff mit sexuellen Handlungen gegen einen anderen Menschen, gibt. Es gibt ebenso die (nicht immer sexuell motivierte) psychische und/oder psychische Gewalt gegen einen anderen Menschen, die bei diesen Aktionen wie #aufschrei, #neinheißtnein, #onebillionrissing oder auch #Metoo außen vorgelassen werden, die aber genauso sehr in den öffentlichen Fokus gerückt werden sollten – auch darüber müsste dringend gesprochen werden!

Auch diese Übergriffe sind nennenswert und haben Folgen für die Opfer, nicht nur kurzzeitige, sondern über Jahre und sollten nicht totgeschwiegen werden.

Was nutzt es, wenn sexualisierte Gewalt stärker geahndet wird, psychische Gewalt aber klein geredet wird? Ein Kind, das in seiner Familie permanentem Mobbing ausgesetzt ist werden wir nicht helfen können, indem wir über sexualisierte Gewalt sprechen – diese findet dort nämlich nicht statt.

Dass es wichtig ist auch diese Gewaltformen stärker zu benennen, öffentlicher zu machen und dies auch durch die Politik aufgegriffen wird, zeigt sich im gesellschaftlichen Umgang damit.

Denn: Wenn ein Kind geschlagen wird, gilt es oft noch als Erziehungsmaßnahme oder es fallen Äußerungen wie „ein Klaps hat noch keinem geschadet“. Auch „Schläge auf den Hinterkopf erhöhen das Denkvermögen“ ist ein Satz, der im Zusammenhang physischer Gewalt oft fällt und sie verharmlosen soll. Einige werden auch argumentieren, dass diese Gewalt nur eine kurzzeitige, nicht dauerhafte Form der Gewalt sei, die keine weiteren Folgen haben dürfte – vielleicht höchstens im Umgang mit dem Täter. Es bleibt aber dennoch Gewalt gegenüber einem Menschen, der keine so hohe Körperkraft hat, der sich einer Machtausübung gegenüber sieht und sich , gerade bei Kindern, nicht in der Lage sehen dürfte sich ohne Hilfe aus der Situation zu befreien.  Für die Opfer physischer Gewalt ist es entscheidend, dass die Gesellschaft stärker darauf achtet, einschreitet, schützt und nicht weg sieht, weil es – gerade in der Erziehung – lange ein geduldetes Mittel der Wahl war. Hier wäre es nötig einzuschreiten, dem Täter aber unter Umständen, der Situation entsprechend keine Vorwürfe zu machen – gerade bei Kindern – , sondern erst mal Alternativen aufzuzeigen, zu verdeutlichen was der Gegenüber in der Situation empfindet, die Langzeitfolgen (so fern bekannt) zu erwähnen und sollte erkennbar sein, dass sich kein anderer Umgang einstellt eine Anzeige zu erstatten. Gerade viele Eltern werden sicher keine andere Alternative sehen dem Kind zu zeigen, dass es sich „falsch“ verhalten hat und man sollte auch bedenken, dass es sein kann, dass Eltern auch mal die Nerven durchgehen und sie sich im nächsten Moment aber schon dafür schämen so reagiert zu haben.

Eine weitere Gewaltform, die häufig in den Debatten außen vorgelassen wird ist die psychische Gewalt – Mobbing, Demütigungen, Erniedrigungen zählen dazu.

Hier mag man argumentieren, dass es nur Worte seien, die man überhören kann, aber insbesondere über einen längeren Zeitraum in Wiederholung sind diese sehr schmerzhaft und können extreme Folgen – bis hin zum Suizid – haben. Und gerade deswegen ist auch diese Gewaltform zu wenig im Fokus der öffentlichen Debatten, aber auch, weil es manchen Tätern vielleicht gar nicht bewusst ist, wenn sie jemandem gegenüber durch Worte gewalttätig sind. Ein Beispiel dafür ist lästern, von dem sich sicherlich die meisten Menschen nicht freisprechen können – mich eingeschlossen. An Schulen wird diese Thematik mittlerweile stärker betrachtet und nicht mehr totgeschwiegen, in den meisten anderen Bereichen des alltäglichen Lebens auch der Arbeit, ist diese Thematik aber leider noch nicht so stark angekommen.

Warum?

Weil der psychische Missbrauch – wie auch der körperliche – noch weniger Aufmerksamkeit bekommt, als der sexualisierte. Beide werden hingenommen, weil es immer so war, weil es vermeintlich nicht weiter schlimm ist und sich nicht auf den Umgang mit anderen Menschen auswirkt, denn das Opfer unterscheidet sicherlich zwischen Tätern und Unbeteiligten.

Aber jede Form von Gewalt – jede traumatische, gewaltbetonte Erfahrung hat Langzeitfolgen, wie jetzt auch in einer Studie festgestellt wurde, dazu habe ich hier einen Artikel verlinkt.

persönliche Anmerkung: Ich habe jeder Form der Gewalt erleben müssen… darum ist es mir so wichtig darauf aufmerksam zu machen!

Ich versuche mich aber im Folgenden dennoch „nur“ noch auf die sexualisierte Gewalt, die Aktionen dazu  und die gesellschaftlichen Reaktionen zu beschränken, wobei ich nicht chronologisch vorgehen werde.

Im Jahr 2012 wurde die Aktion #onebillionrissing ins Leben gerufen, deren Zielsetzung,  als bisher übrigens einzige Aktion, es ist auf Gewalt gegen Frauen in jeglicher Hinsicht aufmerksam zu machen, zu solidarisieren, ein Zeichen zu setzten, dass friedlich in Form von Tanz zum Ausdruck gebracht wird. Eine großartige Aktion, die Unterstützung verdient, Männer natürlich auch mit einbeschließt.

Ich finde diese Aktion großartig und eine Chance, es ist sicherlich auch schön mit anzusehen, wenn sie richtig umgesetzt wird kann es auch Menschen ansprechen und das Ausmaß von Opfern von Gewalt verdeutlichen. Schwierig wird es dann aber darin konkret die unterschiedlichen Formen von Gewalt darzulegen ohne mögliche Interessenten zu vergraulen, weil es ein sehr großes, umfassendes Thema ist.

2013 gab es dann die Aktion #aufschrei, die das Ziel hatte sexualisierte Gewalt in den öffentlichen Fokus zu rücken, aber auch ein Zeichen von Solidarität unter den Opfern darstellen sollte, wobei hier auch deutlich gesagt werden muss, dass es teils auch vermeintlich sexistisches wie Witze betraf und unter anderem dadurch wurde die Aktion sicherlich zum Teil weniger ernst genommen. Leider war der #aufschrei, so groß er zeitweise war, dann aber auch schnell wieder verstummt und zeigte auch keine nennenswerten Veränderungen in Politik und/oder Gesellschaft.  Schade, dass dies nicht weitergeführt, vertieft wurde oder aktuell mit der Aktion #Metoo nochmal aufgegriffen wurde….

