Situation Pflegender und Behinderter in Deutschland

In diesem Blogbeitrag möchte ich auf die schlechte Situation von Pflegekräften und Behinderten aufmerksam machen, die sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert hat.

Es wird in den nächsten Jahren immer mehr Pflegebedürftige geben und dass die Anzahl an Pflegebedürftigen – gerade im Alter – stetig zugenommen hat, liegt alleine schon daran, dass die Geburtenrate immer weiter zurück geht, die deutsche Gesellschaft immer älter wird. Diese Menschen haben unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut und verdienen es vernünftig im Alter gepflegt zu werden. Sie sind, wenn die Angehörigen die Pflege nicht übernehmen können auf die Pflegekräfte angewiesen.

Über die Situation von Pflegekräften haben sicherlich die meisten schon einige Informationen – alleine schon wegen der aktuellen politischen Debatte dazu – dennoch bin ich der Ansicht, dass auf deren Situation nicht oft genug hingewiesen werden kann.

 

Der Pflegeschlüssel umfasst die Bruttoarbeitszeit, also auch Urlaub, Krankheits- und Fortbildungszeiten sowie die komplette direkte und indirekte Pflege. Ob der jeweilige bundeslandbezogene Pflegeschlüssel auch die Pflegedienstleitung, den Sozialen Dienst oder andere Stellen enthält, ist in den jeweiligen Rahmenverträgen nach § 75 SGB XI auf Landesebene geregelt. Nicht darin enthalten sind die „Zusätzlichen Betreuungskräfte“ nach § 87 b SGB XI. Auf Grund der unterschiedlichen Pflegeschlüssel, nicht nur zwischen, sondern auch teilweise innerhalb der Bundesländer kann es immer zu Abweichungen von den hier genannten Kennzahlen kommen.(Quelle:  http://www.score-personal.de/pflegeschluessel-in-der-altenpflege/).

In Deutschland herrscht jedoch ein immenser Fachkräftemangel, denn Deutschland liegt gegenüber vielen Ländern weit zurück bei der Personalausstattung in der Krankenhauspflege. Ein Pfleger kümmert sich hier im Schnitt um 13 Patienten, nachts wird es angesichts des knappen Personals besonders prekär, dann muss eine Pflegekraft in Deutschland durchschnittlich 26 Patienten versorgen. (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/krankenhaeuser-wie-viel-pflege-braucht-der-patient-a-1133685.html).

Das bedeutet ein erhöhtes Burn-out-Risiko der Fachkräfte, mehr Krankentage, die dann aber von Kollegen und Kolleginnen aufgefangen werden müssen und eine qualitativ und quantitativ schlechte Pflege der Pflegebedürftigen.

Den Fachkräften steht für eine gute Versorgung der Patienten zu wenig Zeit zu Verfügung, was durch eine hohen Zeitaufwand für Pflegedokumentation noch verschlimmert wird, denn ca. 80-90% der Pflegezeit wird zu Dokumentationszwecken benötigt (Erfahrungswert im Austausch mit Fachkräften – dazu habe ich leider keine Quelle finden können). Es gibt auch oft keine festgelegten Standards dazu wer zum Beispiel für das falten von Handtüchern zuständig ist (auch das übernehmen zum Beispiel oft die Pfleger) und somit ist es dann leider unvermeidlich, dass den Patienten nicht zeitnah geholfen werden kann, die vielleicht sogar in einem Notfall minutenlang auf Hilfe warten müssen oder über längere Zeit in ihren Ausscheidungen liegen müssen, weil die Pfleger zeitlich zu sehr eingespannt sind.

 

Eine unhaltbare Situation ohnegleichen, aber zu einer besseren Pflege bedarf dem Einsehen der Entscheidungsträger in der Politik, dass Pflege nicht nach Wirtschaftlichkeit organisiert und berechnet werden kann, denn hier geht es um Arbeit mit Menschen. Wie könnte man das in Zahlen fassen?

Die Situation, in der sich erwachsene Pflegebedürftige befinden, stellt sich aber leider auch oft als schlecht dar.

Es gibt Pflegebedürftige, die von ihren Angehörigen gepflegt werden, die es sicherlich insgesamt sehr gut haben werden, aber da ist es (erfahrungsgemäß) leider oft auch so, dass sich dadurch die Beziehung (oft) teils zum Negativen verändert – der Pflegebedürftige nur noch auf seine Krankheit/Behinderung reduziert wird, da die Pflegeperson keinerlei Auszeiten hat (wobei ich darauf noch eingehen werde). Gibt es eine Entlastung der Pflegeperson, ist der Pflegebedürftige jedoch auch auf eine gute Fachkraft angewiesen und speziell bezogen auf eine Kurzzeitpflege würde da wieder der Pflegenotstand in den Pflegeeinrichtungen problematisch sein.

Wird ein Pflegebedürftiger aber von einem Pflegedienst gepflegt, war es bisher so, dass der Grundsatz ambulant vor stationär galt. Dies hat sich mit dem neuen Pflegestärkungsgesetz grundlegend verändert, denn dieser Vorrang entfällt, sodass das Wohnen in den eigenen vier Wänden künftig oft nur dann „erlaubt“ werden wird, wenn es günstiger ist oder ein Leben im Heim unzumutbar ist. (sieh dazu §104 II SGB IX).

Doch es gibt noch weitere Einschränkungen durch das Pflegestärkungsgesetz:

  • Individuelles Leben – Fehlanzeige
    Nach dem Entwurf können viele Hilfen zwangsweise für mehrere Betroffene gleichzeitig erfolgen – das sogenannte „Poolen von Leistungen“. Individuelle Aktivitäten, wie sich mit Freunden treffen oder Kinobesuche, sind dann unmöglich. Es droht ein zwangsweises Leben in WGs und Heimstrukturen. (z.B. §116 II und §112 IV SGB IX)

Im Bundesteilhabegesetz wird in §116 Abs. 2 erstmals festgeschrieben, dass behinderte Menschen sich persönliche Assistenzkräfte teilen müssen, auch wenn sie dies nicht wollen.  Zwar wird diese Möglichkeit im Bereich des ambulanten Wohnens gemäß § 104 Abs. 3 S. 4 in Teilbereichen begrenzt, jedoch verbleibt es auch hier dabei, dass die Assistenz zum Beispiel in der
Freizeit gegebenenfalls gepoolt wird. Dies führt zu einer massiven Einschränkung der Selbstbestimmung. So kann zum Beispiel der Restaurant- oder Kinobesuch mit den eigenen Freunden verhindert, dafür aber eine Freizeitgestaltung mit anderen behinderten Personen, die
man sich nicht aussuchen kann, erzwungen werden. Auch die Auswahl der eigenen Assistenzkräfte, die man in die Privat- und Intimsphäre eindringen lassen muss, ist im Falle des Zwangspoolens nicht mehr möglich.