Dann gab es 2012 zusätzlich zu #onebillionrissing auch die Aktion #ichhabenichtangezeigt , die auf sexualisierte Gewalt hinweisen wollte, Opfern ein Solidaritätsempfinden vermitteln wollte, aber auch stärker in den Fokus rücken wollte, dass es durchaus nachvollziehbare Gründe für Opfer geben kann eben nicht anzuzeigen, was aber immer wieder in den Debatten um sexualisierte Gewalt von Opfern gefordert wird – so auch aktuell in der Debatte zu der Aktion #Metoo. Dass es eben nicht nur Scham- und/oder Schuldgefühle der Opfer sind, die zu der Entscheidung führen keine Anzeige zu erstatten, weil sie vielleicht auch nicht der psychischen Verfassung sind die Tat immer wieder in den Befragungen und dann im Gerichtssaal zu durchleben, andere Angehörige (bei Tätern aus der Familie besonders) oder andre Opfer, die die Tat verdrängen, schützen wollen, Ihnen nicht geglaubt wird oder sogar eine Mitschuld zugesprochen wird, sind mögliche Gründe für ein Opfer sich gegen eine Anzeige zu entscheiden, vielleicht nicht mal den Schritt einer Therapie zu gehen, sondern die erlebte Gewalt erst mal verdrängen oder alleine aufarbeiten zu wollen.

Diese Unterstellungen, die Opfern in der Debatte teils entgegen gebracht werden, etwa sie hätten sich nur nicht genug gewehrt, sie seien nicht laut genug geworden oder auch sie hätten durch ihre Entscheidung weitere Opfer in Kauf genommen (wobei das zum Teil zutreffend sein wird), werden in manchen Fällen dazu führen, dass sich diese Opfer wiederrum einer Schuld ausgesetzt sehen, einer Schuld die so stark sein kann, dass es sogar zu einem Flashback, vielleicht sogar zu einer Retraumatisierung führen könnte. Zielführend ist das sicherlich nicht und hilft auch dem Sinn der Aktion nichts. Im Gegenteil. Hier wäre es sicherlich angebrachter den Opfern zu verdeutlichen, dass es unter Umständen andere Möglichkeiten gegeben hätte und vor allem Anlaufstellen, die beratend zur Seite gestanden hätten, denn vielen Opfern sind diese Anlaufstellen gar nicht bekannt.

Persönliche Anmerkung: Ich bin übrigens auch jemand der nicht angezeigt hat unter anderem um Angehörige des Täters zu schützen, weil diese sonst angefeindet worden wären….

Aktuell gibt es dann noch die Aktion #Metoo, zu der es berechtigte Kritik gibt, nämlich, dass diese wegen der Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein ins Leben gerufen wurde – besser wäre eine davon unabhängige Aktion gewesen. Hierzu habe ich hier einen Artikel verlinkt.

Auch hier wird und wurde – wie schon bei der Aktion #ichhabenichtangezeigt – eine Schuld bei den Opfern geäußert – teils vielleicht zu Recht, aber wissen wir das wirklich? Können wir beurteilen warum diese Frauen lange Zeit geschwiegen haben und sich erst äußerten, nachdem eine Frau den Anfang gemacht hat? Ist es im Hinblick auf die Gewalt, die dieser Mann ausgeübt hat nicht viel schlimmer, wenn ein Produzent wie Quentin Terentino jetzt zugibt von den Anschuldigungen gewusst zu haben, aber nichts unternommen zu haben? Wo ist da der Aufschrei ihm gegenüber?

Unabhängig von der Frage in wie weit die Opfer sich vielleicht eine Mitschuld an weiteren Taten zuzuschreiben haben, in welchem Zusammenhang die Aktion gestartet wurde und in wie weit man auch über Mitwisser sprechen sollte, ist es aber vor allem eine Aktion, die ein Bewusstsein schaffen beziehungsweise verstärken soll und Solidarität unter den Opfer schaffen soll und kann. Es ist aber auch – meines Wissens nach – die erste Aktion, die tatsächlich zu einem veränderten Bewusstsein beiträgt, da es wegen dieser Aktion nun als Folge auch die Aktion #Ihave gibt, in der Täter zugeben gewalttätig in sexualisierter Form gewesen zu sein, oft mit dem Hinweis sich darüber nicht bewusst gewesen zu sein oder auch der ausdrücklichen Entschuldigung gegenüber den Opfern- Lobenswert sich und auch anderen gegenüber dies einzugestehen und zu äußern! Dies kann im hier verlinkten Artikel nachgelesen werden.  Diesen Tätern möchte ich auch Danke sagen, wenn diese Eingeständnisse sicher eher aus einer persönlichen Reue heraus getätigt werden, als wegen dem Wunsch das Problem öffentlicher zu machen.

Ein erster wichtiger Schritt die Thematik der sexualisierten Gewalt betreffend ist damit gemacht – es findet ein Umdenken statt und das Thema ist öffentlicher, wird nicht mehr so schnell klein geredet und/oder totgeschwiegen. Wünschenswert wäre nun das auch auf alle anderen Formen der Gewalt zu übertragen….

© S. Stolzenberg

 

Schönheit

Es gibt eine Redensart, die lautet: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, aber es gibt eine weitere Redensart, die besagt „Wahre Schönheit kommt von innen“.

Was stimmt nun nur eine der beiden Redensarten oder beide und wie wichtig ist Schönheit eigentlich?

Die erste Redensart, die lautet „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ besagt ja, dass äußerliche Schönheit eines Objektes oder eines Lebewesens von jedem anders definiert, wahrgenommen wird, weil jeder Mensch ein subjektives Verständnis von Schönheit hat. So findet der eine Mensch vielleicht als Beispiel eine Person mit sehr dünner Taille, flachem Bauch, langen Beinen und dünnen Armen schöner, als eine Person, die einen leichten Bauchansatz hat oder etwas fülliger ist. In so weit ist die Redensart natürlich zutreffend.

Äußerliche Schönheit mag sicher auch manchmal vorteilhaft sein, da man mehr Aufmerksamkeit bekommen könnte und mit weniger Ablehnung zu tun hat. Körper- oder verhaltensauffällige Menschen im Gegensatz bekommen jedoch oft eher negative Aufmerksamkeit – zumindest wirkt es oft auf den ersten Blick so; dass kann aber (aus eigener Erfahrung) täuschen.

In Bezug auf eine Anstellung könnte die äußerliche Schönheit vielleicht auch weiter helfen, da beispielsweise in einer Boutique eher ein Mensch eingestellt wird, der jung, fit, schlank und (für das Verständnis des Besitzers) gut gekleidet ist, als jemand, der übergewichtig ist, sich aber dennoch körperbetont kleidet.

Aber: „Schöne“ Menschen, die ein sehr symmetrisches Gesicht haben, sehr schlank sind, fit wirken, gut gekleidet sind (Hier gehe ich von der gesellschaftlichen Norm aus), haben auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Ihnen wird oft unterstellt, dass sie „nur“ schön seien, aber nichts anderes leisten könnten, vielleicht dumm seien,… ihnen wird häufig Neid und Missgunst entgegen gebracht. Zudem ist aber äußerliche Schönheit auch vergänglich (zumindest auf Lebewesen bezogen) und deswegen sollte sie nicht als besonders erstrebenswert angesehen werden – sie bleibt nicht bestehen, zumindest nicht in dem Maße, in dem sie in der Jugend ist.

„Wahre Schönheit kommt von innen“ ist ein Redensart, die sich jedoch nicht wie die erste Redensart auf die äußerliche, subjektiv wahrgenommene Schönheit“ bezieht, sondern auf den Charakter (in diesem Blog bezogen auf die Menschen). Diese Redensart bezieht sich vielmehr auf den Charakter eines Menschen und dessen Verhalten gegenüber sich selber, aber besonders auch gegenüber anderen.

Kein Mensch wird etwa von sich behaupten, dass er es schön, wünschenswert oder erstrebenswert fände einen anderen Menschen zu bestehlen.

Was die innere Schönheit, den Charakter eines Menschen und sein Verhalten anbelangt so gibt es hier sicher ein objektiveres, gesellschaftliches Verständnis. Die meisten Menschen werden konform gehen, dass ein Mensch, der ehrlich, freundlich, hilfsbereit, höfflich, offen, tolerant und human ist einen schönen, guten, wünschenswerten Charakter besitzt. Verhaltensweisen, die als schön angesehen werden dürften sind beispielsweise das Engagement gegen Ausgrenzung, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, aber auch sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von anderen Maschen beeinflussen oder manipulieren zu lassen, zu hinterfragen und skeptisch zu sein.

Diese Schönheit, wenn man sich nicht von anderen verändern lässt, sich treu bleibt und sich immer wieder vor Augen führt warum es so wichtig ist, kann jedoch – im Gegensatz zur äußerlichen Schönheit – bestehen bleiben.

Die innere Schönheit bringt aber im Gegensatz zur äußeren Schönheit keine Vorteile, macht aber vielleicht glücklich.

Was also nutzt es äußerlich schön zu sein, wenn keine innere Schönheit vorhanden ist?

© S. Stolzenberg

Published in: on 24. August 2017 at 20:52  Schreibe einen Kommentar  

Mal wieder Urlaub :-)

Nachdem wir letztes Jahr nicht in Urlaub fahren konnten, wurde es mal wieder Zeit für uns, besonders, weil wir dieses Jahr einige harte Zeiten durchgemacht haben, worauf ich hier aber nicht weiter eingehen möchte, da es auch die Privatsphäre anderer verletzten würde…

Am 29.08. war es dann endlich soweit und wir konnten in den Uralub nach Bredene starten, fuhren aber etwas später los, da wir erst gegen 15 Uhr die Schlüssel bekommen konnten. Nachdem wir dann die Taschen in die Wohnung geladen hatten, wollten wir essen gehen, hatten vorab auch schon mal im Internet geschaut wo man gut essen gehen könnte und das Lokal, das wir uns ausgeguckt hatten sollte ein sehr gutes sein – es existiert nur leider bereits seit einem Jahr nicht mehr, wie wir erfuhren. Wir gerieten dann auch noch in einen starken Regenschauer und wurden sehr nass. Ein „schöner“ Start in den Urlaub, besonders da das Essen in dem Hotel, in dem wir dann waren auch nicht besonders lecker war 😦 . Unser Junior war dadurch dann natürlich etwas unruhige und wieder in der Wohnung dann auch kurzzeitig mal etwas lauter, was uns dann eine Beschwerde der Nachbarin unter uns einbrachte, die aber scheinbar bemerkte, dass wir Urlauber sind, die sie nicht verstanden, da sie auf flämisch mit uns sprach…

An unserem zweiten Urlaubstag konnten wir dann durch etwas besseres Wetter auch endlich an den Strand und unser Wirbelwind wollte direkt mit den Füßen ins Wasser, lief immer wieder auf die Wellen zu und dann davor weg :-D.

 

Am Abend sind wir dann nach De Haan gefahren, wo wir ein bißchen Zeit an der (in Bredene nicht vorhandenen) Promenade und am Strand verbrachten und im Tiffanys sehr lecker gegessen haben :-).

Am folgenden Tag sind wir dann nach Blankenberge gefahren, um uns da ein bißchen die Fußgängerzone und das Serpentarium anzusehen, dass zwar klein ist, aber dennoch sehr schön und die Fußgängerzone lohnt sich eh immer wieder :-). Natürlich waren wir dann aber auch wieder am und im Wasser.

Wir konnten dabei auch einigen Möwen sehr nah kommen, die wenig scheu waren und hatten ein sehr schönen Tag. Am Abend wurden wir dann noch (nach dem ersten selbst gekochten Essen) mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt:

An Tag vier wollten wir dann mal etwas geschichtlich relavantes erkunden und fuhren nach Oostende, um uns da das Fort Napoleon anzusehen, in dem eine Bilderausstellung zu sehen war.

 

Wir haben dann auch schon ein bißchen den Bereich des Yachthafens erkundet:

Da es aber schön war warm war (ich hab mir da einen ordentlichen Sonnenbrand geholt), haben wir uns dann erst mal in der Wohnung umgezogen und ein wenig ausgeruht, bevor es wieder nach Oostende gin, wo wir dann den japanischen Garten besichtigt haben, auf der Promenade unterwegs waren, wieder sehr lecker gegessen haben (an diesem Tag… dazu aber später mehr) und wieder am und im Wasser waren, wobei unser Junior diesmal nicht mit den Wellen „fangen spielen“ wollte, sondern immer wieder über die kleinen Wellen gesprungen ist und damit sein „Schlümpfeeis, dass es zum Nachtisch gegeben hatte, verdauen konnte :-D. Außerdem haben wir eine riesengroße Feuerqualle gesehen…

 

Leider war das aber auch der einzige sehr sonnige Tag, den am folgenden Tag hat es fast nur geregnet :-(. Wir haben den Tag deswegen überwiegend in der Wohnung verbracht, sind aber auch in Regensachen an den Strand und mit den Füßen in das (an diesem Tag sehr kalte) Wasser gegangen. Spannend war für Junior heute dem Training der LIfe guards zusehen zu können.