  • Behinderte dürfen nicht sparen
    Um die lebensnotwendigen Hilfen zu erhalten, dürfen behinderte Menschen kaum Geld sparen. Von ihrem Einkommen wird ihnen – neben den normalen Steuern und Sozialabgaben – 24% des über dem Freibetrag liegenden Einkommens abgezogen und Vermögen, also auch Bausparverträge oder Lebensversicherungen, dürfen sie nicht in einem Wert von mehr als zunächst 25.000 € besitzen (§137 II und §140 SGB IX). Bei Hilfe zur Pflege und auch bei der Blindenhilfe verbleibt es im Grundsatz bei 2.600 €.
  • Willst du mit einem behinderten Menschen zusammenleben? Gib dein Geld her!
    Wer mit einem behinderten Menschen in einer Partnerschaft lebt, muss – sobald man zusammen wohnt – so lange alle Hilfen für den Partner zahlen, bis er selbst weniger als 25.000 € besitzt. Ein geerbtes Elternhaus – weg. Eine Lebensversicherung – weg. (§140 I SGB IX)
    Bei Hilfe zur Pflege ist auch weiterhin zusätzlich auch ein Großteil des Partnereinkommens – weg.

Anmerkung dazu:

Menschen mit Behinderungen, die erwerbstätig sind und EGH beziehen, können künftig mehr von ihrem Einkommen und Vermögen behalten. Ab 2020 wird das Einkommen bis 30.000 Euro frei sein. Wer mehr verdient, leistet einen prozentualen Eigenbeitrag zu seinen Fachleistungen. Das Vermögen wird für diese Gruppe bis ca. 50.000 Euro anrechnungsfrei bleiben. Ab 2020 wird auch das Einkommen und Vermögen des (Ehe-)Partners anrechnungsfrei.

Für die 300 000 Beschäftigten in den Werkstätten wird das Arbeitsförderungsgeld auf 52 Euro verdoppelt. Für Empfänger von Grundsicherungsleistungen wird der Vermögensfreibetrag von heute 2.600 auf 5.000 Euro erhöht. – Nicht zuletzt schafft das BTHG neue Jobchancen in Betrieben und bessere Leistungen in Werkstatt, Weiterbildung und Studium. Im Zuge der Evaluierung des Bundesteilhabegesetzes werden wir prüfen, ob und in welchen Bereichen das Gesetz weiterentwickelt werden muss.

  • Behinderte sind nicht behindert genug
    Um Hilfen zu erhalten, muss man laut dem Entwurf in 5 von 9 Lebensbereichen eingeschränkt sein (§ 99 SGB IX). Wer z.B. aufgrund einer Sehbehinderung Hilfe zur Mobilität und beim Lernen benötigt, ist nicht behindert genug, um Eingliederungshilfe beanspruchen zu können.
  • Mit anderen Menschen kommunizieren? Nur wenn es wirklich wichtig ist!
    Hör- oder sprachbehinderte Menschen sollen nur dann Hilfen zur Kommunikation erhalten, wenn das aus „besonderem Anlass“ nötig ist. Sich mit Freunden, Bekannten oder der Kassiererin im Supermarkt verständigen – unwichtig. (§82 SGB IX)
  • Im Ausland studieren oder Entwicklungshilfe leisten? Nur wenn es billig ist!
    Hält sich ein behinderter Mensch vorübergehend im Ausland auf, erhält er dort nur dann Hilfen, wenn diese im Vergleich zu Deutschland bei gleicher Qualität günstiger sind. Ein Auslandssemester oder für eine Entwicklungshilfe-Organisation zu arbeiten – fast unmöglich. (§31 SGB IX)
  • Ein Behinderter will ehrenamtlich helfen? Dann soll er doch erstmal selbst um Hilfe betteln!
    Behinderte Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, erhalten hierfür keine Assistenz mehr. Sie sollen Familie, Freunde oder Nachbarn fragen. Andere Möglichkeiten sind nicht mehr vorgesehen. (§ 78 Abs. 5 SGB IX)

(Quellen hierzu: http://www.huffingtonpost.de/raul-krauthausen/die-10-groessten-maengel-_1_b_9882252.html und http://abilitywatch.de/2017/09/06/wahlpruefsteine/)

Unabhängig davon ist es aber auch so, dass es – gerade im Alter – immer mehr Pflegebedürftige gibt, die arbeitslos werden/sind und lange Zeit in der Arbeitslosigkeit verbleiben.

Und wer blind ist, hat aufgrund dieser Behinderung besondere Ausgaben, beispielsweise um eine Haushaltshilfe zu bezahlen oder um sich Hilfsmittel anzuschaffen. Blinde Menschen bekommen aber als Nachteilsausgleich kein Geld aus der Pflegeversicherung, sondern das Blindengeld. Es handelt sich dabei um eine freiwillige Leistung des Bundeslandes, in dem man wohnt, und die Höhe der Unterstützung ist je nach Bundesland sehr unterschiedlich.

(Quelle:http://rollingplanet.net/immer-noch-keine-wiedervereinigung-beim-blindengeld/)

All das sind Dinge über die zumindest in der Politik gesprochen wird und über die die meisten Menschen zumindest einige Informationen haben, aber wie sieht es für pflegende Angehörige aus?

„Rund 75 Prozent aller Pflegebedürftigen werden zuhause gepflegt. Bei mehr als der Hälfte davon übernehmen Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn die komplette Pflege allein. Damit sind pflegende Angehörige die tragende Pflegesäule in Deutschland. 64 Prozent aller pflegenden Angehörigen leisten eine „Rund-um-die-Uhr-Pflege“, die im Umfang oft weit über eine Vollzeitbeschäftigung hinausgeht. Obwohl sich der wirtschaftliche Wert der Familienpflege auf rund 37 Milliarden Euro pro Jahr beläuft, leben 284.000 pflegende Angehörige in Haushalten mit ALG II-Bezug. Ihre weitgehend unbezahlte Arbeit wird nicht anerkannt, obwohl sie einer der Pfeiler unseres Pflegesystems sind. Sie tragen mehr zur Entlastung des Sozialsystems bei als alle Leistungen der sozialen und privaten Pflegeversicherungen zusammen.

Doch nach wie vor werden pflegende Angehörige allein gelassen mit dem Dschungel aus Informationen und sich ständig verändernden Gesetzen. Nötige Hilfsmittel, Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten werden von den Pflege-oder Krankenkassen häufig abgelehnt oder müssen mit viel Einsatz und Zeit erkämpft werden.

Viele pflegende Angehörige können nicht mehr berufstätig sein. Sie müssen ihre Arbeit reduzieren oder aufgeben, weil sie mit ihrer Pflegeleistung und -verantwortung nicht vereinbar ist. Damit verlieren sie ihre eigene soziale Absicherung, die in minimalistischer Weise aufgefangen wird. Bedenkt man, dass die durchschnittliche Pflegedauer bei 9,3 Jahren liegt, werden die Auswirkungen bewusst.