Unser vorletzer Tag war vor allem eins: Sehr windig, so dass wir erst mal im Ort unterwegs waren:

Auf dem letzten Bild kann man gut erkennen wir windig es war…

Abend sind wir dann nochmal nach Oostenden gefahren, wo wir den Bereich vom Yachthafen zur Promenade erkundet haben und dann eigentich auch nochmal lecker essen gehen wollten. Wir waren im selben Lokal wie beim ersten mal in Oostende aber diesmal war das essen gar nicht gut – die Steaks haben wir sogar zurück gehen lassen und die Pizza für unseren Sonnenschein, die nicht scharf sein sollte, war scharf, so dass er in der Wohnung nochmal ein Brot aß… :-(. Aber immerhin konnten wir nochmal ein paar tolle Eindrücke erfahren, Möwen ganz nah kommen und ein paar tolle Bilder machen:

Da es in Bredene, wo wir und noch ein wenig Strandsand mitgenommen hatten, leider keine Spielhallen gibt, in denen auch Kinder spielen sürfen, wollten wir unserem Wirbelwind dann eine Freude machen und sind deswegen mit ihm nach Koksijde gefahren, da wir wussten, dass es diese Spielhallen dort gibt (immerhin waren wir vor zwei Jahren da im Urlaub), aber die eine existiert nicht mehr und die andere hatte zu 😦 Außerdem war uner Schatz völlig damit überfordert, dass wir dahin gefahren sind, obwohl wir ihm gesagt, dass wir an diesem Tag nach Hause fahren würden (obwohl wir ihn darauf vorbereitet hatten) und so haben wir da nur ein paar MUscheln gesammelt und uns dann auf den Weg nach Hause gemacht. Leider kamen wir dann noch in einen Stau und haben uns ein bißchen verfahren, wodurch wir fast vier Stunden unterwegs waren und dementsprechend geschafft am Abend zu Hause ankamen.

Jetzt heißt es dann erst mal wieder im „Alltag“ ankommen, wobei in den weiteren Ferienwochen noch viele tolle Ausflüge geplant sind :-).

 

 

Published in: on 6. August 2017 at 01:19  Schreibe einen Kommentar  

Der Täter im Fokus, das Opfer wird vergessen

Im Rahmen einer Diskussion, die ich heute auf Facebook verfolgt habe, auf die ich hier aber gar nicht weiter eingehen möchte, weil es nicht lohnt, ist auch eine Äußerung gefallen, die leider zutreffend ist und mich dennoch wütend gemacht hat. Diese konkrete Aussage besagte, dass Sexualdelikte durch Fremdtäter generell immer zu einer starken Verunsicherung von Frauen aus dem jeweiligen Ort führen würde – ganz im Gegensatz zu Sexualdelikten, die durch Täter begangen werden, die aus dem direkten Umfeld des Opfers kommen.

Anmerkung: Es ging um einen konkreten Fall, in der die Polizei Frauen gewarnt hatte abends nicht mehr das Haus zu verlassen, sich in Gruppen aufzuhalten, weil der vermeintliche Täter, der auch gefasst wurde, vier Frauen vergewaltigt hatte. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, ist mir nicht bekannt, spielt für den Inhalt dieses Blogbeitrages aber auch keine entscheidende Rolle.

Dieser Satz, dass ein Sexualdelikt mit einem Fremdtäter zu einer stärkeren Verunsicherung führt, da er meist stärker in den Medien präsent ist, stimmt zwar leider, machte mich aber dennoch wütend und war Grund genug für mich diesen Blogbeitrag zu schreiben. Warum? Das erläutere ich im Folgenden.

Missbrauch durch einen bekannten Täter:

Ein Missbrauchsfall ist immer schlimm, aber bei den meisten Delikten handelt es sich nicht um Fremdtäter, sondern um bekannte Täter – meist sogar Verwandte des Opfers, wodurch sich die Opfer noch schwerer tun den Missbrauch zur Anzeige zu bringen. Hier spielen neben dem Schamgefühl und der Angst oft auch ein Gefühl mitschuldig zu sein oder ein falsches Verständnis von Verantwortung mit rein, da die Opfer oft denken andere Verwandte schützen zu müssen – sie nicht belasten zu wollen und deswegen wird geschwiegen. Es ist also schwer genug sich zur Anzeige durchzuringen, aber dann muss das Opfer immer und wieder über den Missbrauch sprechen – im der Vernehmung, im Gerichtsprozeß. Dennoch wird es auch durch die Medien verschwiegen, selbst, wenn mal ein solcher Missbrauchsfall bekannt wird – nur die wenigsten werden medial erwähnt und dann selten ähnlich stark wie ein Fall durch einen Fremdtäter. All das wird bei der Aussage über Missbrauchsfälle durch Fremdtäter völlig außer Acht gelassen.

Gäbe es ähnlich intensive Berichte über diese Missbrauchsfälle würden diese anderen Frauen aus dem direkten Umfeld des Täters sicher ebenso verunsichern, wie es bei Fremdtätern der Fall ist.

Missbrauch durch einen Fremdtäter:

Der Missbrauch durch einen Fremdtäter löst in vielen Opfern neben Schamgefühlen und Angst auch das Gefühl aus vielleicht zu wenig Gegenwehr gezeigt zu haben, andere Opfer sehen sich Vorurteilen der schwachen Frau ausgesetzt oder sogar Äußerungen, dass sie eine Mitschuld tragen würden, weil sie aufreizend angezogen waren. Die wenigsten von ihnen haben den Mut und die Kraft den Täter anzuzeigen und sich immer wieder mit dem erlebten Missbrauch auseinander zu setzten. Das zusammen mit dem erlebten Missbrauch wäre schon schlimm genug für die Opfer, aber damit nicht genug.

Sie werden nicht mehr als Individuen wahr genommen, auf das Opfersein reduziert und dennoch mit der Zeit vergessen.

Warum das?

Es ist ganz einfach: In den Medien wird kaum über die Opfer berichtet, jedoch sehr viel über den Täter – seine Herkunft, seine Lebenssituation, seine Beweggründe, sofern diese in den Ermittlungen ersichtlich werden, das Strafmaß, das verhängt wird – über die Opfer jedoch schreibt dann kaum noch einer – es sei denn in Fällen wie dem von Natascha Kampusch.  Auch in privaten Gesprächen jedoch geht es kaum jemanden darum wie es dem Opfer geht, welche Hilfen es benötigen könnte, was präventiv getan werden könnte oder in welcher Lebenssituation das Opfer war, als es den Missbrauch durchleben musste. Auch diese Dinge wären wichtig zu untersuchen denn dadurch könnte geschaut werden was getan werden könnte, um Opfer besser zu schützen – ein Mensch, der wenig Selbstbewusstsein hat etwa wird schneller zum Opfer, als ein selbstbewusster. Dazu kommt, dass man den Opfern eigentlich nur dann Gehör schenkt, wenn sie über das durchlebte berichten, es staut sich eine Wut und eine Ohnmacht auf und damit wird der Fokus auf den Täter, den Missbrauch und das Opfersein gelegt, nicht darauf den Menschen im Opfer zu sehen. Jede Frau, die Opfer wurde, ist nicht nur Opfer, sondern eine Individuelle Persönlichkeit, die vielleicht keine Gesprächstherapie benötigt, aber sich dennoch gerne austauschen möchte, eine Frau, die dazu aber gar nicht mit anderen ins Gespräch kommen dürfte, es sei denn der Gesprächspartner war selbst einmal Opfer eines Missbrauchsfalls.

Warum passiert das?

Natürlich ist die Wut und die Ohnmacht verständlich, wenn über einen Missbrauchsfall berichtet wird – es wäre auch schlimm, wenn uns das nicht berühren würde, es ist auch gut, dass meist wenige persönliche Informationen über das Opfer bekannt werden, da sich Angehörige sonst vielleicht mit Vorwürfen konfrontiert sähen, dass sie nicht da waren um zu beschützen und hätten damit keines Zeit mehr für das Opfer da zu sein. Genauso wichtig ist es auch, dass der Täter nicht namentlich genannt wird, damit seine Familie geschützt ist. Aber dennoch sollte der Fokus nicht auf den Tätern liegen.

Welche Alternativen gäbe es?

Man könnte statt den Fokus auf die Tat an sich zu legen einen kurzen objektiven Bericht schreiben ohne auf all die Dinge, die den Täter ausmachen einzugehen. Diesen kurzen Bericht könnte die Presse dann zum Anlass nehmen mal mit ehemaligen Opfern Interviews zu führen welche Hilfen sie sich gewünscht hätte – in finanzieller Hinsicht, aber auch was Therapien betrifft oder den Umgang der Gesellschaft mit ihnen. Es könnten Interviews mit Beratungsstellen wie Tauwetter, Wildwaser, Zartbitter und weiteren geführt werden oder auch mit Mitarbeitern des Projektes „kein Täter werden“. Warum wird nicht mal ein Bericht über das Theaterstück „mein Körper gehört mir“ geschrieben oder ein örtlicher Verein vorgestellt. Nein damit werden die Opfer alleine gelassen. Sie müssen sich alleine auf die Suche nach einem guten Anwalt machen, sich über den Ablauf eines Prozesses informieren, sich eine Beratungsstelle suchen, sich wegen einer Entschädigung informieren, einen Therapieplatz suchen und vieles mehr, während über den Täter und den Prozess ausführlich berichtet wird. Und wäre das all das nicht schlimm genug werden sie dann auch noch auf das Opfersein reduziert und damit wird dann rechtfertigt, dass viele Frauen im betroffenen Ort Angst haben. Diese Ängste sind schlimm und nachvollziehbar, aber warum wird dann nicht darüber berichtet wie man präventiv handeln könnte – etwa durch einen Selbstverteidigungskurs. Man könnte darüber schreiben, dass potenzielle Opfer in einer Gefahrensituation laut werden sollten, sich Gehör verschaffen sollen, das sie nicht nur schreien, sondern auch treten, kratzen, beißen dürfen und müssen, dass öffentliche Orte aufgesucht werden sollte, die hell sind und an dem sich viele Menschen aufhalten, dass man Kindern nicht beibringe sollte sich nur an ein Geschäft zu wenden, da auch da potenzielle Täter sein könnten, sondern besser an die örtliche Feuerwehrleitzentrale oder die Polizeistation.

Warum all das nicht geschieht kann ich nur mutmaßen, dass es vielleicht aus der Wut der Journalisten über die Missbrauchsfälle begründet ist…

All diese Empfindungen und unzureichenden Hilfen sind aber für Opfer schon schwer genug auszuhalten, wird dann aber noch die pauschale Angst der Frauen im Ort mit der eigenen erlebten Missbrauchserfahrung begründet ohne jegliche weitere Gedankengänge zu der Thematik Missbrauch zu äußern (etwa welche Hilfen geschaffen werden könnten) ist das ein Missbrauch mit dem Missbrauch, da die Opfer in Vergessenheit geraten oder im besten Fall „nur“ auf ihr Opfersein reduziert werden, sie aber dennoch kaum Gehör bekommen.

Das sind dann Äußerungen, die mich durchaus wütend stimmen!

© S. Stolzenberg

„Groß werden ist manchmal doof“

Unser kleiner Wirbelwind hat im Laufe seines bisherigen Lebens schon so einiges gelernt. Neben den für viele selbstverständlichen Dingen wie laufen und reden (die übrigens bei weitem nicht so selbstverständlich sind, wie es die meisten annehmen) auch schon erste kleine Aufgaben zu übernehmen – etwa den Tisch mit einzudecken oder auch sein Zimmer aufzuräumen. Aber er hat zu Hause, bei der Verwandtschaft, in Kindergarten und in der Schule auch schon erste soziale Regeln gelernt, etwa, dass man nicht alles abgenommen bekommt, nur, weil man immer wieder nach Hilfe fragt, wenn die Bezugspersonen aber wissen, dass man es alleine kann, nicht immer laut zu sein, sondern sich mal leise zu unterhalten oder auch, dass man zu anderen nett sein sollte, also nicht hauen, beißen, treten,… darf, weil das weh tut. Bereits bekannte Regeln kann er auch gut umsetzten, fordert das auch von anderen ein (sitzen bleiben beim Essen zum Beispiel) und ärgert sich auch, wenn sich jemand nicht daran hält. Er ist auch sehr höflich und fragt nach dem Essen beispielsweise auch erst, ob er aufstehen darf, bevor er das tut.

Es gibt dann aber auch immer wieder neue kleine Aufgaben, die er übernehmen soll (aktuell zu Hause das selbstständige einschenken des Getränkes, bei dem es noch Diskussionen gibt, weil er sich da unsicher ist), aber auch immer mal wieder neue Situationen und dazu neue soziale Regeln zu lernen. Einen solchen Fall hatten wir gestern.