Nötige Auszeiten sind kaum möglich und müssen erst einmal finanziert werden. Pflegende Angehörige kümmern sich oftmals sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr, teilweise auch mit mehrmals unterbrochenen Nächten – ohne Anspruch auf Urlaub oder freie Wochenenden. Selbst wenn sie krank sind, geht die Pflege trotzdem weiter.

Neben der finanziellen Verarmung sind viele Pflegende sozial verarmt. Sie kommen nur noch selten raus und vielfach reduziert sich ihr Familien-, Freundes-und Bekanntenkreis. Pflegen macht einsam.“

Susanne Hallermann, von der Initiative gegen Armut durch Pflege. (Quelle:https://www.finanzen.de/news/17944/pflegende-am-limit-pflegen-macht-arm-und-einsam)

Hierzu möchte ich noch einiges ergänzen.

Ich beschreibe im Folgenden einige Schwierigkeiten mit denen pflegende Angehörige zu tun haben.

Erst mal werden pflegende Angehörige nicht nur mit den möglichen Informationen alleine gelassen und werden oft nicht mal von den Krankenkassen über mögliche Hilfen (Entlastungsbeitrag, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Haushaltshilfe bei Erkrankung der Pflegeperson,..), von den Finanzämter über steuerliche Vorteile (Behinderten- und Pflegepauschale) und den Sozialämter über mögliche Hilfen (Eingliederungshilfe) informiert, es werden oft auch nötige Hilfen abgelehnt oder erst nach Widerspruch oder Klage bewilligt. Zeit, die pflegende Angehörige oft nicht aufbringen können oder für die Kraft fehlt, die man anderweitig innerhalb der Pflege investiert hat.

Ist man dann aber doch darüber informiert und möchte gerne Hilfen in Anspruch nehmen, etwa eine Kindsbetreuung mittels eines Pflegedienstes (als Beispiel), kann es passieren, dass dafür gar kein Personal zur Verfügung steht, denn gerade im Bereich familienentlastender Dienste für pflegende Angehörige von behinderten/kranken Kindern ist es so, dass es nur wenige Pflegedienste gibt, die das (ergänzend zu Caritas und Lebenshilfe) anbieten und dann sind die personellen Möglichkeiten eventuell schnell ausgeschöpft.

Es gibt auch immer weniger heilpädagogischen Kindertagesstätten und die integrativen Kindertagesstätten sind teils aber noch mit der Aufgabe Inklusion überfordert und können (oder teils wollen) keine schwerstbehinderten Kinder aufnehmen. Ein Problem, dass sich leider (erfahrungsgemäß) vor allem in Großstätten abzeichnet. Integrationshelfer werden auch eher selten bewilligt und dann kann es sein, dass auch da das Problem von zu wenigem Personal herrscht.

Sind die Kinder dann in dem Alter eingeschult zu werden, stehen die Eltern vor der Entscheidung, ob inklusiv auf einer Regelschule oder exklusiv auf einer Förderschule unterrichtet werden soll, sofern das noch möglich ist. Denn immer mehr Förderschulen werden wegen des Gedanken der Inklusion (Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention verlangt, dass Deutschland ein inklusives Bildungssystem gewährleistet. (Quelle:http://abilitywatch.de/2017/09/06/wahlpruefsteine/)) geschlossen.

(Siehe dazu:https://www.ecosia.org/search?p=0&q=geschlossene+f%C3%B6rderschulen).

Entscheiden sich die Eltern dann für eine inklusive Beschulung gibt es Hilfen, die für das Kind beantragt werden können, aber auch über diese wissen leider viele Eltern nicht Bescheid. Es kann etwa ein Schulbegleiter beantragt werden, wobei es (so scheint es erfahrungsgemäß) leider immer öfter zu Ablehnungen kommt oder der Austausch zwischen Eltern und Schulbegleiter von den Schulen, den Trägern und/oder den Schulbehörden nicht mehr gewünscht ist (Erfahrungswert). Dies trägt jedoch nicht zu einer guten Unterstützung und Förderung des Kindes bei.

Dann können noch Nachteilsausgleiche für das Kind beantragt werden; sie dienen dazu, Einschränkungen durch Beeinträchtigungen oder Behinderungen auszugleichen oder zu verringern. Es gibt jedoch keine einheitlichen schulrechtlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern zum Ausgleich „behinderungsbedingter“ Nachteile. (Quelle:https://www.autismus-verstehen.de/kinder_und_jugendliche/schule/nachteilsausgleich.html).

Außerdem ist es so, dass viele Nachteilsausgleiche nicht bewilligt werden.

Zu dieser Problematik ist es dann auch so, dass Inklusion oft nicht in vollem Maße umgesetzte werden kann, weil es an Personal (Sozialpädagogen) mangelt, Schulungen zur Thematik nicht angeboten und/oder genutzt werden und den Schulen oftmals die Mittel fehlen Rahmenbedingungen wie Rückzugsräume oder barrierefreie Räumlichkeiten zu schaffen (hierzu habe ich leider auch keine Quelle finden können).

Wollen Eltern ihrem behinderten Kind als Absicherung etwas vererben, damit es z.B. nicht auf staatliche Grundsicherungsleistungen angewiesen ist, ist es auch so, dass das Kind  – wenn es Hilfe zur Pflege bekommt – weiterhin den kompletten Betrag, bis auf 2.600 €, abgeben muss. (Quelle:http://www.huffingtonpost.de/raul-krauthausen/die-10-groessten-maengel-_1_b_9882252.html).

Pflegende Angehörige haben aber nicht nur mit den Kosten der Pflege, der Problematik Informationen zu erhalten (meist durch vereinzelt gutes Personal, dass Auskünfte erteilt oder durch den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen) und diversen Anträgen (Inklusion) zu kämpfen, sie haben oft auch wenig Zeit, weil viele zusätzliche Termine (bei schwerkranken Pflegebedürftigen etwa Termine bei Fachärzten) ausgemacht werden müssen, bei Autismus kommt auch noch hinzu, dass zur Weiterbewilligung der Autismustherapie jährlich nachgewiesen werden muss, dass diese Behinderung weiterhin besteht. Durch die Zeitintensität (aber auch durch andere Faktoren)  der Pflege haben pflegende Angehörige oft auch kaum Zeit soziale Kontakte zu pflegen, verarmen dadurch auch sozial – wie oft auch finanziell und erhalten dafür das Pflegegeld. Oftmals ist es zudem auch so, dass die pflegenden Angehörigen nicht nur kaum Unterstützung durch andere Angehörige erhalten, es da oft (erfahrungsgemäß) leider auch zu Kontaktabbrüchen, Vorwürfen und Nichtverstehen kommt.

Diese Leistung von pflegenden Angehörigen wird gesellschaftlich aber nicht anerkannt. Sie werden sogar oft als Sozialschmarotzer dargestellt, die nicht arbeiten wollen (Erfahrungswert) oder ihnen wird sogar zum Vorwurf gemacht sich diese Situation selbst ausgesucht zu haben (gerade bei Behinderungen, die schon pränatal erkannt werden können, wird oft darauf hingewiesen, dass eine Abtreibung möglich gewesen wäre – Erfahrungswert).