Unser Wirbelwind möchte aktuell immer und überall Erster sein und kann noch nicht verstehen warum das manchmal nicht so ist. Am Ende eines Unterrichtstages bekommen die Kinder in der Schule für ( auch überwiegend) gutes Verhalten (einhalten der Regeln, übernehmen der zugeteilten Aufgaben ohne große Diskussionen,..) Smileys. Unser Schatz sollte nun der letzte sein, der seine Smileys bekommen würde und hat sich massiv darüber geärgert, wusste scheinbar nicht wohin mit seiner Wut und hat daraufhin einen Jungen H., der mit ihm im Bus befördert wird, als „Dummkopf“ bezeichnet, was natürlich nicht in Ordnung ist. Als er dann zu Hause war (und der Busbegleiter mir das schon mitgeteilt hatte), begrüßte er mich mit den Worten „Mama ich war böse“ und berichtete mir was er getan hatte. Ich lobte ihn dafür, dass er mir das erzählt hatte, weil das nicht selbstverständlich ist, dass man seinen Fehler eingesteht (wobei er das aktuell in der Autismustherapie lernt), erklärte ihm aber auch, dass es gemein ist, wenn man andere Kinder beschimpft, weil man sich über etwas geärgert hat (auch dann nicht, wenn das Kind der Grund dafür ist). Er sagte, dass er das verstünde und es ihm leid täte, er sich aber so sehr ärgern würde, weil er nicht Erster war und ich erklärte ihm, dass es für jedes Kind wichtig ist mal als erster an der Reihe zu sein, weil das ein besonderes Gefühl ist und die anderen Kinder traurig würden, wenn sie nie erster sein könnten, weil er es immer sei. Ich erklärte weiter, dass er als eines der großen Kinder (Bei ihm sind erste und zweite Klasse zusammen in einer Klasse, da er auf eine Förderschule geht) doch auch das Einhalten der Regeln fördern solle und dazu auch gehöre, dass jedes Kind dieselben Rechte hat, also jeder auch mal Erster sein dürfe. Er erklärte mir, dass er das verstünde, ihn das trotzdem traurig und ärgerlich machen würde, er es aber versuchen würde und zusammen überlegten wir wie er besser mit seinem Ärger umgehen könnte und fanden heraus, dass es ihm hilft, wenn er seinen Igelball, den er eh immer zur Schule mitnimmt (weil er ihm ein Gefühl von Sicherheit gibt) drückt. Er bedankte sich für meine Hilfe, sagte dass er meine Erklärung verstanden hätte und fasste zusammen „groß werden ist manchmal doof“.

Ja mein Schatz das ist es, aber Du machst das schon ganz toll 😉 .

© S. Stolzenberg

Published in: on 7. März 2017 at 23:06  Schreibe einen Kommentar  

Blogparade „Brief für Dich“ oder „Was ich an Dir schätze“

Ich möchte hier gerne eine Blogparade mit dem Titel Brief für Dich ins Leben rufen, wobei die Briefe von Eltern an ihre Kinder geschrieben werden sollten und da all das hervor gehoben werden sollte, was unsere Kids besonders gut können, was wir an ihnen schätzen und welche liebenswerten Eigenschaften sie haben.

Mein Brief ist an unseren kleinen Wirbelwind, wobei ich erklärend hinzufügen sollte, dass er Autist mit Entwicklungsverzögerung und Wahrnehmunsstörung ist.

Unser kleiner Wirbelwind Du  bist ein wundervoller, liebenswerter kleiner junger Mann, der mir eine Welt gezeigt hat, die ich vergessen hatte. Durch Dich kann ich mich wieder an all den kleinen, scheinbar selbstverständlichen Dingen des Lebens wie einem Schmetterling im Frühling, einer kühlen Brise im Sommer, einem bunten Blatt im Herbst oder auch dem fallenden Laub, einem Schneemann im Winter und vielen anderen Dingen erfreuen, die ich lange nicht mehr wirklich wahr genommen habe. Durch Dich fallen mir diese Dinge wieder stärker auf und ich kann sie mehr genießen. Ich freue mich wieder mehr über das Singen der Vögel oder einen spielenden Hund, weil ich durch Dich erkannt habe, dass es keine selbstverständlichen Dingen sind, diese wahrzunehmen. Ich möchte Dir danke sagen für Deine lebensfrohe, lebensbejahende und offene Art, obwohl Du immer wieder zu kämpfen hast mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, weil sie mit deiner „anderen“, teils wilden Art nicht umgehen können und du dich auch (noch) nicht so gut ausdrücken kannst. Danke für Deine Freundlichkeit, die ansteckend ist und jedem zum lächeln bringt, der von Dir angesprochen wird. Ich möchte Dir auch danken, dass Du immer uns immer wieder in Deine Welt mitnimmst, in der es so viel Schönes zu erleben und entdecken gibt. Durch Dich bin ich kreativer geworden, da Du Deinen Körper nicht so gut spüren kannst und lange Zeit nur feste Reize zulassen konntest, wodurch wir tolle Spiele entwickelt haben, die andere Familien gar nicht kennen. Du hast mir wieder gezeigt, dass Kommunikation eben nicht nur Sprache, sondern auch Gestik, Mimik und auf Dinge zeigen bedeutet – eine Kommunikation, auf die ich lange Zeit gar nicht mehr so stark geachtet habe. Danke Dir habe ich das wieder gelernt, weil Du lange kaum gesprochen hast. Durch Dich und besonders durch Deine Behinderung habe ich gelernt, dass man jedem Menschen vorurteilsfrei und offen begegnen sollte (was ich vorher nicht immer von mir sagen konnte) und sich erst durch das Kennenlernen des Menschen ein Bild schaffen kann. Ich danke Dir dafür, dass Du dem Temperament Deines Papas eine ansteckende Ruhe und Gelassenheit entgegenbringst, so dass er gelernt hat wie es sein kann über viele kleine Ärgernisse hinweg zu sehen. Ich danke Dir dafür, dass Du uns jeden Tag forderst, um uns immer wieder mit Deinem ansteckenden Lachen dafür zu danken. Ich habe durch Dich gelernt zu kämpfen und mit allem was ich habe und bin für das einzustehen, was mir wichtig ist oder Dir zusteht. Ich habe durch Dich gelernt, dass es nicht wichtig ist wann ein Entwicklungsschritt erfolgt, man sich sogar, wenn er erst verspätet eintritt umso mehr darüber freuen kann und bin über jeden kleinen Fortschritt, den Du machst mächtig stolz. Ich danke Dir dafür, dass Du für andere einsteht und bei Ungerechtigkeiten auch deren Recht einforderst und stolz darauf, dass Du andere nicht nur beschützen möchtest, sondern sie auch tröstest, wenn sie traurig sind. Du bist, wenn Dein Papa nicht da ist, der Mann im Haus und ich finde es toll, wie ernst Du das nimmst (manchmal aber zu sehr). Ich danke Dir, dass wir immer wieder eine spannende, interessante und aufregende Zeit mit Dir erleben dürfen und Du unser Leben so sehr bereicherst. Ich danke Dir, dass Dein Papa und ich sooo wichtige Menschen für Dich sind und wir Deine Eltern sein dürfen. Danke, dass Du unser Sohn bist. ♥ ♥ ♥

Ich würde mich freuen, wenn sich hier viele Menschen mit Briefen an ihre Kids beteiligen würden (nicht nur per Blog, sondern auch gerne über die Kommentarfunktion hier oder auf meiner FB-Seite) natürlich auch gerne, wenn das Kind kein Handycap hat ;-).