Anmerkung zur Grafik: Diese Daten beziehen sich noch auf Pflegestufen, nicht auf die aktuellen Pflegegrade

 

Warum wird das nicht auch mal politisch thematisiert und das idealerweise nicht, wenn Wahlen anstehen?

© S. Stolzenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements
Published in: on 20. September 2017 at 22:52  Schreibe einen Kommentar  

Schönheit

Es gibt eine Redensart, die lautet: „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, aber es gibt eine weitere Redensart, die besagt „Wahre Schönheit kommt von innen“.

Was stimmt nun nur eine der beiden Redensarten oder beide und wie wichtig ist Schönheit eigentlich?

Die erste Redensart, die lautet „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“ besagt ja, dass äußerliche Schönheit eines Objektes oder eines Lebewesens von jedem anders definiert, wahrgenommen wird, weil jeder Mensch ein subjektives Verständnis von Schönheit hat. So findet der eine Mensch vielleicht als Beispiel eine Person mit sehr dünner Taille, flachem Bauch, langen Beinen und dünnen Armen schöner, als eine Person, die einen leichten Bauchansatz hat oder etwas fülliger ist. In so weit ist die Redensart natürlich zutreffend.

Äußerliche Schönheit mag sicher auch manchmal vorteilhaft sein, da man mehr Aufmerksamkeit bekommen könnte und mit weniger Ablehnung zu tun hat. Körper- oder verhaltensauffällige Menschen im Gegensatz bekommen jedoch oft eher negative Aufmerksamkeit – zumindest wirkt es oft auf den ersten Blick so; dass kann aber (aus eigener Erfahrung) täuschen.

In Bezug auf eine Anstellung könnte die äußerliche Schönheit vielleicht auch weiter helfen, da beispielsweise in einer Boutique eher ein Mensch eingestellt wird, der jung, fit, schlank und (für das Verständnis des Besitzers) gut gekleidet ist, als jemand, der übergewichtig ist, sich aber dennoch körperbetont kleidet.

Aber: „Schöne“ Menschen, die ein sehr symmetrisches Gesicht haben, sehr schlank sind, fit wirken, gut gekleidet sind (Hier gehe ich von der gesellschaftlichen Norm aus), haben auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Ihnen wird oft unterstellt, dass sie „nur“ schön seien, aber nichts anderes leisten könnten, vielleicht dumm seien,… ihnen wird häufig Neid und Missgunst entgegen gebracht. Zudem ist aber äußerliche Schönheit auch vergänglich (zumindest auf Lebewesen bezogen) und deswegen sollte sie nicht als besonders erstrebenswert angesehen werden – sie bleibt nicht bestehen, zumindest nicht in dem Maße, in dem sie in der Jugend ist.

„Wahre Schönheit kommt von innen“ ist ein Redensart, die sich jedoch nicht wie die erste Redensart auf die äußerliche, subjektiv wahrgenommene Schönheit“ bezieht, sondern auf den Charakter (in diesem Blog bezogen auf die Menschen). Diese Redensart bezieht sich vielmehr auf den Charakter eines Menschen und dessen Verhalten gegenüber sich selber, aber besonders auch gegenüber anderen.

Kein Mensch wird etwa von sich behaupten, dass er es schön, wünschenswert oder erstrebenswert fände einen anderen Menschen zu bestehlen.

Was die innere Schönheit, den Charakter eines Menschen und sein Verhalten anbelangt so gibt es hier sicher ein objektiveres, gesellschaftliches Verständnis. Die meisten Menschen werden konform gehen, dass ein Mensch, der ehrlich, freundlich, hilfsbereit, höfflich, offen, tolerant und human ist einen schönen, guten, wünschenswerten Charakter besitzt. Verhaltensweisen, die als schön angesehen werden dürften sind beispielsweise das Engagement gegen Ausgrenzung, Rassismus, Intoleranz, Gewalt, aber auch sich selbst treu zu bleiben und sich nicht von anderen Maschen beeinflussen oder manipulieren zu lassen, zu hinterfragen und skeptisch zu sein.

Diese Schönheit, wenn man sich nicht von anderen verändern lässt, sich treu bleibt und sich immer wieder vor Augen führt warum es so wichtig ist, kann jedoch – im Gegensatz zur äußerlichen Schönheit – bestehen bleiben.

Die innere Schönheit bringt aber im Gegensatz zur äußeren Schönheit keine Vorteile, macht aber vielleicht glücklich.

Was also nutzt es äußerlich schön zu sein, wenn keine innere Schönheit vorhanden ist?

© S. Stolzenberg

Published in: on 24. August 2017 at 20:52  Schreibe einen Kommentar  

Mal wieder Urlaub :-)

Nachdem wir letztes Jahr nicht in Urlaub fahren konnten, wurde es mal wieder Zeit für uns, besonders, weil wir dieses Jahr einige harte Zeiten durchgemacht haben, worauf ich hier aber nicht weiter eingehen möchte, da es auch die Privatsphäre anderer verletzten würde…

Am 29.08. war es dann endlich soweit und wir konnten in den Uralub nach Bredene starten, fuhren aber etwas später los, da wir erst gegen 15 Uhr die Schlüssel bekommen konnten. Nachdem wir dann die Taschen in die Wohnung geladen hatten, wollten wir essen gehen, hatten vorab auch schon mal im Internet geschaut wo man gut essen gehen könnte und das Lokal, das wir uns ausgeguckt hatten sollte ein sehr gutes sein – es existiert nur leider bereits seit einem Jahr nicht mehr, wie wir erfuhren. Wir gerieten dann auch noch in einen starken Regenschauer und wurden sehr nass. Ein „schöner“ Start in den Urlaub, besonders da das Essen in dem Hotel, in dem wir dann waren auch nicht besonders lecker war 😦 . Unser Junior war dadurch dann natürlich etwas unruhige und wieder in der Wohnung dann auch kurzzeitig mal etwas lauter, was uns dann eine Beschwerde der Nachbarin unter uns einbrachte, die aber scheinbar bemerkte, dass wir Urlauber sind, die sie nicht verstanden, da sie auf flämisch mit uns sprach…

An unserem zweiten Urlaubstag konnten wir dann durch etwas besseres Wetter auch endlich an den Strand und unser Wirbelwind wollte direkt mit den Füßen ins Wasser, lief immer wieder auf die Wellen zu und dann davor weg :-D.

 

Am Abend sind wir dann nach De Haan gefahren, wo wir ein bißchen Zeit an der (in Bredene nicht vorhandenen) Promenade und am Strand verbrachten und im Tiffanys sehr lecker gegessen haben :-).

Am folgenden Tag sind wir dann nach Blankenberge gefahren, um uns da ein bißchen die Fußgängerzone und das Serpentarium anzusehen, dass zwar klein ist, aber dennoch sehr schön und die Fußgängerzone lohnt sich eh immer wieder :-). Natürlich waren wir dann aber auch wieder am und im Wasser.

Wir konnten dabei auch einigen Möwen sehr nah kommen, die wenig scheu waren und hatten ein sehr schönen Tag. Am Abend wurden wir dann noch (nach dem ersten selbst gekochten Essen) mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt:

An Tag vier wollten wir dann mal etwas geschichtlich relavantes erkunden und fuhren nach Oostende, um uns da das Fort Napoleon anzusehen, in dem eine Bilderausstellung zu sehen war.

 

Wir haben dann auch schon ein bißchen den Bereich des Yachthafens erkundet:

Da es aber schön war warm war (ich hab mir da einen ordentlichen Sonnenbrand geholt), haben wir uns dann erst mal in der Wohnung umgezogen und ein wenig ausgeruht, bevor es wieder nach Oostende gin, wo wir dann den japanischen Garten besichtigt haben, auf der Promenade unterwegs waren, wieder sehr lecker gegessen haben (an diesem Tag… dazu aber später mehr) und wieder am und im Wasser waren, wobei unser Junior diesmal nicht mit den Wellen „fangen spielen“ wollte, sondern immer wieder über die kleinen Wellen gesprungen ist und damit sein „Schlümpfeeis, dass es zum Nachtisch gegeben hatte, verdauen konnte :-D. Außerdem haben wir eine riesengroße Feuerqualle gesehen…

 

Leider war das aber auch der einzige sehr sonnige Tag, den am folgenden Tag hat es fast nur geregnet :-(. Wir haben den Tag deswegen überwiegend in der Wohnung verbracht, sind aber auch in Regensachen an den Strand und mit den Füßen in das (an diesem Tag sehr kalte) Wasser gegangen. Spannend war für Junior heute dem Training der LIfe guards zusehen zu können.

Unser vorletzer Tag war vor allem eins: Sehr windig, so dass wir erst mal im Ort unterwegs waren:

Auf dem letzten Bild kann man gut erkennen wir windig es war…

Abend sind wir dann nochmal nach Oostenden gefahren, wo wir den Bereich vom Yachthafen zur Promenade erkundet haben und dann eigentich auch nochmal lecker essen gehen wollten. Wir waren im selben Lokal wie beim ersten mal in Oostende aber diesmal war das essen gar nicht gut – die Steaks haben wir sogar zurück gehen lassen und die Pizza für unseren Sonnenschein, die nicht scharf sein sollte, war scharf, so dass er in der Wohnung nochmal ein Brot aß… :-(. Aber immerhin konnten wir nochmal ein paar tolle Eindrücke erfahren, Möwen ganz nah kommen und ein paar tolle Bilder machen:

Da es in Bredene, wo wir und noch ein wenig Strandsand mitgenommen hatten, leider keine Spielhallen gibt, in denen auch Kinder spielen sürfen, wollten wir unserem Wirbelwind dann eine Freude machen und sind deswegen mit ihm nach Koksijde gefahren, da wir wussten, dass es diese Spielhallen dort gibt (immerhin waren wir vor zwei Jahren da im Urlaub), aber die eine existiert nicht mehr und die andere hatte zu 😦 Außerdem war uner Schatz völlig damit überfordert, dass wir dahin gefahren sind, obwohl wir ihm gesagt, dass wir an diesem Tag nach Hause fahren würden (obwohl wir ihn darauf vorbereitet hatten) und so haben wir da nur ein paar MUscheln gesammelt und uns dann auf den Weg nach Hause gemacht. Leider kamen wir dann noch in einen Stau und haben uns ein bißchen verfahren, wodurch wir fast vier Stunden unterwegs waren und dementsprechend geschafft am Abend zu Hause ankamen.

Jetzt heißt es dann erst mal wieder im „Alltag“ ankommen, wobei in den weiteren Ferienwochen noch viele tolle Ausflüge geplant sind :-).

 

 

Published in: on 6. August 2017 at 01:19  Schreibe einen Kommentar  

Der Täter im Fokus, das Opfer wird vergessen

Im Rahmen einer Diskussion, die ich heute auf Facebook verfolgt habe, auf die ich hier aber gar nicht weiter eingehen möchte, weil es nicht lohnt, ist auch eine Äußerung gefallen, die leider zutreffend ist und mich dennoch wütend gemacht hat. Diese konkrete Aussage besagte, dass Sexualdelikte durch Fremdtäter generell immer zu einer starken Verunsicherung von Frauen aus dem jeweiligen Ort führen würde – ganz im Gegensatz zu Sexualdelikten, die durch Täter begangen werden, die aus dem direkten Umfeld des Opfers kommen.

Anmerkung: Es ging um einen konkreten Fall, in der die Polizei Frauen gewarnt hatte abends nicht mehr das Haus zu verlassen, sich in Gruppen aufzuhalten, weil der vermeintliche Täter, der auch gefasst wurde, vier Frauen vergewaltigt hatte. Wie der aktuelle Stand der Ermittlungen ist, ist mir nicht bekannt, spielt für den Inhalt dieses Blogbeitrages aber auch keine entscheidende Rolle.

Dieser Satz, dass ein Sexualdelikt mit einem Fremdtäter zu einer stärkeren Verunsicherung führt, da er meist stärker in den Medien präsent ist, stimmt zwar leider, machte mich aber dennoch wütend und war Grund genug für mich diesen Blogbeitrag zu schreiben. Warum? Das erläutere ich im Folgenden.

Missbrauch durch einen bekannten Täter:

Ein Missbrauchsfall ist immer schlimm, aber bei den meisten Delikten handelt es sich nicht um Fremdtäter, sondern um bekannte Täter – meist sogar Verwandte des Opfers, wodurch sich die Opfer noch schwerer tun den Missbrauch zur Anzeige zu bringen. Hier spielen neben dem Schamgefühl und der Angst oft auch ein Gefühl mitschuldig zu sein oder ein falsches Verständnis von Verantwortung mit rein, da die Opfer oft denken andere Verwandte schützen zu müssen – sie nicht belasten zu wollen und deswegen wird geschwiegen. Es ist also schwer genug sich zur Anzeige durchzuringen, aber dann muss das Opfer immer und wieder über den Missbrauch sprechen – im der Vernehmung, im Gerichtsprozeß. Dennoch wird es auch durch die Medien verschwiegen, selbst, wenn mal ein solcher Missbrauchsfall bekannt wird – nur die wenigsten werden medial erwähnt und dann selten ähnlich stark wie ein Fall durch einen Fremdtäter. All das wird bei der Aussage über Missbrauchsfälle durch Fremdtäter völlig außer Acht gelassen.

Gäbe es ähnlich intensive Berichte über diese Missbrauchsfälle würden diese anderen Frauen aus dem direkten Umfeld des Täters sicher ebenso verunsichern, wie es bei Fremdtätern der Fall ist.