© S.Stolzenberg

Das pauschale Verurteilen eines Menschen

Ich lese leider sehr oft in den diversen Gruppen in Facebook, wo ich sehr aktiv bin, dass behinderte Kinder – im besonderen mit einer geistigen Behinderung, AD(H)S und/oder Autismus – wegen bestimmter, für Außenstehende nicht nachvollziehbarer Verhaltensweisen, als schlecht erzogen, frech, dumm, böse seien und man oft auch „gesunde“ Regelkinder, die Geschwisterkinder sind bevorzugt behandelt, meist aber nicht mal von Fremden, wie man es meinen könnte, sondern leider überwiegend von Familienmitgliedern (oft der älteren Genration) und dazu möchte ich heute mal etwas schreiben….

Ich verstehe durchaus, dass es für viele Menschen, die sich nicht mit den Behinderungen beschäftigt haben, sich nicht oder nur sehr wenig informiert haben und einige Verhaltensweisen dann durchaus nicht verstanden werden oder sogar als frech, aufmüpfig,.. verstanden werden könnten. Ich kann auch durchaus nachvollziehen, wenn dann das Kind darauf angesprochen wird und man diese Handlung (hauen, treten, weinen, schreien als Beispiele) kritisiert und erklären möchte warum ein solches Verhalten als unangemessen und frech empfunden wird. Ich kann es ebenfalls verstehen, dass es eine Überforderungshandlung sein kann, wenn ein Kind für eine als unangemessen empfundene Handlung kritisiert wird, aber ich kann es nicht verstehen, wenn deswegen der gesamte Mensch abgewertet wird. Ein Kind, das sich (scheinbar) frech, böse, dumm,… verhält, ist es deswegen nicht!

Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen und auch daran sollte in der Situation gedacht werden, natürlich darf ein hauen nicht einfach abgetan werden und eine Diagnose kann und sollte auch nicht ein solches Verhalten entschuldigen, aber es kann dieses Verhalten erklären und man sollte dann zwar darauf angemessen reagieren, aber der Persönlichkeit des Kindes entsprechend. Man sollte nicht direkt sanktionieren, sondern erst mal erklären warum man nicht so handeln darf und bei bewusster (nicht diagnoseabhängiger) Wiederholung sollte es zu einer Konsequenz kommen.

Wir alle machen Fehler, reagieren mal über oder verhalten uns unschön, möchten dann aber auch nicht umgehend als Arschloch, dumm, böse,.. dargestellt werden, sondern lieber kritisch darauf hingewiesen werden, dass man überreagiert, sich falsch, übertrieben, unpassend verhalten hat – vielleicht noch mit einem Hinweis wie man es hätte besser machen können.

Warum wird dann gerne bei Kindern – im speziellen mit einem Handicap – so schnell pauschal verurteilt? Sind diese Kinder weniger wert? Haben diese Kinder nicht dieselben Rechte, wie jeder andere?

Das besonders schlimme daran ist aber, dass die Eltern, die aufklären, erklären, Beweggründe näher bringen, informieren oftmals nicht ernst genommen werden, Diagnosen als falsch dargestellt werden und Aufklärung nicht nutzt, sondern diese Kinder weiterhin pauschal verurteilt werden.

Traurig, dass Menschen Rechte für sich einfordern, diese aber nicht auch auf andere anwenden…..

© S. Stolzenberg

Das erste bewusst wahrgenommene Weihnachtsfest oder auch Weihnachten (fast) ohne Stress

Schon in der Vorweihnachtszeit konnten wir feststellen, dass unser Wirbelwind dieses Jahr Weihnachten sehr viel bewusster wahr nehmen würde, als in den letzten Jahren, da er nicht nur täglich darauf bestand seine Türchen vom Adventskalender zu öffnen, sondern auch spätestens nach Nikolaus täglich fragte wann denn nun endlich Weihnachten sei und er seine Geschenke bekommen würde. Anfangs konnten wir das nur mit Hilfe des Kalenders zeigen, später reichte es dann, wenn wir antworten wie oft er noch schlafen müsste und er zählte dann auch immer mit. Je näher Weihnachten kam, umso nervöser und aufgeregter wurde unser Wilder, aber er wollte dieses Jahr auch zum ersten mal einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben, indem er sich aber nicht „nur“ seine Geschenke wünscht, sondern auch, dass es allen Familienmitgliedern gut gehen sollte und einem Familienmitglied im speziellen vom Weihnachtsmann geholfen werde sollte, dem es leider schon länger (alter- und krankheitsbedingt9 nicht mehr so gut geht…..er bekam auch eine (leider standardisierte)  Antwort, die wir ihm aufgehoben haben in seinem Erinnerungsbuch.

 

Es dauerte ihm viel zu lange, doch nach langem warten, war dann endlich Weihnachten und es musste „nur“ noch die aufregende Wartezeit bis zum Heiligabend geschafft werden, in der wir viel spielten, meine Oma besuchten und schon mal das Essen kochten, während unser Wilder fernsah.

 

Dann war es endlich soweit und der Weihnachtsmann war da und unser süßer Wildfang war ganz aufgeregt und nervös, konnte kaum auf seinem Stuhl sitzen bleiben, rückversicherte sich immer wieder bei Papa und Mama, hörte dem Weihnachtsmann aber auch ganz gespannt zu. Als dieser unserem Süßen erklärte, dass wir zusammen noch daran arbeiten müssten, dass er bei Müdigkeit nicht so übermäßig albern wird, wurde er sehr ruhig und war angespannt, freute sich dann aber umso mehr, als der Weihnachtsmann ihn dafür lobte wie hilfsbereit, freundlich, fröhlich, mitfühlend, rücksichtsvoll,….. er ist und war auch etwas stolz auf sich und versprach dem Weihnachtsmann, mit dem er auch ein Foto machen durfte mit dem auspacken der Geschenke zu warten, bis der Weihnachtsmann wieder weg sei. Er war dann nur ein wenig enttäuscht, weil er die Rentiere nicht sehen konnte, die laut Weihnachtsmann aber vor der Stadt standen. Er war dann aber erst mal hungrig, so dass wir erst aßen und er dann erst seine Weihnachtsgeschenke vom Weihnachtsmann, den beiden Wichteln und seiner FUD-Fee auspackte. Er freute sich über jedes einzelne Geschenk ganz doll und kam aus dem Staunen gar nicht heraus – da merkten wir, dass er es zum ersten Mal richtig bewusst erlebte 🙂 ♥ .  Er sagte nur noch „wie cool“, „super“ und bei den ganz besonders tollen Geschenken (auch jeweils einem von seinen Wichteln) „ich kann es kaum fassen“♥. Er war ein absolut glückliches Kind, das einfach nur strahlte und sein Glück kaum fassen konnte. Er bestand dann aber auch darauf, dass Papa und Mama seine aus der Schule mitgebachten und selbst gekauften  Geschenke auspacken sollte. Er war ganz stolz, dass wir uns so sehr über seine Geschenke freuten du ihm auch für eines davon (ein Bild) versprachen dafür einen Ehrenplatz zu finden. Unser Süßer wollte dann noch ein bisschen kuscheln und knutschen, sagte uns wie sehr er uns lieb hätte und bedankte sich für den wunderschönen Tag. ♥ ♥ ♥