Missbrauch durch einen Fremdtäter:

Der Missbrauch durch einen Fremdtäter löst in vielen Opfern neben Schamgefühlen und Angst auch das Gefühl aus vielleicht zu wenig Gegenwehr gezeigt zu haben, andere Opfer sehen sich Vorurteilen der schwachen Frau ausgesetzt oder sogar Äußerungen, dass sie eine Mitschuld tragen würden, weil sie aufreizend angezogen waren. Die wenigsten von ihnen haben den Mut und die Kraft den Täter anzuzeigen und sich immer wieder mit dem erlebten Missbrauch auseinander zu setzten. Das zusammen mit dem erlebten Missbrauch wäre schon schlimm genug für die Opfer, aber damit nicht genug.

Sie werden nicht mehr als Individuen wahr genommen, auf das Opfersein reduziert und dennoch mit der Zeit vergessen.

Warum das?

Es ist ganz einfach: In den Medien wird kaum über die Opfer berichtet, jedoch sehr viel über den Täter – seine Herkunft, seine Lebenssituation, seine Beweggründe, sofern diese in den Ermittlungen ersichtlich werden, das Strafmaß, das verhängt wird – über die Opfer jedoch schreibt dann kaum noch einer – es sei denn in Fällen wie dem von Natascha Kampusch.  Auch in privaten Gesprächen jedoch geht es kaum jemanden darum wie es dem Opfer geht, welche Hilfen es benötigen könnte, was präventiv getan werden könnte oder in welcher Lebenssituation das Opfer war, als es den Missbrauch durchleben musste. Auch diese Dinge wären wichtig zu untersuchen denn dadurch könnte geschaut werden was getan werden könnte, um Opfer besser zu schützen – ein Mensch, der wenig Selbstbewusstsein hat etwa wird schneller zum Opfer, als ein selbstbewusster. Dazu kommt, dass man den Opfern eigentlich nur dann Gehör schenkt, wenn sie über das durchlebte berichten, es staut sich eine Wut und eine Ohnmacht auf und damit wird der Fokus auf den Täter, den Missbrauch und das Opfersein gelegt, nicht darauf den Menschen im Opfer zu sehen. Jede Frau, die Opfer wurde, ist nicht nur Opfer, sondern eine Individuelle Persönlichkeit, die vielleicht keine Gesprächstherapie benötigt, aber sich dennoch gerne austauschen möchte, eine Frau, die dazu aber gar nicht mit anderen ins Gespräch kommen dürfte, es sei denn der Gesprächspartner war selbst einmal Opfer eines Missbrauchsfalls.

Warum passiert das?

Natürlich ist die Wut und die Ohnmacht verständlich, wenn über einen Missbrauchsfall berichtet wird – es wäre auch schlimm, wenn uns das nicht berühren würde, es ist auch gut, dass meist wenige persönliche Informationen über das Opfer bekannt werden, da sich Angehörige sonst vielleicht mit Vorwürfen konfrontiert sähen, dass sie nicht da waren um zu beschützen und hätten damit keines Zeit mehr für das Opfer da zu sein. Genauso wichtig ist es auch, dass der Täter nicht namentlich genannt wird, damit seine Familie geschützt ist. Aber dennoch sollte der Fokus nicht auf den Tätern liegen.

Welche Alternativen gäbe es?

Man könnte statt den Fokus auf die Tat an sich zu legen einen kurzen objektiven Bericht schreiben ohne auf all die Dinge, die den Täter ausmachen einzugehen. Diesen kurzen Bericht könnte die Presse dann zum Anlass nehmen mal mit ehemaligen Opfern Interviews zu führen welche Hilfen sie sich gewünscht hätte – in finanzieller Hinsicht, aber auch was Therapien betrifft oder den Umgang der Gesellschaft mit ihnen. Es könnten Interviews mit Beratungsstellen wie Tauwetter, Wildwaser, Zartbitter und weiteren geführt werden oder auch mit Mitarbeitern des Projektes „kein Täter werden“. Warum wird nicht mal ein Bericht über das Theaterstück „mein Körper gehört mir“ geschrieben oder ein örtlicher Verein vorgestellt. Nein damit werden die Opfer alleine gelassen. Sie müssen sich alleine auf die Suche nach einem guten Anwalt machen, sich über den Ablauf eines Prozesses informieren, sich eine Beratungsstelle suchen, sich wegen einer Entschädigung informieren, einen Therapieplatz suchen und vieles mehr, während über den Täter und den Prozess ausführlich berichtet wird. Und wäre das all das nicht schlimm genug werden sie dann auch noch auf das Opfersein reduziert und damit wird dann rechtfertigt, dass viele Frauen im betroffenen Ort Angst haben. Diese Ängste sind schlimm und nachvollziehbar, aber warum wird dann nicht darüber berichtet wie man präventiv handeln könnte – etwa durch einen Selbstverteidigungskurs. Man könnte darüber schreiben, dass potenzielle Opfer in einer Gefahrensituation laut werden sollten, sich Gehör verschaffen sollen, das sie nicht nur schreien, sondern auch treten, kratzen, beißen dürfen und müssen, dass öffentliche Orte aufgesucht werden sollte, die hell sind und an dem sich viele Menschen aufhalten, dass man Kindern nicht beibringe sollte sich nur an ein Geschäft zu wenden, da auch da potenzielle Täter sein könnten, sondern besser an die örtliche Feuerwehrleitzentrale oder die Polizeistation.

Warum all das nicht geschieht kann ich nur mutmaßen, dass es vielleicht aus der Wut der Journalisten über die Missbrauchsfälle begründet ist…

All diese Empfindungen und unzureichenden Hilfen sind aber für Opfer schon schwer genug auszuhalten, wird dann aber noch die pauschale Angst der Frauen im Ort mit der eigenen erlebten Missbrauchserfahrung begründet ohne jegliche weitere Gedankengänge zu der Thematik Missbrauch zu äußern (etwa welche Hilfen geschaffen werden könnten) ist das ein Missbrauch mit dem Missbrauch, da die Opfer in Vergessenheit geraten oder im besten Fall „nur“ auf ihr Opfersein reduziert werden, sie aber dennoch kaum Gehör bekommen.

Das sind dann Äußerungen, die mich durchaus wütend stimmen!

© S. Stolzenberg

Offener Brief an Herrn Hüppe CDU/CSU

Ein ausführlicher Brief zur Theamtik ABA und zum aktuellen Stand der Dinge diesbezüglich in Deutschland.

innerwelt

Sehr geehrter Herr Hüppe,

auf Facebook hatte ich die Diskussion über das „Fachgespräch der AG Gesundheit der CDU/CSU Bundestagsfraktion zum Thema *Autismusversorgung stärken*“ mitbekommen.
Dort hatten sie dazu aufgerufen, Ihnen Alternativen zur ABA/AVT Therapie zuzusenden.

Zunächst begrüße ich die Möglichkeit, diesbezüglich schriftlich mit Ihnen in Kontakt treten zu können, da mir als Autistin direkte Kommunikation schwer fällt. Die schriftliche Kommunikation wird daher von vielen AutistInnen bevorzugt und da liegt nachweislich eine unsere Stärken. Nur wenige können, mit gewissen Einschränkungen, mehr leisten. Soweit ich weiß, hatte ein Mitstreiter von mir auch seine Gesprächsbereitschaft signalisiert, wurde aber wieder ausgeladen. Schade, denn er hätte sehr viel zu diesem Thema aussagen können.

Bevor ich jedoch Ihrer Bitte nachkomme, möchte ich Ihnen kurz erklären, warum die Gemüter mancher AutistInnen speziell zu diesem Thema so hochkochen.
Das ist notwendig, damit Sie auch alles weitere verstehen können.

Auch ich kenne das Programm das speziell Autismus…

Ursprünglichen Post anzeigen 3.112 weitere Wörter

Published in: on 22. Mai 2017 at 12:35  Schreibe einen Kommentar  

Unsere Defizite sind unsere Fähigkeiten

früher war ich falsch...

Anlässlich des Welt-Autismus-Tags 2017 finden wieder viele Veranstaltungen statt.

Wenn das auch ein Tag ist, der bei einigen Autisten verständlicherweise mit Vorbehalt gesehen wird, da er auf „Autism Speaks“ zurückzuführen ist, gibt er dennoch wenigsten einmal im Jahr uns eine größere öffentliche Aufmerksamkeit, die ich gestern nutzen durfte.

Danke an die Veranstalter und Verantwortlichen von “ Leben mit Autismus e.V. Bonn/ Rhein Sieg „

So fand gestern, am 1. April 2017 die 9. Veranstaltung in Bonn statt und ich möchte hier meinen Vortrag nochmal allen als PDF zur Verfügung stellen.

Im Anschluss des Vortrags präsentierte ich das Video “ Gedanken in Bildern“

Ursprünglichen Post anzeigen

Published in: on 2. April 2017 at 14:08  Schreibe einen Kommentar  

Heute schweigen wir!

innerwelt

An allen anderen Tagen sind wir laut, doch am heutigen Weltautismustag schweigen wir Autist*innen und Eltern autistischer Kinder, denn gerade am heutigen Tag wird uns wiedermal die Stimme genommen.

Organisationen wie Autism Speaksund nichtbehinderte Menschen, die für uns sprechen, sind am Weltautismustag besonders laut.

Oft vermitteln diese zudem ein Bild von Autismus, das weit entfernt von jenem ist, das Autist*innen von ihrem Autismus haben. Autismus wird als schweres Schicksal für die Familien dargestellt und eine möglichst vollständige „Heilung“ als das Ziel angesehen.

Fragt man Autist*innen, haben diese hingegen oft eine ganz andere Sichtweise. Sie wünschen sich zuallererst einmal Akzeptanz; und als Förderung dann Hilfen, um in der nicht-autistischen Welt zurechtzukommen.

Die für das Verständnis existentiell wichtige Innensicht können nur Autist*innen selbst vermitteln. Nonverbale Autist*innen und auch Kinder können oft nicht für sich selbst sprechen. Umso wichtiger ist es, dass andere Autist*innen, die dazu in der Lage sind, gehört werden.

Ursprünglichen Post anzeigen 111 weitere Wörter

Published in: on 2. April 2017 at 13:19  Schreibe einen Kommentar  

#Mein Tag ohne mich

Ein interessanter Gedanke, aber irgendwie kann und mag ich mir das gar nicht vorstellen….

sophiesanderswelt

Ich beteilige mich spontan  an dem feministischen Aufruf zum Weltfrauentag heute am 08.März 2017 mit meinem Beitrag zur Blogparade #Meintagohnemich.

<<>>

Sie ist weg. Für fünf Wochen. Jetzt ist er ganz der Herr im Haus.

Morgens zwischen sechs und sieben. Endlich schläft der kleine Räuber seelenruhig, nach dem er wegen der Spastiken mehrmals nachts aufgeheult und Papa wach gehalten hat. Der springt jetzt aus dem Bett. Kocht den Tee, richtet die Medikamente, wie jeden Tag. Aber zur Zeit kann er nicht zur Arbeit düsen, sondern muss auch Frühstück richten für den kleinen Siebenschläfer. Er trinkt nicht in Ruhe, sondern in Eile den Kaffee. Spätestens 7.30Uhr sollte er Sohnemann aus den Federn geworfen werden. Waschen, wiegen, eincremen, wicklen, anziehen.

Und das mit einem müden hypotonen bis hypertonen zweieinhalb jährigen Morgenmuffel, der sich zusammen rollt und die Arme angewinkelt steif macht wie ein Eichhörnchen. Da dauert das Abtrocknen, Windel anlegen und Pulli anziehen gleich doppelt so lange…

Ursprünglichen Post anzeigen 625 weitere Wörter

Published in: on 8. März 2017 at 23:45  Schreibe einen Kommentar  

Hilfsmittel im Alltag

insideaut

Es hat lange gedauert, bis ich herausfand, welche Situationen mich wie beeinflussen, wie sie auf mein Stresslevel wirken und wann es Zeit wird, mich zurückzuziehen. Viel Stress lässt sich dadurch vermeiden, dass ich mich gewissen Situationen einfach nicht mehr aussetze. So zwinge ich mich zum Beispiel nicht mehr unnötig in reizintensive Situationen und achte mehr darauf, mich nicht zu übernehmen. Erst seit mir bewusst ist, was diesen Stress auslöst, kann ich aktiv eingreifen. Es gibt aber auch Momente, da kann ich nicht einfach gehen oder ganz wegbleiben. Zum Beispiel in der Uni, oder wenn ich in der Bahn unterwegs bin. Es gibt Situationen, da ist eine Flucht unmöglich und der Overload quasi vorprogrammiert. Jedoch kann ich solchen Overloads oft mit gewissen Hilfsmitteln entgegenwirken. Es sind meist Kleinigkeiten, die mir den Alltag erleichtern und mein Stresslevel senken können. Ich möchte ein paar dieser Hilfsmittel hier beschreiben und vielleicht dienen sie dem…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.168 weitere Wörter

Published in: on 8. März 2017 at 08:44  Schreibe einen Kommentar  

„Groß werden ist manchmal doof“

Unser kleiner Wirbelwind hat im Laufe seines bisherigen Lebens schon so einiges gelernt. Neben den für viele selbstverständlichen Dingen wie laufen und reden (die übrigens bei weitem nicht so selbstverständlich sind, wie es die meisten annehmen) auch schon erste kleine Aufgaben zu übernehmen – etwa den Tisch mit einzudecken oder auch sein Zimmer aufzuräumen. Aber er hat zu Hause, bei der Verwandtschaft, in Kindergarten und in der Schule auch schon erste soziale Regeln gelernt, etwa, dass man nicht alles abgenommen bekommt, nur, weil man immer wieder nach Hilfe fragt, wenn die Bezugspersonen aber wissen, dass man es alleine kann, nicht immer laut zu sein, sondern sich mal leise zu unterhalten oder auch, dass man zu anderen nett sein sollte, also nicht hauen, beißen, treten,… darf, weil das weh tut. Bereits bekannte Regeln kann er auch gut umsetzten, fordert das auch von anderen ein (sitzen bleiben beim Essen zum Beispiel) und ärgert sich auch, wenn sich jemand nicht daran hält. Er ist auch sehr höflich und fragt nach dem Essen beispielsweise auch erst, ob er aufstehen darf, bevor er das tut.