 

Es war einfach nur ein schöner, glücklicher, fantastischer Tag, der uns alle mit Freude erfüllt hat ♥ ♥ ♥.

 

Der erste Weihnachtstag war für uns alle etwas stressiger, aber dennoch auch sehr schön. Zum Frühstück kam eine unserer Nichten und ihre Mutter, die sehr schöne Geschenke für unseren Wilden hatten. Hier hat sich unser Schatz aber weniger über die Geschenke gefreut, sondern viel mehr mit seiner Cousine in seinem Zimmer spielen zu können, weil er sie gerne öfter sehen würde und sie als seine Freundin betrachtet. Er war dann auch sehr froh, dass sie seiner Bitte nachkam und wollte die beiden am liebsten gar nicht gehen lassen 😀 .  Dann durfte er ein wenig ausruhen, während Papa und Mama das Mittagessen machten und schon der nächste Besuch da war, nämlich meine Oma und meine Eltern, wobei sich unser Süßer nach dem Essen trotz der Freude über den Besuch erst mal zurück zog. Wir quatschten dann ein wenig, bevor unser Junior die Geschenke auspacken durfte, denen gegenüber er aber diesmal skeptisch war, weil er sich noch nicht kennt. Er zog sich dann aber schnell wieder zurück in sein Zimmer und blieb auch dort, während wir uns noch sehr schön unterhielten. Als unser Besuch ging, verabschiedete sich unser Schatz kurz, ging wieder in sein  Zimmer, bis es Abendessen gab und wollte dann nur noch ins Bett, weil der Tag für ihn auch anstrengend war, weil er viele liebe Menschen gesehen hatte, was positiver Stress bedeutet.

 

Und dann konnten wir wieder einen Tag gemütlich und ruhig beginnen, der aber leider später sehr unschön wurde….

Wir machten mittags nämlich noch einen weiteren Weihnachtsbesuch, wobei ich hier unter anderem aus einem gewissen Respekt der Peron gegenüber nicht ausführen werde, in welchem Verhältnis sie zu uns steht, aber so viel sei gesagt: Es ist zwischen der Person, meinem Mann und mir ein schwieriges Verhältnis aus unterschiedlichen Gründen, dass sicher mit dazu beigetragen hat was sich ereignete….

Wir wollten mittags den Besuch machen und unser Junior, der etwas müde war, freute sich auch sehr darauf. Dort angekommen sollte er seine Geschenke auspacken, was aber nach einem Einwand meinerseits auf später am Tag vertagt wurde und unser Wirbelwind fragte nach seinem Tablet, dass wir immer dorthin mitnehmen, weil es eine Umgebung ist, in der unser Schatz nicht so aktiv und in Bewegung sein kann, wie er es gerne wäre, was natürlich für jedes Kind anstrengend ist. Mit seinem Tablet hat er dort aber auch etwas zu tun und das ist nicht so anstrengend. Die Person verneinte dieses, aber wir gaben unserem Schatz das Tablet, damit er ruhiger werden könnte. Später gingen wir in einen anderen Bereich der Umgebung und unser Schatz packte seine Geschenke aus, die ihn aber wegen seiner Müdigkeit weniger interessierten uns spielte dann mit dem Handy meines Mannes, weil es mit dem Tablet nicht so klappte, wie unser Wirbelwind das gerne wollte…

Als wir uns auf den Heimweg machen wollten, bat ich unser Wilden das Handy auszumachen und er war wütend, weil er es nicht verstanden hatte, dass wir uns auf den Weg machen wollten, weshalb er (aus Überforderung) nach mir haute. Ich schimpfte mit ihm und als er sich seine Schuhe anzog, streckte mir unser kleiner Frechdachs seine Zunge raus, woraufhin ihn die Person als „Bösen Jungen“ bezeichnete :‘-( :-O .  Wir gingen mit unserem Süßen dann ein bisschen aus der Situation und er erklärte in dieser Umgebung zu feiern bedeute für ihn Stress, er wolle demnächst in einer anderen Räumlichkeit feiern und entschuldigte sich, nachdem ich ihm erklärte, dass er dennoch nicht hauen darf. Er hatte sich geärgert, dass er das er das Handy ausmachen sollte, weil er nicht mitbekommen hatte, dass wir nach Hause fahren wollten, Auch im Gespräch mit meinem Mann blieb die Person aber der Meinung unser Schatz sei böse und man könne nicht alles mit seinem Autismus entschuldigen, ohne sich je wirklich informiert zu haben. Natürlich kann man auch nicht jedes Verhalten damit entschuldigen, dass er Autist ist, aber das tun wir auch nicht – es erklärt aber sein Verhalten und darauf sollte man reagieren…

 

Den gesamten Heimweg über war unser Süßer sehr traurig du wir erklärten ihm zu Hause, dass diese Person ihn nicht so gut kennt, und darum etwas so gemeines gesagt hat, aber der Weihnachtsmann ihn ja öfter beobachtet und ihm gesagt, dass er ein lieber Junge ist und Papa und Mama das auch wissen, wodurch er zumindest nicht mehr so traurig war wie zuvor….

 

Weihnachten begann also sehr schön, sehr fröhlich und stressfrei, endete aber (zumindest für unseren Süßen) leider mit Stress, Anspannung, Traurigkeit und dadurch sehr unschön. Es wird nun aber einiges an Aufklärungs(sversuchen) der Person gegenüber geben, ein Gespräch im nächsten an einem anderen Ort zu feiern, damit sich unser Schatz auch mal zurück ziehen kann und sollte diese Person nicht bereit sei auf ihn einzugehen auch die Konsequenz, dass sie ihn weniger sehen wird…(was ich nur ungerne so umsetzten würde).

© S. Stolzenberg

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