Es gibt dann aber auch immer wieder neue kleine Aufgaben, die er übernehmen soll (aktuell zu Hause das selbstständige einschenken des Getränkes, bei dem es noch Diskussionen gibt, weil er sich da unsicher ist), aber auch immer mal wieder neue Situationen und dazu neue soziale Regeln zu lernen. Einen solchen Fall hatten wir gestern.

Unser Wirbelwind möchte aktuell immer und überall Erster sein und kann noch nicht verstehen warum das manchmal nicht so ist. Am Ende eines Unterrichtstages bekommen die Kinder in der Schule für ( auch überwiegend) gutes Verhalten (einhalten der Regeln, übernehmen der zugeteilten Aufgaben ohne große Diskussionen,..) Smileys. Unser Schatz sollte nun der letzte sein, der seine Smileys bekommen würde und hat sich massiv darüber geärgert, wusste scheinbar nicht wohin mit seiner Wut und hat daraufhin einen Jungen H., der mit ihm im Bus befördert wird, als „Dummkopf“ bezeichnet, was natürlich nicht in Ordnung ist. Als er dann zu Hause war (und der Busbegleiter mir das schon mitgeteilt hatte), begrüßte er mich mit den Worten „Mama ich war böse“ und berichtete mir was er getan hatte. Ich lobte ihn dafür, dass er mir das erzählt hatte, weil das nicht selbstverständlich ist, dass man seinen Fehler eingesteht (wobei er das aktuell in der Autismustherapie lernt), erklärte ihm aber auch, dass es gemein ist, wenn man andere Kinder beschimpft, weil man sich über etwas geärgert hat (auch dann nicht, wenn das Kind der Grund dafür ist). Er sagte, dass er das verstünde und es ihm leid täte, er sich aber so sehr ärgern würde, weil er nicht Erster war und ich erklärte ihm, dass es für jedes Kind wichtig ist mal als erster an der Reihe zu sein, weil das ein besonderes Gefühl ist und die anderen Kinder traurig würden, wenn sie nie erster sein könnten, weil er es immer sei. Ich erklärte weiter, dass er als eines der großen Kinder (Bei ihm sind erste und zweite Klasse zusammen in einer Klasse, da er auf eine Förderschule geht) doch auch das Einhalten der Regeln fördern solle und dazu auch gehöre, dass jedes Kind dieselben Rechte hat, also jeder auch mal Erster sein dürfe. Er erklärte mir, dass er das verstünde, ihn das trotzdem traurig und ärgerlich machen würde, er es aber versuchen würde und zusammen überlegten wir wie er besser mit seinem Ärger umgehen könnte und fanden heraus, dass es ihm hilft, wenn er seinen Igelball, den er eh immer zur Schule mitnimmt (weil er ihm ein Gefühl von Sicherheit gibt) drückt. Er bedankte sich für meine Hilfe, sagte dass er meine Erklärung verstanden hätte und fasste zusammen „groß werden ist manchmal doof“.

Ja mein Schatz das ist es, aber Du machst das schon ganz toll 😉 .

© S. Stolzenberg

Published in: on 7. März 2017 at 23:06  Schreibe einen Kommentar  
Sascha Stracks

Fotograf & Bildbearbeiter

sophiesanderswelt

Mutter sein und Frau bleiben mit behindertem Kind

jutimablog

Das Leben eines Kindes der 80er. Meine Gedanken, meine Lieblingsmusik, meine Fotos und anderes. Willkommen :)

Herzensangelegenheit.

Eine Mutter liebt am stärksten ihr schwächstes Kind (schwedisches Sprichwort)

Diaphanoskopie

Ich bin umgezogen

Kind und Studium

Zwischen alltäglichem Wahnsinn und Freuden

erzaehlmirnix

[hier bitte kreative Beschreibung einfügen]

wheelymum

Eltern mit Behinderung und chronischer Krankheit meets Familienleben

maria ante portas

Inklusionsblog

kiki blacks blog

Mein Leben, mein Chaos, meine Familie und ich

Leben mit Autismus & einem halben Herzen

Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet. (Oscar Wilde)

Hochsensibel und Multipassioniert

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann rufe nicht die Menschen zusammen, um Holz zu sammeln, Aufgaben zu verteilen und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer. Antoine de Saint-Exupéry

Autland Nürnberg

von und für Autisten

Andersfamilie

Huch, ich dachte immer DIE wären anders

dasfotobus

gedankenparkplatz || Mensch mit Meer

Blogger ASpekte

Menschen im Autismus-Spektrum haben sich zusammengeschlossen, um aus ihrer Sicht die Welt zu beschreiben. Alle Bloginhalte von "Blogger ASpekte" sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne schriftliche Genehmigung der jeweiligen Autoren nicht kopiert und veröffentlicht werden.

meerigelstern

mit Schneeflocken fliegen - die Welt anders erleben, autistische Lebensformen berichten aus der Chaoswelt und von Gemeinsamlebenstipps

laviolaine.com

Foto-Reportagen und Portraits

Anders als die anderen - Lohengrins Blog

Verdacht auf Autistische Spektrumsstörung

Papa b(l)oggt

Das etwas andere Papablog

Gedankencocktails

Eine Autistin zwischen den Welten

melli´s kleines nähkästchen

wilkommen in meiner Sicht der Dinge

autzeit

Irgendwo im Universum bin ich falsch abgebogen.

Charly's Welt

oder wie ich sie sehe ...

butterblumenland

Familienleben mit Autismus

NaLos_MehrBlick

Inklusion | Vielfalt | Menschen

Quergedachtes | Ein Blog über Autismus

Autismus aus Sicht eines Autisten

RBW-Blog

Regenbogenwald - Hilfe zur Selbsthilfe e.V.

Ein Blog von Vielen

ein Ziel - viele Kämpfe_r_innen

Gedankenkarrussel

Ein Blog über mein Leben mit Asperger und Dauermüdigkeit

Erdlingskunde

Das seltsame Verhalten neurotypischer Menschen, versuchsweise beschrieben von einem Neurotypischen.

DenkenderTraum

Autismus, Aspie, Ich

innerwelt

Ich bin Asperger Autistin und hier sollen meine Gedanken Platz finden.

altonabloggt

Themen rund um und aus Altona und Hamburg

früher war ich falsch...

...heute bin ich anders...